- 2,02 Mio. Hektar Anbaufläche für Bioenergiepflanzen in 2025
- Nationale Biomassestrategie ist derzeit nicht geplant
- 48 Prozent der Erneuerbaren-Energie stammt aus Biomasse
Hintergrund
Biomasse ist laut Umweltbundesamt (UBA) der bedeutendste erneuerbare Energieträger in Deutschland: Im Jahr 2025 stammten 48 Prozent der Erneuerbaren-Energiebereitstellung aus Biomasse. Das UBA fordert gleichzeitig, die energetische Nutzung von Anbaubiomasse nicht weiter auszubauen und die Energieversorgung langfristig davon zu entkoppeln. Eine Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) prognostiziert für 2045 allein im Gebäudesektor einen Biogasbedarf von rund 200 TWh – das Vierfache der heimisch erschließbaren Mengen aus Abfall- und Reststoffen. Die Fraktion Die Linke richtete die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/8014 an die Bundesregierung, auf die BT-Drs. 21/8567 die Antwort darstellt.
- 48 Prozent — Anteil der Biomasse an der gesamten Erneuerbaren-Energiebereitstellung in Deutschland im Jahr 2025 (laut UBA-Analyse).
- 2,02 Mio. Hektar — Anbaufläche für Bioenergiepflanzen in Deutschland 2025 laut FNR-Schätzung; davon 1,19 Mio. ha für Biogas und Biomethan.
- 47 Mio. Hektar — Landwirtschaftlicher Flächenfußabdruck des deutschen Biomassekonsums für 2021 (ca. 2,8-fache der deutschen Landwirtschaftsfläche).
- 57,3 Mio. m³ — Holzeinschlag in Deutschland 2025 (2024: 61,2 Mio. m³).
- 9 auf 9,5 Gigawatt — Geplante Anhebung der installierten Leistung von Biomassestrom-Anlagen bis 2035 laut EEG-Kabinettentwurf vom 29. Juli 2026.
Im Detail
Eine weitere Ausarbeitung einer nationalen Biomassestrategie ist derzeit nicht geplant.
— Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, BT-Drs. 21/8567, S. 2
Biomasse liefert knapp die Hälfte der gesamten erneuerbaren Energiebereitstellung in Deutschland. Doch trotz dieser zentralen Rolle fehlt der Bundesregierung eine belastbare Gesamtstrategie für die Ressource – das geht aus der Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor (BT-Drs. 21/8567, veröffentlicht am 14. Oktober 2026). Auf die direkte Frage nach dem geplanten Zeitplan für eine nationale Biomassestrategie antwortet das Bundesministerium für Umwelt: Eine weitere Ausarbeitung sei derzeit nicht geplant.
Biomasse-Anbaufläche: 2,02 Millionen Hektar in 2025
Nach Schätzungen der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) wurden im Jahr 2025 auf rund 2,02 Millionen Hektar Pflanzen zur Bioenergieproduktion angebaut. Der größte Anteil entfiel mit 1,19 Millionen Hektar auf Biogas und Biomethan. Maissilage dominiert dabei mit einer Anbaufläche von rund 658.000 Hektar. Für Biokraftstoffe wurden rund 571.000 Hektar für Raps (Biodiesel) sowie 245.000 Hektar für Pflanzen zur Bioethanolproduktion genutzt. Gegenüber 2019, als die Biogas-Gesamtfläche noch 1,63 Millionen Hektar betrug, ist die Fläche damit deutlich zurückgegangen. Wie sich der Flächenbedarf bis 2030, 2040 oder 2045 entwickeln wird, kann die Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht belastbar beziffern – verbindlich festgelegte Anbauflächenbedarfe liegen ihr nicht vor.
Datenlücken bei Produktion, Import und Export
Die Regierungsantwort offenbart systematische Datenlücken: Weder verfügt die Bundesregierung über eine Gesamtübersicht der in Deutschland produzierten Biomasse noch über einen konsolidierten Datensatz zu den energetisch genutzten Anteilen. Für biogene Abfall- und Reststoffe sowie Wirtschaftsdünger gilt ähnliches bei den Importdaten. Teilweise können einzelne Behörden wie die FNR oder das Thünen-Institut Teilbilanzen liefern, eine sektorübergreifende Gesamtbilanz existiert nicht. Beim forstwirtschaftlich erzeugten Holz liegt der Einschlag für 2025 bei 57,3 Millionen Kubikmetern (ohne Rinde) – nach 61,2 Millionen im Vorjahr. Deutschland exportierte 2025 vorläufig rund 116,7 Millionen Kubikmeter Rohholzäquivalente und importierte 118,1 Millionen, was einen leichten Nettoimport von 1,4 Millionen Kubikmetern ergibt.
Flächenfußabdruck: 2,8-fache der deutschen Landwirtschaftsfläche
Besonders aufschlussreich ist die Angabe zum gesamten Flächenfußabdruck des deutschen Biomassekonsums: Nach Modellrechnungen des Bioökonomiemonitorings betrug dieser für das Jahr 2021 rund 47 Millionen Hektar – etwa das 2,8-Fache der gesamten landwirtschaftlichen Fläche Deutschlands. Ein Großteil dieser Flächen liegt damit im Ausland. Eine vollständige, nach einzelnen Produkten aufgeschlüsselte Bilanz der mit Importen und Exporten verbundenen Anbauflächen liegt der Regierung nach eigenen Angaben nicht vor. Die Problematik der Flächenkonkurrenz zwischen Landwirtschaft, Infrastruktur und Naturschutz wird damit auch im Bereich der Biomasseproduktion sichtbar.
