Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8287 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- 885 Mio. Euro für astronautische und robotische Exploration gezeichnet
- EDEN-LUNA-Gewächshaus verschiebt sich von 2026 auf 2027
- 12 Fragen zu DLR-Projekten, ESA-Beteiligungen und Finanzierung
Hintergrund
Für Langzeitmissionen zum Mond oder Mars sind geschlossene Lebenserhaltungssysteme unverzichtbar, die Sauerstoff, Wasser und Nährstoffe im Kreislauf halten. Deutschland engagiert sich auf ESA-Ebene im MELiSSA-Programm und national über DLR-Projekte wie EDEN-LUNA sowie den Lunar Agriculture Module Ground Test Demonstrator (LAM-GTD). Auf der ESA-Ministerratskonferenz im November 2025 zeichnete Deutschland insgesamt rund 5,4 Mrd. Euro, wovon rund 885 Mio. Euro auf Exploration entfallen. Das EDEN-LUNA-Projekt war ursprünglich für einen Anschluss an die Mondsimulationsanlage LUNA bis 2026 geplant, laut DLR-Meldungen vom September 2026 verschiebt sich dieser Schritt nun auf 2027.
- 5,4 Mrd. Euro — Gesamtzeichnung Deutschlands bei der ESA-Ministerratskonferenz im November 2025.
- 885 Mio. Euro — Davon entfallen auf die astronautische und robotische Exploration laut DLR.
- 2024–2026 — Ursprüngliche Laufzeit des DLR-Projekts EDEN-LUNA; Anschluss an LUNA nun für 2027 angekündigt.
- 12 Fragen — Umfang der Kleinen Anfrage zu Forschungsprojekten, Finanzierung und technischen Meilensteinen.
Im Detail
Für bemannte Mond- und Marsreisen brauchen Astronauten Systeme, die Sauerstoff, Trinkwasser und Nahrung an Bord erzeugen und Abfälle wiederverwerten – ohne dauerhaften Nachschub von der Erde. In Deutschland erforscht das DLR solche regenerativen Lebenserhaltungssysteme im Rahmen mehrerer Projekte. Die Drucksache 21/8287 vom 30. September 2026 richtet zwölf detaillierte Fragen an die Bundesregierung, um Transparenz über Mittelverwendung, Projektstatus und Planungsgrundlagen herzustellen.
EDEN-LUNA: Verzögerung beim Gewächshaus-Anschluss
Im Zentrum der Anfrage steht das DLR-Projekt EDEN-LUNA, das ein Gewächshaus für den Anbau von Nahrungsmitteln unter mondähnlichen Bedingungen entwickelt. Das Projekt läuft nach DLR-Angaben vom 1. Januar 2024 bis zum 31. Dezember 2026 und wird aus der institutionellen Grundfinanzierung des DLR bezahlt. Ursprünglich sollte das Gewächshaus noch 2026 an die Mondsimulationsanlage LUNA in Köln angeschlossen werden. Im September 2026 kündigte das DLR den Anbau jedoch erst für 2027 an – ein Widerspruch zu früheren Veröffentlichungen, der durch die Anfrage aufgegriffen wird. Die Fragesteller wollen wissen, aus welchen Gründen sich der Anschluss verschiebt und wie Betrieb und Inbetriebnahme finanziert werden sollen.
Ergänzend fragt die Anfrage nach dem Lunar Agriculture Module Ground Test Demonstrator (LAM-GTD): Wie viele Mittel hat das DLR seit Projektbeginn investiert, welche Meilensteine sind abgeschlossen, und wann soll der vollständige Demonstrator erstmals integriert erprobt werden?
885 Mio. Euro für Exploration: Wie werden sie eingesetzt?
Auf der ESA-Ministerratskonferenz im November 2025 zeichnete Deutschland insgesamt rund 5,4 Mrd. Euro für ESA-Programme. Davon entfallen nach DLR-Angaben rund 885 Mio. Euro auf die astronautische und robotische Exploration. Die Anfrage fragt konkret, welcher Anteil dieser Mittel auf Vorhaben zur Entwicklung von Lebenserhaltungs-, Habitat- oder vergleichbaren Versorgungssystemen entfällt und wie sich die Zeichnung auf einzelne ESA-Programme aufteilt. Diese Frage ist für die parlamentarische Kontrolle öffentlicher Ausgaben von Bedeutung, da die genaue Verwendung der Explorationsmittel bislang nicht im Detail veröffentlicht ist.
