- Ein Viertel der LKK-Versicherten von psychischen Erkrankungen betroffen
- 10.287 Anrufe bei SVLFG-Krisenhotline seit 2018 registriert
- Bundesregierung plant Suizidpräventionsgesetz noch in dieser Legislatur
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7418 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die psychische Gesundheit in der Landwirtschaft wird seit Jahren in Fachkreisen diskutiert. Eine Querschnittstudie aus dem März 2026, veröffentlicht im Fachjournal Springer, zeigt, dass Suizidalität von Fach- und Beratungskräften als häufiges und zunehmendes Thema wahrgenommen wird. Besonders betroffen gelten Männer mittleren Alters, aktuelle Betriebsleitungen sowie klein- bis mittelgroße tierhaltende Betriebe. Die Agrarministerkonferenz der Länder hat daraufhin im März 2026 den Bund um Durchführung und Finanzierung einer bundesweiten Studie gebeten.
- ca. 25 % — Anteil der LKK-Versicherten, die in 1,5 Jahren von psychischen Erkrankungen (Depression, Angst, PTBS u. a.) betroffen waren (FAU-Evaluation).
- 10.287 Anrufe — Gesamtzahl der Kontakte bei der SVLFG-Krisenhotline seit Kalenderwoche 24/2018.
- 23,68 % — Anteil psychisch bedingter Erwerbsminderungsrenten bei der LAK im Jahr 2025, gegenüber 18,8 % im Jahr 2016.
- 1.961 — Einschreibungen ins telefonische Einzelfallcoaching seit 2018; davon 61 % Männer.
- 67,9 % — Anteil der Krisenhotline-Anrufe 2025, bei denen psychische Belastungen als Anrufgrund angegeben wurden (häufigster Einzelgrund).
Im Detail
Ein zentrales Anliegen der Bundesregierung ist es, die Hilfsangebote besser zu vernetzen, über bestehende Angebote zu informieren und das Thema weiter zu enttabuisieren.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7418, zu Frage 15
Psychische Erkrankungen in der Landwirtschaft sind kein Randphänomen: Rund ein Viertel der Versicherten der Landwirtschaftlichen Krankenkasse (LKK) war laut einer Evaluation der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg innerhalb von anderthalb Jahren von Depressionen, Angststörungen, Schmerzsyndomen oder posttraumatischen Belastungsstörungen betroffen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor (BT-Drs. 21/7418, beantwortet am 29. Juli 2026).
Psychische Gesundheit in der Landwirtschaft: Was die Zahlen zeigen
Besonders aufschlussreich ist die Entwicklung bei den Erwerbsminderungsrenten: Von den im Jahr 2016 bei der Landwirtschaftlichen Alterskasse (LAK) bewilligten Renten entfielen 18,8 % auf psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen. Bis 2025 stieg dieser Anteil auf 23,68 %. Absolut gesehen erhielten 2025 von 967 neu bewilligten Erwerbsminderungsrenten 229 Personen eine Rente mit der Hauptdiagnose psychische Erkrankung. Die SVLFG-Krisenhotline verzeichnete seit ihrem Start im Juni 2018 insgesamt 10.287 Anrufe, davon 51 % von Männern und 48 % von Frauen. In 67,9 % der Gespräche im Jahr 2025 wurde eine psychische Belastung als Anrufgrund genannt, gefolgt von familiären Problemen (59,1 %) und Arbeitsbelastung (26,7 %).
Was gilt aktuell bei der Datenerfassung?
Bundesweite berufsspezifische Daten zu psychischen Erkrankungen und Suiziden bei Landwirten werden in Deutschland nicht systematisch erfasst. Die Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes enthält keine Differenzierung nach Berufsgruppen. Nur Bayern hat auf Basis der Polizeilichen Kriminalstatistik Zahlen zum Suizidgeschehen für die Berufsgruppe der Landwirte und landwirtschaftlichen Arbeiter für den Zeitraum 2018 bis 2021 veröffentlicht (Bayerischer Landtag, Drucksache 18/28378). Diese Datenlücke ist ein wesentlicher Befund der Drucksache: Bei den Fragen nach regionalen Unterschieden, nach Unterschieden zwischen Voll- und Nebenerwerbslandwirten sowie nach Hofgrößen verneint die Bundesregierung das Vorliegen eigener Daten ausdrücklich.
Risikofaktoren: Mehr als nur wirtschaftlicher Druck
Internationale Studien nennen als Risikofaktoren für die psychische Gesundheit von Landwirtinnen und Landwirten ein breites Spektrum: psychosoziale und finanzielle Belastungen, strukturelle Überforderung durch politische Auflagen, mangelnde gesellschaftliche Anerkennung sowie klimatische Bedingungen. Hohe Arbeitslast, Einzelarbeit in abgelegenen Gebieten und ständige Verfügbarkeit können Einsamkeit und soziale Konflikte verstärken. Eine Querschnittstudie aus dem März 2026 zeigt, dass Suizidalität von Fach- und Beratungskräften als häufiges und zunehmendes Thema wahrgenommen wird. Als besonders gefährdet gelten Männer mittleren Alters, aktuelle Betriebsleitungen sowie klein- bis mittelgroße tierhaltende Betriebe.
Das Thema Bundesförderung und Kontrolle öffentlicher Mittel spielt auch bei der Finanzierung von Beratungsstellen eine Rolle: Die Bundesregierung erklärt auf die Frage nach Budgetentwicklungen bei spezifischen Beratungsstellen, dass ihr hierzu keine Informationen vorlägen — ein Hinweis auf die lückenhafte Informationslage des Bundes auch in diesem Bereich.
