- DB-Reisezentren in Bayern sanken von 75 (2010) auf 46 (2025)
- Fahrkartenautomaten gingen seit 2020 von 1.305 auf 1.061 zurück
- Sanierungsrückstand bei Gleisen, Brücken und Bahnhöfen in Bayern wird hinterfragt
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7316 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Infrastruktur der Deutschen Bahn in Bayern steht seit Jahren unter Druck: Steigende Fahrgastzahlen treffen auf einen schrumpfenden Vor-Ort-Service. Wie aus BT-Drs. 21/664 (Frage 79) hervorgeht, ist die Zahl der Fahrkartenautomaten in Bayern allein zwischen 2020 und 2025 von 1.305 auf 1.061 gesunken. Parallel dazu hat die Zahl der klassischen DB-Reisezentren zwischen 2010 und 2025 von 75 auf 46 abgenommen. Die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7316, eingereicht am 9. Juli 2026 und veröffentlicht am 24. Juli 2026, knüpft an diese Daten an und fragt nach dem aktuellen Stand der gesamten stationären Ticketinfrastruktur, dem Ausmaß von Langsamfahrstellen sowie dem Sanierungsbedarf im bayerischen Schienennetz.
- 75 → 46 — DB-Reisezentren in Bayern zwischen 2010 und 2025; Rückgang um 29 Standorte.
- 1.305 → 1.061 — Fahrkartenautomaten in Bayern zwischen 2020 und 2025; Rückgang um 244 Geräte.
- 5 Fragen — Die Kleine Anfrage umfasst fünf Fragenkomplexe zu Ticketinfrastruktur, Langsamfahrstellen, Stationsoffensive und Sanierungsbedarf.
Im Detail
Mobilität ist Teil der Daseinsvorsorge, eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe […] unsere Kernaufgabe als Bahn: Wir sind für das Land da.
— Deutsche Bahn AG, zitiert in der Vorbemerkung zur BT-Drs. 21/7316
Das Bahnnetz in Bayern wird schlechter erreichbar: Die Zahl der klassischen DB-Reisezentren ist zwischen 2010 und 2025 von 75 auf 46 gesunken, die Zahl der Fahrkartenautomaten ging allein zwischen 2020 und 2025 von 1.305 auf 1.061 zurück. Diese Zahlen, bereits durch BT-Drs. 21/664 belegt, bilden den Ausgangspunkt der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7316, die die Fraktion Die Linke am 9. Juli 2026 einreichte und die am 24. Juli 2026 veröffentlicht wurde.
Bürgernähe der Bahn in Bayern: Was wird konkret gefragt?
Die Anfrage richtet sich auf fünf Themenbereiche. Erstens soll die Bundesregierung detailliert darlegen, wie sich die gesamte stationäre Ticketinfrastruktur in Bayern über die vergangenen zehn Jahre entwickelt hat — aufgeschlüsselt nach Ticketautomaten, Reisezentren, Video-Reisezentren, DB-Agenturen und sonstigen Verkaufsstellen, möglichst nach Regierungsbezirken. Außerdem sollen alle Bahnhöfe und Haltepunkte benannt werden, an denen gar keine stationäre Kaufmöglichkeit mehr besteht.
Zweitens und drittens fragt die Fraktion nach Langsamfahrstellen im bayerischen Schienennetz. Diese temporären Geschwindigkeitsbeschränkungen entstehen, wenn Gleise, Weichen oder Brücken in einem schlechten Zustand sind und noch nicht saniert wurden. Die Anfrage erkundigt sich, wie sich Zahl und Gesamtlänge dieser Langsamfahrstellen seit 2021 entwickelt haben — und wie viele davon bereits länger als sechs Monate bestehen. Besonderes Interesse gilt den drei am längsten andauernden Engpässen im bayerischen Netz.
Stationsoffensive Bayern: Kosten und Zeitplan im Blick
Viertens fragt die Linke nach dem Umsetzungsstand des Programms „Stationsoffensive Bayern“. Dieses Programm der Deutschen Bahn AG soll Bahnhöfe und Haltepunkte in Bayern modernisieren und barrierefrei ausbauen. Die Anfrage will wissen, welche Haltepunkte planmäßig fertiggestellt wurden, welche in Verzug geraten sind oder teurer als geplant wurden — und wie hoch die tatsächlichen Gesamtkosten für die DB AG ausgefallen sind.
