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Home Themen Arbeit & Soziales

EU-Anti-Armutsstrategie: Keine neuen Bundesmittel geplant

durch Redaktion Bundestag
28. Juli 2026
in Arbeit & Soziales
0
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/7152

KI-generiertes Titelbild zur Bundestagsdrucksache 21/7152

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VerfahrensstandAntwort
Anfrage beantwortet
✓
Anfrage eingereicht
Die parlamentarische Anfrage wurde eingereicht.
2
Antwort veröffentlicht
Die Bundesregierung hat schriftlich geantwortet.
Vorgang VO336672 →

📄 Quelle: Deutscher Bundestag / DIP — BT-Drs. 21/7152 | Antwort | Original-PDF | dip.bundestag.de

⏱ 6 Min. Lesezeit🔄 Akt.: 28.07.2026
⚡ Auf einen Blick
  • 93 Millionen Menschen in der EU von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht
  • Keine zusätzlichen Bundesmittel für EU-Anti-Armutsstrategie geplant
  • Nationaler Umsetzungsplan noch nicht beschlossen, Beratungen im Anfangsstadium
🔗 Hintergrund: Antwort auf die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/6772 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.
  • Bundestag 26.07.2026: Die wichtigsten Drucksachen
  • Bürgergeld-Quoten 2025: Regionale Unterschiede und Vornamen-Statistik

Hintergrund

Am 6. Mai 2026 hat die Europäische Kommission die erste EU-Strategie zur Armutsbekämpfung (APS) vorgestellt. Sie zielt darauf ab, die Zahl der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Menschen in der EU bis 2030 um mindestens 15 Millionen zu senken — ein Ziel der Europäischen Säule sozialer Rechte. Ein erster Austausch der EU-Sozialministerinnen und -minister fand beim EPSCO-Rat am 29. Juni 2026 statt. Bei der Strategie handelt es sich nicht um einen verbindlichen Rechtsakt, sondern um einen politischen Rahmen, dessen Umsetzung vom Willen der Mitgliedstaaten abhängt.

📊 Zahlen auf einen Blick
  • 93 Millionen — Menschen in der EU sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht (ca. jeder Fünfte).
  • 1 Million — Menschen in der EU sind laut Drucksache von Wohnungslosigkeit betroffen.
  • 15 Millionen — Um diese Zahl soll die Zahl armutsbedrohter EU-Bürger bis 2030 sinken (EU-Ziel).
  • 350 Maßnahmen — Sieht der Nationale Aktionsplan „Neue Chancen für Kinder in Deutschland“ für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche vor.
  • 0 Euro — Zusätzliche Bundesmittel für die Umsetzung der EU-Anti-Armutsstrategie sind derzeit geplant.

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Infografik BT-Drs. 21/7152
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Im Detail

Es sind derzeit keine zusätzlichen Bundesmittel für die Umsetzung der APS geplant. Im Kontext des Europäische Sozialfonds (ESF) des Bundes der Förderperiode 2021 bis 2027 werden bezogen auf die APS keine zusätzlichen Haushaltsmittel bereitgestellt.

— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7152, S. 4–5

Rund 93 Millionen Menschen — etwa jeder fünfte Einwohner der Europäischen Union — sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Hinzu kommen rund 1 Million wohnungslose Menschen in der EU. Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Kommission am 6. Mai 2026 die erste EU-Strategie zur Armutsbekämpfung vorgestellt. Wie Deutschland diese Strategie umsetzen will, wollte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit einer Kleinen Anfrage wissen — die Bundesregierung hat nun geantwortet (BT-Drs. 21/7152, 14. Juli 2026).

Das zentrale Ergebnis: Zusätzliche Bundesmittel sind nicht geplant. Die Bundesregierung teilt mit, für die Umsetzung der EU-Anti-Armutsstrategie seien weder im laufenden Bundeshaushalt noch im Rahmen des Europäischen Sozialfonds (ESF+) für die Förderperiode 2021 bis 2027 neue Haushaltsmittel vorgesehen. Stattdessen soll auf bestehende Umsetzungs- und Monitoringstrukturen zurückgegriffen werden — so wie es auch die EU-Kommission in ihrer Mitteilung vorschlägt.

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EU-Anti-Armutsstrategie: Was gilt aktuell?

Die EU-Anti-Armutsstrategie ist kein verbindlicher Rechtsakt, sondern ein politischer Rahmen. Sie enthält Empfehlungen zu sechs Handlungsfeldern: gute Arbeit, Einkommenssicherung, Zugang zu Dienstleistungen, Wohnungslosigkeit, Kindergarantie und Rechte von Menschen mit Behinderungen. Für Deutschland bedeutet das: Die Strategie verpflichtet zu nichts, kann aber als politischer Maßstab genutzt werden. Ein erster Austausch der EU-Sozialministerinnen und -minister fand beim EPSCO-Rat am 29. Juni 2026 statt. Die Bundesregierung bezeichnet die Beratungen zur nationalen Umsetzung als im „Anfangsstadium“.

