- 6,11 Mrd. Euro Klimafinanzierung aus Bundeshaushalt 2024
- BMZ trägt mit 4,85 Mrd. Euro den Löwenanteil
- Zusage für 2026 und 2027 bleibt ohne klare Antwort
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7881 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Deutschland hat beim G7-Gipfel 2021 zugesagt, jährlich mindestens 6 Mrd. Euro für die internationale Klimafinanzierung bereitzustellen. Diese Mittel fließen vor allem in Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen in einkommensschwachen Ländern des Globalen Südens. Auf der 29. Weltklimakonferenz (COP29) haben die Industrieländer gemeinsam ein kollektives Ziel von 300 Mrd. US-Dollar jährlich beschlossen, das öffentliche und mobilisierte private Mittel umfasst. Die Haushaltseckwerte der Bundesregierung für 2027 sehen Kürzungen im BMZ-Etat vor, was Fragen zur künftigen Einhaltung des deutschen Beitrags aufwirft.
- 6,11 Mrd. Euro — Gesamte deutsche Klimafinanzierung aus Haushaltsmitteln im Jahr 2024
- 4,85 Mrd. Euro — Anteil des BMZ an der Gesamtsumme, davon 2,255 Mrd. Euro bilaterale Entwicklungszusammenarbeit
- 1,03 Mrd. Euro — Mittel der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) aus mehreren Ministerien
- 608 Mio. Euro — Beitrag des BMWK, davon 527 Mio. Euro über die IKI
- 1 Mrd. Euro — Geplanter deutscher Beitrag zur Tropical Forests Forever Facility (TFFF) über zehn Jahre ab 2027
Im Detail
Der deutsche Beitrag zur internationalen Klimafinanzierung wird jeweils erst im Folgejahr, d. h. ex‑post erhoben, sodass zum jetzigen Zeitpunkt noch keine verbindlichen Aussagen für die Jahre 2026 und 2027 getroffen werden können.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7881, Frage 3
Deutschland hat das seit 2021 bestehende Sechs-Milliarden-Versprechen zur internationalen Klimafinanzierung im Jahr 2024 erfüllt: Insgesamt 6,11 Mrd. Euro flossen aus dem Bundeshaushalt in Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen in einkommensschwachen Ländern des Globalen Südens. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor (BT-Drs. 21/7881, beantwortet am 4. September 2026).
Klimafinanzierung 2024: Wer zahlt wie viel?
Den mit Abstand größten Anteil an der deutschen Klimafinanzierung trägt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit 4,85 Mrd. Euro. Davon entfallen allein 2,255 Mrd. Euro auf bilaterale Entwicklungszusammenarbeit — Finanzielle und Technische Zusammenarbeit mit Partnerländern. Weitere 1,161 Mrd. Euro fließen als multilaterale Beiträge etwa an die Weltbank (247 Mio. Euro), afrikanische und asiatische Entwicklungsbanken sowie internationale Klimafonds.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) steuert 608 Mio. Euro bei, davon 527 Mio. Euro über die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI). Das Auswärtige Amt (AA) kommt auf 214 Mio. Euro, das Bundesumweltministerium (BMUV) auf 370 Mio. Euro und das Bundesforschungsministerium (BMBF) auf 59 Mio. Euro. Die IKI bündelt Beiträge aus mehreren Ministerien und kommt insgesamt auf 1,03 Mrd. Euro.
Was gilt aktuell beim Sechs-Milliarden-Versprechen?
Deutschland hat sich beim G7-Gipfel 2021 verpflichtet, jährlich mindestens 6 Mrd. Euro für die internationale Klimafinanzierung bereitzustellen. Diese Zusage wurde 2024 mit 6,11 Mrd. Euro aus Haushaltsmitteln eingehalten. Ob das auch in den Folgejahren so bleibt, lässt die Bundesregierung ausdrücklich offen: Da der deutsche Beitrag jeweils erst im Folgejahr rückwirkend erhoben werde, könnten zum jetzigen Zeitpunkt keine verbindlichen Aussagen für 2026 und 2027 getroffen werden, heißt es in der Drucksache.
Gleichzeitig sehen die Haushaltseckwerte für 2027 Kürzungen im BMZ-Etat vor — sowohl für 2027 als auch für die Folgejahre. Ob und wie die Bundesregierung das Sechs-Milliarden-Versprechen künftig einhält, ist Gegenstand laufender interner Beratungen. Im Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und SPD festgelegt, dass Deutschland einen fairen Anteil an der internationalen Klimafinanzierung leisten will, dabei aber verstärkt auf die Mobilisierung privater Mittel setzt.
