- 34,1 Millionen Tonnen Rohstahl 2025 — Rückgang von 9 Prozent
- 6 Milliarden Euro Förderung für drei Wasserstoff-Projekte bewilligt
- Wasserstoff-Hochlauf verzögert sich gegenüber Erwartungen
Stahlindustrie: 34,1 Mio. Tonnen Produktion verzögert Wandel
Hintergrund der Stahl-Transformation
Die deutsche Stahlindustrie steht unter enormem Druck: Die Rohstahlproduktion sank 2025 auf 34,1 Millionen Tonnen und damit um 9 Prozent unter das Vorjahresniveau. Gleichzeitig investieren Unternehmen Milliarden in die Umstellung auf wasserstoffbasierte Direktreduktion, um bis 2045 klimaneutral zu werden. Der Übergang ist jedoch technisch anspruchsvoll und teuer.
- 34,1 Millionen Tonnen — Deutsche Rohstahlproduktion 2025, ein Rückgang von 9 Prozent gegenüber 2024
- 6 Milliarden Euro — Gesamtfördervolumen für die drei großen Wasserstoff-Transformationsprojekte in der Stahlindustrie
- 1,03 Millionen Beschäftigte — Arbeitsplätze in der deutschen Stahlindustrie im weiteren Sinn (Juni 2025)
- 6,5 Milliarden Euro — Zuschuss zu Übertragungsnetzkosten 2026 zur Senkung der Strompreise
- 2028-2031 — Geplante Zeiträume für Wasserstoff-Kernnetzanschlüsse der großen Stahlstandorte
Im Detail
Der Hochlauf des Wasserstoffmarktes steht aktuell vor großen Herausforderungen und verzögert sich gegenüber bisherigen Erwartungen.
— Bundesregierung BT-Drs. 21/6228
Die deutsche Stahlindustrie durchläuft eine Strukturkrise. Die Rohstahlproduktion sank 2025 auf 34,1 Millionen Tonnen — ein Rückgang von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor (BT-Drs. 21/6228).
Gleichzeitig investiert der Bund Milliarden in die klimaneutrale Transformation der Branche. Drei große Wasserstoff-Projekte erhalten zusammen rund 6 Milliarden Euro Förderung: Die Salzgitter AG bekommt 1,32 Milliarden Euro für ihr SALCOS-Projekt. Thyssenkrupp Steel erhält 2 Milliarden Euro für tkH2Steel. Die Stahl-Holding-Saar bekommt 2,6 Milliarden Euro für Power4Steel.
Was gilt aktuell?
Deutsche Stahlhersteller produzieren heute noch überwiegend mit Kohle im Hochofenverfahren. Diese konventionelle Methode verursacht hohe CO₂-Emissionen. Bis 2045 soll sie durch wasserstoffbasierte Direktreduktion ersetzt werden. Der Übergang erfordert den Aufbau völlig neuer Anlagen und eine zuverlässige Wasserstoffversorgung.
Die Branche steht vor mehreren Herausforderungen gleichzeitig: hohe Energiekosten, importierte Billigware vor allem aus China und unsichere Investitionsbedingungen. Rund 1,03 Millionen Menschen arbeiten in der deutschen Stahlindustrie — deren Arbeitsplätze hängen vom Erfolg der Transformation ab.
Wasserstoff-Hochlauf verzögert sich
Die Bundesregierung räumt ein, der Wasserstoff-Hochlauf „stehe vor großen Herausforderungen und verzögere sich gegenüber bisherigen Erwartungen“. Die Erzeugungskosten für erneuerbaren Wasserstoff sind nicht wie erhofft gesunken. Sie liegen „teils deutlich über den Zahlungsbereitschaften vieler potentieller Anwendungssektoren“.
Die drei großen Stahlstandorte werden zwischen 2028 und 2031 ans geplante Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen: Thyssenkrupp in Duisburg Anfang 2028. Salzgitter Anfang 2030. Saar-Stahl Anfang 2031. Die industrielle Nachfrage nach Wasserstoff soll den Hochlauf trotz Verzögerungen vorantreiben.
Strompreis-Entlastungen kommen
Die Bundesregierung hat bereits Maßnahmen zur Entlastung der energieintensiven Stahlindustrie beschlossen. 6,5 Milliarden Euro fließen 2026 als Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten, wodurch die Netzentgelte um mehr als die Hälfte sinken. Zusätzlich wird die Stromsteuerentlastung für Unternehmen des Produzierenden Gewerbes um 20 Euro pro Megawattstunde verstetigt.
Für 2026 bis 2028 führt die Bundesregierung zudem den Industriestrompreis ein. Die entsprechende Förderrichtlinie ist am 6. Mai 2026 in Kraft getreten. Konkrete Entlastungswirkungen lassen sich nicht pauschal quantifizieren, da sie von unternehmensindividuellen Parametern abhängen.
Zur EU-Politik teilt die Bundesregierung mit, das fehlende „Made in Europe“-Bekenntnis der EU-Kommission zu kritisieren. Der geplante Industrial Accelerator Act (IAA) sieht keine ausreichende Bevorzugung europäischen Stahls bei der öffentlichen Beschaffung vor. Dies führt bei Betrieben und Gewerkschaften zu „massivem Unverständnis“.
Beim Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) setzt sich Deutschland für Verbesserungen ein. Das System muss Umgehungsmöglichkeiten schließen. Eine dauerhafte Exportlösung für betroffene Sektoren soll etabliert werden. Die Wirksamkeit des seit Januar 2026 geltenden CBAM kann noch nicht abschließend bewertet werden.
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Betroffen sind rund 1,03 Millionen Beschäftigte der Stahlindustrie, deren Arbeitsplätze von der erfolgreichen Transformation abhängen. Auch Verbraucher spüren die Auswirkungen durch veränderte Stahlpreise.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen detailliert, verweist aber bei unternehmenskonkreten Details zu Transformationsprojekten auf Geschäftsgeheimnisse.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 29.05.2026)
- Direktreduktion
- Verfahren zur Stahlherstellung mit Wasserstoff statt Kohle, wodurch CO₂-Emissionen drastisch reduziert werden.
- CBAM
- Carbon Border Adjustment Mechanism — EU-Grenzausgleichsmechanismus zum Schutz vor Importen mit höheren CO₂-Emissionen.
- ETS
- EU-Emissionshandelssystem, das Unternehmen für CO₂-Ausstoß bezahlen lässt und Investitionen in saubere Technologien anreizt.
Warum sinkt die deutsche Stahlproduktion?
Historisch schwache Nachfrage, Importdruck, hohe Energiekosten und der schleppende Wasserstoff-Hochlauf setzen die Branche unter Druck.
Welche Unternehmen bekommen Wasserstoff-Förderung?
Salzgitter (1,3 Mrd. Euro), Thyssenkrupp (2 Mrd. Euro) und Stahl-Holding-Saar (2,6 Mrd. Euro) erhalten Bundesmittel für ihre Transformationsprojekte.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6228 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































