Antwort der Bundesregierung …
Setzen Security-Firmen Kinder und Jugendliche Gewalt aus?
Hintergrund
Eine aktuelle MDR-Dokumentation „Der Fall Ole – Wie Security in der Jugendhilfe zur Gefahr wird“ zeigt mutmaßliche jahrelange Misshandlungen unter der Obhut der Jugendhilfe auf. Dabei steht der Einsatz von Security-Personal im Auftrag der Jugendhilfe im Mittelpunkt. Security-Mitarbeiter müssen sich wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten. Die Dokumentation deckt auch personelle Überschneidungen zwischen Security-Unternehmen und Jugendhilfeträgern auf.
Die Fraktion Die Linke hat am 14. April 2026 eine umfangreiche Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/5309) zum Einsatz von Security-Unternehmen in der Kinder- und Jugendhilfe gestellt. Hintergrund ist eine aktuelle MDR-Dokumentation „Der Fall Ole – Wie Security in der Jugendhilfe zur Gefahr wird“, die mutmaßliche jahrelange Misshandlungen aufarbeitet.
Die Dokumentation zeigt Bilder von einem mutmaßlich misshandelten jungen Menschen. Mitarbeiter des eingesetzten Security-Unternehmens müssen sich wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten, so die Darstellung. Besonders problematisch sehen die Fragesteller personelle Überschneidungen zwischen Security-Unternehmen und Jugendhilfeträgern – ein „abzulehnendes Geschäftsmodell“, wie sie es bezeichnen.
Private Sicherheitsdienste haben „in das genuin sozialpädagogische Feld der erzieherischen Jugendhilfe mehr oder weniger unbemerkt Einzug gehalten“, warnen Fachexperten.
In ihrer Anfrage stellt die Linke 21 detaillierte Fragen. Gefragt wird nach Erkenntnissen zum Einsatz in verschiedenen Einrichtungen – dies umfasst Jugendämter, Kindertageseinrichtungen, stationäre Einrichtungen und Beratungsstellen. Besonders interessiert zeigt sich die Fraktion dafür, welche Aufgaben des pädagogischen Fachpersonals mittlerweile von Security-Unternehmen übernommen werden.
Eine Internetrecherche der Linken hat dutzende Sicherheitsunternehmen ergeben, die ihre Dienste explizit der Jugendhilfe anbieten. Dies ist bemerkenswert, da bereits 2019 eine entsprechende Anfrage der Fraktion gestellt worden ist – damals mit dem Verweis auf mangelnde Erkenntnisse und fehlende statistische Erhebungen beantwortet.
Die Fraktion befürchtet eine Deprofessionalisierung der Jugendhilfe mit Folgen für die Betroffenen. Mögliche Zusammenhänge zwischen Security-Einsatz und Personalmangel, unbesetzten Stellen oder hoher Arbeitsbelastung werden ebenfalls erfragt. Falls die Bundesregierung kaum Kenntnisse hat, will die Linke wissen, ob Studien geplant sind oder Maßnahmen zur Einhaltung der Kinderrechte ergriffen werden.
Betroffen sind Kinder und Jugendliche in verschiedenen Einrichtungen der Jugendhilfe, von Jugendämtern über Kindertageseinrichtungen bis hin zu stationären Einrichtungen und Inobhutnahme-Stellen. Auch Mitarbeiter der Jugendhilfe und die Träger selbst sind von dieser Entwicklung betroffen.
Die Bundesregierung muss die umfangreiche Kleine Anfrage mit 21 Hauptfragen beantworten. Die Antwortfrist beträgt in der Regel sechs Wochen. Je nach Antwort könnte eine weitere parlamentarische Behandlung oder Nachfragen folgen.
- SGB VIII
- Das Achte Sozialgesetzbuch regelt die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland und definiert die verschiedenen Hilfsangebote.
- Inobhutnahme
- Vorläufige Aufnahme und Unterbringung von Kindern und Jugendlichen durch das Jugendamt bei Gefährdung des Kindeswohls.
- Betriebserlaubnis
- Behördliche Genehmigung für Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, die bestimmte fachliche Standards erfüllen müssen.























































