- 548 ausländische Investitionsprojekte 2025 – niedrigster Stand seit 17 Jahren
- Enteignungsdebatten schrecken Investoren stärker als politische Umfragen
- Bundesregierung soll Erkenntnisse zu Standorthemmnissen offenlegen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7917 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die EY-Studie „European Attractiveness Survey 2026“ verzeichnet für Deutschland im Jahr 2025 einen Rückgang ausländischer Direktinvestitionsprojekte um zehn Prozent auf 548 – den niedrigsten Wert seit 17 Jahren. Frankreich überholte Deutschland erneut als führendes Zielland für ausländische Investitionen in Europa. Als Belastungsfaktoren werden hohe Steuern, Energiekosten, Bürokratie und langsame Genehmigungsverfahren genannt. Der Koalitionsvertrag der Regierung aus CDU, CSU und SPD für die 21. Wahlperiode sieht ausdrücklich vor, Deutschland für internationale Investoren attraktiver zu machen.
- 548 Projekte — Ausländische Direktinvestitionsprojekte in Deutschland 2025; niedrigster Wert seit 17 Jahren (EY-Studie, zitiert in BT-Drs. 21/7917).
- –10 % — Rückgang ausländischer Direktinvestitionsprojekte gegenüber dem Vorjahr laut EY-Studie 2026.
- 28 Fragen — Umfang der Kleinen Anfrage der AfD-Fraktion an die Bundesregierung zu Investitionsstandort und Eigentumsschutz.
Im Detail
Der Persönliche Beauftragte des Bundeskanzlers für Investitionen in Deutschland, Martin Blessing, erklärte nach Medienberichten, ausländische Investoren reagierten sensibler auf parlamentarische und außerparlamentarische Debatten über Eingriffe in Eigentumsrechte, etwa Enteignungsforderungen im Wohnungsmarkt, als auf hohe Umfragewerte der AfD.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7917
Ausländische Unternehmen haben Deutschland im Jahr 2025 so selten als Investitionsstandort gewählt wie seit 17 Jahren nicht mehr. Laut der in der Drucksache 21/7917 zitierten EY-Studie European Attractiveness Survey 2026 sank die Zahl ausländischer Direktinvestitionsprojekte um zehn Prozent auf nur noch 548. Frankreich überholte Deutschland erneut als das attraktivste Zielland für ausländisches Kapital in Europa. Diese Zahlen bilden den Ausgangspunkt für 28 Fragen der AfD-Fraktion an die Bundesregierung, die am 8. September 2026 als Kleine Anfrage eingereicht wurden.
Was gilt aktuell?
Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD für die 21. Wahlperiode sieht vor, Deutschland für Investoren, Unternehmer und Forscher attraktiver zu gestalten. Als Instrumente werden Bürokratieabbau, niedrigere Energiepreise, aktive Handelspolitik und eine gestärkte Außenwirtschaftsförderung genannt. Gleichzeitig dokumentiert die EY-Erhebung einen deutlichen Rückgang gegenüber 2019. Als strukturelle Standortnachteile gelten laut der Studie hohe Steuerbelastung, steigende Arbeits- und Energiekosten sowie bürokratische Hemmnisse bei Genehmigungsverfahren.
Eigentumsdebatten als Investitionsrisiko
Ein besonderer Fokus der Kleinen Anfrage liegt auf der Frage, wie politische Debatten über Eigentumseingriffe das Investitionsklima beeinflussen. Die Fragesteller beziehen sich auf öffentlich berichtete Aussagen des Persönlichen Beauftragten des Bundeskanzlers für Investitionen in Deutschland, Martin Blessing, wonach ausländische Investoren sensibler auf Enteignungsdebatten im Wohnungsmarkt reagierten als auf Wahlerfolge politischer Parteien. Konkret thematisiert die Anfrage die Berliner Diskussion um die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen sowie parlamentarische Debatten über Vermögensteuer, Erbschaftsteuer und Artikel 15 des Grundgesetzes.
Die Anfrage erkundigt sich in mehreren Fragen danach, wie oft diese Themen in Gesprächen der Bundesregierung mit institutionellen Investoren, Staatsfonds, Pensionsfonds und Privatkapitalgesellschaften als Investitionsrisiko für den Wirtschaftsstandort Deutschland angesprochen wurden. Die Fragesteller unterscheiden dabei ausdrücklich zwischen der politischen Bewertung einzelner Parteien und der parlamentarischen Kontrollfunktion: Im Vordergrund steht die tatsächliche Erkenntnislage der Bundesregierung zu Standortfaktoren und Eigentumsschutz.
