- 579 Schutzräume mit 478.000 Plätzen – kein einziger einsatzbereit
- BBK-Ziel: eine Million Schutzplätze kurzfristig schaffen
- Pakt für Bevölkerungsschutz sieht 10 Mrd. Euro bis 2029 vor
Hintergrund
Deutschland hat sein staatliches Schutzraumkonzept im Jahr 2007 aufgegeben. Seitdem werden die verbliebenen 579 Anlagen mit rund 478.000 Schutzplätzen nicht mehr funktionsfähig gehalten. Im Jahr 2008 existierten noch 1.967 solcher Anlagen. Vor dem Hintergrund gestiegener geopolitischer Spannungen kündigte BBK-Präsident Ralph Tiesler im Juni 2025 an, kurzfristig eine Million Schutzplätze durch Nutzung vorhandener Infrastruktur zu schaffen. Das Bundeskabinett beschloss am 20. Mai 2026 den ‚Pakt für den Bevölkerungsschutz‘ mit geplanten Investitionen von zehn Milliarden Euro bis 2029.
- 579 — Anzahl noch vorhandener öffentlicher Schutzräume in Deutschland (Stand laut BBK)
- 478.000 — Schutzplätze in diesen Anlagen, jedoch kein einziger funktions- oder einsatzbereit
- 1.967 — Öffentliche Schutzräume im Jahr 2008, bevor das Konzept aufgegeben wurde
- 1.000.000 — Angestrebte Schutzplätze laut BBK-Ankündigung vom Juni 2025
- 10 Mrd. Euro — Investitionsvolumen des Kabinettsbeschlusses vom 20. Mai 2026 bis 2029
Im Detail
Die Errichtung neuer Bunkeranlagen mit hohem Schutzstandard allein reiche hierfür nicht aus, da diese kostenintensiv seien und ihre Umsetzung zu viel Zeit in Anspruch nehme.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/8855
Öffentliche Schutzräume für die Zivilbevölkerung stehen wieder auf der politischen Agenda. Doch der Abstand zwischen Ankündigung und Realität ist groß: Laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) existieren in Deutschland noch 579 öffentliche Schutzräume mit rund 478.000 Schutzplätzen – kein einziger davon ist funktions- oder einsatzbereit. Das Bundeskabinett hat am 20. Mai 2026 mit dem „Pakt für den Bevölkerungsschutz“ immerhin zehn Milliarden Euro bis 2029 in Aussicht gestellt. Mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/8855 vom 30. Oktober 2026 wollen die AfD-Abgeordneten Stephan Brandner und Sascha Lensing nun konkrete Antworten auf den Stand der Umsetzung.
Öffentliche Schutzräume: Abbau seit 2007
Der Rückbau des deutschen Zivilschutz-Netzwerks begann im Jahr 2007, als die Bundesregierung beschloss, das Schutzraumkonzept aufzugeben. Im Jahr 2008 existierten noch 1.967 öffentliche Schutzräume; seitdem wurden diese Anlagen nicht mehr funktional erhalten. Heute sind es nur noch 579 – und selbst diese sind nach BBK-Angaben weder betriebsbereit noch sicher nutzbar. Die Wiederbelebung des Zivilschutzes ist damit keine Frage des Ausbaus allein, sondern zunächst eine der Grundinstandsetzung.
BBK-Ziel: Eine Million Schutzplätze
BBK-Präsident Ralph Tiesler kündigte im Juni 2025 an, kurzfristig eine Million Schutzplätze schaffen zu wollen – nicht durch teure Neubauten, sondern durch die Ertüchtigung vorhandener Infrastruktur: Tunnel, U-Bahnhöfe, Tiefgaragen und Keller öffentlicher Gebäude sollen dafür genutzt werden. Die Errichtung neuer Bunkeranlagen allein sei zu kostenintensiv und zeitaufwendig, so die Begründung. Für die öffentlichen Schutzräume stellt sich die Frage, welche Fortschritte seit dieser Ankündigung tatsächlich erzielt wurden – genau das will die Kleine Anfrage klären.
Was gilt aktuell?