Nationaler Umsetzungsplan: Noch keine Entscheidung

Ob Deutschland einen eigenen nationalen Umsetzungsplan zur EU-Anti-Armutsstrategie erstellen wird, lässt die Bundesregierung offen. Auf die Frage der Grünen-Fraktion nach einem solchen Plan sowie nach der Benennung eines nationalen Anti-Armutskoordinators antwortet die Regierung, die Beratungen befänden sich erst im Anfangsstadium. Ebenso ungeklärt bleibt, wie Menschen mit Armutserfahrung in die Umsetzung strukturell eingebunden werden sollen. Laut Drucksache bestehen zwar etablierte Beteiligungsformate — etwa über die Nationale Armutskonferenz und den Siebten Armuts- und Reichtumsbericht —, wie diese für die konkrete APS-Umsetzung genutzt werden, stehe aber noch nicht fest.

Kinderarmut und Wohnungslosigkeit im Fokus

Konkrete Schritte nennt die Bundesregierung beim Thema Kinderarmut: Parlamentarische Staatssekretärin Mareike Wulf (Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend) ist als Kinderchancen-Koordinatorin eingesetzt und überwacht den Nationalen Aktionsplan „Neue Chancen für Kinder in Deutschland“ mit insgesamt 350 Maßnahmen. Ergänzend verweist die Regierung auf direkte Geldleistungen wie Kindergeld und Kinderzuschlag sowie steuerliche Entlastungen für Alleinerziehende. Beim Thema Wohnungslosigkeit verweist die Bundesregierung auf den laufenden EU-Ratsempfehlungsprozess zur Ausgrenzung am Wohnungsmarkt — eigene verbindliche Ziele auf nationaler Ebene kündigt sie nicht an. Zur Begründung heißt es, die EU habe keine Kompetenz, Mitgliedstaaten verbindliche Vorgaben zur Beendigung von Wohnungslosigkeit zu machen. Angesichts der regionalen Unterschiede bei Sozialleistungsbezug ist die Frage nach konkreten nationalen Maßnahmen politisch brisant.

Mehrjähriger Finanzrahmen 2028–2034 als offene Flanke

Mehrere Fragen der Grünen-Fraktion zielten auf die künftige EU-Finanzierung sozialer Maßnahmen. Die Bundesregierung unterstützt laut eigenen Angaben die von der EU-Kommission vorgeschlagene Quote für Soziales in den Nationalen und Regionalen Partnerschaftsplänen (NRPPs) als horizontales Ziel. Ob ESF+-Mittel im nächsten Finanzrahmen gekürzt werden, lässt die Regierung jedoch offen — die Verhandlungen laufen noch. Eine konkrete Aussage zur Frage, ob sich Deutschland gegen Kürzungen der ESF+-Mittel einsetzt, verweigert die Regierung mit dem Verweis auf laufende Verhandlungen. Auch beim Thema Antidiskriminierung verweist die Bundesregierung auf einen bereits eingebrachten Gesetzentwurf zur Verbesserung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (BT-Drs. 21/6178), der kostenlosen und barrierefreien Zugang zu Beratungsleistungen stärken soll. Die Weiterentwicklung der sozialpolitischen Rahmenbedingungen bleibt damit auf mehreren Ebenen offen.

Zur Frage, welche konkreten Indikatoren für die Messung der Umsetzung der EU-Anti-Armutsstrategie genutzt werden sollen, verweist die Bundesregierung auf das bestehende Indikatorentableau der Armuts- und Reichtumsberichterstattung sowie auf künftige gemeinsame EU-Indikatorenentwicklung — deren Ergebnis sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt „noch nicht absehbar“.

Weiterlesen:

  • Zukunftszentrum Halle: Kosten steigen auf 277 Mio. Euro
👥 Wen betrifft das?

Besonders betroffen von Armut und sozialer Ausgrenzung sind laut Drucksache Kinder und Jugendliche, Frauen, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen, Roma, LGBTIQ+-Personen sowie Menschen mit Migrations- oder Fluchterfahrung. In Deutschland können Menschen, die ihnen zustehende Sozialleistungen wie Bürgergeld, Wohngeld oder Kinderzuschlag nicht in Anspruch nehmen, statistisch nicht vollständig erfasst werden.

⚖️ Antwortverhalten der Bundesregierung

😠😕😐😊

😕 Teilweise beantwortet

Die Bundesregierung beantwortet mehrere Fragen zu konkreten nationalen Maßnahmen, Zeitplänen und einem Anti-Armutskoordinator nur mit dem Hinweis, die Beratungen befänden sich im Anfangsstadium. Fragen zu Finanzierung (Nr. 16) werden pauschal auf vorherige Antworten verwiesen. Die Antworten sind inhaltlich weitgehend offen gehalten und vermeiden konkrete Zusagen.