Deutsche Beteiligung an ESA-Forschung seit 2015
Die Anfrage erkundigt sich außerdem nach allen seit 2015 begonnenen oder fortgeführten Forschungsvorhaben, an denen deutsche Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder Unternehmen im Rahmen von ESA-Programmen zu regenerativen Lebenserhaltungssystemen beteiligt waren oder sind. Gefragt wird nach Laufzeiten und Fördervolumen. Auf nationaler Ebene soll die Bundesregierung alle seit 2015 aus Bundesmitteln oder über die DLR-Grundfinanzierung geförderten Vorhaben benennen und nach Einrichtung, Laufzeit und eingesetzten Mitteln aufschlüsseln. In der Vorbemerkung der Fragesteller werden beispielhaft das von Airbus in Friedrichshafen entwickelte Advanced Closed Loop System, Photobioreaktoren sowie die EDEN-Forschungsinitiative des DLR genannt – diese Aufzählung gibt den Standpunkt der Fragesteller wieder, nicht eine abschließende Bewertung durch die Bundesregierung.
Technologische Zielwerte und Konsequenzen aus Missionsfehlern
Neben Finanzfragen thematisiert die Anfrage auch technische Details: Welche quantifizierten Zielwerte gelten für EDEN-LUNA hinsichtlich Biomasseproduktion, Energiebedarf und Nährstoffrückgewinnung, und welche Ist-Werte wurden bis Ende August 2026 erreicht? Außerdem fragt die Anfrage nach Lehren aus einem Softwareproblem bei einer früheren DLR-Mission, das verhinderte, dass ein biologisches Experiment initiiert werden konnte. Welche technischen und organisatorischen Konsequenzen zog das DLR daraus für nachfolgende Projekte? Schließlich soll die Bundesregierung mitteilen, ob das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat an Forschungen zur Nahrungsmittelproduktion oder geschlossenen Nährstoffkreisläufen für Weltraummissionen beteiligt ist.
Die Bundesregierung muss die Anfrage grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt beantworten. Verwandte Ausgabenentscheidungen im Rüstungs- und Forschungsbereich sind auch Gegenstand weiterer aktueller Drucksachen, etwa zur Drohnenabwehr mit 40 Mio. Euro im Haushalt 2027 oder zum Supercomputer JUPITER mit 1 Mrd. Euro bis 2029.
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Unmittelbar betroffen sind Forschungseinrichtungen wie das DLR, deutsche Hochschulen und Industrieunternehmen wie Airbus, die an Projekten zur Raumfahrt-Lebenserhaltung beteiligt sind. Mittelbar berührt die Frage nach der Verwendung öffentlicher Mittel alle Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, da Milliarden Euro in ESA-Programme fließen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/8287) ist am 30. September 2026 eingegangen. Die Bundesregierung hat die Anfrage bisher nicht beantwortet. Die Antwort soll grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vorliegen.
- Regeneratives Lebenserhaltungssystem
- System, das in einer Raumkapsel oder Raumstation Sauerstoff, Wasser und Nahrung biologisch oder technisch im Kreislauf wiederherstellt, ohne dauerhaft Nachschub von der Erde zu benötigen.
- MELiSSA
- Micro-Ecological Life Support System Alternative – ESA-Programm zur Entwicklung geschlossener, biologisch basierter Lebenserhaltungssysteme für bemannte Weltraummissionen.
- LUNA-Anlage
- Mondsimulationsanlage des DLR in Köln, die Bedingungen auf der Mondoberfläche nachbildet und für Tests von Ausrüstung und Systemen für künftige Mondmissionen genutzt wird.
Was ist EDEN-LUNA?
EDEN-LUNA ist ein DLR-Forschungsprojekt, das ein Gewächshaus für die Mondsimulationsanlage LUNA in Köln entwickelt. Es läuft laut DLR von Januar 2024 bis Dezember 2026 und wird aus der DLR-Grundfinanzierung bezahlt.
Was ist MELiSSA der ESA?
MELiSSA steht für Micro-Ecological Life Support System Alternative und ist das ESA-Programm zur Entwicklung regenerativer Lebenserhaltungssysteme für dauerhaften menschlichen Aufenthalt im Weltraum.
Wie viel Geld hat Deutschland bei der ESA-Ministerratskonferenz 2025 gezeichnet?
Deutschland zeichnete rund 5,4 Mrd. Euro für ESA-Programme, davon entfallen laut DLR rund 885 Mio. Euro auf die astronautische und robotische Exploration.


































































