Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8190 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- GIZ-Steuerungskosten stiegen von 346 auf 432 Mio. Euro jährlich
- KfW zahlte 2020–2025 insgesamt 48,2 Mrd. Euro für Entwicklungsprojekte aus
- Overhead-Quote der GIZ liegt im Schnitt bei 10,8 Prozent der Projektmittel
Hintergrund
GIZ und KfW Entwicklungsbank sind die zentralen Durchführungsorganisationen der deutschen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit. Die GIZ ist für die Technische Zusammenarbeit zuständig, die KfW Entwicklungsbank für die Finanzielle Zusammenarbeit. Beide erhalten erhebliche öffentliche Mittel aus dem Bundeshaushalt, insbesondere aus dem Einzelplan des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die AfD-Fraktion fragte mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7399 nach dem Verhältnis von Verwaltungskosten zu direkt projektwirksamen Mitteln über den Zeitraum 2020 bis 2025.
- 432 Mio. Euro — GIZ-Steuerungskosten im Jahr 2025, höchster Wert im Betrachtungszeitraum (2020: 346 Mio. Euro).
- 48,2 Mrd. Euro — Gesamtauszahlungen der KfW Entwicklungsbank 2020–2025, davon 18 Mrd. Euro nicht rückzahlbare Haushaltsmittel.
- 12,5 Prozent — Anteil der GIZ-Steuerungskosten an den Gesamtkosten im Jahr 2025, knapp unter der Aufsichtsrats-Obergrenze von 12 Prozent (Bezugsbasis: Vierjahresdurchschnitt).
- 82,1 Prozent — Anteil der Personalkosten an den GIZ-Steuerungskosten im Jahr 2025; bei der KfW Entwicklungsbank lag dieser Wert bei nur 38,4 Prozent.
- 70 Landesbüros — Auslandsstandorte der GIZ im Jahr 2025 (2020: 78); die KfW Entwicklungsbank unterhielt 63 Außenstellen (2020: 70).
Im Detail
Als Ergebnis wird die GIZ ihre zentralen Funktionen verschlanken und ihre Organisationsstruktur straffen, um die Effizienz zu erhöhen und langfristig Strukturkosten zu reduzieren.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8190, S. 7
Rund jeder zehnte Euro, den Deutschland über die GIZ für Entwicklungshilfe aufwendet, fließt nicht in konkrete Projekte, sondern in Steuerungs- und Verwaltungskosten. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor (BT-Drs. 21/8190 vom 24. September 2026). Die Drucksache enthält erstmals eine systematische Zusammenstellung der Verwaltungskosten beider zentraler Durchführungsorganisationen – GIZ und KfW Entwicklungsbank – für den Zeitraum 2020 bis 2025.
Verwaltungskosten der GIZ: stabil, aber im Aufwärtstrend
Die GIZ verzeichnete im Jahr 2020 Steuerungskosten von 345,7 Mio. Euro; bis 2025 stiegen diese auf 431,7 Mio. Euro. Als Anteil an den Gesamtkosten im gemeinnützigen Bereich bewegten sich die Verwaltungskosten zwischen 10,5 Prozent (2022) und 12,5 Prozent (2025). Der GIZ-Aufsichtsrat hat als Richtwert vorgegeben, dass diese Kennzahl bei normalem Geschäftsverlauf 12 Prozent – gemessen am Vierjahresdurchschnitt der Einnahmen – nicht überschreiten soll. Gemessen an den unmittelbar projektwirksam eingesetzten Mitteln lag die Overhead-Quote der GIZ im Schnitt der sechs Jahre bei 10,8 Prozent, mit einer Spannweite von 9,7 Prozent (2022) bis 11,6 Prozent (2025).
Die jährlichen BMZ-Projektauszahlungen durch die GIZ lagen zwischen 2.264,8 Mio. Euro (2020) und 2.859,1 Mio. Euro (2022). Personalkosten machten 2025 rund 82,1 Prozent der Steuerungskosten aus – ein hoher Anteil, der laut Bundesregierung auf das beratungsintensive Geschäftsmodell der Technischen Zusammenarbeit zurückzuführen ist.
KfW Entwicklungsbank: 48,2 Mrd. Euro in sechs Jahren
Die KfW Entwicklungsbank zahlte im Zeitraum 2020 bis 2025 insgesamt 48,2 Mrd. Euro für Entwicklungsprojekte aus. Davon entfielen 27,9 Mrd. Euro auf rückzahlbare Darlehen, 18 Mrd. Euro auf nicht rückzahlbare Haushaltsmittel und 2,3 Mrd. Euro auf Drittmittel. Der Verwaltungsaufwand der KfW Entwicklungsbank im Verhältnis zu den Projektauszahlungen lag im Sechsjahresdurchschnitt bei 4,9 Prozent – deutlich niedriger als bei der GIZ, was die Bundesregierung auf das bankähnliche Geschäftsmodell zurückführt. Im Verhältnis zum Volumen der Neuzusagen schwankte der Verwaltungsanteil zwischen 2,9 Prozent (2020) und 5,6 Prozent (2024).
