Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8147 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- 8.021 Asylanträge von Jemeniten in Deutschland seit 2017
- Nur 42 Antragsteller gaben christliche Religion an
- 22,2 Millionen Jemeniten auf humanitäre Hilfe angewiesen
Hintergrund
Der Jemen befindet sich seit 2015 im Bürgerkrieg. Das Land ist faktisch zweigeteilt: Die Huthi-Bewegung kontrolliert den Norden einschließlich der Hauptstadt Sanaa, während die international anerkannte Regierung den Süden mit der Interim-Hauptstadt Aden hält. Laut Bundesregierung haben die Huthi am 20. Juli 2026 eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien im Roten Meer verkündet und die seit 2022 geltende Waffenruhe aufgekündigt. Seit Anfang August 2026 greifen die Huthi zudem in großem Umfang Ziele in regierungskontrollierten Gebieten an. Die UN bezeichnen die Lage im Jemen als eine der größten humanitären Krisen weltweit.
- 8.021 — Asylanträge jemenitischer Staatsangehöriger in Deutschland zwischen 2017 und Juli 2026 (Höchstwert 2023: 1.809)
- 22,2 Millionen — Jemeniten, die 2026 laut UN auf humanitäre Hilfe angewiesen sind (von rund 32 Mio. Einwohnern)
- 13,4 Mio. Euro — deutsche humanitäre Hilfe für den Jemen im Jahr 2026
- 49 Mio. Euro — Mittel der Bundesregierung für Entwicklungszusammenarbeit im Jemen im Jahr 2025
- 42 — jemenitische Asylbewerber, die seit 2017 das Christentum als Religionszugehörigkeit angaben (Basis: freiwillige Angaben)
Im Detail
Die humanitäre Hilfe der Bundesregierung richtet sich nach humanitären Grundsätzen und erfolgt grundsätzlich bedarfsorientiert sowie unabhängig von Religions- oder Konfessionszugehörigkeit der Begünstigten.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8147, S. 4
Christen gehören im Jemen zu den am stärksten verfolgten religiösen Minderheiten weltweit. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/8147, 22. September 2026) auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion. Gleichzeitig belegen die darin enthaltenen Asylzahlen: Nur ein verschwindend kleiner Anteil der seit 2017 in Deutschland gestellten 8.021 Asylanträge von Jemeniten kommt von Personen, die sich zum Christentum bekennen.
Christen im Jemen: Verfolgung durch Huthis und Dschihadisten
Nach Angaben der Bundesregierung ist der Jemen faktisch zweigeteilt. Im von den Huthis kontrollierten Norden verfolgen die zayditischen Machthaber religiöse Minderheiten systematisch. Im Süden, der nominell unter Regierungs- oder STC-Kontrolle steht, sind es vor allem dschihadistische Milizen wie AQAP, die Christen und christliche Einrichtungen bedrohen. Die jemenitische Verfassung erklärt den Islam zur Staatsreligion und die Scharia zur Quelle der Gesetzgebung; auf Apostasie — den Abfall vom Islam — steht laut Regierungsantwort die Todesstrafe. Rund 99 Prozent der Bevölkerung sind Muslime.
Konkrete Opferzahlen zu Angriffen auf Christen nennt die Bundesregierung nicht. Zu den Fragen 1 bis 7 — darunter Fragen zur Gewalt gegen Christen, zu Kirchengebäuden und zu Zwangsbekehrungen — verweist sie pauschal auf ihre eigene Vorbemerkung und liefert keine eigenständige Lageeinschätzung. Zur Sicherheitslage geflüchteter jemenitischer Christen in Nachbarstaaten wie Saudi-Arabien oder Oman erklärt die Regierung ausdrücklich, keine eigenen Erkenntnisse zu besitzen.
Humanitäre Hilfe: 13,4 Mio. Euro 2026
Deutschland leistet im Jahr 2026 humanitäre Hilfe im Jemen in Höhe von 13,4 Mio. Euro; für Entwicklungszusammenarbeit wurden 2025 insgesamt 49 Mio. Euro bereitgestellt. Diese Mittel werden nach humanitären Grundsätzen bedarfsorientiert und unabhängig von Religionszugehörigkeit vergeben. Gezielte Förderprogramme für christliche oder andere religiöse Minderheiten aus Bundesmitteln existieren laut Antwort nicht. Auf die Frage nach einer Diskriminierung von Christen bei der Hilfsverteilung durch NGOs erklärt die Bundesregierung, Diskriminierung nach Religion sei in den Förderbedingungen explizit ausgeschlossen; Evaluierungen zu diesem Aspekt lägen nicht vor.
Asylzahlen aus dem Jemen seit 2017
Von 2017 bis Juli 2026 haben insgesamt 8.021 Personen mit jemenitischer Staatsangehörigkeit in Deutschland Asyl beantragt. Der Höchstwert lag 2023 bei 1.809 Anträgen, der bisherige Tiefstwert im laufenden Jahr 2026 bei 150 (Januar bis Juli). Die Anträge werden ganz überwiegend von Männern gestellt — 2023 entfielen 1.643 der 1.809 Anträge auf Männer.
