- Bundesweiter GSM-R-Ausfall legte Bahnverkehr in der Nacht zum 24. Juni 2026 lahm
- Softwarefehler verhinderte automatische Umschaltung auf Redundanzsystem
- Rund 90 Minuten bis zur manuellen Wiederherstellung des Bahnfunks
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7607 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das GSM-R-System (Global System for Mobile Communications – Railway) ist seit mehr als 20 Jahren die technische Grundlage für die Kommunikation im deutschen Schienenverkehr. Es basiert auf dem veralteten 2G-Mobilfunkstandard und soll mittelfristig durch das modernere FRMCS (Future Railway Mobile Communication System) abgelöst werden. In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni 2026 kam es beim Tausch einer Netzwerkverteilkomponente zu einem Softwarefehler, der nach Angaben der Deutschen Bahn keine automatische Fehlermeldung auslöste und die eingebaute Redundanz damit außer Kraft setzte. Der Vorfall zog erhebliche Einschränkungen im Regional- und Fernverkehr nach sich.
Im Detail
Beim Tausch einer Netzwerkverteilkomponente sei ein singulärer Softwarefehler aufgetreten, der keine Fehlermeldung ausgelöst habe.
— Vorbemerkung, BT-Drs. 21/7607
Ein routinemäßiger Wartungseingriff hat in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni 2026 den gesamten deutschen Bahnverkehr in eine Krise gestürzt: Das digitale Zugfunksystem GSM-R fiel bundesweit aus, weil beim Tausch einer Netzwerkverteilkomponente ein Softwarefehler auftrat, der keine automatische Fehlermeldung auslöste. Die Folge: Züge wurden aus Sicherheitsgründen an Bahnhöfen gestoppt, Regional- und Fernverkehr standen still. Erst nach rund 90 Minuten konnte manuell auf die Rückfallebene umgeschaltet werden — und das erst, nachdem ein Cyberangriff ausgeschlossen worden war.
Die AfD-Fraktion hat zu dem Vorfall am 17. August 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7607 eingereicht und stellt der Bundesregierung 20 detaillierte Fragen. Im Mittelpunkt stehen dabei die technischen Ursachen des Ausfalls, die Frage warum das Redundanzsystem nicht automatisch griff, welche Behörden in die Sicherheitsüberprüfung eingebunden waren und welche Konsequenzen die Bundesregierung für die weitere Digitalisierung der Bahninfrastruktur zieht.
GSM-R-Ausfall: Was technisch schiefging
Das GSM-R-System bildet die kommunikative Grundlage des deutschen Schienenverkehrs. Es verbindet Triebfahrzeugführer, Betriebszentralen, Stellwerke und Leitstellen in Echtzeit. Fällt dieses System aus, ist ein sicherer Bahnbetrieb nicht mehr gewährleistet. Nach Angaben der Deutschen Bahn war die Ursache des Ausfalls ein „singulärer Softwarefehler“, der beim Tausch einer Netzwerkverteilkomponente auftrat. Dieser Fehler blieb unbemerkt, weil er keine automatische Fehlermeldung erzeugte — und damit auch die eingebaute Systemredundanz nicht aktivierte. Erst durch manuelle Eingriffe konnte der Bahnfunk nach etwa 90 Minuten wiederhergestellt werden.
Die Anfrage thematisiert, warum Wartungsarbeiten an einer sicherheitskritischen Kernkomponente zu einem bundesweiten Totalausfall führen konnten. Die AfD fragt konkret, welche Vorgaben für Risikoanalyse, Testbetrieb, Vier-Augen-Prinzip und Freigabeprozesse bei planmäßigen Wartungsarbeiten gelten — und ob diese im vorliegenden Fall vollständig eingehalten wurden.
Sicherheitsbehörden und Einstufung als KRITIS-Vorfall
Ein weiterer Fragenkomplex betrifft die Rolle von Sicherheitsbehörden: Die AfD erkundigt sich, ob das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das Eisenbahn-Bundesamt oder die Bundespolizei in die Prüfungen während des Ausfalls eingebunden waren. Zudem fragt die Fraktion, ob der Vorfall als Störung einer kritischen Infrastruktur (KRITIS) oder als IT-Sicherheitsvorfall eingestuft wurde und auf welcher Rechtsgrundlage eine solche Einstufung erfolgte. Die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Schienenverkehrs steht damit auch aus sicherheitspolitischer Perspektive im Fokus.
