- Kosten stiegen von 96,6 auf 288,4 Mio. Euro — fast dreifacher Ursprungswert
- Nachträge belaufen sich auf knapp 135 Mio. Euro durch Bauprobleme und Änderungen
- Baumängel an Gottleubatalbrücke verschieben Fertigstellung auf 2027
Hintergrund
Die B172-Südumfahrung Pirna ist ein Bundesstraßenprojekt in der Sächsischen Schweiz, das den Durchgangsverkehr aus der Pirnaer Innenstadt ableiten und die Verbindung nach Bad Schandau sowie zur tschechischen Grenze verbessern soll. Die 3,8 Kilometer lange Neubaustrecke umfasst als Hauptbauwerke den 315 Meter langen Kohlbergtunnel und die 916 Meter lange Gottleubatalbrücke. Der erste Spatenstich erfolgte am 3. August 2017; ein westlicher Teilabschnitt wurde bereits am 15. Dezember 2022 für den Verkehr freigegeben. Im April 2026 stellte der Auftragnehmer Baumängel an der Gottleubatalbrücke fest; im Juli 2026 berichtete die Sächsische Zeitung, eine Freigabe im Jahr 2026 sei nicht mehr realistisch.
- 96,6 Mio. Euro — Kostenschätzung der sächsischen Auftragsverwaltung bei Projektbeginn 2017.
- 288,4 Mio. Euro — Kostenberechnung im Jahr 2025; fast dreifacher Ausgangswert.
- knapp 135 Mio. Euro — Summe der bisher angefallenen Nachträge aus Bauausführungsproblemen, Leistungsänderungen und Preissteigerungen.
- 4 Stahlbetonvouten — Anzahl der an der Gottleubatalbrücke von Baumängeln betroffenen Bauteile.
- 2027 — angestrebtes Jahr der Fertigstellung; ursprünglich war 2022 geplant.
Im Detail
Die Kostenschätzung der zuständigen Auftragsverwaltung in Sachsen im Jahr 2017 betrug 96,6 Mio. Euro und die Kostenberechnung im Jahr 2025 288,4 Mio. Euro.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8644
Die Bundesstraße 172, Südumfahrung Pirna, gilt als eines der bedeutendsten Straßenbauprojekte in der Sächsischen Schweiz — doch aus einem 96,6-Millionen-Vorhaben ist ein fast dreimal so teures Großprojekt geworden, das frühestens 2027 fertiggestellt wird. Das Bundesministerium für Verkehr hat am 14. Oktober 2026 in der Drucksache 21/8644 auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/8288) geantwortet und damit erstmals offiziell den Kostenstand sowie die Ursachen der Verzögerungen dokumentiert.
Kostensteigerung bei der B172 Südumfahrung Pirna
Die Kostenschätzung der zuständigen sächsischen Auftragsverwaltung betrug 2017 96,6 Mio. Euro. Die Kostenberechnung aus dem Jahr 2025 weist dagegen 288,4 Mio. Euro aus — ein Anstieg um fast 200 Mio. Euro. Hinzu kommen Nachträge in Höhe von knapp 135 Mio. Euro, die aus Schwierigkeiten in der Bauausführung, inhaltlichen Änderungen sowie allgemeinen Baupreissteigerungen resultieren. Bemerkenswert: Die Nachträge allein übersteigen bereits das ursprünglich veranschlagte Gesamtvolumen. Eine belastbare Aufschlüsselung nach einzelnen Kostenkategorien erklärt die Bundesregierung für nicht möglich. Die zusätzlichen Kosten durch die verlängerte Bauzeit — etwa für Bauüberwachung, Projektsteuerung und Verkehrsführung — sind nach Angaben der Bundesregierung derzeit nicht abschließend beurteilbar.
Baumängel an der Gottleubatalbrücke
Der zentrale Grund für die aktuelle Verzögerung sind Ausführungsfehler an der 916 Meter langen Gottleubatalbrücke. An vier Stahlbetonvouten — den strukturell wichtigen Übergangsbereichen zwischen Brückenpfeilern und Überbau — wurde eine mangelhafte Betonage festgestellt. Ursächlich ist laut Bundesregierung die nicht vollständige Entfernung von Schalungsmaterial durch die beauftragte Arbeitsgemeinschaft. Der Auftragnehmer stellte die Mängel im April 2026 selbst fest. Prüfungen mittels Ultraschall und Radartechnik sowie statische Berechnungen ergaben, dass die Standsicherheit des Bauwerks nicht gefährdet ist. Frühere Hinweise auf Tragfähigkeits- oder Ausführbarkeitsprobleme seitens Prüfingenieuren oder der Bauüberwachung gab es nach Angaben der Bundesregierung nicht.
Weitere Baumängel an anderen Abschnitten der Brücke oder an anderen Bauwerken der Ortsumgehung bestehen laut Bundesregierung nicht; zusätzliche Untersuchungen wurden nicht veranlasst. Die Kosten der Mängelbeseitigung trägt der Auftragnehmer — zur konkreten Höhe dieser Kosten liegen der Bundesregierung keine Informationen vor. Das Mängelbeseitigungskonzept befindet sich noch in Abstimmung zwischen dem Vorhabenträger DEGES und dem Auftragnehmer.
