- Goose Bay stand stets im Eigentum Kanadas — kein Übergang an Deutschland
- Seit 2008 rund 136.900 Euro Betriebs- und Instandhaltungskosten im German Camp
- KSK nutzt Goose Bay weiterhin; Luftwaffe stellte Nutzung 2022 ein
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7320 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Canadian Forces Base Goose Bay in der kanadischen Provinz Labrador diente seit den 1980er-Jahren als zentraler Tiefflug- und Einsatzübungsstandort der deutschen Luftwaffe und weiterer NATO-Staaten. Deutschland errichtete dort umfangreiche Infrastruktur, darunter Hangars, Unterkunftsgebäude und ein separates Waldlager (German Camp). Das Bundesministerium der Verteidigung schloss am 18. November 2008 ein Memorandum of Understanding mit Kanada, das die Nutzungsbedingungen regelt. Grundlage für die parlamentarische Anfrage war der Verdacht, bei einem Treffen in Ottawa im Oktober 2025 sei der Restwert deutscher Liegenschaften auf null gesetzt worden, was einen Eigentumsübergang ausgelöst haben könnte.
- rund 120.000 Euro — Betriebskosten für das German Camp seit 2008
- rund 16.900 Euro — Instandhaltungskosten für das German Camp seit 2008
- 2022 — letztes Jahr aktiver Luftwaffen-Nutzung; KSK nutzt den Standort weiterhin
- 18. November 2008 — Unterzeichnung des Memorandum of Understanding zwischen Deutschland und Kanada
Im Detail
Die kanadische Luftwaffenbasis Goose Bay stand stets im Eigentum Kanadas. Zu keinem Zeitpunkt wurde seitens Kanada das Eigentum an der Luftwaffenbasis ganz oder teilweise auf Deutschland übertragen.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7320, S. 4
Der ehemalige Bundeswehr-Übungsstandort Goose Bay in Kanada steht seit Jahrzehnten im Fokus militärischer Planung — und nun auch parlamentarischer Kontrolle. Auf 17 Fragen der AfD-Fraktion hat das Bundesministerium der Verteidigung am 17. Juli 2026 geantwortet (BT-Drs. 21/7320). Die zentrale Aussage: Die Canadian Forces Base Goose Bay stand stets im Eigentum Kanadas, ein Eigentumsübergang hat nicht stattgefunden, und seit 2015 wurden keine Nutzungsgebühren in Rechnung gestellt.
Was gilt aktuell in Goose Bay?
Seit dem Memorandum of Understanding vom 18. November 2008 stellt Kanada der Bundeswehr die früher genutzten Infrastrukturteile weiterhin zur Verfügung, sofern diese geeignet und verfügbar sind. Aktuell nutzt Deutschland noch zwei Objekte: das sogenannte German Camp sowie Hangar 5 (Gebäude 259) — beide temporär. Die Luftwaffe stellte ihre Ausbildungs- und Übungsnutzung bis 2022 ein. Das Kommando Spezialkräfte (KSK) und zugeordnete Einheiten trainieren dort nach Angaben der Bundesregierung weiterhin regelmäßig.
Goose Bay Infrastruktur: Kosten und Eigentumslage
Deutschland finanzierte in den 1980er- und 1990er-Jahren umfangreiche Gebäude auf der Basis — darunter Hangars 4 bis 6, Unterkünfte, Munitionslager, ein Fahrzeugwartungszentrum und weitere Anlagen sowie das German Camp mit Hauptgebäude, Bunkhouses und Bootshaus. Die genauen Errichtungskosten sind laut Bundesregierung nicht mehr rekonstruierbar, da die Unterlagen wegen abgelaufener Aufbewahrungsfristen nicht mehr vorliegen. Seit 2008 entstanden für das German Camp Betriebskosten von rund 120.000 Euro und Instandhaltungskosten von rund 16.900 Euro — insgesamt also rund 136.900 Euro über knapp zwei Jahrzehnte. Alle übrigen Infrastrukturkosten auf der Canadian Forces Base wurden seit 2008 durch Kanada getragen.
Die AfD-Fragesteller hatten auf Hinweise verwiesen, wonach im Oktober 2025 bei einem Treffen deutscher Militärattachés in Ottawa der Restwert der deutschen Liegenschaften auf null gesetzt worden sein soll — mit der Folge, dass wesentliche Teile der deutschen Infrastruktur in kanadisches Eigentum übergegangen wären. Die Bundesregierung weist diese Darstellung zurück: Ein solches Treffen mit einem entsprechenden Ergebnis sei ihr nicht bekannt, und ein Eigentumsübergang habe nicht stattgefunden. Ebenso verneint sie, dass gegenüber deutschen Stellen Nutzungsentgelte von bis zu 80.000 kanadischen Dollar pro Woche für Hangarinfrastruktur kommuniziert worden seien.