Bestehende Hilfsangebote der SVLFG
Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) bietet ihren Versicherten unter dem Dach der Kampagne „Mit uns im Gleichgewicht“ telefonisches Einzelfallcoaching, Online-Gesundheitstrainings sowie ein besonderes Versorgungsmodell nach § 140a SGB V an. Das bundesweit erreichbare Telezentrum ist unter der Rufnummer 0561 785-10512 erreichbar. Seit 2018 haben sich 1.961 Personen ins Einzelfallcoaching eingeschrieben; 315 wurden in die besondere Versorgung übergeleitet. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Familie und Betrieb e. V. ergänzt dieses Angebot mit Beratungsstellen in den Bundesländern, Hausbesuchen und Sorgentelefonen.
Suizidpräventionsgesetz und bundesweite Studie geplant
Die Bundesregierung kündigt in der Drucksache zwei konkrete Vorhaben an: Zum einen plant sie noch in dieser Legislaturperiode ein Suizidpräventionsgesetz, das Maßnahmen der Information, Aufklärung, Forschung und Unterstützung bündeln soll. Zum anderen prüft sie, wie dem Beschluss der Agrarministerkonferenz vom März 2026 nachgekommen werden kann, der den Bund um Durchführung und Finanzierung einer bundesweiten Studie zur mentalen Gesundheit in der Landwirtschaft gebeten hat. Die NaSPro-Arbeitsgruppe „Grüne Branche“ erarbeitet zudem spezielle Schulungskonzepte für sogenannte Gatekeeper — Tierärzte, Maschinenringe, Landwirtschaftsberater und Lieferanten —, die psychische Krisen frühzeitig erkennen sollen. Seit 2020 ist das Thema psychische Belastungen auch in den Standardberufsbildpositionen der dualen Ausbildung in der Landwirtschaft verankert. Psychische Erkrankungen sind als Berufskrankheit bislang nicht anerkannt; der Ärztliche Sachverständigenbeirat für Berufskrankheiten berät derzeit jedoch zu PTBS und zu Depressionen in sogenannten high-strain-Berufen.
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Betroffen sind in erster Linie die rund 200.000 Versicherten der Landwirtschaftlichen Krankenkasse sowie deren Familienangehörige. Besonders exponiert gelten laut Fachkräftebefragung aktuelle Betriebsleiterinnen und -leiter kleiner bis mittelgroßer tierhaltender Betriebe sowie ältere männliche Landwirte in ländlichen Gebieten mit dünnerer psychotherapeutischer Versorgung.
Die Bundesregierung beantwortet einen Großteil der Fragen, verweist bei mehreren Detailfragen (z. B. regionale Aufschlüsselung, Wartezeiten auf Therapieplätze, Unterschiede zwischen Betriebstypen) auf fehlende eigene Daten. Bei den Fragen 8 bis 10 sowie 11 und 12 wird das Fehlen bundesweiter Daten ausdrücklich eingeräumt.
Berlin, 22. Juli 2026. Wir von der AfD-Bundestagsfraktion haben im Deutschen Bundestag einen Antrag zur Stärkung der heimischen Landwirtschaft eingebracht, der eine branchenspezifische Sonderregelung zum gesetzlichen Mindestlohn für Saisonbeschäftigte in der Landwirtschaft vorsieht. Angesichts der seit Januar 2026 geltenden Mindestlohnhöhe von 13,90 Euro je Stunde und des scharfen Wettbewerbs mit… …
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Psychische Gesundheit in der Landwirtschaft: Burn-out und Suizid →
- SVLFG
- Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau — der zuständige Sozialversicherungsträger für die Grüne Branche in Deutschland, zuständig für Kranken-, Pflege-, Unfall- und Rentenversicherung.
- NaSPro
- Nationales Suizidpräventionsprogramm — ein bundesweites Netzwerk zur Förderung und Weiterentwicklung der Suizidprävention, mit einer eigenen Arbeitsgruppe für die Grüne Branche.
- DiGA
- Digitale Gesundheitsanwendung — zertifizierte digitale Medizinprodukte, die bei der Erkennung, Behandlung oder Linderung von Krankheiten unterstützen und von Krankenkassen erstattet werden können.
Wie hoch ist die psychische Erkrankungsrate bei Landwirten?
Laut einer Evaluation der Friedrich-Alexander-Universität ist rund ein Viertel der Versicherten der Landwirtschaftlichen Krankenkasse in einem 1,5-jährigen Betrachtungszeitraum von psychischen Erkrankungen im Bereich Depression, Ängste, Schmerzen oder PTBS betroffen.
Gibt es bundesweite Suizidstatistiken für Landwirte?
Nein. Die Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes enthält keine Differenzierung nach Berufsgruppen. Lediglich Bayern hat auf Basis der Polizeilichen Kriminalstatistik Zahlen für 2018 bis 2021 veröffentlicht.
Welche Hilfsangebote gibt es speziell für Landwirte?
Die SVLFG betreibt eine Krisenhotline (0561 785-10512), bietet telefonisches Einzelfallcoaching und Online-Gesundheitstrainings an. Daneben ist die Bundesarbeitsgemeinschaft Familie und Betrieb e. V. mit Beratungsstellen in den Bundesländern tätig.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7418 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































