- Bundesregierung gibt 2025 knapp 60 Mio. Euro für Kampagnen aus
- Bundeswehr-Nachwuchswerbung kostet allein 41,8 Mio. Euro
- Online-Werbung mit 30 Mio. Euro größter Einzelposten nach Medien
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6939 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Bundesregierung legt regelmäßig auf parlamentarische Anfrage die Kosten ihrer Öffentlichkeitsarbeit offen. Nach einem Peak von 194,6 Millionen Euro im Corona-Jahr 2022 sanken die Ausgaben auf 84,7 Millionen Euro (2023) und stiegen 2024 leicht auf 88,7 Millionen Euro. Für 2025 weist die Drucksache 21/6939 nun knapp 60 Millionen Euro aus — ein weiterer Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) veröffentlicht halbjährlich Berichte zu Öffentlichkeitsmaßnahmen, die als Grundlage für solche Anfragen dienen.
- 59.960.593,68 Euro — Gesamtausgaben der Bundesregierung für Kampagnen 2025 (über Mediaagenturen abgerechnet)
- 41.790.882 Euro — Ausgaben des Bundesverteidigungsministeriums allein für Nachwuchswerbung 2025
- 29.966.452,97 Euro — Schaltkosten für Online-Werbung, größter Einzelkanal 2025
- 18.444.101,69 Euro — Schaltkosten für Außenwerbung (Plakate, Großflächen etc.)
- 4.723.622,46 Euro — BPA-Begleitkampagne zur Regierungsarbeit „Das kann Deutschland“
Im Detail
Dabei handelt es sich nicht um Werbung, sondern um Information im Sinne des verfassungsrechtlichen Auftrags. Es wird nicht für ein Produkt oder eine Dienstleistung geworben, sondern über die Politik der Bundesregierung informiert.
— Vorbemerkung der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6939
Knapp 60 Millionen Euro hat die Bundesregierung im Jahr 2025 für Informationsmaßnahmen, Kampagnen und Werbung ausgegeben. Das geht aus der Antwort des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor (BT-Drs. 21/6939, übermittelt am 6. Juli 2026). Damit liegen die Regierungskampagnen deutlich unter den Vorjahreswerten: 2024 waren es noch 88,7 Millionen Euro, 2023 rund 84,7 Millionen Euro.
Den mit Abstand größten Posten beansprucht das Bundesverteidigungsministerium: Allein für zielgruppenorientierte personalwerbliche Kampagnenmotive — Nachwuchswerbung für die Bundeswehr — wurden 41.790.882 Euro aufgewendet. Das entspricht rund 70 Prozent der gesamten über Mediaagenturen abgerechneten Ausgaben. Hinzu kommen 2.854.800 Euro für den Veteranentag. Beauftragte Agenturen waren Castenow GmbH und Unbound Media GmbH.
Regierungskampagnen nach Medienkanal
Bei den reinen Schaltkosten nach Medienkanal dominiert Online-Werbung mit 29.966.452,97 Euro. Es folgen Außenwerbung (18.444.101,69 Euro), TV (3.423.753,32 Euro), Print (2.578.535,79 Euro), Hörfunk (1.696.102 Euro), medienübergreifende Maßnahmen (1.206.711 Euro) sowie Kino (748.203,15 Euro). Die Zahlen beziehen sich auf endabgerechnete Schaltkosten inklusive Mehrwertsteuer, ohne Agenturhonorare und Kreationskosten.
Kampagnen der einzelnen Ministerien
Unter den zivilen Ministerien verzeichnet das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) die höchsten Ausgaben: Die Kampagne „Pflege kann was“ zur Gewinnung von Auszubildenden kostete 2.594.908 Euro, die Pflegeelternkampagne „Zeit, die prägt“ weitere 1.364.295 Euro. Dazu kamen 912.183 Euro für die „Allianz gegen Einsamkeit“ sowie 305.528 Euro für die Kampagne des Queerbeauftragten der 20. Legislaturperiode.
Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) investierte 1,6 Millionen Euro in die Kampagne „Krankenhaus mit Zukunft“, 1,4 Millionen Euro in die Neujahrskampagne „Ein gesundes neues Jahr“ und rund 849.886 Euro in die ePA-Kampagne „ePA? Na sicher!“ zur elektronischen Patientenakte. Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) schaltete die Begleitkampagne zur Regierungsarbeit „Das kann Deutschland“ für 4.723.622,46 Euro.
Influencer-Einsatz der Bundesministerien
Mehrere Ministerien setzten 2025 Influencer für ihre Kampagnen ein. Das BMBFSFJ arbeitete bei der Pflegeausbildungskampagne mit den Accounts „deinkrankenbruder“, „John Lopes“ und „Luisa Zuch“ zusammen (21.545 Euro Schaltkosten). Für die Kampagne zu Mehrgenerationshäusern wurde unter anderem der bekannte Berliner Rentner Günther Krabbenhöft verpflichtet (40.750 Euro). Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) nutzte für seine Inklusionskampagne „Sorry, I can’t. But together we can.“ anlässlich des Global Disability Summit zehn Influencer mit Behinderungen (78.300 Euro Schaltkosten). Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) arbeitete für das Wissenschaftsjahr 2025 mit den YouTubern CastCrafter, Doktor Whatson und Breaking Lab zusammen — die genauen Beträge werden unter Verweis auf Geschäftsgeheimnisse nicht genannt. Ministerien wie BMF, BMI, BMVg, BMAS und BPA setzten laut Drucksache keine Influencer im Sinne der Fragestellung ein.
