- Deutschland ist Hauptstandort für Hisbollah-Finanzierung in Europa
- Bundesregierung hat bereits mehrere Vereine verboten
- Spenden aus Deutschland fließen an Terrororganisation
Hisbollah-Finanzierung: Deutschland als Europas Hauptstandort
Hintergrund der Sicherheitslage
Die Hisbollah gilt als zentrale Kraft im Nahen Osten und unterhält transnationale Finanz- und Logistiknetzwerke. Eine aktuelle Studie der Londoner Denkfabrik Chatham House identifizierte Deutschland als Hauptstandort für Hisbollah-Finanzgeschäfte in Europa. Aufgrund der militärischen Lage im Libanon und der Sanktionen gegen den Iran sucht die Organisation verstärkt nach alternativen Finanzierungsquellen in Europa und anderen Regionen mit libanesischer Diaspora.
Im Detail
In Deutschland werden insbesondere Spenden von Unterstützern gesammelt. Die Nutzung von Kryptowerten lässt sich geografisch nicht auf Deutschland beschränken.
— Antwort der Bundesregierung BT-Drs. 21/6255
Deutschland fungiert als zentraler Standort für die Finanzierung der libanesischen Terrororganisation Hisbollah in Europa. Dies bestätigt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine AfD-Anfrage zur Terrorismusfinanzierung. Eine Studie der Londoner Denkfabrik Chatham House bezeichnet Deutschland als Hauptstandort für Hisbollah-Finanzgeschäfte in Europa.
Die Bundesregierung gibt an, dass in Deutschland „insbesondere Spenden von Unterstützern gesammelt“ werden, die an die Hisbollah fließen. Die Organisation nutzt komplexe Strukturen zur Mittelgenerierung – darunter Handelsgeschäfte, den Kunstmarkt sowie Kryptowährungen. Solche Verflechtungen zwischen legalen und illegalen Wirtschaftsbereichen erschweren die Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung erheblich.
Was gilt aktuell bei der Terrorismus-Bekämpfung?
Deutschland hat mehrere Maßnahmen gegen Hisbollah-Strukturen ergriffen. Das Bundesinnenministerium verbot 2024 das „Islamische Zentrum Hamburg“ (IZH) mit seinen bundesweiten Teilorganisationen. Das IZH hat der Hisbollah einen „aktiven Nährboden“ geboten. Sowohl finanziell als auch organisatorisch.
Bereits seit 2014 geht Deutschland systematisch gegen Hisbollah-Finanzierungsnetzwerke vor. Der Verein „Waisenkinderprojekt Libanon“ wurde verboten, da er die „Shahid Stiftung“ im Libanon finanziell unterstützt hat – einen integralen Teil der Hisbollah. 2020 folgte ein generelles Betätigungsverbot für die Hisbollah in Deutschland, 2021 wurden drei weitere Ersatzorganisationen verboten.
Internationale Bemühungen verstärkt
Auf internationaler Ebene wurde der Libanon im Oktober 2024 auf die „Graue Liste“ der Financial Action Task Force (FATF) gesetzt. Diese Liste führt Länder mit Defiziten bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung auf. Die EU-Kommission hat den Libanon auf ihre Hochrisikoliste gesetzt, was zu verschärften Sorgfaltspflichten für Finanzgeschäfte führt.
Deutsche Finanzinstitute müssen bei Geschäftsbeziehungen mit Bezug zum Libanon verstärkte Kontrollen durchführen. Das gilt auch für Rechtsanwälte, Notare und Immobilienmakler. Die Bundesregierung hat diese Hochrisikoliste der EU unterstützt.
Herausforderungen der Terrorismus-Bekämpfung
Die Bekämpfung der Hisbollah-Finanzierung gestaltet sich aufgrund der dezentralen Struktur schwierig. Auf EU-Ebene ist nur der militärische Arm als Terrororganisation eingestuft. Deutschland geht weiter und betrachtet die gesamte Organisation als terroristisch – diese unterschiedlichen Bewertungen innerhalb der EU können die Effektivität gemeinsamer Maßnahmen beeinträchtigen.
Die Entwicklungen im Nahen Osten haben die Situation verändert. Aufgrund der militärischen Maßnahmen Israels gegen die Hisbollah und der US-Sanktionen gegen den Iran – den größten Geldgeber der Hisbollah – sucht die Organisation nach alternativen Finanzierungsquellen. Deutschland kommt dabei aufgrund der ansässigen libanesischen Diaspora eine besondere Bedeutung zu.
Die Bundesregierung arbeitet an einer Stärkung staatlicher Institutionen im Libanon, um den Einfluss nichtstaatlicher Akteure wie der Hisbollah zu begrenzen. Dabei werden insbesondere die libanesischen Streitkräfte und andere staatliche Sicherheitsorgane unterstützt. Die UN-Resolution 1701 zur Begrenzung bewaffneter Gruppen im Libanon ist weiterhin nicht vollständig umgesetzt.
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Betroffen sind deutsche Sicherheitsbehörden, die libanesische Diaspora in Deutschland, sowie staatliche Institutionen im Libanon. Die Terrorismusfinanzierung über deutsche Strukturen hat Auswirkungen auf die regionale Sicherheit im Nahen Osten und die europäische Sicherheitsarchitektur.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen vollständig, verweist aber bei sensiblen Informationen zu BND und FIU auf Verschlusssachen. Details zu FATF-Beratungen werden als geheim eingestuft.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 01.06.2026) AfD hinterfragt Deutschlands Rolle bei Hisbollah-Finanzierung in Europa →
- Hisbollah
- Libanesische schiitische Terrororganisation mit militärischem und politischem Arm, die vom Iran unterstützt wird.
- FATF
- Financial Action Task Force – internationale Organisation zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.
- FIU
- Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen – deutsche Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.
Welche Rolle spielt Deutschland für die Hisbollah-Finanzierung?
Laut Bundesregierung ist Deutschland ein wichtiger Standort zur Spendensammlung für die Hisbollah in Europa.
Welche Maßnahmen hat Deutschland ergriffen?
Seit 2014 wurden mehrere Vereine verboten, die Spenden für die Hisbollah sammelten. 2024 wurde das Islamische Zentrum Hamburg verboten.
Wie funktioniert die Finanzierung?
Hauptsächlich durch Spenden von Unterstützern, aber auch durch Handelsstrukturen, Kunstmarkt und Kryptowährungen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6255 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.








































































