Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8152 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- 33.771 Jüdinnen und Juden wurden am 29./30. September 1941 in Babyn Jar erschossen
- Bis 1943 starben an der Schlucht insgesamt bis zu 100.000 Menschen
- Grüne fordern stärkeres Gedenken und mehr Ukraine-Unterstützung
Hintergrund
Das Massaker von Babyn Jar gilt als eines der größten Einzelmassaker des Holocaust: Deutsche SS-Einsatzgruppen erschossen am 29. und 30. September 1941 innerhalb von zwei Tagen 33.771 jüdische Menschen. Bis 1943 starben an der Schlucht insgesamt bis zu 100.000 Menschen, darunter sowjetische Kriegsgefangene und Roma. Der 85. Jahrestag des Massakers fällt auf den 29. September 2026 und bildet den unmittelbaren Anlass des Antrags. Vor diesem Hintergrund verweist die Drucksache auch auf Russlands laufenden Angriffskrieg gegen die Ukraine als weiteren Grund, die historische Verantwortung Deutschlands politisch sichtbar zu machen.
- 33.771 — Jüdische Männer, Frauen und Kinder, die am 29. und 30. September 1941 in Babyn Jar erschossen wurden.
- bis zu 100.000 — Menschen starben bis 1943 insgesamt an der Schlucht von Babyn Jar, darunter Kriegsgefangene und Roma.
- bis zu 8 Millionen — Zivile und militärische Opfer der Ukraine im Zweiten Weltkrieg laut Drucksache.
- rund 6 Millionen — Ukrainische Soldaten, die laut Antrag in der Roten Armee gegen die NS-Diktatur kämpften.
- 23.000 — Jüdische Menschen, die Ende August 1941 nahe Kamjanez-Podilskyj ermordet wurden.
Im Detail
Das Massaker von Babyn Jar, das sich in diesem Jahr zum 85. Mal jährt, war eine von NS-Deutschland organisierte und durchgeführte Massenerschießung, die zu den größten Mordaktionen des Holocaust zählt.
— BT-Drs. 21/8152, Abschnitt II
Am 29. und 30. September 1941 erschossen deutsche SS-Einsatzgruppen in der Schlucht von Babyn Jar am Stadtrand von Kyjiw 33.771 jüdische Männer, Frauen und Kinder. Bis zum Abzug der deutschen Besatzer im Herbst 1943 verloren an diesem Ort insgesamt bis zu 100.000 Menschen ihr Leben. Zum 85. Jahrestag dieses Massakers hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen am 23. September 2026 den Antrag BT-Drs. 21/8152 in den Bundestag eingebracht und fordert darin, dass Deutschland seine historische Verantwortung gegenüber der Ukraine sichtbarer wahrnimmt.
Babyn Jar: Das größte Einzelmassaker der NS-Besatzungszeit
Das Massaker von Babyn Jar steht laut Antrag stellvertretend für die Zerstörung jahrhundertealter jüdischer Lebenswelten in Osteuropa. Walter von Reichenau, Oberbefehlshaber der Sechsten Armee, die Kyjiw miterobert hatte, war direkt an der Vorbereitung des Massenmordes beteiligt. Der Antrag betont, dass die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands auf dem Gebiet der heutigen Ukraine in der deutschen Erinnerungskultur lange nicht die Aufmerksamkeit erhielten, die ihrer historischen Bedeutung entspricht. Insgesamt stammte mehr als eine Million der während des Krieges getöteten jüdischen Menschen aus der Ukraine.
Die Ukraine hatte im Zweiten Weltkrieg unter den sowjetischen Teilrepubliken die längste Besatzungszeit zu erdulden und verlor laut Drucksache bis zu 8 Millionen zivile und militärische Opfer. Zugleich kämpften rund 6 Millionen ukrainische Soldaten in der Roten Armee gegen die NS-Diktatur. Hunderttausende wurden zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt und nach ihrer Rückkehr in die Sowjetunion erneut verfolgt.
