- 149 Terawattstunden Gas in deutschen Speichern am 13. Oktober 2026
- Bundesregierung erstellt keine Winterszenarien für Kälteperioden
- Liefervertragsdaten privater Gashändler liegen der Regierung nicht vor
Hintergrund
Die Anfrage BT-Drs. 21/8255 der AfD-Fraktion folgte auf eine frühere Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7879), in der die Bundesregierung einen Speicherstand von 126,8 TWh (51,2 Prozent) zum 26. August 2026 gemeldet hatte. Laut Bundesnetzagentur lagen die deutschen Speicherfüllstände deutlich unter den Vergleichswerten vergangener Jahre. Der europäische Spotmarktpreis für Erdgas notierte nach Angaben der Fragesteller bei rund 75 Euro je Megawattstunde. Seit dem 1. Juli 2025 gilt in Deutschland die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas nach EU-Verordnung 2017/1938.
- 149 TWh — Füllstand der deutschen Erdgasspeicher am 13. Oktober 2026; übersteigt nach Regierungsangaben die gesamte Ausspeicherung des Vorwinters.
- 54 % — Füllstand der deutschen Speicher Anfang September 2026 laut Vorbemerkung der Fragesteller (Börsen-Zeitung, 8. September 2026).
- über 2 TWh/Tag — Aktuelle Pipelineimporte nach Deutschland am 13. Oktober 2026; laut Bundesregierung keine Reduzierung in Sicht.
- 75 €/MWh — Europäischer Spotmarktpreis für Erdgas Anfang September 2026 laut Fragesteller-Vorbemerkung.
- 136 TWh — Summe der technischen Einspeisekapazitäten an deutschen LNG-Terminals (Wilhelmshaven 01: 34, Wilhelmshaven 02: 32, Brunsbüttel: 27, Mukran: ca. 43 TWh) für Oktober 2026 bis April 2027.
Im Detail
Der Füllstand der Gasspeicher beträgt aktuell (Stand 13. Oktober 2026) 149 Terawattstunden. Diese Menge übersteigt schon jetzt die gesamte Ausspeicherung des letzten Winters 2025/2026.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8574, Antwort zu Frage 3
Mit 149 Terawattstunden in den deutschen Erdgasspeichern geht Deutschland nach Angaben der Bundesregierung in den Winter 2026/2027 besser gerüstet als zuletzt: Diese Menge übersteige bereits jetzt die gesamte Ausspeicherung des Vorwinters 2025/2026, heißt es in der Antwort des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom 14. Oktober 2026 (BT-Drs. 21/8574). Gleichzeitig verweigerte die Regierung detaillierte Winterszenarien und Angaben zu vertraglich gesicherten Liefermengen.
Versorgungssicherheit: Was die Bundesregierung mitteilt
Die Kernaussage der Regierung lautet: Keine Gasmangellage in Sicht. Pipelineimporte lagen am 13. Oktober 2026 bei über 2 Terawattstunden pro Tag, eine Reduzierung sei nicht in Sicht. Die Bundesnetzagentur bewertet die Gasversorgung als stabil und die Versorgungssicherheit als gewährleistet — trotz Speicherfüllständen, die nach Angaben der Behörde deutlich unter den Werten vergangener Vergleichszeiträume liegen. Preisspitzen im Winter hält die Bundesregierung jedoch für möglich. Seit dem 1. Juli 2025 gilt in Deutschland die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas, die erste von drei Eskalationsstufen nach EU-Verordnung 2017/1938.
Was gilt aktuell?
Der deutsche Erdgasmarkt operiert im Rahmen des EU-Notfallrahmens. Unterhalb der Frühwarnstufe gilt normaler Marktbetrieb; in der Frühwarnstufe beobachten Bundesministerium und Bundesnetzagentur die Lage fortlaufend, ohne in den Markt einzugreifen. Erst die Alarmstufe oder Notfallstufe würden staatliche Eingriffe ermöglichen. Die Indikatoren für den Stufenwechsel werden nach Auskunft der Bundesregierung nicht vorab quantifiziert, sondern im Gesamtzusammenhang bewertet.
LNG-Terminals: Kapazitäten und Lücken
Für den Winter 2026/2027 nennt die Drucksache die technischen Einspeisekapazitäten der deutschen LNG-Terminals: Wilhelmshaven 01 mit 34 TWh, Wilhelmshaven 02 mit 32 TWh, Brunsbüttel mit 27 TWh und Mukran mit rund 43 TWh. Das Terminal in Stade soll seinen Betrieb im November 2026 aufnehmen. Die tatsächliche Auslastung dieser Kapazitäten liegt laut Bundesregierung allein bei den Gashändlern, die nach privatwirtschaftlichen Verträgen und Preissignalen entscheiden. Wie viel dieser Kapazität bereits gebucht oder vertraglich unterlegt ist, teilt die Regierung nicht mit — entsprechende Daten lägen ihr nicht vor. Für Haushalte und Industrie ist relevant, dass diese Infrastruktur-Datenlücken die politische Steuerbarkeit in Krisenlagen begrenzen.