Was gilt aktuell? Das veraltete GSM-R-System
Das GSM-R-System ist mehr als 20 Jahre alt und basiert auf dem Mobilfunkstandard 2G, der im zivilen Bereich längst abgelöst wurde. Die Anfrage greift explizit die Frage auf, wie zukunftsfähig dieses System angesichts begrenzter Netzressourcen, eingeschränkter Ersatzteilverfügbarkeit und wachsender Cybersicherheitsrisiken noch ist. Der geplante Nachfolgestandard FRMCS sowie das europäische Zugsicherungssystem ETCS sollen das GSM-R mittel- bis langfristig ablösen — doch bis dahin bleibt die Bahn auf die alte Infrastruktur angewiesen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Übergangsrisiken: Die AfD fragt, welche Risiken durch parallele Systemlandschaften, nicht kompatible Schnittstellen und Altsysteme während der Umstellungsphase entstehen. Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern oder proprietären Softwarekomponenten, die kurzfristig nicht ersetzbar sind, werden ebenfalls thematisiert.
Auswirkungen auf Fahrgäste und Verkehr
Wie viele Züge, Fahrgäste, Streckenabschnitte, Stellwerke und Betriebszentralen konkret betroffen waren, ist bislang nicht öffentlich beziffert. Auch die Frage, inwieweit während der Störung Notrufe abgesetzt werden konnten, bleibt offen. Die Bundesregierung soll zudem Auskunft geben, ob es in den vergangenen fünf Jahren vergleichbare GSM-R-Störungen gab und welche strukturellen Schwachstellen dabei erkennbar wurden. Für die Einordnung der Dimension des Vorfalls sind diese Zahlen entscheidend — sie stehen noch aus.
Der Digitalminister und das zuständige Bundesverkehrsministerium stehen vor der Aufgabe, die IT-Resilienz kritischer Schieneninfrastruktur zu stärken. Die Fragen zu Bundeskompetenzen und digitaler Infrastruktur zeigen, wie komplex die Zuständigkeiten in diesem Bereich sind.
Unmittelbar betroffen waren Bahnreisende im Regional- und Fernverkehr, deren Züge in der Nacht aus Sicherheitsgründen an Bahnhöfen festgehalten wurden. Mittelbar betroffen sind alle Nutzer des deutschen Schienennetzes, da der Vorfall grundsätzliche Fragen zur Ausfallsicherheit zentraler Kommunikationsinfrastruktur aufwirft. Auch Triebfahrzeugführer, Stellwerkspersonal und Betriebszentralen waren durch den eingeschränkten Funkverkehr in ihrer Arbeit beeinträchtigt.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7607) ist am 17. August 2026 im Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung muss die Anfrage nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen beantworten. Die Antwort wird als eigene Drucksache veröffentlicht.
- GSM-R
- Global System for Mobile Communications – Railway: digitaler Zugfunk auf Basis des 2G-Mobilfunkstandards, der Kommunikation zwischen Lokführern, Stellwerken und Leitstellen sicherstellt.
- FRMCS
- Future Railway Mobile Communication System: der geplante Nachfolgestandard für GSM-R auf Basis moderner Mobilfunktechnologie (5G).
- ETCS
- European Train Control System: europäisches Zugsteuerungs- und -sicherungssystem, das den Bahnbetrieb automatisiert und grenzüberschreitend standardisiert.
Was ist GSM-R und warum ist es so wichtig?
GSM-R ist der digitale Zugfunk der Bahn, der die Kommunikation zwischen Lokführern, Stellwerken und Leitstellen sicherstellt. Ohne ihn kann kein sicherer Bahnbetrieb gewährleistet werden.
Warum schaltete das System nicht automatisch um?
Laut Angaben der Deutschen Bahn löste der aufgetretene Softwarefehler keine Fehlermeldung aus, weshalb die eingebaute Redundanz nicht automatisch aktiviert wurde.
Wie lange dauerte der Ausfall?
Erst nach rund 90 Minuten konnte manuell auf die Rückfallebene umgeschaltet werden, nachdem ein Cyberangriff ausgeschlossen worden war.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7607 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