Fünftens richtet sich das Augenmerk auf den offenen Sanierungsbedarf: Wie hoch sind die notwendigen Investitionen bei Brücken, Gleisen, Weichen, Stellwerken und Bahnhöfen in Bayern, und welcher Anteil davon gilt als besonders dringlich? Zugleich wird gefragt, welche Investitionssummen für die nächsten drei Jahre in Bayern bereits eingeplant sind.
Was gilt aktuell?
Die Deutsche Bahn betont auf ihrer Website, Mobilität sei Teil der Daseinsvorsorge und eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Tatsächlich aber zeigt der langjährige Trend in Bayern, dass der persönliche Service vor Ort kontinuierlich abnimmt. Wer kein Smartphone oder keinen Internetzugang hat — etwa ältere Fahrgäste auf dem Land — ist zunehmend auf Ticketkauf per Automat angewiesen. Fällt auch dieser weg, entstehen erhebliche Zugangsbarrieren. Gleichzeitig belasten Langsamfahrstellen den Bahnbetrieb strukturell: Wo Züge auf langen Streckenabschnitten langsamer fahren müssen, entstehen Verspätungen, die sich im gesamten Netz fortpflanzen.
Einen ähnlichen Fokus auf Strafrecht und Infrastruktur legte der Bundestag zuletzt auch bei der StGB-Reform zur Strafverschärfung für Wiederholungstäter sowie bei der StPO-Reform zum Rotationsverfahren für Pflichtverteidiger an den Tag. Die parlamentarische Kontrolle der Deutschen Bahn als Bundesunternehmen ist dabei ein eigenes Thema: Wie das parlamentarische Fragerecht bei Treuhandverwaltung zeigt, stoßen Abgeordnete hier regelmäßig an Grenzen.
Die Bundesregierung hat nun bis zum 14. August 2026 Zeit, auf die fünf Fragenkomplexe zu antworten. Ob und wie detailliert sie dabei Auskunft zu Kosten, Zeitplänen und Sanierungsrückständen gibt, wird zeigen, wie transparent der Bund als Eigentümer der Deutschen Bahn AG mit dem Zustand der Infrastruktur im bevölkerungsreichsten Bundesland umgeht.
Weiterlesen:
- Parlamentarisches Fragerecht bei Treuhandverwaltung
- Bundestag 27.07.2026: Die wichtigsten Drucksachen
- Das bewegt Deutschland — 27.07.2026
Betroffen sind in erster Linie Bahnreisende in Bayern, insbesondere ältere Menschen und Personen ohne Internetzugang, die auf stationäre Ticketkaufmöglichkeiten angewiesen sind. Darüber hinaus betrifft der Sanierungsrückstand alle Fahrgäste, die auf einem maroden Schienennetz mit Verspätungen durch Langsamfahrstellen rechnen müssen.
Die Kleine Anfrage wurde am 9. Juli 2026 eingereicht und am 24. Juli 2026 als Drucksache 21/7316 veröffentlicht. Die Bundesregierung hat ab Einreichungsdatum 21 Tage Zeit zu antworten; die Antwortfrist läuft damit bis zum 14. August 2026. Nach Eingang der Antwort wird diese als neue Drucksache veröffentlicht.
- Langsamfahrstelle (La)
- Ein Streckenabschnitt im Schienennetz, auf dem Züge wegen Bauarbeiten oder Gleisschäden vorübergehend langsamer fahren müssen, was zu Verspätungen führt.
- DB-Reisezentrum
- Ein personell besetzter Schalter an Bahnhöfen, an dem Fahrgäste Tickets kaufen, Reisen planen und Beratung erhalten können.
- Stationsoffensive Bayern
- Ein Programm der Deutschen Bahn AG zur Modernisierung von Bahnhöfen und Haltepunkten im Freistaat Bayern.
Wie viele DB-Reisezentren gibt es noch in Bayern?
Laut den Angaben in der Anfrage sank die Zahl der klassischen DB-Reisezentren in Bayern zwischen 2010 und 2025 von 75 auf 46.
Was sind Langsamfahrstellen (La)?
Langsamfahrstellen sind Streckenabschnitte, auf denen Züge vorübergehend langsamer fahren müssen, meist wegen Gleisschäden oder laufender Bauarbeiten.
Was ist die Stationsoffensive Bayern?
Das Programm 'Stationsoffensive Bayern' der DB AG soll Bahnhöfe und Haltepunkte in Bayern modernisieren. Die Anfrage erkundigt sich nach dem aktuellen Umsetzungsstand und den tatsächlich angefallenen Kosten.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7316 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































