- Bund gibt Sportstättenatlas nach 1,14 Mio. Euro Kosten auf
- Über 220.000 Sportstätten ohne vollständige Erfassung
- Prototyp mit 200.000 Datensätzen unvollständig und nicht nutzbar
- Deutschfeindliche PMK-rechts-Straftaten: 37 Fälle 2024 und 2025
- Bürgergeld im Bundestag: Anfragen, Petitionen und Reformdebatten
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6804 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das Bundesministerium des Innern beauftragte das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) bereits vor März 2019 mit der Entwicklung eines Digitalen Sportstättenatlas Deutschland (DSD), der alle Sportstätten bundesweit erfassen und deren baulichen Zustand abbilden sollte. Das Vorhaben startete mit einer Machbarkeitsstudie an der Hochschule Koblenz (2019–2021), gefolgt von einem Schätzverfahren-Projekt (2022–2023) und einem parallelen IT-Projekt unter Federführung der KPMG AG (2021–2025). Nach Abschluss aller drei Teilprojekte zieht die Bundesregierung in BT-Drs. 21/6804 Bilanz: Ein vollständiger, nutzbarer Atlas ist nicht entstanden. Das grundlegende Problem ist das Fehlen standardisierter Daten bei den Eigentümern und Betreibern der Sportstätten.
- 61.121,32 Euro — Kosten der Machbarkeitsstudie „Grundlagen für einen digitalen Sportstättenatlas“ (Hochschule Koblenz, 2019–2021)
- 512.362,57 Euro — Kosten des Forschungsprojekts „Schätzverfahren zu Deutschen Sportstätten“ (Hochschule Koblenz, 2022–2023)
- 564.559,78 Euro — Kosten des IT-Projekts „Digitaler Sportstättenatlas für Deutschland“ (KPMG, 2021–2025)
- ca. 200.000 Sportstätten — Kernsportstätten, für die lediglich Standort und grobe Kategorisierung im Prototyp erfasst sind
- über 220.000 — Sportstätten und Schwimmbäder in Deutschland insgesamt, deren vollständige Erfassung aussteht
Im Detail
Die Bundesregierung hat sich entschieden, die Entwicklung eines länderübergreifenden Digitalen Sportstättenatlas in der Federführung des Bundes für Deutschland einstweilen nicht weiter voranzutreiben.
— Vorbemerkung der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6804
Deutschland hat über 220.000 Sportstätten und Schwimmbäder — doch niemand weiß genau, in welchem Zustand sie sich befinden oder wie viele davon tatsächlich sportpolitisch nutzbar sind. Genau das sollte der Digitale Sportstättenatlas Deutschland (DSD) ändern. Nach mehr als sechs Jahren Arbeit und Gesamtausgaben von rund 1,14 Millionen Euro hat die Bundesregierung das Projekt nun eingestellt, ohne ein nutzbares Ergebnis vorweisen zu können. Das geht aus der Antwort auf die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor (BT-Drs. 21/6804, übermittelt am 1. Juli 2026).
Was ist der Digitale Sportstättenatlas?
Das Bundesministerium des Innern erteilte dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) bereits vor März 2019 den Auftrag, einen bundesweiten digitalen Atlas aller Sportstätten zu entwickeln. Ziel war nicht nur eine schlichte Bestandsaufnahme, sondern ein datenbasiertes System zur Ermittlung des baulichen Zustands, des Sanierungsbedarfs und der flächendeckenden Versorgung mit Sportstätten. Solche Informationen fehlen der Sportpolitik bis heute — sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene.
Drei Projekte, 1,14 Millionen Euro — kein nutzbarer Atlas
Das BISp führte insgesamt drei Teilprojekte durch: Zunächst eine Machbarkeitsstudie an der Hochschule Koblenz unter Prof. Dr. Lutz Thieme (September 2019 bis Januar 2021, Kosten: 61.121 Euro). Es folgte das Forschungsprojekt „Schätzverfahren zu Deutschen Sportstätten“ (Januar 2022 bis Dezember 2023, Kosten: 512.363 Euro), ebenfalls an der Hochschule Koblenz. Parallel lief von September 2021 bis Februar 2025 ein IT-Digitalisierungsprojekt unter Federführung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG (Kosten: 564.560 Euro). Im Rahmen des KPMG-Projekts wurde ein Prototyp entwickelt, der Basisdaten zu rund 200.000 Kernsportstätten enthält — allerdings nur Standort und grobe Kategorisierung, keine Angaben zu Bauzustand, Barrierefreiheit oder Öffnungszeiten.
Für eine sportpolitisch nutzbare Auswertung reichen diese Daten laut Bundesregierung nicht aus. Aktuell arbeitet niemand mehr an der Weiterentwicklung des Digitalen Sportstättenatlas.
Warum scheiterte das Projekt?
