- 88,95 Mio. Euro Bundesforschung zur psychischen Gesundheit seit 2020
- 25 % der Kinder zeigen psychische Auffälligkeiten laut Schulbarometer 2025/26
- Strategie 'Mentale Gesundheit für junge Menschen' noch in Entwicklung
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7550 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das Deutsche Schulbarometer 2025/2026 weist aus, dass 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen psychische Auffälligkeiten zeigen und rund 30 Prozent der 11- bis 17-Jährigen regelmäßige Mobbingerfahrungen berichten. Die seit 2020 laufende COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf dokumentiert, dass sich die psychische Gesundheit besonders in den Pandemiejahren 2020 und 2021 verschlechtert hat und seitdem nicht auf das vorpandemische Niveau zurückgekehrt ist. Die UNICEF-Studie zum Kindeswohl 2026 ordnet Deutschland im internationalen Vergleich lediglich auf Platz 25 von 37 untersuchten Industriestaaten ein.
- 88.950.757 Euro — Gesamtausgaben des Bundes für Studien und Forschungsprojekte zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen seit dem 1. Januar 2020.
- 25 % — Anteil der Kinder und Jugendlichen mit psychischen Auffälligkeiten laut Deutschem Schulbarometer 2025/2026.
- 19.625.620 Euro — Bundesausgaben für das Programm Mental Health Coaches an Schulen seit 2020.
- über 10 Mio. Euro — Mittel im KJP-Handlungsfeld 4 für mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.
- 368.519.000 Euro — Gesamtfördervolumen des Bundesprogramms ‚Demokratie leben!‘ in den Jahren 2025 und 2026.
Im Detail
Angesichts des komplexen und multifaktoriellen Wirkungsgefüges sind Zeitpunkte für eine Zielerreichung nicht seriös bestimmbar.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7550, S. 9
Jedes vierte Kind und jeder vierte Jugendliche in Deutschland zeigt psychische Auffälligkeiten — und rund 30 Prozent der 11- bis 17-Jährigen berichten von regelmäßigen Mobbingerfahrungen. Das sind Kernergebnisse des Deutschen Schulbarometers 2025/2026, auf das sich die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/7550, 10. August 2026) ausdrücklich bezieht. Zugleich hat der Bund seit Anfang 2020 insgesamt 88.950.757 Euro in Studien und Forschungsprojekte zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen investiert — und trotzdem sind die Belastungswerte nicht gesunken.
Was gilt aktuell?
Auf Bundesebene gibt es bereits eine Reihe laufender Programme: Das Modellprojekt Mental Health Coaches an Schulen hat seit 2020 rund 19,6 Millionen Euro verbraucht und zeigt laut Evaluation eine hohe Akzeptanz, aber auch Schwächen bei Reichweite und systematischer Wirksamkeitsmessung. Die Suizidpräventionsplattform [U25] hat in Evaluationsstudien nachweislich positive Effekte auf Suizidgedanken und psychopathologische Symptome gezeigt. Die Beratungshotline Nummer gegen Kummer erhält jährlich rund 856.500 Euro Infrastrukturförderung. Der Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) stellt im Handlungsfeld Mentale Gesundheit aktuell über 10 Millionen Euro bereit, für Partizipation und Demokratieförderung sind rund 67 Millionen Euro eingeplant. Für Cybermobbing-Prävention hat der Bund seit 2020 lediglich 889.490 Euro bereitgestellt — für die Online-Beratungsplattform JUUUPORT.de.
Psychische Gesundheit Kinder: Ursachen bleiben multifaktoriell
Die Bundesregierung benennt keine einzelne Hauptursache für die steigenden Belastungen. Neben den Folgen der COVID-19-Pandemie, die zu einer Verschlechterung der Werte in den Jahren 2020 und 2021 geführt hat und von der sich die Lage seitdem nicht erholt hat, nennt sie Kriege, Klimawandel, wirtschaftliche Unsicherheit und soziale Ungleichheit als potenzielle Belastungsfaktoren. Besonders betroffen sind demnach Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status, die über geringere Bewältigungsressourcen verfügen. In besonderem Fokus steht derzeit das Thema digitale Mediennutzung: Die unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ hat am 24. Juni 2026 Handlungsempfehlungen vorgelegt, die die Bundesregierung derzeit prüft.
Geplante Strategie ohne Zeitplan
Das Herzstück der Bundesplanung ist die im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD verankerte Strategie „Mentale Gesundheit für junge Menschen“. Sie soll Prävention und Früherkennung in den Mittelpunkt stellen und die Bereiche Bildung, Jugendhilfe und Gesundheit enger verzahnen. Einen konkreten Fertigstellungstermin nennt die Bundesregierung nicht. Auf die Frage, bis wann sie messbare Verbesserungen erwartet, antwortet sie: Zeitpunkte für eine Zielerreichung seien angesichts des komplexen und multifaktoriellen Wirkungsgefüges nicht seriös bestimmbar. Zielwerte sollen erst im Rahmen der Strategie selbst erarbeitet werden.
