- Dienstleistungskosten in der Landwirtschaft stiegen um 48 Prozent seit 2006
- Zahl zugelassener Pflanzenschutzmittel stieg von 665 auf 1.130
- Bundesregierung verweist bei den meisten Fragen auf externe Datenbanken
Hintergrund
Der Geschäftsklima-Index der Landwirtschaftlichen Rentenbank sank laut Agrarbarometer Sommer 2026 auf -2,9 Punkte — der niedrigste Stand seit Juni 2016. Nach Angaben der Fragesteller nennen 66 Prozent der unzufriedenen Landwirte hohe Betriebsmittel- und Energiepreise als Hauptgrund, 39 Prozent klagen über zu niedrige Verkaufspreise für pflanzliche Erzeugnisse. Die AfD-Fraktion hat mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/8505 eine systematische Bestandsaufnahme der Kostenentwicklung über 20 Jahre angefordert. Die Antwort datiert vom 26. Oktober 2026 und trägt die Drucksachennummer 21/8787.
- 48 Prozent — Kostensteigerung für Dienstleistungen in der pflanzlichen Erzeugung von 2006 bis 2026 (KTBL-Daten).
- 665 → 1.130 — Zugelassene Pflanzenschutzmittel von 2005 bis 2025; im gleichen Zeitraum endete die Zulassung von 1.268 Mitteln.
- 47,04 Cent/Liter — Energiesteuersatz auf Diesel, unverändert seit 2003.
- -2,9 Punkte — Geschäftsklima-Index der Rentenbank im Sommer 2026, niedrigster Wert seit Juni 2016.
Im Detail
Das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e. V. (KTBL) ermittelte auf Basis seiner Daten zur „Betriebsplanung Landwirtschaft“ eine Kostensteigerung von rund 48 Prozent für Dienstleistungen in der pflanzlichen Erzeugung für den Zeitraum von 2006 bis 2026.
— BT-Drs. 21/8787, Antwort zu Frage 9
Die Erzeugerkosten in der deutschen Landwirtschaft sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten erheblich gestiegen. Für externe Dienstleistungen in der pflanzlichen Erzeugung ermittelte das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) einen Anstieg von rund 48 Prozent zwischen 2006 und 2026. Das ist die zentrale Zahl, die die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/8787, 26. Oktober 2026) selbst benennt — alle anderen Kostenkategorien beantwortet sie überwiegend mit Verweisen auf externe Statistikdatenbanken.
Was gilt aktuell bei Energiesteuern und Betriebsmittelpreisen?
Der Energiesteuersatz auf Diesel ist seit 2003 unverändert bei 47,04 Cent pro Liter. Der Mehrwertsteuersatz wurde zuletzt am 1. Januar 2007 von 16 auf 19 Prozent erhöht. Absolute Preisangaben zu einzelnen Düngemitteln wie Kalkammonsalpeter oder Harnstoff liegen der Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht vor, da diese in der amtlichen Statistik nicht auf Einzelnährstoffebene erhoben werden. Detaillierte Erzeugerkosten in der Landwirtschaft lassen sich laut Antwort über den Index der Einkaufspreise landwirtschaftlicher Betriebsmittel des Statistischen Bundesamtes nachvollziehen.
Erzeugerkosten Landwirtschaft: Entwicklung bei Pflanzenschutzmitteln
Bei Pflanzenschutzmitteln verzeichnete die Statistik einen deutlichen Wandel: Die Zahl zugelassener Mittel stieg von 665 im Jahr 2005 auf 1.130 im Jahr 2025. Im selben Zeitraum endete jedoch die Zulassung von 1.268 Mitteln. Die Bundesregierung betont, dass diese rein quantitative Betrachtung keine Aussage über die Anwendungsgebiete der verbleibenden Mittel erlaubt. Auch für Reparaturkosten, Anschaffungskosten von Maschinen und Stallbaukosten verweist die Antwort schlicht auf den zentralen Betriebsmittelpreisindex.
