- 37% der Solo-Selbstständigen fürchten unzureichende Altersvorsorge
- Deutschland fehlt flächendeckende Absicherungspflicht für Selbstständige
- 77% der Deutschen unterstützen gemeinsame Rentenversicherung für alle
Altersarmut: Linke fragt Selbstständigen-Absicherung ab
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6304 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Erwerbspersonenbefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung vom August 2025 zeigt alarmierende Zahlen: 37 Prozent der Solo-Selbstständigen gehen davon aus, dass ihre finanzielle Vorsorge fürs Alter nicht ausreichend ist. Bei Selbstständigen mit Beschäftigten ist es immerhin noch jeder Fünfte. Deutschland ist damit eines der wenigen Industrieländer ohne umfassende Absicherungspflicht für Selbstständige.
- 37% — der Solo-Selbstständigen fürchten unzureichende Altersvorsorge laut Hans-Böckler-Stiftung
- 20% — der Selbstständigen mit Beschäftigten befürchten Rentenlücken
- 77% — der Deutschen unterstützen gemeinsame Rentenversicherung für alle Erwerbstätigen
- 5 von 38 — OECD-Länder ohne flächendeckende Absicherungspflicht für Selbstständige
Im Detail
Mit einem fehlenden flächendeckenden obligatorischen Alterssicherungssystem für Selbstständige ist Deutschland innerhalb der 38 OECD-Länder fast allein: Nur vier andere OECD-Länder teilen dieses Merkmal mit Deutschland.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/6304
Die Altersarmut bei Selbstständigen nimmt in Deutschland zu. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: 37 Prozent der Solo-Selbstständigen befürchten, dass ihre finanzielle Vorsorge fürs Alter nicht ausreicht. Mit einer umfangreichen Kleinen Anfrage (BT-Drs. 21/6304) vom 9. Juni 2026 stellt die Linke-Fraktion nun detaillierte Fragen an die Bundesregierung.
Deutschland steht mit seinem System weitgehend allein da. Nur vier andere von 38 OECD-Ländern haben keine flächendeckende obligatorische Alterssicherung für Selbstständige. Abhängig Beschäftigte sind automatisch in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Selbstständige sorgen eigenverantwortlich vor — oft mit unzureichendem Ergebnis.
Was gilt aktuell?
Selbstständige sind grundsätzlich nicht verpflichtet, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Ausnahmen gibt es nur für bestimmte Berufsgruppen wie Handwerker, Künstler in der Künstlersozialkasse oder Angehörige verkammerter freier Berufe. Die Mehrheit der Selbstständigen sorgt privat vor — durch Riester-Rente, Rürup-Rente oder andere Sparformen.
Die Lage der Solo-Selbstständigen ist angespannt. Sie haben oft geringere und schwankende Einkommen, was regelmäßiges Sparen erschwert. Laut der Erwerbspersonenbefragung vom August 2025 sehen nur 63 Prozent ihre Altersvorsorge als ausreichend an. Bei Selbstständigen mit Beschäftigten sind es immerhin 80 Prozent.
Ostdeutschland stärker betroffen
Die Fragesteller sehen ostdeutsche Selbstständige als stärker gefährdet an. Nach der Wende 1990 sind Brüche in den Erwerbsbiografien entstanden. Das strukturell niedrigere Lohnniveau erschwert die private Altersvorsorge zusätzlich. Die Anfrage zielt darauf ab zu klären, wie sich die Altersarmut regional unterscheidet.
Die 23 Fragen der Linken decken ein breites Spektrum ab: von der Anzahl der verschiedenen Gruppen von Selbstständigen über deren Beitragshöhen bis hin zu konkreten Zahlen über Grundsicherung im Alter. Auch die Auswirkungen einer möglichen Versicherungspflicht aller Selbstständigen in der gesetzlichen Rentenversicherung soll die Bundesregierung bewerten.
Politische Unterstützung für Reform
Der gesellschaftliche Rückhalt für Reformen ist vorhanden. Laut Sozialstaatsradar 2026 sprechen sich 77 Prozent der Befragten für eine verpflichtende gemeinsame Rentenversicherung für alle Erwerbstätigen aus. Bei den Selbstständigen liegt die Zustimmung sogar bei 80 Prozent. Die Debatte um eine Zukunftssicherung der Sozialsysteme wird auch in anderen Bereichen geführt.
Die umfassende Datensammlung der Linken zielt darauf ab, eine fundierte Grundlage für politische Entscheidungen zu schaffen. Von Interesse sind die Antworten zur Finanzierung einer möglichen Versicherungspflicht aller Selbstständigen in der gesetzlichen Rentenversicherung.
Weiterlesen:
- Regierung darf sich nicht an Mitteln der Rentenversicherung vergreifen
- Antrag der AfD-Fraktion sichert Zukunftsfähigkeit des Gesundheitswesens
Betroffen sind mehrere Millionen Selbstständige in Deutschland, insbesondere Solo-Selbstständige ohne eigene Beschäftigte. Besonders gefährdet sind laut Fragesteller ostdeutsche Selbstständige aufgrund von Brüchen in der Erwerbsbiografie nach 1990 und strukturell niedrigerem Lohnniveau.
Die Bundesregierung hat 21 Tage Zeit, um die umfangreiche Anfrage zu beantworten. Die Antwortfrist läuft bis zum 30. Juni 2026. Die Linke fordert vollständige Beantwortung ohne Verweis auf andere Drucksachen.
- Solo-Selbstständige
- Selbstständige ohne eigene Beschäftigte, die besonders hohe Risiken für Altersarmut aufweisen.
- Grundsicherung im Alter
- Sozialleistung für Menschen über 65 Jahre, deren Einkommen nicht zum Lebensunterhalt reicht.
- Künstlersozialkasse
- Sozialversicherung für Künstler und Publizisten mit staatlicher Förderung.
Warum sind Selbstständige besonders von Altersarmut bedroht?
Sie müssen eigenverantwortlich vorsorgen und haben oft geringe Rücklagen bei fehlender obligatorischer Absicherung.
Wie steht Deutschland im OECD-Vergleich da?
Deutschland ist eines von nur fünf OECD-Ländern ohne flächendeckende obligatorische Alterssicherung für Selbstständige.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6304 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.






















