Für das kontinuierliche Monitoring fördert das Bundesministerium für Gesundheit seit dem 1. Januar 2025 das Projekt PINOKIJO am Robert Koch-Institut — eine Pilotstudie für ein bundesweites Langzeit-Gesundheitsmonitoring von Kindern und Jugendlichen (Laufzeit bis Ende 2027, Kosten: 2,09 Millionen Euro). Das größte Einzelvorhaben in der Forschungsförderung ist das pädiatrische Netzwerk PEDNET-LC zur Erforschung von Long-COVID-Folgen bei Kindern und Jugendlichen mit einem Gesamtvolumen von 41,7 Millionen Euro (Laufzeit 2024–2028).
Wirksamkeit: Lücken bleiben
Bei mehreren laufenden Maßnahmen fehlen laut Anlage 3 der Drucksache noch abschließende Wirksamkeitsnachweise — etwa für das Krisenchat-Projekt Webchat II und die JugendNotmail-Schulworkshops, deren Evaluationen erst zum Projektende vorliegen werden. Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ weist für 2025 und 2026 ein Gesamtfördervolumen von 368.519.000 Euro aus; eine explizite Auswertung speziell für Kinder und Jugendliche erfolgt laut Bundesregierung jedoch nicht. Die Frage nach konkreten Haushaltsmitteln für neue Maßnahmen beantwortet die Bundesregierung mit dem Hinweis, dass über die Verteilung der Haushaltsmittel der Haushaltsgesetzgeber entscheide — weitere Zahlen nennt sie nicht.
Einen Überblick über weitere finanzielle Belastungen im Kinder- und Jugendbereich bietet auch der Beitrag zu den Schulden der Bundesagentur für Arbeit bis 2030. Hintergründe zu familiären Belastungslagen finden sich im Artikel über Kindesentziehung und Schutzlücken 2025. Die Debatte um digitale Lebenswelten und Medienkompetenz als Belastungsfaktor berührt auch die Diskussion in der Modernisierungsagenda des Bundes.
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Betroffen sind Kinder und Jugendliche in Deutschland, insbesondere jene aus Familien mit sozialen oder wirtschaftlichen Problemen, die laut Schulbarometer überdurchschnittlich häufig von psychischen Belastungen und geringem schulischen Wohlbefinden berichten. Darüber hinaus sind Eltern, pädagogische Fachkräfte sowie Träger von Beratungs- und Präventionsangeboten von den Planungen betroffen.
Bei Fragen nach konkreten Zielwerten und Zeitpunkten für messbare Verbesserungen verweist die Bundesregierung auf die noch laufende Strategieentwicklung und erklärt, Zieltermine seien angesichts des multifaktoriellen Wirkungsgefüges nicht seriös bestimmbar. Detailfragen zu Evaluationsergebnissen und Fördervolumen werden durch umfangreiche Anlagen beantwortet.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Psychische Gesundheit Kinder: 36 Fragen an die Bundesregierung →
- COPSY-Studie
- Längsschnittstudie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf seit 2020 zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, ursprünglich als COVID-19-Begleitforschung angelegt.
- Kinder- und Jugendplan (KJP)
- Zentrales Förderinstrument des Bundes für die Kinder- und Jugendhilfe, seit 1950; finanziert Maßnahmen zu Bildung, Prävention, Partizipation und gesellschaftlicher Teilhabe.
- PINOKIJO
- Pilotstudie und Konzeptentwicklung für ein bundesweites Monitoring der Kinder- und Jugendgesundheit in einer Panel-Kohorte am Robert Koch-Institut (Laufzeit 2025–2027, Kosten 2,09 Mio. Euro).
Wie viel Geld gibt der Bund für Forschung zur Kinder-Psyche aus?
Laut BT-Drs. 21/7550 belaufen sich die Gesamtausgaben für Studien und Forschungsprojekte zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen seit dem 1. Januar 2020 auf 88.950.757 Euro.
Was plant die Bundesregierung konkret gegen psychische Belastungen?
Der Koalitionsvertrag sieht die Strategie 'Mentale Gesundheit für junge Menschen' vor, die sich auf Prävention und Früherkennung konzentriert. Außerdem sollen Handlungsempfehlungen der Expertenkommission 'Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt' geprüft werden.
Wann gibt es messbare Verbesserungen?
Die Bundesregierung erklärt, konkrete Zeitpunkte seien angesichts des komplexen multifaktoriellen Wirkungsgefüges nicht seriös bestimmbar. Zielwerte sollen im Rahmen der Strategie erarbeitet werden.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7550 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































