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- 130 Mrd. Euro Investitionsziel mit 30 Mrd. Euro Staatsmitteln
- 185 Mio. Euro bereits in Venture-Capital-Fonds zugesagt
- Bundesminister führten Lobbygespräche mit BlackRock, KKR und Goldman Sachs
Hintergrund
Bundesregierung und KfW haben den Deutschlandfonds am 18. Dezember 2025 gestartet. Er vereint Garantien, zinsvergünstigte Kredite, Verbriefungen und Eigenkapitalbeteiligungen unter einem Dach und wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie das Bundesministerium der Finanzen koordiniert. Ziel ist es, mit rund 30 Mrd. Euro an staatlichen Mitteln bis zu 130 Mrd. Euro private Investitionen in Energie, Mittelstand und Technologie anzuregen. Die Fraktion Die Linke hatte in früheren Anfragen (BT-Drs. 21/3173, 21/6098, 21/6244) nach Details zu Kosten, Governance und Hebelwirkung gefragt und die Antworten als unzureichend bewertet.
- rund 30 Mrd. Euro — Staatliche Mittel und Gewährleistungen des Deutschlandfonds, überwiegend durch Garantien abgebildet.
- bis zu 130 Mrd. Euro — Geschätztes Gesamtinvestitionsvolumen, das durch die öffentlichen Mittel stimuliert werden soll, laut Bundesregierung basierend auf Expertenschätzungen.
- 185 Mio. Euro — Von KfW Capital zwischen Dezember 2025 und Juni 2026 in Venture-Capital-Fonds zugesagte Mittel im Bereich Start-ups und Scale-ups.
- 2 Finanzierungen — Bisherige Investitionen des Rohstofffonds (Vulcan Energy, Arafura Rare Earth), Aufstockung auf 1,5 Mrd. Euro geplant.
- 15. Juli 2026 — Startdatum des WIN-400-Programms mit Anlagehorizont bis 2029, vollständig aus KfW-Eigenmitteln finanziert.
Im Detail
Die für den Deutschlandfonds kommunizierte Zielgröße in Höhe von 130 Mrd. Euro entspricht dem geschätzten Gesamtinvestitionsvolumen, das durch die öffentlichen Mittel stimuliert werden soll. Diese Zielgröße fußt auf Expertenschätzungen und Erfahrungswerten sowie auf konkreten vertraglichen Vereinbarungen.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8215, S. 3
Der Deutschlandfonds steht im Zentrum einer grundsätzlichen Debatte über die Finanzierung öffentlicher Infrastruktur: Soll der Staat direkt investieren, oder soll er private Kapitalgeber über Garantien und Bürgschaften ins Boot holen? Bundesregierung und KfW haben den Fonds am 18. Dezember 2025 gestartet. Nun liegt mit BT-Drs. 21/8215 die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/7833) vor, die 22 detaillierte Fragen zu Förderbilanz, Kosten, Governance und Lobbykontakten gestellt hat.
Deutschlandfonds: Ziele und Finanzierungsstruktur
Mit rund 30 Mrd. Euro an staatlichen Mitteln und Gewährleistungen sollen laut Bundesregierung bis zu 130 Mrd. Euro private Investitionen in Energie, Industrie und Mittelstand sowie Start-ups und Scale-ups mobilisiert werden. Der Großteil der staatlichen Mittel entfällt dabei auf Garantien und Bürgschaften; hinzu kommen Haushaltsmittel aus dem ERP-Sondervermögen und Eigenmittel der KfW. Inhaltlicher Schwerpunkt, bezogen auf die Investitionsfelder, ist die Energieinfrastruktur, gefolgt von Mittelstand und Start-ups.
Wichtig: Der Deutschlandfonds ist kein Staatsfonds und auch kein Fonds im klassischen finanzwirtschaftlichen Sinne. Er fungiert als Dachstruktur, unter der Garantien, zinsvergünstigte Kredite, Verbriefungen und Eigenkapitalbeteiligungen gebündelt werden. Die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen liegt bei der KfW.
Was gilt aktuell?
Bislang hat KfW Capital im Bereich Start-ups und Scale-ups zwischen Dezember 2025 und Ende Juni 2026 rund 185 Mio. Euro in mehrere Venture-Capital-Fonds zugesagt. Aus dem Programm „Scale-up Direct“ erhielten unter anderem Quantum Systems (Sicherheits- und Verteidigungstechnologie), Isar Aerospace (DeepTech/New Space) und Proxima Fusion (ClimateTech) Zusagen. Der Rohstofffonds hat zwei Finanzierungen abgeschlossen: Vulcan Energy und Arafura Rare Earth. Eine Pilottransaktion im Verbriefungsbereich bündelte Leasingforderungen des deutschen Mittelstands. Zu den noch nicht abgeschlossenen Fragen — etwa zur Gesamthöhe des mobilisierten Privatkapitals je Finanzierungsinstrument — verweist die Bundesregierung auf ein künftiges reguläres Reporting, das derzeit erarbeitet wird.
Hebelwirkung: Methodik noch offen
Auf die Frage, wie die angestrebte Hebelwirkung von 130 Mrd. Euro konkret berechnet wird und wie Mitnahmeeffekte bereits geplanter Investitionen ausgeschlossen werden, antwortet die Bundesregierung, die Methodik werde im Zuge des regulären Reportings näher erläutert. Die Zielgröße basiere auf Expertenschätzungen und Erfahrungswerten. Verbindliche Evaluationsmechanismen, die einen Kostenvergleich mit rein öffentlicher Finanzierung vorsehen, sind laut Antwort nicht vorgesehen, da die Zielsetzung des Deutschlandfonds die Mobilisierung privater Investitionen und nicht eine unmittelbare staatliche Finanzierung sei.
