- Heliumpreis stieg von 6 auf 17 Euro/m³ — fast verdreifacht seit 2017
- Deutschland bezieht 39 Prozent seines Heliums aus Katar über den Seeweg
- Keine strategischen Heliumreserven für das Gesundheitssystem vorhanden
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6778 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Blockade der Straße von Hormus im Kontext des Konflikts im Nahen Osten hat seit Anfang 2026 zu erheblichen Preisanstiegen bei Energie- und Rohstofftransporten geführt. Katar, der weltgrößte LNG-Exporteur, deckt rund 40 Prozent des weltweiten Heliumbedarfs — Deutschland bezog zwischen 2017 und 2026 knapp 39 Prozent seines Heliums aus Katar. Da Helium für den Betrieb von MRT-Geräten und die Arzneimittelprüfung gesetzlich notwendig ist, rücken mögliche Lieferunterbrechungen in den Fokus der Gesundheitspolitik. Die Bundesregierung hat am 29. April 2026 das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz im Kabinett beschlossen, das steigende Kosten im Gesundheitssystem begrenzen soll.
- 6 → 17 Euro/m³ — Anstieg des deutschen Helium-Importpreises von 2017 bis 2025, nahezu eine Verdreifachung; 2026 bislang bei 14 Euro/m³.
- 39 Prozent — Anteil Katars an deutschen Heliumimporten 2017–2026; Katar exportiert Helium per Schiff über die Straße von Hormus.
- 3,0 Mrd. Euro — Energiekosten der deutschen Krankenhäuser im Jahr 2024 (2015: 2,1 Mrd. Euro; +42 Prozent).
- 100 → über 200 US-Dollar/Barrel — Preisanstieg für Flugturbinenkraftstoff seit Beginn 2026 infolge der Blockade der Straße von Hormus; aktuell ca. 140 US-Dollar.
- ca. 1,5 Mio. m³ — geschätzter jährlicher Heliumverbrauch des deutschen MRT-Sektors (rund 21 Prozent des Nettoverbrauchs).
Im Detail
Eine grundsätzliche Beeinträchtigung der Gesundheitsversorgung oder des Versorgungssystems liegt derzeit nicht vor. Ungeachtet dessen ist davon auszugehen, dass die Dauer des Krieges darüber entscheiden wird, ob durch Handelshemmnisse, logistische Probleme und Verteuerungen Mangelsituationen entstehen.
— Bundesministerium für Gesundheit, BT-Drs. 21/6778, Antwort auf Frage 1
Die Blockade der Straße von Hormus im Zuge des Konflikts im Nahen Osten stellt die Versorgungssicherheit des deutschen Gesundheitssystems vor neue Herausforderungen. Kerosin, Erdöl, Erdgas und vor allem Helium — ein für MRT-Geräte und die Arzneimittelzulassung unverzichtbares Edelgas — werden über diese strategisch bedeutsame Seeroute transportiert. Die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf BT-Drs. 21/6778 vom 29. Juni 2026 klargestellt: Unmittelbare Engpässe sind derzeit nicht erkennbar, die Lage bleibt aber angespannt.
Heliumversorgung: Abhängigkeit von Katar
Deutschland ist vollständig auf Heliumimporte angewiesen. Im Zeitraum 2017 bis 2026 stammten 39 Prozent der deutschen Heliumimporte aus Katar, 15 Prozent aus den USA und rund 15 Prozent aus Algerien. Katar exportiert Helium verflüssigt in Spezialcontainern per Schiff — ein Transportweg, der direkt durch die von Konflikten betroffene Region führt. Nach Angriffen auf katarische Industrieanlagen in Ras Laffan und Mesaieed wurde die LNG- und Heliumproduktion zeitweise eingestellt; die Instandsetzung kann bis zu fünf Jahre dauern.
