Antrag eingereicht
Grüne fordern flexible Arbeitszeiten statt längere Wochenarbeitszeit
Hintergrund
Der Antrag reagiert auf aktuelle Debatten über Arbeitszeitflexibilisierung und den demografischen Wandel. Laut Institut der deutschen Wirtschaft werden bis 2030 bis zu fünf Millionen Fachkräfte fehlen. Gleichzeitig sind psychische Erkrankungen durch Arbeitsbelastung um 52 Prozent gestiegen. Die Grünen kritisieren Pläne der Bundesregierung zur Aufweichung des Achtstundentags als „Lifestyle-Teilzeit“-Diskussion.
Die Grünen-Fraktion hat am 5. Mai 2026 einen umfassenden Antrag für eine moderne Arbeitszeitpolitik vorgelegt (BT-Drs. 21/5781). Das Konzept „Vereinbarkeit statt Verfügbarkeit“ setzt auf mehr Flexibilität für Arbeitnehmer bei gleichzeitigem Schutz vor Überlastung.
Kernforderung: Achtstundentag bleibt
Entgegen aktueller Diskussionen über eine Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes fordern die Grünen den Erhalt der täglichen Höchstarbeitszeit von acht beziehungsweise zehn Stunden. Dies ist bemerkenswert, da derzeit verschiedene Akteure eine Flexibilisierung zulasten der Arbeitnehmer diskutieren. „72 Prozent der Beschäftigten wünschen sich Arbeitstage mit maximal acht Stunden“, heißt es in der Begründung unter Berufung auf den DGB-Index Gute Arbeit.
Stattdessen soll eine „flexible Vollzeit“ zwischen 30 und 40 Wochenstunden eingeführt werden. Beschäftigte sollen ihre Arbeitszeit bedarfsgerecht nach oben oder unten anpassen können, sofern das entsprechende Arbeitszeitvolumen im Betrieb vorhanden ist. Ein Rechtsanspruch auf Aufstockung der Arbeitszeit bis zur Vollzeit soll geschaffen werden.
Homeoffice-Recht und Zeitsouveränität
Der Antrag sieht ein Recht auf Homeoffice und mobiles Arbeiten vor, wenn die Tätigkeit dafür geeignet ist und keine betrieblichen Gründe entgegenstehen. Außerdem sollen Beschäftigte bei Beginn, Ende und Verteilung ihrer Arbeitszeit über Tag, Woche oder Monat mitbestimmen können.
Betriebs- und Personalräte sollen das Recht erhalten, Betriebsvereinbarungen zu Vereinbarkeitsfragen zu verlangen. Die Tarifbindung soll von 49 auf mindestens 80 Prozent erhöht werden. Hintergrund ist die Ermöglichung flexibler Arbeitszeitmodelle über Tarifverträge.
Strukturelle Reformen geplant
Zur Aktivierung von Erwerbspotenzialen fordern die Grünen den konsequenten Ausbau von Kitas und Ganztagsangeboten. Pflegende Angehörige sollen besser entlastet werden. Steuerliche Fehlanreize wie das Ehegattensplitting sollen abgebaut werden, Minijobs schrittweise in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen überführt werden.
Die Grünen begründeten ihren Vorstoß mit dem demografischen Wandel und steigenden psychischen Belastungen am Arbeitsplatz. Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen sind laut Antrag um 52 Prozent gestiegen. Gleichzeitig möchten 2,5 Millionen Teilzeitbeschäftigte ihre Arbeitszeit aufstocken, scheitern aber an strukturellen Hindernissen.
Betroffen sind alle Arbeitnehmer in Deutschland, besonders Teilzeitbeschäftigte, die ihre Arbeitszeit aufstocken möchten, sowie Eltern und pflegende Angehörige. Etwa 2,5 Millionen Teilzeitbeschäftigte würden gerne mehr arbeiten, scheitern aber an fehlender Flexibilität und Betreuungsangeboten.
Der Antrag wird nun den zuständigen Bundestagsausschüssen zur Beratung zugeleitet. Eine erste Lesung im Plenum steht noch aus. Die Grünen fordern die Bundesregierung zur Umsetzung der 14 vorgeschlagenen Maßnahmen auf, die von flexiblen Arbeitszeiten bis zum Ausbau der Kinderbetreuung reichen.
- Flexible Vollzeit
- Arbeitsmodell zwischen 30 und 40 Wochenstunden, bei dem Beschäftigte ihre Stundenzahl bedarfsgerecht anpassen können.
- Zeitsouveränität
- Das Recht von Arbeitnehmern, bei Umfang, Lage und Ort ihrer Arbeitszeit mitzubestimmen.
- Allgemeinverbindlicherklärung
- Verfahren zur Ausweitung von Tarifverträgen auf alle Beschäftigten einer Branche, nicht nur Gewerkschaftsmitglieder.























