Governance: Wer entscheidet?
Die Gesamtkoordination des Deutschlandfonds liegt beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) und beim Bundesministerium der Finanzen (BMF). Formalisierte einzelne Gremien existieren nicht; Entscheidungen werden im Wege der üblichen Ressortabstimmung getroffen. Je nach Finanzierungsinstrument bestehen differenzierte Veto- und Beteiligungsrechte des Bundes. Für das Absicherungsinstrument für Transformationsindustrien etwa entscheiden KfW, BMWE und BMF gemeinsam, beim Rohstofffonds ist ein interministerieller Ausschuss zuständig.
Lobbykontakte mit internationalen Finanzinvestoren
Besonders detailliert beantwortet ist der Fragenkomplex zu Lobbygesprächen. Laut Drucksache fanden zwischen September 2025 und August 2026 zahlreiche Treffen zwischen Bundesministern und internationalen Finanzinvestoren statt. Bundesfinanzminister Klingbeil traf unter anderem Vertreter von Goldman Sachs, BlackRock, KKR, Silver Lake, Bain Capital und JPMorgan Chase. Wirtschaftsministerin Reiche sprach unter anderem mit KKR, Warburg Pincus und Allianz. Die Bundesregierung erklärt dazu, eine lückenlose Dokumentation aller Gespräche sei rechtlich nicht vorgeschrieben und praktisch nicht möglich, da Kalender nach dem Ausscheiden aus dem Amt gelöscht werden.
Die ÖPP-Transparenzrichtlinie, die im Vierten Nationalen Aktionsplan Open Government angekündigt war, wird nicht eingeführt. Die Bundesregierung hat diese Entscheidung mit dem Ziel eines Bürokratieabbaus begründet. Transparenz zu öffentlich-privaten Partnerschaften soll weiterhin über den ÖPP-Transparenzbericht hergestellt werden, der zur Mitte jeder Wahlperiode veröffentlicht wird. Ein öffentliches Vertragsregister für die Module des Deutschlandfonds ist nicht geplant.
Für Steuerzahlerinnen und Steuerzahler relevant ist die Frage nach den fiskalischen Risiken: Fallen Garantien aus, haftet der Bund. Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen gemäß § 7 der Bundeshaushaltsordnung wurden laut Bundesregierung für die einzelnen Instrumente mit positivem Ergebnis durchgeführt; einen systematischen Vergleich mit direkter staatlicher Finanzierung hält die Regierung jedoch für nicht relevant, da das Ziel des Fonds die Privatkapitalmobilisierung sei.
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- Schriftliche Fragen KW 22/2026: 136 Antworten der Bundesregierung
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Unmittelbar betroffen sind Unternehmen aus Industrie, Mittelstand und der Start-up-Szene, die Förderkredite, Garantien oder Beteiligungskapital aus dem Deutschlandfonds erhalten. Mittelbar betroffen sind Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, da der Bund bei Garantieausfällen haftet. Auch Verbraucherinnen und Verbraucher in der kommunalen Energieversorgung sind relevant, weil der Fonds Beteiligungen privater Investoren in diesem Bereich ermöglicht.
Die Bundesregierung beantwortet mehrere Fragen zu konkreten Förderbilanzen und mobilisiertem Kapital nicht abschließend und verweist auf ein noch im Aufbau befindliches Reporting. Fragen zu Lobbykontakten werden teilweise beantwortet, wobei die Regierung erklärt, eine lückenlose Dokumentation aller Gespräche sei weder möglich noch rechtlich vorgeschrieben.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. 130 Milliarden Ziel: Wer profitiert vom Deutschlandfonds? →
- Hebelwirkung
- Bezeichnet den Effekt, durch den ein Euro an staatlichen Mitteln mehrere Euro an privatem Kapital auslöst. Beim Deutschlandfonds sollen 30 Mrd. Euro staatliche Garantien rund 130 Mrd. Euro Gesamtinvestitionen stimulieren.
- Verbriefung
- Bündelung von Krediten oder Forderungen zu handelbaren Wertpapieren. Im Deutschlandfonds werden etwa Leasingforderungen des Mittelstands gebündelt, um Bankkapital freizusetzen.
- Subsidiaritätsprinzip (Förderrecht)
- Staatliche Förderung darf nur eingesetzt werden, wenn privatwirtschaftliche Finanzierungsmöglichkeiten fehlen. Dies ist eine haushaltsrechtliche Voraussetzung für Bundesgarantien im Deutschlandfonds.
Was ist der Deutschlandfonds genau?
Der Deutschlandfonds ist keine klassische Fondsstruktur, sondern eine Dachstruktur der KfW, die Garantien, Kredite, Eigenkapital und Verbriefungen bündelt, um private Investitionen in Energie, Mittelstand und Start-ups zu mobilisieren.
Wie viel privates Kapital wurde bisher mobilisiert?
Laut Bundesregierung befindet sich der Deutschlandfonds noch im Hochlauf; abschließende Angaben zum mobilisierten Privatkapital je Finanzierungsinstrument sind zum Stichtag 31. August 2026 noch nicht möglich.
Mit welchen Finanzinvestoren hat die Regierung gesprochen?
Laut Drucksache fanden Gespräche unter anderem mit BlackRock, Goldman Sachs, KKR, EQT, JPMorgan Chase und weiteren internationalen Vermögensverwaltern statt.





































