Terminentwicklung: Vier Verschiebungen in sechs Jahren
Die Fertigstellungsplanung wurde mehrfach angepasst. 2020 war eine Fertigstellung für 2022 vorgesehen; geologische Verhältnisse im Bereich des Kohlbergtunnels verschoben den Termin auf 2023. 2022 erforderten Anpassungen der Ausführungsplanung der Gottleubatalbrücke — insbesondere ein geändertes, abschnittsweises Herstellungskonzept der Stahlbetonvouten — eine erneute Verschiebung auf 2026. Nach Bekanntwerden der Baumängel im Sommer 2026 entfiel auch dieser Termin. Die Mängelbeseitigung ist witterungsabhängig; eine Fertigstellung wird nun für 2027 angestrebt. Einen verbindlichen Termin nennt die Bundesregierung nicht.
Verantwortliche Firmen und Konsequenzen
Mit der Planung ist das Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä und Partner aus Dresden beauftragt. Die Bauausführung liegt bei einer Arbeitsgemeinschaft aus BEMO Tunneling (Dortmund) und MET-ROSTAV (Prag). Bauoberleitung, Bauüberwachung und Qualitätskontrolle obliegen dem Ingenieurbüro EHS aus Kassel. Schlussfolgerungen für künftige vergleichbare Bundesfernstraßenprojekte lehnt die Bundesregierung vorerst ab — belastbare Auswertungen seien erst nach Abschluss des Projekts möglich. Für Pendler und Anwohner in der Region bleibt die Entlastung der Pirnaer Innenstadt vom Durchgangsverkehr damit weiter abzuwarten. Aktuelle Entwicklungen bei weiteren Infrastrukturprojekten dokumentiert die Auswertung zu verfehlen Prognosen im Schienengüterverkehr.
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Unmittelbar betroffen sind Pendler, Anwohner und Gewerbetreibende in Pirna und der Region Sächsische Schweiz, die weiterhin mit dem Durchgangsverkehr auf den bisherigen Stadtstraßen leben müssen. Mittelbar betrifft die Kostensteigerung von knapp 192 Mio. Euro gegenüber der ursprünglichen Schätzung den Bundeshaushalt und damit Steuerzahler bundesweit.
Die Bundesregierung hat die meisten Fragen inhaltlich beantwortet. Bei den Kosten der Mängelbeseitigung verweist sie darauf, ihr lägen keine Informationen vor. Schlussfolgerungen für künftige Projekte lehnt sie mit dem Hinweis auf den laufenden Projektbetrieb ab. Der Zeitbedarf für die Mängelbeseitigung bleibt offen, da das Konzept noch in Abstimmung ist.
Das Projekt befindet sich in der Bauausführung. Das Mängelbeseitigungskonzept für die Gottleubatalbrücke befindet sich laut Bundesregierung noch in Abstimmung zwischen dem Vorhabenträger DEGES und dem Auftragnehmer. Die Mängelbeseitigung ist witterungsabhängig. Eine vollständige Fertigstellung und Verkehrsfreigabe der Ortsumgehung wird für 2027 angestrebt; ein verbindlicher Termin steht noch aus.
- Stahlbetonvoute
- Verbreiterter Übergangsbereich (Voute) zwischen Brückenpfeiler und Brückenüberbau aus Stahlbeton, der Kräfte aus dem Überbau in den Pfeiler ableitet.
- Nachtrag
- Nachträgliche Vergütungsforderung eines Auftragnehmers für Leistungen, die über den ursprünglichen Bauvertrag hinausgehen, etwa durch Planungsänderungen oder unvorhergesehene Bauerschwernisse.
- DEGES
- Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH — staatliche Gesellschaft, die im Auftrag des Bundes und der Länder Bundesfernstraßenprojekte plant und baut.
Wann wird die B172 Südumfahrung Pirna fertig?
Laut Bundesregierung wird eine Fertigstellung für 2027 angestrebt. Der zuvor kommunizierte Termin Oktober 2026 ist nicht mehr realistisch; das Datum hängt auch von der witterungsabhängigen Mängelbeseitigung an der Gottleubatalbrücke ab.
Was hat die Kostensteigerung verursacht?
Die Gesamtkosten stiegen von 96,6 Mio. Euro (2017) auf 288,4 Mio. Euro (2025). Die Nachträge von knapp 135 Mio. Euro entstanden laut Bundesregierung aus Schwierigkeiten in der Bauausführung, inhaltlichen Änderungen und allgemeinen Baupreissteigerungen. Eine genaue Aufschlüsselung nach Kostenkategorien ist nicht möglich.
Welche Mängel wurden an der Gottleubatalbrücke festgestellt?
An vier Stahlbetonvouten der Brücke wurde eine mangelhafte Betonage der Übergangsbereiche in den Überbau festgestellt. Ursache ist die nicht vollständige Entfernung von Schalungsmaterial. Die Standsicherheit des Bauwerks ist laut Bundesregierung nicht gefährdet.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8644 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