Strategische Bedeutung und Alternativen
Auf die Frage, welche Erkenntnisse zur zukünftigen strategischen Bedeutung von Goose Bay im Zusammenhang mit NATO- oder NORAD-Aktivitäten vorliegen, antwortet die Bundesregierung knapp: keine. Bundesrechnungshof-Prüfungen zum Standort seit dem Jahr 2000 liegen ebenfalls keine vor. Sollte Goose Bay künftig nicht mehr nutzbar sein, plant die Bundesregierung keine gesonderten Alternativstandorte — sie erklärt, es seien bereits ausreichend alternative Trainings- und Übungsstandorte vorhanden. Zu den konkreten Kosten einer künftigen Nutzung von Hangars, Unterkunftsbereichen oder Ausbildungsflächen kann die Bundesregierung keine belastbaren Angaben machen.
Der Standort Goose Bay ist Teil eines breiteren Bildes der deutschen Auslandspräsenz im NATO-Verbund. Ähnliche Fragen zur Transparenz von Auslandsengagements und -kosten stellen sich auch bei anderen Stützpunkten — etwa im Kontext der parlamentarischen Kontrolle deutsch-russischer Militärkontakte oder bei der Debatte über Milliardenhilfen an die Ukraine, wo ebenfalls Transparenz über den Verbleib von Mitteln gefordert wird.
Die Anfrage dokumentiert zudem, wie schwierig die parlamentarische Aufarbeitung historischer Infrastrukturausgaben ist: Errichtungskosten aus den 1980er- und 1990er-Jahren sind aufgrund abgelaufener Aufbewahrungsfristen schlicht nicht mehr nachvollziehbar. Das zeigt eine strukturelle Schwäche beim langfristigen Controlling von Auslandsinvestitionen der Bundeswehr — ein Thema, das auch in der Diskussion um staatliche Sicherheitsausgaben immer wieder aufkommt.
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Betroffen sind die Bundeswehr, insbesondere das Kommando Spezialkräfte (KSK) als aktiver Nutzer des Standorts, sowie das Bundesministerium der Verteidigung als verantwortliche Behörde für die vertraglichen Vereinbarungen mit Kanada. Mittelbar betrifft das Thema den Bundeshaushalt (Einzelplan 14), da künftige Nutzungskosten noch nicht bezifferbar sind.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen direkt und klar, verneint mehrere Behauptungen der Fragesteller (Restwert-Nullsetzung, 80.000-Dollar-Nutzungsentgelt) und verweist bei Kostenschätzungen für künftige Nutzungen auf fehlende Belastbarkeit. Errichtungskosten aus den 1980er- und 1990er-Jahren können wegen abgelaufener Aufbewahrungsfristen nicht mehr benannt werden.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Goose Bay: Bundeswehr-Infrastruktur in Kanada verloren? →
- Restwert
- Der nach Abzug von Abschreibungen verbleibende Buchwert einer Investition. Ein Restwert von null bedeutet, dass die Investition bilanziell vollständig abgeschrieben ist.
- Memorandum of Understanding (MoU)
- Eine völkerrechtlich nicht verbindliche, aber politisch vereinbarte Absprache zwischen zwei Staaten, die Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit festlegt.
- Kommando Spezialkräfte (KSK)
- Die Spezialeinheit der deutschen Bundeswehr für besonders anspruchsvolle Einsätze; nutzt Goose Bay für arktische und verdeckte Ausbildungsvorhaben.
Gehören die deutschen Gebäude in Goose Bay Deutschland?
Nein. Die kanadische Luftwaffenbasis stand stets im Eigentum Kanadas. Deutschland hatte zu keiner Zeit Eigentumsrechte an der Basis oder Teilen davon.
Zahlt die Bundeswehr Miete für Hangars in Goose Bay?
Laut Bundesregierung wurden seit 2015 keine Miet-, Nutzungs- oder Betriebskosten durch kanadische Stellen in Rechnung gestellt.
Wer nutzt Goose Bay noch?
Das Kommando Spezialkräfte (KSK) nutzt den Standort regelmäßig zu Ausbildungs- und Übungszwecken. Die Luftwaffe stellte ihre Nutzung bis 2022 ein.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7320 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