Der durchschnittliche Importpreis für Helium in Deutschland stieg von 6 Euro pro Kubikmeter im Jahr 2017 auf 17 Euro pro Kubikmeter im Jahr 2025 — nahezu eine Verdreifachung. Im laufenden Jahr 2026 liegt er bislang bei 14 Euro pro Kubikmeter. Wie genau sich diese Preisentwicklung auf die Kosten der Gesundheitsversorgung auswirkt, kann die Bundesregierung mangels Daten nicht beziffern.
Was gilt aktuell?
Für den Betrieb von MRT-Geräten wird flüssiges Helium zur Kühlung der Magnetspulen benötigt — der Verbrauch liegt je nach Gerät bei bis zu 1.700 Litern. Für die Chargenprüfung bei der Arzneimittelzulassung ist eine heliumgestützte Analytik gesetzlich vorgeschrieben; Alternativen auf Basis von Wasserstoff oder Stickstoff sind technisch möglich, erfordern aber umfangreiche Validierungen und behördliche Genehmigungen. Für CT-Geräte wird dagegen kein Helium benötigt. Moderne MRT-Geräte können mittlerweile heliumfrei oder heliumarm betrieben werden, was den künftigen Bedarf voraussichtlich senken wird.
Eigene strategische Reserven an Helium für das Gesundheitssystem existieren in Deutschland nicht. Kurzfristige Lieferausfälle können laut Bundesregierung teilweise durch den Heliumspeicher des Unternehmens Air Liquide in Gronau-Epe abgepuffert werden. Angaben zum aktuellen Füllstand des Speichers sind nicht öffentlich verfügbar.
Energiekosten der Krankenhäuser: 42 Prozent Anstieg seit 2015
Die Gesamtkosten für Wasser, Energie und Brennstoffe aller deutschen Krankenhäuser beliefen sich 2024 laut Statistischem Bundesamt auf rund 3,0 Milliarden Euro — gegenüber 2,1 Milliarden Euro im Jahr 2015 entspricht das einem Anstieg von rund 42 Prozent. Bei Arztpraxen machten Energie- und Wasserkosten in den Jahren 2015, 2019 und 2023 konstant 0,9 Prozent der Gesamtausgaben aus. Eine direkte Verbindung zum Konflikt in der Straße von Hormus lässt sich aus diesen Zahlen nicht isoliert ableiten, da auch andere Faktoren in den Energiepreis einfließen.
Luftrettung: Treibstoffpreise mehr als verdoppelt
Besonders stark trifft die Preisentwicklung die Luftrettung: Flugturbinenkraftstoff (Jet A-1) wurde im Februar 2026 noch für knapp 100 US-Dollar pro Barrel gehandelt. Infolge der Blockade der Straße von Hormus stieg der Preis auf über 200 US-Dollar, bevor er sich auf derzeit rund 140 US-Dollar pro Barrel einpendelte. Konkrete Mehrkosten für die Betreiber von Rettungshubschraubern kann die Bundesregierung nicht beziffern — entsprechende Daten liegen ihr nicht vor. Ein Nothilfeprogramm plant die Bundesregierung nicht. Bestehende Ausnahmeregelungen im SGB V erlauben jedoch in begründeten Einzelfällen Vergütungssteigerungen oberhalb der Grundlohnrate, wenn die medizinische Versorgung andernfalls nicht gewährleistet werden kann.
Asiatische Lieferketten und Halbleiter
Auch für die Produktion von Medizinprodukten und Halbleitern — unverzichtbare Komponenten für MRT-Geräte, Beatmungsgeräte und Implantate — bestehen Abhängigkeiten von Rohstoffimporten über die betroffenen Seewege. Taiwan bezog 2025 mehr als 90 Prozent seiner Heliumimporte aus Katar, Südkorea rund 65 Prozent und Japan etwa 37 Prozent. Seit März 2026 kompensieren alle drei Staaten Lieferausfälle aus Katar durch deutlich gestiegene Importe aus den USA. Konkrete Lieferengpässe bei für Deutschland relevanten Medizinprodukten aus Asien sind der Bundesregierung bislang nicht bekannt.