Winterszenarien: Keine Prognosen der Bundesregierung
Auf die Kernfrage, wie sich die Gasversorgung bei einem kalten oder sehr kalten Winter entwickeln würde, verweist die Bundesregierung durchgängig auf die Zuständigkeit der Gashändler und darauf, dass sie keine Prognosen erstelle. Szenariorechnungen zu Speicherständen zum 1. Februar, 1. März und 1. April 2027 — für Normal-, Kalt- und Extremwinter — blieben damit unbeantwortet. Auf die Frage nach Stresstests verweist die Regierung auf den Verband europäischer Fernleitungsnetzbetreiber (ENTSOG), dessen Analyse für 2026/2027 zum Zeitpunkt der Antwort noch ausstand. Ähnlich offen bleibt die Frage, welcher Anteil des deutschen Gasbedarfs von Oktober 2026 bis April 2027 bereits vertraglich gesichert ist: Informationen zu Lieferverträgen lägen der Bundesregierung schlicht nicht vor. Zur Frage fehlender Daten bei politisch relevanten Themen gibt es ein breiteres Muster in der parlamentarischen Kontrolle.
Geopolitische Risiken: Keine hypothetischen Antworten
Die Fragesteller thematisierten auch die Eskalation im Nahen Osten im September 2026, konkret Angriffe auf die East-West Crude Oil Pipeline und die mögliche Gefährdung des Seewegs Bab al-Mandab durch Huthi-Milizen. Die Frage, welche Auswirkungen ein gleichzeitiger Ausfall der Straße von Hormus und des Bab al-Mandab auf die deutsche LNG-Versorgung hätte, wies die Bundesregierung mit dem Hinweis zurück, sie beantworte grundsätzlich keine hypothetischen Fragen. Zur laufenden Lagebeobachtung erklärte sie lediglich, aktuelle Ereignisse würden fortlaufend berücksichtigt. Auf die Frage nach Auswirkungen hoher Gaspreise (75, 100 oder 150 Euro pro MWh) auf die gasintensive Industrie erklärte die Bundesregierung, keine entsprechenden Erkenntnisse zu Produktionsrückgängen zu besitzen. Ebenso wurden keine Analysen dazu durchgeführt, wie viel des Rückgangs im industriellen Gasverbrauch seit 2021 auf echte Effizienzgewinne und wie viel auf Produktionsverluste oder Verlagerungen ins Ausland zurückzuführen ist — ein Befund, der die wirtschaftspolitische Einordnung des Themas erschwert. Wer aktuelle Vergleichsdaten zur Infrastruktur sucht, findet im Bericht über Engpässe beim Stromnetzanschluss ein strukturell ähnliches Bild bei der Energieinfrastruktur.
Weiterlesen:
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Direkt betroffen sind Millionen Haushalte, die im Winter mit Erdgas heizen, sowie energieintensive Industriebetriebe, die auf günstige und sichere Gaslieferungen angewiesen sind. Indirekt betroffen sind alle Verbraucher über mögliche Energiepreissteigerungen, falls Gasmangel oder hohe Spotmarktpreise die Beschaffungskosten treiben.
Die Bundesregierung hat zahlreiche Detailfragen zu Winterszenarien (Fragen 2, 4, 5, 6) mit dem pauschalen Hinweis abgewiesen, es würden keine Prognosen erstellt. Fragen zu vertraglich gesicherten Liefermengen (Fragen 7, 10) wurden mit fehlenden Datenzugängen beantwortet. Frage 18 zu Auswirkungen eines Doppelausfalls der Seewege (Hormus und Bab al-Mandab) wies die Regierung als hypothetisch zurück.
Das Anfrage-Antwort-Verfahren ist mit der Übermittlung der Regierungsantwort am 14. Oktober 2026 abgeschlossen. Eine weitere parlamentarische Behandlung ist auf Basis dieser Drucksache nicht vorgesehen; etwaige Folgeaktivitäten (weitere Anfragen, Debatten) obliegen den Fraktionen.
- Frühwarnstufe (Notfallplan Gas)
- Erste von drei Warnstufen im deutschen Notfallplan Gas. Sie zeigt an, dass konkrete, ernste oder zuverlässige Hinweise auf eine mögliche Verschlechterung der Gasversorgungslage vorliegen, ohne dass die Versorgung bereits gefährdet ist.
- FSRU (Floating Storage and Regasification Unit)
- Schwimmendes LNG-Terminal, das Flüssigerdgas an Bord lagert, wieder in gasförmigen Zustand umwandelt und ins Netz einspeist. Deutschland betreibt mehrere solcher Anlagen in Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Mukran.
- TWh (Terawattstunde)
- Maßeinheit für Energiemengen. Eine Terawattstunde entspricht einer Milliarde Kilowattstunden und ist die übliche Einheit für Gasspeicher- und Importmengen auf nationaler Ebene.
Wie viel Gas war am 13. Oktober 2026 in deutschen Speichern?
Nach Angaben der Bundesregierung lagen am 13. Oktober 2026 149 Terawattstunden in den deutschen Erdgasspeichern. Diese Menge übersteigt laut Bundesregierung die gesamte Ausspeicherung des Vorwinters 2025/2026.
Welche LNG-Kapazitäten stehen Deutschland im Winter 2026/2027 zur Verfügung?
Die technischen Einspeisekapazitäten der deutschen LNG-Terminals belaufen sich laut Drucksache auf: Wilhelmshaven 01 (34 TWh), Wilhelmshaven 02 (32 TWh), Brunsbüttel (27 TWh) und Mukran (ca. 43 TWh). Das Terminal Stade hat seinen Betriebsstart für November 2026 geplant.
Gilt in Deutschland derzeit eine Warnstufe für die Gasversorgung?
Ja. Seit dem 1. Juli 2025 gilt die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas. Die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgungssicherheit dennoch als gewährleistet.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8574 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