Was der Antrag konkret fordert
Die Grünen-Fraktion gliedert ihre Forderungen in drei Punkte: Erstens soll die Bundesregierung mittels intensiverer Bildungsarbeit und Kulturprojekten in der Ukraine und in Deutschland Erinnerungsdialoge fördern — insbesondere die Vermittlung der Geschichte des deutschen Vernichtungskrieges, die Dokumentation von Zeitzeugenberichten und den Austausch zwischen Gedenkstätten, Museen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Zweitens soll die Ukraine bei der Verteidigung ihrer Unabhängigkeit, territorialen Integrität und Souveränität weiter und stärker unterstützt werden. Drittens fordert der Antrag, die Ukraine als Opfer des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskriegs politisch, finanziell, humanitär und militärisch umfassender zu unterstützen.
Historische Verantwortung und aktuelle Politik
Der Antrag verknüpft das Gedenken an Babyn Jar ausdrücklich mit dem laufenden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Drucksache erklärt, dieser Krieg stelle zugleich einen Angriff auf die gemeinsame europäische Friedens-, Sicherheits- und Werteordnung dar. Die Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen stärke das demokratische Bewusstsein und wirke Antisemitismus, Rassismus und Geschichtsrevisionismus entgegen. Der Antrag thematisiert auch den Holodomor — die von Stalin gezielt herbeigeführte Hungerkatastrophe der 1930er-Jahre, der Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer zum Opfer fielen — und stellt fest, dass aus heutiger Perspektive eine Einordnung als Völkermord naheliegt.
Beim Petitionsausschuss werden regelmäßig auch zivilgesellschaftliche Anliegen zu Erinnerungskultur und Geschichte beraten. Die parlamentarische Aufarbeitung von Kriegsverbrechen und historischer Verantwortung bleibt ein dauerhaftes Thema im Bundestag.
Weiterlesen:
- Petitionsausschuss: Sammelübersicht 326 vom September 2026
- Petitionsausschuss: 5 Petitionen zu Gesundheit und Steuern
Der Antrag richtet sich an die Erinnerungskultur in Deutschland und der Ukraine und betrifft Gedenkstätten, Museen, Schulen sowie Zivilgesellschaft in beiden Ländern. Mittelbar sind alle Ukrainerinnen und Ukrainer betroffen, die im Rahmen eines stärkeren Unterstützungspakets politisch, humanitär und militärisch mehr Hilfe erhalten sollen.
Der Antrag wurde am 23. September 2026 in den Bundestag eingebracht und liegt zur Beratung vor. Als nächster Schritt steht die Überweisung an die zuständigen Ausschüsse an, voraussichtlich den Auswärtigen Ausschuss sowie den Kulturausschuss. Danach folgt die abschließende Abstimmung im Plenum des Bundestages.
- Babyn Jar
- Eine Schlucht am Stadtrand von Kyjiw, in der deutsche SS-Einheiten im September 1941 das vermutlich größte Einzelmassaker der NS-Besatzungszeit verübten.
- Holodomor
- Von ukrainisch 'holod' (Hunger) und 'moryty' (umbringen): die von Stalin in den 1930er-Jahren gezielt herbeigeführte Hungerkatastrophe in der Ukraine mit Millionen Todesopfern.
- Einsatzgruppen
- Mobile SS- und Polizeieinheiten, die im besetzten Osteuropa systematisch die jüdische Bevölkerung und andere Verfolgte ermordeten.
Was geschah in Babyn Jar?
Am 29. und 30. September 1941 erschossen deutsche SS-Einsatzgruppen in der Schlucht von Babyn Jar am Stadtrand von Kyjiw 33.771 jüdische Männer, Frauen und Kinder. Bis zum Abzug der deutschen Besatzer 1943 verloren dort insgesamt bis zu 100.000 Menschen ihr Leben.
Was fordert der Antrag konkret?
Die Bundesregierung soll Bildungs- und Kulturprojekte zur deutsch-ukrainischen Geschichte fördern, den Austausch zwischen Gedenkstätten und Wissenschaft stärken sowie die Ukraine politisch, finanziell, humanitär und militärisch umfassender unterstützen.
Was ist der Holodomor?
Der Holodomor bezeichnet die von Stalin in den 1930er-Jahren bewusst herbeigeführte Hungerkatastrophe in der Ukraine, der Millionen Menschen zum Opfer fielen. Laut Antrag liegt aus heutiger Perspektive eine Einordnung als Völkermord nahe.


































