Die Drucksache 21/6778 verdeutlicht, dass die Abhängigkeit des deutschen Gesundheitssystems von globalen Rohstofflieferketten über kritische Seewege real ist — auch wenn die akuten Auswirkungen bislang begrenzt bleiben. Vergleichbare Fragen zu steigenden Lebensmittelpreisen durch Lieferkettenunterbrechungen diskutiert der Bundestag in ähnlichem Kontext, wie etwa bei Düngemittelpreisen nach dem Iran-Krieg. Fragen zur GKV-Finanzierung stehen parallel zur Debatte um die IGeL-Reform und den Schutz für GKV-Versicherte. Grundsätzliche Fragen zur Versorgungssicherheit bei kritischen Rohstoffen werden auch im Kontext der EU-Sanktionspolitik diskutiert.
Weiterlesen:
- Lebensmittelpreise: Düngemittel 70% teurer nach Iran-Krieg
- IGeL-Reform: Linke fordert Schutz für GKV-Versicherte
- EU-Sanktionen gelten auch in Energiekrisen weiterhin
Betroffen sind Krankenhäuser, Arztpraxen, pharmazeutische Unternehmen und Hersteller von Medizinprodukten in Deutschland. Rund 2.100 Kliniken tragen Energiekosten von jährlich etwa 3,0 Milliarden Euro (2024). GKV-Beitragszahler könnten durch steigende Betriebskosten im Gesundheitswesen indirekt belastet werden. Besonders vulnerable Patientengruppen, die auf regelmäßige MRT-Diagnostik oder spezialisierte Medikamente angewiesen sind, trügen im Engpassfall ein erhöhtes Versorgungsrisiko.
Die Bundesregierung beantwortet viele Detailfragen (u.a. Fragen 4, 7, 29) mit dem Verweis, dass keine Daten vorliegen oder verweist pauschal auf frühere Antworten. Konkrete Mengenangaben für medizinische Einrichtungen, Anzahl der CT- und MRT-Geräte sowie Mindestvorgaben zur Heliumbevorratung bleiben ohne substantielle Antwort.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 29.06.2026) Helium-Knappheit: Straße von Hormus bedroht Deutschlands MRT →
- Helium (medizinisch)
- Edelgas, das zur Kühlung der Supraleitermagnete in MRT-Geräten und zur Qualitätsprüfung von Arzneimitteln unverzichtbar ist. Deutschland ist vollständig auf Importe angewiesen.
- GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz
- Im April 2026 vom Kabinett beschlossener Gesetzentwurf, der steigende Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung durch eine Bindung der Vergütungsanstiege an die Grundlohnrate begrenzen soll.
- BfArM
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte — betreibt ein Frühwarnsystem für Arzneimittellieferengpässe und steht im Kontakt mit Pharmaverbänden und dem EU-Netzwerk.
Ist die Heliumversorgung für Krankenhäuser aktuell gesichert?
Laut Bundesregierung liegen keine Hinweise auf unmittelbare flächendeckende Engpässe vor. Kurzfristig kann der Heliumspeicher von Air Liquide in Gronau-Epe Lieferausfälle teilweise abfedern.
Woher bezieht Deutschland sein Helium?
Im Zeitraum 2017–2026 stammten 39 Prozent der deutschen Heliumimporte aus Katar, 15 Prozent aus den USA und 15 Prozent aus Algerien. Helium wird überwiegend verflüssigt per Schiff transportiert.
Warum ist Helium für die Medizin so wichtig?
Helium kühlt die Magnetspulen von MRT-Geräten und ist für die chargenweise Prüfung bei der Arzneimittelzulassung gesetzlich vorgeschrieben. Ohne Helium können viele diagnostische und pharmazeutische Prozesse nicht durchgeführt werden.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6778 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































