Was bedeutet Redispatch?
Der Begriff Redispatch bezeichnet einen Eingriff in die Stromerzeugung oder den Stromverbrauch, der von Netzbetreibern angeordnet wird, um Engpässe im Stromnetz zu beseitigen oder zu verhindern. Wörtlich übersetzt bedeutet Redispatch so viel wie „Neuzuteilung“ oder „Umdisponierung“. In der Praxis geht es darum, dass bestimmte Kraftwerke oder Anlagen ihre Einspeisung erhöhen oder senken müssen, damit das Netz stabil bleibt.
Warum ist Redispatch notwendig?
Das deutsche Stromnetz ist regional sehr unterschiedlich belastet. Im Norden erzeugen Windkraftanlagen oft große Mengen Strom, der in den Süden transportiert werden müsste. Fehlt dort die Leitungskapazität, entsteht ein Netzengpass. Um diesen zu beheben, werden Kraftwerke auf der überlasteten Seite des Engpasses gedrosselt und Kraftwerke auf der unterversorgten Seite hochgefahren. So bleibt das physikalische Gleichgewicht im Netz erhalten, ohne dass es zu Ausfällen kommt. Redispatch ist damit ein zentrales Instrument zur Systemstabilität in einem zunehmend dezentralen Energiesystem.
Rechtliche Grundlage
Die rechtliche Basis für Redispatch-Maßnahmen findet sich im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), insbesondere in den Paragraphen 13 und 13a. Paragraph 13 verpflichtet Übertragungsnetzbetreiber, Maßnahmen zur Beseitigung von Gefährdungen der Netzsicherheit zu ergreifen. Paragraph 13a regelt ergänzend den Einsatz von Erzeugungsanlagen im Rahmen des Redispatching und legt fest, wie die entstehenden Kosten erstattet werden. Mit der Novelle des EnWG wurde der Anwendungsbereich des Redispatch ab 2021 erheblich erweitert: Seitdem sind grundsätzlich alle steuerbaren Erzeugungsanlagen ab einem Kilowatt Leistung einbezogen, also auch kleine Photovoltaik- oder Biogasanlagen. Dieses erweiterte Verfahren wird als Redispatch 2.0 bezeichnet. Mehr zu den aktuellen Debatten rund um das Gesetz lesen Sie im Beitrag Redispatch-Vorbehalt: EnWG-Novelle gefährdet Energiewende.
Praxisbeispiel
Ein konkretes Beispiel: An einem windreichen Tag speisen Offshore-Windparks in der Nordsee große Mengen Strom ins Netz ein. Die vorhandenen Leitungen in Richtung Süddeutschland sind jedoch ausgelastet. Der Übertragungsnetzbetreiber ordnet daraufhin an, dass ein Windpark in Schleswig-Holstein seine Einspeisung um 200 Megawatt reduziert. Gleichzeitig wird ein Gaskraftwerk in Bayern angewiesen, seine Produktion um dieselbe Menge zu erhöhen. Der Windpark erhält für die entgangene Vergütung eine gesetzlich geregelte Entschädigung. Der Netzbetreiber trägt die anfallenden Mehrkosten, die letztlich über die Netzentgelte auf die Stromverbraucher umgelegt werden.
Redispatch im parlamentarischen Kontext
Redispatch ist regelmäßig Gegenstand parlamentarischer Anfragen und Debatten, da die damit verbundenen Kosten in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind. Allein in Deutschland lagen die Redispatch-Kosten zuletzt im Milliardenbereich pro Jahr. Abgeordnete fragen nach den Ursachen, der regionalen Verteilung der Engpässe und den Maßnahmen zum Netzausbau. Eine Übersicht parlamentarischer Fragen zu diesem Themenfeld bieten die Schriftlichen Fragen Juni 2026: 157 Antworten im Überblick. Den breiteren energiepolitischen Rahmen beleuchtet außerdem das Energiewende-Monitoring: 10 Fragen zum Umsetzungsstand.
Redispatch bleibt ein zentrales, aber auch kostspieliges Instrument der Netzsicherheit. Solange der Netzausbau hinter dem Ausbau erneuerbarer Energien zurückbleibt, wird seine Bedeutung weiter zunehmen.

































































