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- Die Linke will die Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung stoppen
- Seit 2012 stieg die Regelaltersgrenze um rund 14 Monate, schneller als die Lebenserwartung
- 65-jährige Männer in Baden-Württemberg leben im Schnitt gut zwei Jahre länger als in Sachsen-Anhalt
Hintergrund
Seit Januar 2012 wird die Regelaltersgrenze schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Nach Vorschlägen der Alterssicherungskommission soll sie künftig an die durchschnittliche Lebenserwartung gekoppelt werden. Laut Antrag hat der Koalitionsausschuss beschlossen, alle 33 Empfehlungen der Kommission vollständig zu übernehmen. Der Antrag der Linken richtet sich gegen diesen Teil der Pläne.
- 7,2 auf 14,4 Prozent — der höchstmögliche Rentenabschlag verdoppelt sich laut Antrag.
- ca. 6 Monate — so viel stieg die fernere Lebenserwartung 65-jähriger Männer in Baden-Württemberg seit 2012, dem Bundesland mit dem größten Zuwachs.
- 18,9 Jahre — fernere Lebenserwartung 65-jähriger Männer in Baden-Württemberg; in Sachsen-Anhalt sind es mehr als zwei Jahre weniger.
- ca. 1,5 Jahre — Abstand zwischen den Bundesländern mit höchster und niedrigster ferner Lebenserwartung bei 65-jährigen Frauen im Jahr 2025.
Im Detail
Jegliche Anhebungen des Renteneintrittsalters sind und bleiben deshalb Rentenkürzungen.
— Antrag der Fraktion Die Linke, BT-Drs. 21/8388
Wer heute berufstätig ist, soll möglicherweise künftig länger arbeiten, wenn das Renteneintrittsalter automatisch mit der Lebenserwartung steigt. Dagegen wendet sich die Fraktion Die Linke mit ihrem Antrag „Keine weitere Erhöhung der Regelaltersgrenze“ (Drucksache 21/8388 vom 6. Oktober 2026). Der Bundestag soll die Bundesregierung auffordern, ihr Vorhaben zur Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung nicht weiterzuverfolgen.
Hintergrund ist die seit Januar 2012 laufende schrittweise Anhebung der Regelaltersgrenze von 65 auf 67 Jahre. Parallel verdoppelt sich laut Antrag der höchstmögliche Rentenabschlag von 7,2 auf 14,4 Prozent. Die Antragsteller argumentieren, jede Anhebung des Renteneintrittsalters sei faktisch eine Rentenkürzung, weil viele Beschäftigte aus gesundheitlichen, familiären oder arbeitsmarktbedingten Gründen nicht länger arbeiten könnten und dann höhere Abschläge hinnehmen müssten.
Was die Kopplung bedeuten würde
Nach den Vorschlägen der Alterssicherungskommission soll die Regelaltersgrenze künftig an die durchschnittliche Lebenserwartung gekoppelt werden. Sie würde damit voraussichtlich auch nach 2031, wenn die Anhebung auf 67 abgeschlossen ist, weiter steigen. Laut Antrag hat der Koalitionsausschuss beschlossen, alle 33 Empfehlungen der Kommission vollständig zu übernehmen. Die Linke stützt sich bei ihrer Kritik auf Zahlen, die der Bundesregierung in BT-Drs. 21/5099 vorliegen.
Lebenserwartung unterscheidet sich regional
Zentrales Argument ist, dass der Bundesdurchschnitt große Unterschiede verdeckt. Laut Begründung stieg die fernere Lebenserwartung 65-jähriger Männer zwischen 2012 und 2025 im Spitzenland Baden-Württemberg um etwa sechs Monate. In Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sank sie dagegen leicht. 65-jährige Männer in Baden-Württemberg haben im Schnitt noch etwa 18,9 Jahre vor sich, in Sachsen-Anhalt mehr als zwei Jahre weniger. Die Antragsteller sprechen von einer steigenden Ungleichheit.
Bei Frauen zeigt sich laut Antrag ein ähnliches Bild: Die bundesdurchschnittliche fernere Lebenserwartung stieg von 2012 bis 2025 um rund 2,5 Monate. In Bremen, Hamburg, Niedersachsen und dem Saarland sank sie leicht, im Saarland um etwa 1,5 Monate. Der Abstand zwischen den Ländern mit der höchsten und der niedrigsten Lebenserwartung bei 65-jährigen Frauen wuchs um etwa ein halbes Jahr auf rund 1,5 Jahre.
Soziale Unterschiede bei der Lebenserwartung
Der Antrag verweist außerdem auf Studien, nach denen Bildung, Einkommen, Wohnsituation und Arbeitsbedingungen die Lebenserwartung beeinflussen. Genannt werden unter anderem eine Auswertung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW-Wochenbericht 25/2024) sowie eine Untersuchung im Journal of Health Monitoring (2025). Auch die Bundesregierung räumt laut Antrag ein, dass ein enger Zusammenhang zwischen sozioökonomischer und gesundheitlicher Lage besteht. Beschäftigte, die lange in körperlich belastenden Berufen für niedrige Löhne gearbeitet haben, hätten demnach ein höheres Risiko, früher zu sterben, und würden durch eine Kopplung besonders benachteiligt.
Anhebung übersteigt Anstieg der Lebenserwartung
Die Antragsteller führen zudem Zahlen des Statistischen Bundesamts an (BT-Drs. 21/7670, Anlage 1). Danach übersteigt die seit 2012 laufende Anhebung der Regelaltersgrenze um etwa 14 Monate bis 2025 den Anstieg der Lebenserwartung von Männern und Frauen im gleichen Zeitraum deutlich. Wer bis zur angehobenen Grenze arbeite, müsse daher länger Beiträge zahlen und beziehe kürzer Rente. Die zusätzlich erworbenen Anwartschaften reichten in der Regel nicht aus, dies auszugleichen.
Weiterlesen:
Betroffen wären alle Versicherten der gesetzlichen Rentenversicherung. Nach Darstellung der Antragsteller träfe eine Kopplung besonders Beschäftigte in körperlich belastenden, niedrig bezahlten Berufen sowie Menschen in strukturschwachen Regionen.
Der Antrag wurde am 6. Oktober 2026 eingebracht. Als nächste Schritte stehen die Überweisung an einen Ausschuss, die dortige Beratung und anschließend die Abstimmung im Bundestagsplenum aus.
- Regelaltersgrenze
- Das Alter, ab dem Versicherte ohne Abschläge in Rente gehen können. Es wird seit 2012 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben.
- Fernere Lebenserwartung
- Die durchschnittlich zu erwartenden weiteren Lebensjahre ab einem bestimmten Alter, hier ab 65 Jahren.
- Alterssicherungskommission
- Ein Gremium, das Empfehlungen zur künftigen Ausgestaltung der Alterssicherung vorgelegt hat.
Was fordert der Antrag?
Der Bundestag soll die Bundesregierung auffordern, die geplante Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung nicht weiterzuverfolgen.
Was schlägt die Alterssicherungskommission vor?
Laut Antrag soll die Regelaltersgrenze künftig an die durchschnittliche Lebenserwartung gekoppelt werden. Der Koalitionsausschuss hat laut Antrag beschlossen, alle 33 Empfehlungen der Kommission zu übernehmen.
Wie begründet die Linke ihren Antrag?
Sie verweist auf regionale und soziale Unterschiede bei der Lebenserwartung. Eine Kopplung benachteilige Regionen und Gruppen, in denen die Lebenserwartung kaum oder nicht steigt.




































