Auslandsstrukturen werden abgebaut
Die GIZ betrieb 2020 noch 78 Landesbüros im Ausland; bis 2025 sank die Zahl auf 70. Die Struktur- und Sicherheitskosten dieser Büros stiegen gleichzeitig von 125,1 Mio. Euro (2020) auf 154,1 Mio. Euro (2025). Die KfW Entwicklungsbank reduzierte ihre Außenstellen von 70 auf 63; die Kosten der Außenstruktur wuchsen von 43,3 auf 53,9 Mio. Euro. Laut Bundesregierung plant die GIZ eine weitere Straffung ihrer Organisationsstruktur, um die Effizienz zu erhöhen und langfristig Strukturkosten zu senken.
Keine einheitliche Vergleichsbasis
Eine einheitliche Abgrenzungssystematik für Verwaltungskosten zwischen GIZ und KfW existiert laut Bundesregierung nicht und sei aufgrund der unterschiedlichen Geschäftsmodelle auch nicht sinnvoll. Für mehrere detaillierte Fragen – etwa nach Kosten für Projektprüfung, Monitoring oder Evaluierung aufgeschlüsselt nach Tätigkeitsfeldern – konnte keine Auskunft gegeben werden, da diese Kosten intern nicht in der angefragten Form ausgewiesen werden. Eine direkte Vergleichbarkeit der Verwaltungskostenquoten beider Organisationen ist daher eingeschränkt. Ähnliche Fragen zur effizienten Verwendung öffentlicher Mittel stellt sich auch der Bereich Regierungs-PR, wo Millionen für Agenturen und Influencer fließen.
Für die KfW Entwicklungsbank legt der Verwaltungsrat jährlich einen maximalen Verwaltungsaufwand fest; der BRH sowie Wirtschaftsprüfer prüfen regelmäßig einzelne Programme. Die Bundesregierung betont, die Kostenstrukturen beider Organisationen fortlaufend zu prüfen und bei Bedarf Anpassungen zu veranlassen. Ähnliche Transparenzdebatten zur Mittelverwendung zeigen sich auch beim KfW-Studienkredit, wo gestiegene Zinslasten für Diskussion sorgten.
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Steuerzahlerinnen und Steuerzahler finanzieren die Entwicklungszusammenarbeit über den Bundeshaushalt. Die Zahlen betreffen zudem die Empfängerländer der Projekte, da die Höhe der Verwaltungskosten unmittelbar beeinflusst, wie viel Geld tatsächlich in Projekte vor Ort fließt. Mittelbar sind auch die rund 26.000 Beschäftigten der GIZ betroffen, da eine Organisationsstraffung angekündigt wurde.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen vollständig mit konkreten Zahlen. Bei den Fragen 9, 10 und 14 verweist sie darauf, dass die angefragten Aufschlüsselungen in der geforderten Eingrenzung nicht ausgewiesen werden – eine inhaltliche Begründung wird dafür angegeben.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Entwicklungszusammenarbeit: GIZ und KfW unter Kostenkontrolle →
- Steuerungskosten (GIZ)
- Interne Bezeichnung der GIZ für Verwaltungskosten im gemeinnützigen Geschäftsbereich, die nicht direkt einem Projekt zugeordnet werden können.
- GnB (Gemeinnütziger Bereich)
- Der Teil der GIZ-Tätigkeit, der dem Gesellschaftszweck – Förderung internationaler Zusammenarbeit – dient, unabhängig vom Auftraggeber.
- Finanzielle Zusammenarbeit
- Instrument der Entwicklungshilfe, bei dem zinsgünstige Darlehen oder Zuschüsse an Entwicklungsländer vergeben werden – in Deutschland überwiegend durch die KfW Entwicklungsbank.
Wie hoch sind die GIZ-Verwaltungskosten im Verhältnis zu Projektmitteln?
Im Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025 lagen die Steuerungskosten der GIZ (abzüglich direkter Projektleistungen) bei 10,8 Prozent der unmittelbar projektwirksam eingesetzten Mittel.
Wie viel gibt die KfW Entwicklungsbank für Verwaltung aus?
Im Schnitt der Jahre 2020 bis 2025 betrug der Verwaltungsaufwand der KfW Entwicklungsbank 4,9 Prozent der Projektauszahlungen. Im Jahr 2020 waren es konkret 314 Mio. Euro.
Gibt es eine einheitliche Kostensystematik für GIZ und KfW?
Nein. Laut Bundesregierung existiert keine einheitliche Abgrenzungssystematik und wäre wegen der unterschiedlichen Geschäftsmodelle auch nicht sinnvoll.





































