Was gilt aktuell?
Die Bundesregierung betont in ihrer Vorbemerkung, dass es sich bei den Ausgaben nicht um „Werbung“ im kommerziellen Sinne handele, sondern um die Erfüllung des verfassungsmäßigen Auftrags zur Bürgerinformation. Die Auslandsöffentlichkeitsarbeit ist in den Angaben nicht erfasst. Angaben zu geplanten Kampagnen 2026 verweigert die Regierung: Die parlamentarische Kontrolle erstrecke sich nur auf bereits abgeschlossene Vorgänge, nicht auf laufende Entscheidungsvorbereitungen — so die Begründung unter Verweis auf Bundesverfassungsgerichtsurteile. Die Drucksache weist zudem darauf hin, dass einige Kosten in Rahmenverträgen pauschal enthalten sind und nicht gesondert ausgewiesen werden können. Die vorliegende Antwort erhebt daher ausdrücklich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Zum Vergleich: Im Corona-Jahr 2022 hatten die Regierungskampagnen einen Höchststand von 194,6 Millionen Euro erreicht. Mit dem Wegfall pandemiebedingter Kommunikationsmaßnahmen sanken die Ausgaben danach erheblich. Der aktuelle Wert von knapp 60 Millionen Euro für 2025 liegt auf einem neuen Tiefstand im Vergleich der letzten fünf Jahre — wobei die Vollständigkeit der Angaben nach eigener Auskunft der Bundesregierung nicht garantiert ist. Mehr zu aktuellen Ausgaben der Bundesregierung für externe Beratung findet sich im Bericht zur Strategieberatung im Wirtschaftsministerium.
Weitere parlamentarische Anfragen zu Staatsausgaben und Regierungshandeln dokumentiert die Übersicht der wichtigsten Drucksachen vom 19. Juli 2026.
Weiterlesen:
- Strategieberatung im Wirtschaftsministerium: 9 Mio. Euro für Scholz & Friends
- Bundestag 19.07.2026: Die wichtigsten Drucksachen
- Ernährungsarmut: 63 Fragen zu Kantinen und Versorgungslage
Unmittelbar betroffen sind Steuerzahler, die diese Kampagnen finanzieren. Mittelbar betroffen sind Mediaunternehmen, Agenturen und Influencer, die Aufträge erhalten. Für potenzielle Bewerber bei der Bundeswehr spielen die Nachwuchskampagnen eine direkte Rolle. Bürgerinnen und Bürger in verschiedenen Lebenssituationen werden durch Kampagnen zu Pflegeberufen, BAföG, Elterngeld oder Barrierefreiheit angesprochen.
Die Bundesregierung beantwortet die Fragen zu 2025 grundsätzlich, weist aber explizit darauf hin, dass die Antwort keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, da umfassende Abfragen innerhalb der kurzen Frist nicht möglich waren. Die Frage nach geplanten Kampagnen 2026 wird unter Verweis auf den Grundsatz der Parlamentskontrolle (nur abgeschlossene Vorgänge) vollständig verweigert.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Regierungswerbung 2025: AfD fragt nach Kosten für Kampagnen →
- TKP (Tausender-Kontakt-Preis)
- Kennzahl der Mediaplanung: Kosten, um 1.000 Personen der Zielgruppe mit einer Werbebotschaft zu erreichen.
- Schaltkosten
- Kosten für das tatsächliche Einbuchen und Veröffentlichen von Anzeigen oder Spots in Medien — ohne Kreation und Agenturhonorar.
- BPA
- Presse- und Informationsamt der Bundesregierung; koordiniert die Öffentlichkeitsarbeit der gesamten Bundesregierung und vergibt Aufträge an Mediaagenturen.
Wie viel hat die Bundesregierung 2025 für Kampagnen ausgegeben?
Laut Drucksache 21/6939 beliefen sich die über Mediaagenturen abgerechneten Ausgaben auf 59.960.593,68 Euro.
Welches Ministerium gab am meisten für Werbung aus?
Das Bundesverteidigungsministerium gab mit 41.790.882 Euro für zielgruppenorientierte Nachwuchswerbung mit Abstand am meisten aus.
Hat die Bundesregierung 2025 Influencer eingesetzt?
Ja, mehrere Ministerien setzten Influencer ein. Das Bildungsministerium etwa für Pflege-Kampagnen, das BMFTR für das Wissenschaftsjahr und das BMZ für eine Inklusionskampagne. Ministerien wie BMF, BMI und BPA verzichteten auf Influencer.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6939 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































