Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8365 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- Über 33.000 Juden wurden am 29./30. September 1941 in Babyn Jar ermordet
- Etwa 20.000 von Russland verschleppte ukrainische Kinder sollen zurückgeholt werden
- Bundestag soll Ukraine militärisch, finanziell und diplomatisch weiter stärken
Hintergrund
Das Massaker von Babyn Jar vom 29. und 30. September 1941 gilt als das größte Einzelmassaker des Zweiten Weltkriegs auf europäischem Boden. In den Wochen und Monaten danach wurden an derselben Stätte Zehntausende weitere Menschen ermordet, darunter Roma und Sinti, sowjetische Kriegsgefangene und Widerstandskämpfer. Die Erinnerung an Babyn Jar war lange politisch überlagert, insbesondere während der Sowjetzeit. Der 85. Jahrestag fällt in den Kontext des seit Februar 2022 andauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, der Fragen nach historischer Verantwortung und aktueller Schutzpflicht neu bündelt.
- Über 33.000 — jüdische Menschen wurden am 29. und 30. September 1941 in Babyn Jar ermordet.
- Zehntausende — weitere Opfer in den Monaten danach, darunter Roma, Sinti und Kriegsgefangene.
- Rund 20.000 — ukrainische Kinder und Jugendliche sollen laut Antrag von Russland verschleppt worden sein.
- 85 Jahre — liegt das Massaker im Oktober 2026 zurück; Jahrestag bildet den Anlass für den Antrag.
Im Detail
Die Erschießungen von Babyn Jar waren das größte Einzelmassaker im Zweiten Weltkrieg auf europäischem Boden. Der Gewaltexzess steht exemplarisch für den sogenannten „Holocaust durch Kugeln“, dem insbesondere die jüdischen Gemeinden Osteuropas zum Opfer fielen.
— Antrag BT-Drs. 21/8365, Abschnitt I
Zum 85. Jahrestag des Massakers von Babyn Jar haben die Fraktionen von CDU/CSU und SPD am 6. Oktober 2026 den Antrag BT-Drs. 21/8365 in den Bundestag eingebracht. Das Dokument verbindet das Gedenken an eines der schwersten NS-Verbrechen mit einer umfassenden politischen Forderungsliste zur Ukraine-Unterstützung.
Babyn Jar: Das größte Einzelmassaker des Zweiten Weltkriegs
Am 29. und 30. September 1941 ermordeten Einsatzgruppen der deutschen Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS gemeinsam mit weiteren Besatzungstruppen und lokalen Kollaborateuren mehr als 33.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder in der Schlucht von Babyn Jar bei Kyjiw. Die Erschießungen von Babyn Jar markieren nach Einschätzung des Antrags den Beginn des systematischen Genozids an den europäischen Juden und stehen exemplarisch für den sogenannten „Holocaust durch Kugeln“ — die Massenerschießungen, denen insbesondere die jüdischen Gemeinden Osteuropas zum Opfer fielen. In den folgenden Monaten wurden an derselben Stätte Zehntausende weitere Menschen ermordet, darunter Roma und Sinti, sowjetische Kriegsgefangene und Widerstandskämpfer.
Historische Verantwortung und aktuelle Ukraine-Politik
Der Antrag leitet aus der deutschen historischen Schuld eine konkrete politische Gegenwartspflicht ab: Deutschland stehe an der Seite der Ukraine, die ihre territoriale Integrität und staatliche Unabhängigkeit gegen den völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieg verteidige. Diese Verknüpfung von Erinnerungskultur und Außenpolitik ist für einen Bundestagsantrag außergewöhnlich direkt formuliert. Die Koalitionsfraktionen bekräftigen zudem, dass Deutschland und seine Verbündeten offen für diplomatische Initiativen für einen gerechten und dauerhaften Frieden bleiben — unter der Bedingung, dass Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine gewahrt werden.