Sozialversicherung und Bürokratiekosten
Zur Entwicklung der landwirtschaftlichen Sozialversicherungskosten — aufgegliedert nach Kranken-, Alterskasse und Berufsgenossenschaft — verweist das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) auf sein Online-Statistikangebot sowie auf die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). Zu den Bürokratiekosten verweist die Bundesregierung auf eine frühere Antwort aus der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/519; aktualisierte Zahlen lägen noch nicht vor. Lohnentwicklungen auf landwirtschaftlichen Betrieben sind über das GENESIS-Datenangebot des Statistischen Bundesamtes öffentlich abrufbar.
Der Anstieg der Erzeugerkosten in der Landwirtschaft um 48 Prozent bei Dienstleistungen ist die einzige konkrete Zahl, die die Bundesregierung aus eigenen Quellen nennt — alles andere verweist auf Datenbanken.
Politische Einordnung
Die Antwort offenbart, dass die Bundesregierung keine eigenen, zusammengefassten Auswertungen zur Kostenentwicklung in der Landwirtschaft vorhält. Die von der AfD-Fraktion angefragten Daten zu Mineraldüngern, Dieselpreisverläufen und Maschinenkosten über 20 Jahre sind zwar öffentlich verfügbar, aber nicht in aufbereiteter Form durch die Regierung abrufbar. Für Betriebe, die angesichts des allgemeinen wirtschaftlichen Drucks auf schnelle Orientierung angewiesen sind, liefert die Antwort wenig direkte Hilfestellung. Landwirte und agrarpolitisch Interessierte müssen selbst mehrere Datenbanken konsultieren, um ein vollständiges Bild der Erzeugerkosten zu erhalten. Die Erzeugerkosten in der Landwirtschaft bleiben damit ein Thema, das statistisch erfasst, politisch aber kaum aktiv aufbereitet wird.
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Betroffen sind landwirtschaftliche Betriebe in ganz Deutschland, insbesondere Obst- und Gemüsebetriebe sowie Saisonbetriebe in Norddeutschland. Laut Vorbemerkung der Fragesteller sind in Schleswig-Holstein jährlich rund 11.000 Saisonarbeitskräfte im Einsatz; dort seien bereits Flächenrückgänge im Erdbeeranbau von bis zu 15 Prozent zu verzeichnen. Mittelbar betroffen sind Verbraucher, die bei sinkender heimischer Produktion verstärkt auf importierte Lebensmittel angewiesen wären.
Die Bundesregierung weicht bei neun der elf Fragen aus, indem sie auf externe Statistikdatenbanken verweist, ohne eigene Auswertungen vorzulegen. Detailliertere Angaben zu einzelnen Düngemitteln, Dieselsteueranteilen oder Bürokratiekosten werden ausdrücklich als nicht vorliegend bezeichnet.
Mit der Antwort vom 26. Oktober 2026 ist das Verfahren zur Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/8505 abgeschlossen. Weitere parlamentarische Schritte sind im Rahmen dieser Drucksache nicht vorgesehen; die Fraktion kann die Erkenntnisse jedoch als Grundlage für Anträge oder Debatten nutzen.
- KTBL
- Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft — eine gemeinnützige wissenschaftliche Gesellschaft, die Daten und Planungsgrundlagen für die Landwirtschaft erarbeitet.
- SVLFG
- Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau — der zuständige Träger der gesetzlichen Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung für landwirtschaftliche Berufe.
- Einkaufspreisindex Betriebsmittel
- Statistischer Index des Statistischen Bundesamtes, der die Preisentwicklung landwirtschaftlicher Produktionsmittel wie Dünger, Kraftstoff und Maschinen misst.
Wie stark sind Landwirtschaftskosten gestiegen?
Für Dienstleistungen in der pflanzlichen Erzeugung ermittelte das KTBL eine Kostensteigerung von rund 48 Prozent im Zeitraum 2006 bis 2026.
Wie hat sich die Anzahl zugelassener Pflanzenschutzmittel entwickelt?
Die Zahl stieg von 665 im Jahr 2005 auf 1.130 im Jahr 2025; im gleichen Zeitraum endete die Zulassung von 1.268 Mitteln.
Hat sich der Energiesteuersatz auf Diesel verändert?
Nein. Der allgemeine Energiesteuersatz auf Diesel beträgt seit 2003 unverändert 47,04 Cent pro Liter.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8787 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.




































































