- 90 Prozent der Wissenschaftler unter 45 Jahren befristet beschäftigt
- 1.000 neue Tenure-Track-Professuren geplant
- 17.000 bis 18.000 Professuren werden bis 2033 neu besetzt
WissZeitVG-Reform: Grüne fordern mehr Dauerstellen für Wissenschaftler
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6345 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das deutsche Wissenschaftssystem steht vor der größten Neubesetzungswelle seiner Geschichte. Bis 2033 werden laut dem Centrum für Hochschulentwicklung 17.000 bis 18.000 Professuren neu besetzt. Gleichzeitig herrscht an den Hochschulen eine massive Befristungspraxis: 90 Prozent aller wissenschaftlichen Beschäftigten unter 45 Jahren arbeiten in befristeten Verhältnissen. Das Durchschnittsalter bei der Erstberufung auf eine Professur liegt in Deutschland bei über 42 Jahren — einem der höchsten Werte in Europa.
- 90 Prozent — Anteil befristet beschäftigter Wissenschaftler unter 45 Jahren an deutschen Hochschulen
- 17.000 bis 18.000 — Professuren, die bis 2033 in Deutschland neu besetzt werden müssen
- 1.000 — Neue Tenure-Track-Professuren, die bis 2030 geschaffen werden sollen
- 42 Jahre — Durchschnittsalter bei Erstberufung auf eine Professur in Deutschland
- 2 Millionen Euro — Investitionspauschale pro Hochschule für den Aufbau von Department-Strukturen
Im Detail
Weder eine singuläre Gesetzesänderung noch ein einzelnes Programm kann die notwendige Veränderung allein bewirken. Umso wichtiger ist es, dass die Bundesregierung schnell, entschlossen und gemeinsam mit Ländern und Wissenschaft einen umfassenden Reformprozess einleitet.
— Begründung BT-Drs. 21/6345
Die Grünen-Fraktion im Bundestag hat eine Reform der Arbeitsbedingungen an deutschen Hochschulen vorgeschlagen. Mit einem am 9. Juni 2026 eingebrachten Antrag (BT-Drs. 21/6345) forderten die Abgeordneten eine umfassende Überarbeitung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes. Außerdem soll es mehr Dauerstellen für Wissenschaftler geben.
90 Prozent aller wissenschaftlichen Beschäftigten unter 45 Jahren sind derzeit befristet beschäftigt — diese Zahl geht aus dem Bundesbericht „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer frühen Karrierephase“ (BuWiK) 2025 hervor. Die Befristungspraxis führt nach Ansicht der Grünen zu einem erheblichen Verlust von Nachwuchskräften. Diese suchen Planungssicherheit in anderen Ländern oder außerhalb der Wissenschaft.
Was gilt aktuell?
Das bestehende Wissenschaftszeitvertragsgesetz erlaubt weitreichende Befristungen von Arbeitsverträgen an Hochschulen. Wissenschaftliche Mitarbeiter können für die Dauer ihrer Qualifizierung — etwa zur Promotion oder Habilitation — befristet beschäftigt werden. Dies führt in der Praxis oft zu Kettenbefristungen. Eine Perspektive auf eine Dauerstelle gibt es meist nicht. Das Durchschnittsalter bei der Erstberufung auf eine Professur liegt in Deutschland bei über 42 Jahren — einer der höchsten Werte in Europa.
Kernforderungen der Reform
Die Grünen schlagen eine strukturierte Orientierungsphase nach der Promotion vor, in der Verträge mindestens zwei Jahre laufen müssen. Diese Zeit soll für die Verwertung von Forschungsergebnissen genutzt werden. Ausgründungen oder internationale Gastaufenthalte sind ebenfalls möglich. Danach soll die unbefristete Beschäftigung zum Standard werden — etwa als Lecturer, Researcher oder Leiter von Forschungseinrichtungen.
Für Qualifizierungsverträge forderten die Grünen eine Mindestlaufzeit von vier Jahren und einen garantierten Anteil von mindestens 50 Prozent der Arbeitszeit für die eigene wissenschaftliche Arbeit. Studentische Beschäftigte sollen grundsätzlich Verträge von mindestens einem Jahr erhalten.
1.000 neue Tenure-Track-Professuren geplant
Das bestehende Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses soll zum „Tenure Track 1.000 Plus“ ausgebaut werden. Bis 2030 sollen mindestens 1.000 neue Tenure-Track-Professuren entstehen. Diese bieten jungen Wissenschaftlern einen planbaren Weg zu einer unbefristeten Professur.
Zusätzlich forderten die Grünen ein Bund-Länder-Programm zur Modernisierung der Personalstrukturen an Hochschulen. Eine Modernisierungspauschale soll die Einrichtung von Dauerstellen für neue Aufgabenfelder ermöglichen. Etwa im Bereich Open Science Management, Datenkuratierung oder KI-Koordination.
Neubesetzungswelle bis 2033
Deutschland steht bis 2033 vor der größten Neubesetzungswelle in der Geschichte des Hochschulsystems. Nach Angaben des Centrums für Hochschulentwicklung werden 17.000 bis 18.000 Professuren neu besetzt. Diese altersbedingte Pensionierungswelle eröffnet nach Ansicht der Grünen ein Reformfenster für neue Strukturen.
Der Antrag bewertet den aktuellen Referentenentwurf der Bundesregierung zur WissZeitVG-Reform als unzureichend, da er zentrale Bereiche ausklammert. Eine erkennbare „Mittelbaustrategie“ enthält er nicht. Haushaltskürzungen in Ländern wie Hessen und Berlin verschärfen die Situation an den Hochschulen zusätzlich.
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Betroffen sind vor allem junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an deutschen Hochschulen, die derzeit überwiegend in prekären befristeten Verhältnissen arbeiten. Auch Studierende profitieren von besseren Lehrbetreuung durch planbarere Personalstrukturen.
Der Antrag wird zunächst an den zuständigen Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung überwiesen. Nach der Ausschussberatung folgt die Abstimmung im Bundestag. Da es sich um einen Oppositionsantrag handelt, ist eine Ablehnung durch die Regierungskoalition wahrscheinlich.
- Tenure-Track
- Ein Karriereweg, bei dem Nachwuchswissenschaftler nach erfolgreicher Bewährung eine unbefristete Professur erhalten.
- WissZeitVG
- Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz regelt die Befristung von Arbeitsverträgen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen.
Wie viele Wissenschaftler sind derzeit befristet beschäftigt?
Laut Bundesbericht waren zuletzt 90 Prozent aller wissenschaftlichen Beschäftigten unter 45 Jahren befristet beschäftigt.
Was soll das Tenure-Track-Programm bewirken?
Das Programm soll bis 2030 mindestens 1.000 neue Tenure-Track-Professuren schaffen und damit planbare Karrierewege ermöglichen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6345 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.







































