COP29 und das 300-Milliarden-Ziel
Auf der 29. Weltklimakonferenz (COP29) haben die Industrieländer ein kollektives Ziel von 300 Mrd. US-Dollar jährlich für die internationale Klimafinanzierung beschlossen. Für den deutschen Anteil spielt neben Haushaltsmitteln die Mobilisierung zusätzlicher Mittel — etwa durch KfW-Entwicklungskredite und privates Kapital — laut Bundesregierung eine entscheidende Rolle. Das Schenkungsäquivalent von KfW-Entwicklungskrediten wird dabei in die Klimafinanzierungsstatistik einbezogen: Es beträgt 651 Mio. Euro der ausgewiesenen BMZ-Summe.
Einen neuen Baustein plant die Bundesregierung mit der Tropical Forests Forever Facility (TFFF): Der deutsche Beitrag ist mit bis zu 1 Mrd. Euro über zehn Jahre im Regierungsentwurf des Wirtschaftsplans 2027 des Klima- und Transformationsfonds veranschlagt — unter Parlamentsvorbehalt und auf Basis eines Kabinettsbeschlusses vom 15. Juli 2026. Investitionen in fossile Energieträger wie Kohle, Öl, Torf und Gas sollen dabei ausgeschlossen sein.
Methodische Fragen zur Anrechnung
Die Kleine Anfrage thematisiert auch die Frage, nach welcher Methode Deutschland seine Klimafinanzierung berechnet. Deutschland rechnet Projekte, bei denen Klimaschutz ein wichtiges Nebenziel ist (Rio-Marker 1), zu 50 Prozent als Klimafinanzierung an — ein Koeffizient, den auch Österreich, Dänemark, Japan, Spanien und die Schweiz verwenden. Laut Bundesregierung gibt die OECD-DAC keinen verbindlichen Koeffizienten vor; die meisten Geberländer nutzen Werte zwischen 30 und 50 Prozent. Die deutsche Klimafinanzierungsberichterstattung werde von der EU und international für ihre Transparenz anerkannt, da alle Daten auf Projektebene veröffentlicht werden.
Mehr Hintergründe zu Haushaltssystematik und Einzelplanbudgets bietet der Beitrag Begriff erklärt: Einzelplanbudget. Aktuelle Entwicklungen im Bereich Forschungsförderung beleuchtet der Artikel zur Games-Förderung: 137,7 Mio. Euro und offene Erfolgskontrolle.
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Direkt betroffen sind einkommensschwache Länder des Globalen Südens, die auf deutsche Klimafinanzierung für Energiewende und Klimaanpassung angewiesen sind. Indirekt berührt das Thema alle Steuerzahlerinnen und Steuerzahler in Deutschland, deren Haushaltsmittel über mehrere Ministerien in internationale Klimaprojekte fließen.
Bei den Fragen zur künftigen Einhaltung des Sechs-Milliarden-Versprechens (Fragen 2, 3, 4, 5) weicht die Bundesregierung aus: Sie verweist auf laufende interne Beratungen und die ex-post-Erhebungsmethodik, ohne konkrete Zusagen zu machen. Frage 9 zu Wasserstoff-Infrastruktur wird vollständig auf eine frühere Antwort (BT-Drs. 21/4166) verwiesen. Fragen 15 und 16 zu multilateralen Fonds-Beiträgen 2027 werden ebenfalls auf eine andere Drucksache (21/7300) verwiesen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Klimafinanzierung: 6-Milliarden-Versprechen unter Druck →
- Rio-Marker
- Kennzeichnungssystem der OECD zur Erfassung klimarelevanter Entwicklungshilfeprojekte. Marker 1 (Significant Objective) bedeutet, dass Klimaschutz ein wichtiges, aber nicht primäres Ziel ist.
- IKI (Internationale Klimaschutzinitiative)
- Zentrales Finanzierungsinstrument der Bundesregierung zur Förderung von Klimaschutz und Biodiversität in Partnerländern, finanziert aus mehreren Ministerien.
- KTF (Klima- und Transformationsfonds)
- Sondervermögen des Bundes zur Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen und der wirtschaftlichen Transformation, unter anderem zur Finanzierung der TFFF ab 2027.
Hat Deutschland das Sechs-Milliarden-Versprechen 2024 erfüllt?
Ja. Laut Bundesregierung wurden 2024 insgesamt 6,11 Mrd. Euro aus Haushaltsmitteln für die internationale Klimafinanzierung bereitgestellt.
Welches Ministerium stellt den größten Teil der Mittel?
Das BMZ trägt mit 4,85 Mrd. Euro den größten Anteil. Das BMWK folgt mit 608 Mio. Euro, das AA mit 214 Mio. Euro.
Was ist die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI)?
Die IKI ist ein zentrales Finanzierungsinstrument der Bundesregierung für internationalen Klimaschutz. Auf sie entfallen laut Drucksache 2024 insgesamt 1,03 Mrd. Euro aus mehreren Ministerien.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7881 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