Die Angaben zur Religionszugehörigkeit beruhen auf freiwilligen Selbstauskünften im Asylverfahren. Danach gaben zwischen 2017 und Juli 2026 insgesamt 42 Personen das Christentum an — gegenüber mehr als 7.500, die sich zum Islam bekannten. Dieser Befund ist laut Drucksache nur bedingt aussagekräftig, da viele Konvertiten ihren Glauben aus Sicherheitsgründen nicht offenbaren. Die Religionszugehörigkeit wird im Asylverfahren nicht systematisch erhoben.
Dokumentation von Menschenrechtsverstößen erschwert
Das Arbeitsumfeld für Partnerorganisationen der Bundesregierung — darunter zivilgesellschaftliche Akteure und UN-Organisationen — hat sich laut Antwort seit Mitte 2024 deutlich verschlechtert. Nach der Festnahme zahlreicher UN-Mitarbeiter durch die Huthis haben inzwischen alle UN-Organisationen den von den Huthis kontrollierten Norden verlassen. Lediglich das Büro des VN-Sondergesandten unterhält noch eine kleine Vertretung in Sanaa. Die Bundesregierung prüft gemeinsam mit Partnern, wie der Zugang zur Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen aufrechterhalten werden kann. Auf den Weltverfolgungsindex 2026 von Open Doors, der den Jemen auf Platz 3 listet, geht die Bundesregierung inhaltlich nicht ein — einzelne Berichte kommentiere sie nicht.
Zuständig für aufenthaltsbeendende Maßnahmen gegenüber jemenitischen Asylbewerbern sind laut Drucksache die Bundesländer; der Bundesregierung liegen dazu keine eigenen Daten vor. Zu weiteren Hintergründen des Jemen-Konflikts und seiner Folgen für Deutschland ist auch der Beitrag Ukraine-Hilfe: Bundesregierung verweist auf Quartalsberichte lesenswert, der die Berichtspraxis der Regierung zu humanitären Krisen beleuchtet.
Weiterlesen:
- Rüstungsexporte im Irankrieg: Daten teils geheim
- Bestandsdatenauskunft: 35 Mio. Abfragen im Jahr 2025
Unmittelbar betroffen sind die rund 32 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner des Jemens, von denen 2026 laut UN 22,2 Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind — darunter etwa 4,5 Millionen Binnenvertriebene. Besonders gefährdet sind religiöse Minderheiten, insbesondere einheimische christliche Konvertiten, Baha’i und die verbliebenen Juden. In Deutschland haben seit 2017 insgesamt 8.021 Personen mit jemenitischer Staatsangehörigkeit Asyl beantragt.
Die Bundesregierung verweist bei den Fragen 1 bis 7 zur konkreten Lage der Christen pauschal auf ihre eigene Vorbemerkung und liefert keine eigenständige Lageeinschätzung. Zu mehreren Teilfragen (Sicherheitslage geflüchteter Christen in Nachbarstaaten, Rückführungsdaten nach Religionszugehörigkeit, Förderprogramme für religiöse Minderheiten) erklärt die Regierung ausdrücklich, keine Erkenntnisse zu besitzen oder entsprechende Programme nicht zu unterhalten.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Christenverfolgung im Jemen: Platz 3 im Weltverfolgungsindex 2026 →
- Weltverfolgungsindex
- Jährlich von der Organisation Open Doors veröffentlichte Rangliste der Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden.
- AQAP
- Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel — dschihadistische Terrororganisation, die im Jemen aktiv ist und religiöse Minderheiten gezielt bedroht.
- Apostasie
- Abfall vom Islam; auf Apostasie steht in der jemenitischen Rechtspraxis nach islamischem Recht die Todesstrafe.
Wie viele Jemeniten haben in Deutschland Asyl beantragt?
Zwischen 2017 und Juli 2026 wurden insgesamt 8.021 Asylanträge von Personen mit jemenitischer Staatsangehörigkeit gestellt; der Höchstwert lag 2023 bei 1.809 Anträgen.
Wie viele jemenitische Asylbewerber sind Christen?
Laut freiwilligen Angaben im Asylverfahren gaben zwischen 2017 und Juli 2026 insgesamt 42 Personen das Christentum als Religionszugehörigkeit an.
Wie viel humanitäre Hilfe leistet Deutschland im Jemen?
Die Bundesregierung stellt im Jahr 2026 humanitäre Hilfe in Höhe von 13,4 Mio. Euro bereit; für Entwicklungszusammenarbeit wurden 2025 49 Mio. Euro aufgewendet.


































