📅 Parlamentarischer Fahrplan

Die Anfrage ist durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit Schreiben vom 13. Juli 2026 beantwortet worden. Auf nationaler Ebene sind weitere Beratungen zur Ausgestaltung eines möglichen Umsetzungsplans angekündigt, ein konkreter Zeitplan fehlt jedoch. Auf EU-Ebene laufen die Verhandlungen zum Mehrjährigen Finanzrahmen 2028–2034 weiter, deren Ergebnis die künftige Mittelausstattung für Armutsbekämpfung bestimmt.

⚖️ Erwähnte Gesetze
  • Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
📖 Begriffe erklärt
EU-Anti-Armutsstrategie (APS)
Am 6. Mai 2026 von der EU-Kommission vorgestellter politischer Rahmen zur Armutsbekämpfung in der EU. Kein verbindlicher Rechtsakt, sondern Empfehlung an die Mitgliedstaaten.
ESF+ (Europäischer Sozialfonds Plus)
Wichtigstes EU-Instrument zur Förderung von Arbeitsmarktintegration, sozialer Inklusion und Armutsbekämpfung. Aktuelle Förderperiode läuft bis 2027.
EPSCO-Rat
Rat für Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz der EU — zuständiges Ministergremium für Sozialpolitik auf EU-Ebene.
❓ Häufige Fragen

Plant Deutschland einen eigenen Umsetzungsplan zur EU-Armutsstrategie?

Laut Bundesregierung befinden sich die Beratungen zur Umsetzung noch im Anfangsstadium. Ein konkreter nationaler Umsetzungsplan ist bisher nicht angekündigt.

Gibt es zusätzliche Bundesmittel für die Armutsbekämpfung?

Nein. Die Bundesregierung plant derzeit keine zusätzlichen Haushaltsmittel für die Umsetzung der EU-Anti-Armutsstrategie und setzt auf bestehende Finanzierungsinstrumente.

Wie wird Kinderarmut in Deutschland bekämpft?

Die Bundesregierung nennt den Nationalen Aktionsplan 'Neue Chancen für Kinder in Deutschland' mit 350 Maßnahmen sowie direkte Geldleistungen wie Kindergeld und Kinderzuschlag. Eine Kinderchancen-Koordinatorin überwacht die Umsetzung.

Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7152 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

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Tags: ArmutBundesregierungBÜNDNIS 90/ DIE GRÜNENBürgergeldDrucksache 21/7152ESF+EU-Anti-ArmutsstrategieKinderarmutSozialpolitikSylvia RietenbergTimon DzienusVO336672Wohnungslosigkeit

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Bundestag 20.10.2026: Die wichtigsten Drucksachen

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Aus den Ausschüssen – KW23/2026

Aus den Ausschüssen – KW23/2026

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Plenarsaal des Deutschen Bundestages

Heute im Bundestag – 24.09.2026

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Aus den Ausschüssen – KW41/2026

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Bundesförderung im Bundestag: Kontrolle, Transparenz und Millionenbeträge

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Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8573

Iran-Diplomatie 2026: Rahmenabkommen abgelaufen

26. Oktober 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8592

IFG-Reform: 35.173 Anfragen, kaum Kostendaten

26. Oktober 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8574

Gasversorgung Winter 2026/2027: 149 TWh in Speichern

26. Oktober 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8593

Schienengüterverkehr: Prognosen verfehlt auf Neubaustrecken

26. Oktober 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8571

BKA-Datenankauf: Bundesregierung verweigert Auskunft

26. Oktober 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8567

Biomasse: Keine Strategie, 2,02 Mio. Hektar Anbaufläche

26. Oktober 2026

Meistgelesen

Wirtschaft & Finanzen

Invest in Germany Summit: 5 Mio. Euro, 550 Einladungen

10. Oktober 2026
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Altersteilzeit-Blockmodell: Reform und Fakten 2026

26. August 2026
Verkehr & Infrastruktur

Generalsanierung Rosenheim–Salzburg: 73 Fragen zur Bahnsperrung 2027

20. Juli 2026
Wirtschaft & Finanzen

ELStAM-Verfahren: Datenlücken bei PKV-Kinderbeiträgen

19. Oktober 2026

Neueingänge

  • Iran-Diplomatie 2026: Rahmenabkommen abgelaufen
  • IFG-Reform: 35.173 Anfragen, kaum Kostendaten
  • Gasversorgung Winter 2026/2027: 149 TWh in Speichern
  • Schienengüterverkehr: Prognosen verfehlt auf Neubaustrecken
  • BKA-Datenankauf: Bundesregierung verweigert Auskunft
  • Biomasse: Keine Strategie, 2,02 Mio. Hektar Anbaufläche
  • Dobrindt-Pläne: Regierung schützt Aktionäre statt Mieter*innen
  • Deutsche Darlehen nur für deutsche Interessen
  • ME/CFS: 118 Mio. Euro Förderung, nur vier Off-Label-Mittel
  • Bundestag 25.10.2026: Die wichtigsten Drucksachen
  • Flächenkonkurrenz: Landwirtschaft vs. Infrastruktur- und Naturschutzrecht

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