Zehn konkrete Forderungen an die Bundesregierung
Im operativen Teil fordert der Antrag die Bundesregierung in zehn Punkten auf, im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel tätig zu werden. Dazu zählen:
- Stärkung der wissenschaftlichen Aufarbeitung und Zusammenarbeit europäischer Archive, Forschungseinrichtungen und Gedenkstätten
- Entschiedenes Eintreten gegen Leugnung, Verharmlosung oder Instrumentalisierung nationalsozialistischer Verbrechen
- Umfassende politische, wirtschaftliche, finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung der Ukraine
- Einsatz für die Rückkehr der rund 20.000 von Russland verschleppten ukrainischen Kinder und Jugendlichen
- Bereitstellung von Waffensystemen, Munition, Ausrüstung und Ausbildungskapazitäten
- Begleitung der Ukraine im EU-Beitrittsprozess und Bekräftigung der euro-atlantischen Perspektive
- Stärkung der internationalen Mechanismen zur Dokumentation, Verfolgung und Ahndung russischer Kriegsverbrechen
Erinnerungskultur und Antisemitismusbekämpfung
Neben der Ukraine-Unterstützung bekräftigt der Bundestag im Antrag seine Entschlossenheit, gegen Antisemitismus, Geschichtsverfälschung und die Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen einzutreten. Die Erinnerung an Babyn Jar sei über Jahrzehnte teilweise verdrängt und politisch überlagert worden. Umso wichtiger sei es, die historische Wahrheit zu bewahren und die Bildungs- und Vermittlungsarbeit fortzuführen. Der Antrag wurde von Thorsten Frei und Alexander Hoffmann (CDU/CSU) sowie Dr. Matthias Miersch (SPD) am 23. September 2026 unterzeichnet und am 6. Oktober 2026 als Drucksache veröffentlicht — unmittelbar nach dem Jahrestag der Erschießungen. Zum Vergleich: Der 7. Oktober als Tag der Trauer zeigt, wie der Bundestag auch andere Gedenktage mit außenpolitischer Dimension verknüpft.
Nächste Schritte im parlamentarischen Verfahren
Der Antrag liegt dem Bundestag vor und muss noch den Ausschussberatungen und der abschließenden Abstimmung im Plenum unterzogen werden. Da beide Koalitionsfraktionen als Antragsteller auftreten, gilt eine Mehrheit im Plenum als wahrscheinlich. Zur Frage, wie der Bundestag mit weiteren sicherheitspolitischen Vorgängen umgeht, bietet der Beitrag Fragestunde 7. Oktober 2026: 52 Fragen an die Bundesregierung einen aktuellen Überblick.
Weiterlesen:
- GIZ und KfW: Verwaltungskosten der Entwicklungshilfe 2020–2025
- Schriftliche Fragen KW 38/2026: 71 Antworten der Bundesregierung
Betroffen von den politischen Forderungen des Antrags sind vor allem die Ukraine und ihre Bevölkerung, die weiterhin militärische und zivile Unterstützung erhalten soll. Besonders hervorgehoben werden die rund 20.000 von Russland verschleppten ukrainischen Kinder und Jugendlichen. Darüber hinaus adressiert der Antrag die Erinnerungsarbeit in Deutschland und Europa sowie Gedenkstätten, Archive und Forschungseinrichtungen, die im Bereich der NS-Verbrechensaufarbeitung tätig sind.
Der Antrag (BT-Drs. 21/8365) liegt dem Bundestag seit dem 6. Oktober 2026 vor. Als nächster Schritt stehen die Zuweisung an die zuständigen Ausschüsse sowie die Ausschussberatungen an. Danach entscheidet das Plenum des Bundestages über Annahme oder Ablehnung.
- Holocaust durch Kugeln
- Historischer Begriff für die systematischen Massenerschießungen von Juden durch Einsatzgruppen in Osteuropa, die parallel zum späteren Lagermord stattfanden und schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen das Leben kosteten.
- Kopenhagener Kriterien
- Beitrittsbedingungen der EU, die stabile demokratische Institutionen, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte sowie eine funktionierende Marktwirtschaft voraussetzen.
- Einsatzgruppen
- Mobile SS- und Polizeieinheiten, die im Zweiten Weltkrieg in den besetzten Gebieten Massenerschießungen von Juden, Roma und anderen Verfolgten durchführten.
Was war das Massaker von Babyn Jar?
Am 29. und 30. September 1941 erschossen Einsatzgruppen der deutschen Sicherheitspolizei und des SD mit Unterstützung weiterer Besatzungstruppen und lokaler Kollaborateure mehr als 33.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder in der Schlucht von Babyn Jar bei Kyjiw.
Was fordert der Antrag konkret von der Bundesregierung?
Der Antrag fordert unter anderem die weitere Unterstützung der historischen Aufarbeitung, die umfassende militärische und zivile Hilfe für die Ukraine, den Einsatz für die Rückkehr rund 20.000 verschleppter Kinder sowie die Stärkung der internationalen Kriegsverbrecherverfolgung.
Wer hat den Antrag eingebracht?
Die Fraktionen von CDU/CSU und SPD, unterzeichnet von Thorsten Frei, Alexander Hoffmann (CDU/CSU) sowie Dr. Matthias Miersch (SPD), haben den Antrag am 23. September 2026 eingereicht; er wurde am 6. Oktober 2026 als Drucksache 21/8365 veröffentlicht.





































































