- Endometriose betrifft weltweit 190 Millionen Menschen, in Deutschland bis zu vier Millionen
- Bis zur richtigen Diagnose vergehen durchschnittlich siebeneinhalb Jahre
- EU-weite Sozialkosten durch Arbeitsausfall belaufen sich auf 30 Milliarden Euro jährlich
Endometriose: Häufige Erkrankung mit langen Diagnosewegen
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat anlässlich des bundesweiten „Tags der Endometriose“ am 29. September eine Übersicht zur Erkrankung, ihren gesellschaftlichen Folgen und dem politischen Handlungsbedarf veröffentlicht (Aktueller Begriff Nr. 11/26, 23. September 2026).
Verbreitung und Krankheitsbild
Endometriose gilt als die zweithäufigste Unterleibserkrankung bei Menstruierenden. Weltweit sind nach Schätzungen der WHO rund 190 Millionen Menschen betroffen, in Deutschland zwischen zwei und vier Millionen. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen wird auf 40.000 beziffert. Die Gesamtzahl der Diagnosen hat sich hierzulande in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt.
Bei der Erkrankung siedelt sich Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle an, vor allem im Bauch- und Beckenraum. Dieses Gewebe unterliegt den Hormonschwankungen des Zyklus, kann jedoch nicht mit der Menstruation abfließen. Die Folgen sind Entzündungen, Verwachsungen, Vernarbungen und Zysten, die auch andere Organe dauerhaft schädigen können. 30 bis 50 Prozent der Erkrankten sind infertil; bei bis zu 50 Prozent aller ungewollt Kinderlosen liegt eine Endometriose vor.
Typische Symptome sind chronische Schmerzen im Unterleib und Rücken, Kreislaufprobleme, Übelkeit, Erschöpfung sowie Blasen- und Darmbeschwerden. Wegen des vielfältigen Erscheinungsbilds wird die Erkrankung auch als „Chamäleon der Gynäkologie“ bezeichnet.
Diagnose und Behandlung
Zwischen den ersten Symptomen und der korrekten Diagnose vergehen im Durchschnitt siebeneinhalb Jahre, bei Schmerzerkrankungen sogar bis zu zehn Jahre. Fehldiagnosen sind häufig. Seit 2015 ist das Durchschnittsalter bei der Erstdiagnose um knapp vier Jahre auf 37,4 Jahre gesunken; die Krankenhausbehandlungen stiegen seit 2005 um 80 Prozent.
Zur Behandlung stehen medikamentöse Therapien – Schmerzmittel und hormonelle Präparate – sowie operative Eingriffe zur Entfernung der Endometrioseherde zur Verfügung. Beide Ansätze bekämpfen Symptome, können die Erkrankung aber nicht dauerhaft heilen. Die genauen Ursachen sind bis heute wissenschaftlich ungeklärt.
Politische und wissenschaftliche Reaktionen
Obwohl die Krankheit bereits 1690 beschrieben wurde, erschien die erste deutschsprachige Leitlinie erst 2006. Im November 2022 thematisierte der Bundestag Endometriose erstmals auf Antrag der CDU/CSU-Fraktion und der Fraktion Die Linke. Im Bundeshaushalt 2023 wurden erstmals eigens Mittel für die Endometrioseforschung bereitgestellt. Der Koalitionsvertrag von 2025 erwähnt sowohl geschlechtersensible Medizin als auch die Erkrankung ausdrücklich.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert seit September 2024 fünf Forschungsverbünde zu Endometriose. Auf europäischer Ebene wird das Projekt „EUmetriosis“ mit knapp sieben Millionen Euro gefördert. Nach Angaben des Europäischen Parlaments verursacht krankheitsbedingter Arbeitsausfall infolge von Endometriose EU-weit jährlich Sozialkosten von 30 Milliarden Euro – ein Befund, der die volkswirtschaftliche Relevanz der Erkrankung unterstreicht.

































