Derzeit gibt es keine gesetzliche Verpflichtung der öffentlichen Hand, eine bestimmte Anzahl einsatzbereiter Schutzräume vorzuhalten. Das aufgegebene Schutzraumkonzept von 2007 ist nie formal ersetzt worden. Auch eine verbindliche Aufteilung der Finanzierungsverantwortung zwischen Bund, Ländern und Kommunen fehlt bislang. Der „Pakt für den Bevölkerungsschutz“ schafft zwar eine finanzielle Grundlage, lässt aber laut den Fragestellern noch offen, welche Mittel konkret für öffentliche Schutzräume vorgesehen sind und welche Haushaltspositionen dafür genutzt werden sollen.
Fünf Fragen zu Zahlen, Zeitplan und Kosten
Die Anfrage umfasst fünf detaillierte Fragen, darunter eine Aufschlüsselung nach Bundesländern zum Stichtag 31. Oktober 2026, Planungsziele für die Jahre 2026 bis 2029 sowie Angaben zu kumulierten Ausgaben je Stichtag. Besonders relevant ist Frage 5: Welche Mittel aus dem zehn Milliarden Euro schweren Bevölkerungsschutz-Paket sind konkret für Schutzräume vorgesehen, aus welchen Haushaltstiteln kommen sie, und in welchem Umfang beteiligen sich Länder und Kommunen? Die Verteidigungsausgaben und die Frage der Finanzierungsarchitektur sind auch Gegenstand des laufenden Diskurses über die Schuldenbremsen-Bereichsausnahme für Verteidigung.
Die Anfrage dokumentiert eine strukturelle Lücke im deutschen Zivilschutz: Trotz politischer Ankündigungen und einem milliardenschweren Investitionsprogramm fehlt öffentlich dokumentierter Fortschritt beim Aufbau einsatzbereiter öffentlicher Schutzräume. Die Bundesregierung muss nun mit konkreten Zahlen, Zeitplänen und Mittelzuweisungen antworten.
Betroffen ist die gesamte Bevölkerung Deutschlands, die im Falle bewaffneter Konflikte oder schwerer Katastrophen auf funktionsfähige Schutzräume angewiesen wäre. Kommunen und Länder sind als potenzielle Mitfinanziers ebenfalls betroffen, da die Frage der Kostenteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen noch ungeklärt ist.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/8855) ist am 30. Oktober 2026 eingegangen. Die schriftliche Antwort der Bundesregierung steht noch aus; § 104 GO-BT sieht grundsätzlich eine Frist von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vor. Nach Eingang der Antwort wird diese als eigene Drucksache veröffentlicht.
- BBK
- Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ist die zentrale Bundesbehörde für den zivilen Schutz der Bevölkerung in Deutschland.
- Schutzraumkonzept
- Das staatliche Konzept zur Bereitstellung öffentlicher Schutzräume für die Zivilbevölkerung wurde 2007 aufgegeben; seitdem werden keine neuen Bunkeranlagen mehr vom Bund unterhalten.
- Pakt für den Bevölkerungsschutz
- Am 20. Mai 2026 vom Bundeskabinett beschlossenes Investitionsprogramm mit zehn Milliarden Euro bis 2029, das unter anderem den Ausbau von Schutzräumen vorsieht.
Wie viele Schutzräume gibt es in Deutschland?
Laut BBK sind derzeit 579 öffentliche Schutzräume mit rund 478.000 Schutzplätzen dem Zivilschutz gewidmet – keiner davon ist funktions- oder einsatzbereit.
Was ist der 'Pakt für den Bevölkerungsschutz'?
Das Bundeskabinett beschloss am 20. Mai 2026 diesen Pakt, der Investitionen von zehn Milliarden Euro bis zum Jahr 2029 vorsieht, unter anderem für den Ausbau von Schutzräumen.
Wann wurden Deutschlands Schutzräume aufgegeben?
Im Jahr 2007 wurde beschlossen, das Schutzraumkonzept aufzugeben, woraufhin die funktionale Erhaltung der Anlagen eingestellt wurde. 2008 gab es noch 1.967 öffentliche Schutzräume.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8855 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