Gebäudemodernisierungsgesetz und wachsende Biomassenachfrage
Das Gebäudemodernisierungsgesetz verankert mit der sogenannten Biotreppe einen gestaffelt steigenden Anteil biogener Energieträger beim Heizen. Hinzu kommt die geplante Grüngas-/Grünheizölquote, für die das entsprechende Gesetz laut Bundesregierung noch in Vorbereitung ist. Die Konsequenz: Die Nachfrage nach Biomasse wird kontinuierlich steigen. Mit welchem konkreten Mehrbedarf die Regierung kalkuliert, bleibt offen – Prognosen zur Preisentwicklung bei biogenen Brennstoffen weisen laut Antwort eine so große Bandbreite auf, dass sie für eine Gesetzesfolgenabschätzung nicht herangezogen werden können. Kostensteigerungen für Endverbraucher beim Heizen lassen sich demnach nicht belastbar vorhersagen.
Naturschutz und Biodiversität unter Druck
Die Regierung erkennt an, dass steigende Biomassenachfrage den Nutzungsdruck auf Flächen erhöhen und negative Auswirkungen auf Biodiversität, Böden und Gewässer haben kann. Konkrete rechtliche Maßnahmen zur Priorisierung der Kaskadennutzung von Holz gegenüber direkter thermischer Verwertung plant sie derzeit allerdings nicht. Beim Schutz älterer Wälder setzt die Bundesregierung auf die Einhaltung bestehender forst- und naturschutzrechtlicher Vorgaben; das Bestandsalter eines Waldes allein begründe kein allgemeines Nutzungsverbot. Verbindliche Fruchtfolgeauflagen speziell für den Energiepflanzenanbau bestehen bereits im Rahmen der EU-Agrarkonditionalität (GLÖZ 7): Innerhalb von drei Jahren müssen mindestens zwei unterschiedliche Hauptkulturen angebaut werden.
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Betroffen sind Landwirte, die Entscheidungen über Energiepflanzenanbau auf rund 2,02 Millionen Hektar treffen, Haushalte, die auf Bioenergie zum Heizen angewiesen sind, sowie die Forstwirtschaft, die mit steigendem Nachfragedruck auf Holzbiomasse konfrontiert ist. Auch Naturschutzgebiete und die biologische Vielfalt in Agrarlandschaften stehen unter dem Druck wachsender Nachfrage nach Biomasserohstoffen.
Die Bundesregierung beantwortet viele Detailfragen mit dem Verweis auf fehlende konsolidierte Datensätze. Zu Flächenbedarfsplanungen für 2030, 2040 und 2045 sowie zu Biogaspotenzialwerten verweist sie auf Unsicherheiten und legt keine eigenen Berechnungen vor. Bei Kostensteigerungen für Endverbraucher erklärt sie, keine belastbaren Prognosen zu besitzen.
Die Anfrage ist mit der Drucksache 21/8567 vom 14. Oktober 2026 beantwortet; das Verfahren ist abgeschlossen. Das Gesetz zur Einführung der Grüngas-/Grünheizölquote sowie die Novelle der Biomasseverordnung befinden sich laut Regierungsantwort noch in der Vorbereitung. Das EEG mit den neuen Biomasseleistungszielen durchläuft derzeit das parlamentarische Verfahren.
- Biotreppe
- Im Gebäudemodernisierungsgesetz verankertes Stufenmodell, das den gestaffelt steigenden Anteil biogener Energieträger beim Heizen regelt.
- Kaskadenprinzip
- Grundsatz, nach dem Biomasse möglichst zuerst stofflich (z. B. als Material) und erst danach energetisch genutzt werden soll, um den Rohstoff effizient einzusetzen.
- LULUCF
- Land Use, Land Use-Change and Forestry – EU-Regelwerk zur Bilanzierung von Treibhausgasemissionen und -senken im Bereich Landnutzung und Forstwirtschaft.
Gibt es eine nationale Biomassestrategie?
Nein. Die Bundesregierung erklärt in BT-Drs. 21/8567, dass eine weitere Ausarbeitung einer nationalen Biomassestrategie derzeit nicht geplant ist.
Wie viel Fläche wird für Bioenergiepflanzen genutzt?
Laut FNR-Schätzungen wurden 2025 auf rund 2,02 Millionen Hektar Pflanzen zur Bioenergieproduktion angebaut; davon entfielen 1,19 Millionen Hektar auf Biogas und Biomethan.
Wie groß ist der Flächenfußabdruck des deutschen Biomassekonsums?
Nach Modellrechnungen des Bioökonomiemonitorings wird der landwirtschaftliche Flächenfußabdruck des deutschen Biomassekonsums für 2021 auf rund 47 Millionen Hektar geschätzt – etwa 2,8-mal die gesamte landwirtschaftliche Fläche Deutschlands.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8567 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































