Antwort der Bundesregierung …
Suchthilfe-Krise: Grüne befürchten Versorgungsnotstand für Kinder
Hintergrund
Die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn soll Ende Juni 2026 geschlossen werden. Diese Einrichtung stellt derzeit einen wesentlichen Teil der bundesweit verfügbaren spezialisierten Behandlungsplätze für suchtkranke Kinder und Jugendliche bereit. Das deutsche Suchthilfesystem ist geprägt von komplexen Finanzierungsstrukturen und unterschiedlichen Zuständigkeiten zwischen Kommunen, Ländern und Sozialversicherungsträgern. Viele Angebote sind nur projektbezogen und befristet finanziert.
Die Grünen-Fraktion thematisiert die Versorgungslage in der Suchthilfe für Kinder und Jugendliche. Mit der Drucksache 21/5974 vom 18. Mai 2026 richten die Abgeordneten um Linda Heitmann und Dr. Kirsten Kappert-Gonther 25 detaillierte Fragen an die Bundesregierung.
Auslöser ist die geplante Schließung der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn zum Ende Juni 2026. Diese Einrichtung stellt derzeit einen wesentlichen Teil der bundesweit verfügbaren spezialisierten Behandlungsplätze für suchtkranke Kinder und Jugendliche bereit. Nach Einschätzungen aus Fachkreisen existieren bundesweit derzeit nur 85 bis 90 spezialisierte Rehabilitationsplätze für diese Zielgruppe. Ein erheblicher Anteil davon befindet sich in der betroffenen Klinik.
Reduzierung der Behandlungsplätze
Bei einer Schließung werden bundesweit voraussichtlich nur noch etwa 20 bis 30 spezialisierte Behandlungsplätze verbleiben. Dies ist bemerkenswert, da für erwachsene Menschen mit Suchterkrankungen über 13.000 Rehabilitationsplätze zur Verfügung stehen. Neben der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik bestehen bereits jetzt nur zwei weitere Angebote mit vergleichbarem Profil, wie die Grünen betonen. Diese haben deutlich geringere Kapazitäten.
Hintergrund ist die komplexe Finanzierungsstruktur im Suchthilfesystem, die von den Grünen hinterfragt wird. Die medizinische Suchtrehabilitation wird überwiegend durch die Deutsche Rentenversicherung getragen. Deren gesetzlicher Auftrag ist primär auf die Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit ausgerichtet – bei Kindern und Jugendlichen entsteht hier ein strukturelles Spannungsfeld, so die komplexen Finanzierungsstrukturen.
Finanzierungsstrukturen im System
Das deutsche Suchthilfesystem zeichnet sich durch hohe Heterogenität aus. Unterschiedliche Zuständigkeiten und komplexe Finanzierungsstrukturen prägen das Feld. Träger berichten auf kommunaler Ebene seit Jahren von verschiedenen Herausforderungen: unzureichende und nicht dynamisierte Finanzierung ist ein Problem, aber auch steigende Fallzahlen sowie eine angespannte Fachkräftesituation.
Ein wesentlicher Teil der Suchtberatung wird als freiwillige Leistung durch die Kommunen finanziert. Umfang und Verfügbarkeit hängen daher häufig von der jeweiligen Haushaltslage ab. Dies führt zu regionalen Unterschieden. Viele Angebote sind zudem projektbezogen und befristet finanziert – ähnliche Herausforderungen bestehen bei den Finanzierungsstrukturen im Wohnungsbau.
Die Grünen erkundigen sich nach der aktuellen Versorgungslage und nach Wartezeiten. Ihre Anfrage umfasst auch Fragen zur Finanzierung, zur Fachkräftesituation und zu besonderen Zielgruppen wie Menschen mit Hörschädigung, die auf Gebärdensprache angewiesen sind. Mögliche Reformansätze werden ebenfalls thematisiert.
Die geplante Klinik-Schließung würde die Zahl der deutschlandweit verfügbaren Behandlungsplätze für suchtkranke Jugendliche von etwa 90 auf nur noch 30 reduzieren.
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Betroffen sind suchtkranke Kinder und Jugendliche deutschlandweit sowie deren Familien. Auch Träger der Suchtberatung und Suchthilfe auf kommunaler Ebene leiden unter den strukturellen Problemen. Menschen mit Hörschädigung, die auf Gebärdensprache angewiesen sind, haben bereits jetzt sehr begrenzte Behandlungsmöglichkeiten.
Die Bundesregierung muss die 25 Fragen der Grünen-Fraktion innerhalb der üblichen Frist beantworten. Die Antwort wird Aufschluss über konkrete Zahlen zur Versorgungslage, Wartezeiten und geplante Maßnahmen geben. Eine Überweisung in den zuständigen Gesundheitsausschuss ist möglich.
- Suchtrehabilitation
- Medizinische Behandlung zur Überwindung von Suchterkrankungen, die meist stationär in spezialisierten Kliniken durchgeführt wird.
- Niedrigschwellige Hilfen
- Unterstützungsangebote ohne hohe Zugangsbarrieren, die auch ohne aufwendige Voraussetzungen genutzt werden können.
- Deutsche Rentenversicherung
- Träger der gesetzlichen Rentenversicherung, der auch medizinische Reha-Maßnahmen zur Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit finanziert.























