Das zentrale Problem: Die benötigten Detaildaten liegen ausschließlich bei den — teils privaten — Eigentümern und Betreibern der über 220.000 Sportstätten vor. Diese Informationen sind nicht standardisiert, nicht einheitlich und häufig nicht in digitaler Form verfügbar. Der Bund hat darauf keinen Zugriff. Lediglich einzelne Länder und Kommunen haben bislang Ansätze zur Standardisierung ihrer Sportstättendaten unternommen. Die Bundesregierung erklärt daher, dass der Bund einen vollständigen, validen und aktuellen Digitalen Sportstättenatlas „nicht bzw. nicht mit bezifferbarem und wirtschaftlich vertretbarem Aufwand“ fertigstellen kann.
Digitaler Sportstättenatlas: Wie geht es weiter?
Die Bundesregierung verweist darauf, dass der entwickelte Prototyp „jederzeit wieder aufgreifbare Grundlagen“ biete — allerdings sieht sie nicht den Bund, sondern die Eigentümer und Betreiber der Sportstätten sowie Länder und Kommunen in der Pflicht, das Projekt voranzutreiben. Konkrete Pläne, einen Zeitplan oder eine Kostenschätzung für die Fertigstellung nennt die Bundesregierung nicht. Wie hoch der Gesamtaufwand für Fertigstellung, Betrieb und dauerhafte Aktualisierung wäre, könne sie nicht einschätzen.
Die AfD-Fraktion hatte in ihrer Kleinen Anfrage (BT-Drs. 21/6471) unter anderem kritisiert, dass statt einer einfachen Bestandsliste zunächst aufwändige Vorprojekte initiiert worden seien. Die Bundesregierung begründet dieses Vorgehen damit, dass auch bei Kreisen und Stadt-Sportbünden keine vollständigen und standardisierten Daten vorlägen. Erst durch KI-gestützte Auswertung von Luftbildern des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG) im Rahmen des KPMG-Projekts habe überhaupt ein erster einheitlicher Datenbestand aufgebaut werden können.
Für die Sportpolitik bedeutet das Scheitern des Projekts, dass weiterhin keine verlässliche Datenbasis für Investitionsentscheidungen im Sportstättenbau existiert. Vereine und Kommunen, die auf Sanierungsförderung angewiesen sind, stehen damit vor demselben Informationsdefizit wie vor 2019. Auch die Reform der Spitzensportförderung könnte ohne valide Infrastrukturdaten schwerer umzusetzen sein.
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Betroffen sind Sportvereine, Kommunen, Kreise und Sportverbände, die auf valide Daten zum Sportstättenbestand und Sanierungsbedarf angewiesen sind. Auch Sportpolitiker auf Bundes- und Landesebene können ohne vollständige Datenbasis keine fundierten Förderentscheidungen treffen. Mittelbar betroffen sind alle Bürgerinnen und Bürger, die Sportstätten nutzen und auf deren Erhalt angewiesen sind.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen inhaltlich, weicht jedoch bei Fragen zu Kosten der Fertigstellung und Zeitplan (Fragen 21–24) mit dem Verweis auf fehlende Einschätzbarkeit aus. Angaben zu externen Mitarbeiterzahlen auf Auftragnehmerseite werden verweigert, da die Projekte nicht personenscharf abgerechnet wurden.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 01.07.2026) Sportstättenatlas: 7 Jahre Verzögerung bei Millionenprojekt →
- BISp
- Bundesinstitut für Sportwissenschaft — nachgeordnete Behörde des Bundesministeriums des Innern, zuständig für sportwissenschaftliche Forschung und Förderung.
- 3-Partner-Modell (BVA)
- Ein Rahmenvertragsmodell des Bundesverwaltungsamts, das Bundesbehörden die Beauftragung externer IT-Dienstleister über bestehende Verträge ermöglicht.
- Digitaler Sportstättenatlas (DSD)
- Geplantes bundesweites digitales Verzeichnis aller Sportstätten in Deutschland mit Angaben zu Standort, Zustand und Versorgungsgrad — bislang nicht fertiggestellt.
Warum wurde der Digitale Sportstättenatlas nicht fertiggestellt?
Laut Bundesregierung liegen die benötigten Detaildaten ausschließlich bei den teils privaten Betreibern der über 220.000 Sportstätten vor — in nicht standardisierter und häufig nicht digitaler Form. Der Bund hatte keinen ausreichenden Zugriff darauf.
Wie viel Geld hat das Projekt insgesamt gekostet?
Für die drei Teilprojekte fielen Gesamtkosten von rund 1,14 Millionen Euro an: 61.121 Euro für die Machbarkeitsstudie, 512.363 Euro für das Schätzverfahren und 564.560 Euro für das Digitalisierungsprojekt mit KPMG.
Was bleibt vom Projekt übrig?
Ein Prototyp mit Basisdaten zu rund 200.000 Kernsportstätten, der lediglich Standort und grobe Kategorisierung enthält. Für eine sportpolitisch nutzbare Auswertung fehlen Angaben zu Bauzustand, Barrierefreiheit und Öffnungszeiten.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6804 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