Umsetzung der Koalitionsziele im Fokus
Neben der Frage nach Investitionshemmnissen und Eigentumsdebatten thematisiert die Kleine Anfrage den Umsetzungsstand konkreter Koalitionsprojekte. Dazu zählen die geplante Investorenkonferenz der Bundesregierung, der Deutschlandfonds, die WIN-Initiative sowie die strategische Neuausrichtung der Außenwirtschaftsförderung. Die AfD-Fraktion fragt zudem, welche Rolle das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, die KfW, Germany Trade and Invest und die deutschen Auslandsvertretungen bei der direkten Ansprache ausländischer Investoren spielen. Auch die Frage, welche Regionen und Branchen vorrangig von der Investorenstrategie des Bundes profitieren sollen, ist Teil der Anfrage.
Einen vergleichenden Blick wirft die Anfrage auf Österreich: Laut Drucksache wird Österreich in internationalen Standortbewertungen weiterhin als investitionsoffene Marktwirtschaft beschrieben, obwohl rechte Parteien dort an mehreren Landesregierungen beteiligt sind. Die Fragesteller fragen, welche Schlussfolgerungen die Bundesregierung aus diesem Vergleich für ihre eigene Standortkommunikation zieht. Ob und wie die Bundesregierung sich hierzu mit der österreichischen Bundesregierung ausgetauscht hat, ist ebenfalls Gegenstand der Anfrage zum Wirtschaftsstandort Deutschland.
Mittelstand und Systemrisiken
Die letzten Fragen der Anfrage richten sich auf konkrete Maßnahmen für kleine und mittlere Unternehmen, mittelständische Zulieferer, Start-ups und energieintensive Industrien. Die Fragesteller wollen wissen, ob Investoren regulatorische Eingriffe im Wohnungsmarkt als Signal für mögliche Eingriffe in andere Wirtschaftsbereiche werten – ein Mechanismus, der den Wirtschaftsstandort Deutschland strukturell belasten könnte, wenn er in Investitionsentscheidungen einflösse. Abschließend fragt die Anfrage nach der Bedeutung internationaler Investitionsschutzabkommen für die Standortattraktivität.
Die Bundesregierung hat die Anfrage erhalten; ihre schriftliche Antwort steht noch aus. Weitere wirtschaftspolitische Themen aus dem Bundeshaushalt sind auf drucksachlich.de dokumentiert, darunter etwa die Infrastrukturfinanzierung für Seehäfen.
Weiterlesen:
Betroffen sind in erster Linie Unternehmen, die auf Kapitalzuflüsse aus dem Ausland angewiesen sind, sowie Beschäftigte in exportorientierten Industrien, im Mittelstand und in technologieintensiven Branchen. Auch Immobilienwirtschaft und Wohnungsmarkt stehen im Fokus, da Enteignungsdebatten in Berlin laut der Anfrage die Investitionsbereitschaft international tätig er Kapitalgeber beeinflussen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7917) ist am 8. September 2026 beim Deutschen Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung hat die Anfrage zur Beantwortung erhalten; die schriftliche Antwort steht noch aus. Gemäß § 104 GO-BT ist grundsätzlich eine Beantwortung innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vorgesehen.
- Ausländische Direktinvestition (FDI)
- Kapitalanlagen eines ausländischen Unternehmens oder Investors in einem anderen Land, z. B. durch Gründung oder Erwerb von Betrieben. Sie gelten als Indikator für die Standortattraktivität.
- Artikel 15 Grundgesetz
- Verfassungsbestimmung, die unter bestimmten Voraussetzungen die Vergesellschaftung von Grund und Boden, Naturschätzen und Produktionsmitteln gegen Entschädigung erlaubt.
- Germany Trade and Invest (GTAI)
- Die bundeseigene Gesellschaft zur Außenwirtschaftsförderung, die ausländische Unternehmen beim Markteintritt in Deutschland unterstützt und Standortinformationen bereitstellt.
Auf wie viele Projekte sind ausländische Direktinvestitionen gesunken?
Laut der in der Anfrage zitierten EY-Studie sanken ausländische Direktinvestitionsprojekte in Deutschland 2025 um zehn Prozent auf 548 Projekte – der niedrigste Stand seit 17 Jahren.
Was sind die Hauptthemen der 28 Fragen?
Die Anfrage thematisiert Investitionshemmnisse, die Wirkung von Enteignungs- und Vergesellschaftungsdebatten, den Schutz von Eigentumsrechten, den Stand von Koalitionsversprechen zur Investitionsförderung und den Vergleich mit Österreich.
Was ist die WIN-Initiative?
Die WIN-Initiative (Wirtschaft investiert now) ist ein Instrument der Bundesregierung zur gezielten Ansprache und Gewinnung ausländischer Investoren; ihr Umsetzungsstand ist Gegenstand von Frage 14 der Anfrage.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7917 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































