- 30% der Steuerkanzleien erwägen Mandate zu kündigen
- Bilanzbuchhalter sollen Kleinbetriebe bis 80.000 Euro Gewinn beraten dürfen
- Gewerbesteuer-Mindesthebesatz soll auf 320% steigen
Steuerberatung: Grüne fordern stärkere Gewerbesteuer-Reform
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6394 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die EU-Kommission hat 2018 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet, weil das Steuerberatungsrecht zu restriktiv sei. CDU/CSU und SPD haben bereits einen Gesetzentwurf zur Reform vorgelegt, der aber aus Sicht der Grünen nicht weit genug geht. Gleichzeitig leiden Steuerberatungskanzleien unter Fachkräftemangel — laut einer Haufe-Umfrage von 2023 erwägen 30 Prozent der Kanzleien, bestehende Mandate zu kündigen, 25 Prozent lehnen neue Mandate ab.
- 30 Prozent — der Steuerkanzleien erwägen laut Haufe-Umfrage, bestehende Mandate zu kündigen
- 25 Prozent — sehen sich gezwungen, neue Mandate abzulehnen
- 80.000 Euro Gewinn — bis zu dieser Schwelle sollen Bilanzbuchhalter kleine Unternehmen beraten dürfen
- 320 Prozent — auf diesen Mindesthebesatz soll die Gewerbesteuer angehoben werden (statt geplante 280%)
Im Detail
Selbständige, Freiberufler*innen, kleinste und kleine Unternehmen sind davon besonders betroffen: Sie verfügen weder über eigene buchhalterische Kapazitäten noch über ausreichende Mittel, alle steuerlich relevanten Dienstleistungen bei Steuerberaterinnen und Steuerberatern in Auftrag zu geben.
— BT-Drucksache 21/6394
Die Grünen-Fraktion fordert eine Verschärfung der geplanten Reform des Steuerberatungsrechts und eine stärkere Bekämpfung von Gewerbesteueroasen. In einem Entschließungsantrag zur dritten Beratung des Gesetzentwurfs von CDU/CSU und SPD verlangten die Abgeordneten um Katharina Beck weitergehende Liberalisierungen für kleine Unternehmen.
Fachkräftemangel bei Steuerkanzleien verschärft sich
Deutsche Steuerkanzleien leiden unter akutem Personalmangel. Laut einer Haufe-Umfrage von 2023 erwägen 30 Prozent der befragten Kanzleien, bestehende Mandate zu kündigen. Weitere 25 Prozent lehnen neue Mandate ab. Besonders oft sind Selbstständige und kleine Unternehmen betroffen. Diese verfügen weder über eigene buchhalterische Kapazitäten noch über ausreichende Mittel für eine vollständige Steuerberatung.
Was gilt aktuell beim Steuerberatungsrecht?
Derzeit dürfen nur ausgebildete Steuerberater bestimmte Tätigkeiten wie Umsatzsteuervoranmeldungen oder Bilanzerstellung übernehmen. Geprüfte Bilanzbuchhalter und Steuerfachwirte sind davon ausgeschlossen. Diese Beschränkung hat 2018 zu einem EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland geführt.
Die Grünen fordern, dass Bilanzbuchhalter und Steuerfachwirte künftig bei Selbstständigen und kleinen Unternehmen bis 80.000 Euro Gewinn und 800.000 Euro Umsatz Einnahmen-Überschuss-Rechnungen erstellen dürfen. Auch Bilanzen und Umsatzsteuervoranmeldungen sollen möglich werden. Moderne Buchführungssoftware macht dies technisch möglich.
Gewerbesteuerhebesatz soll weiter angehoben werden
Ein zweiter Schwerpunkt des Antrags betrifft die Gewerbesteuer. CDU/CSU und SPD planen bereits, den Mindesthebesatz von derzeit 200 auf 280 Prozent anzuheben. Die Grünen fordern eine Anhebung auf 320 Prozent.
Zur Begründung: Die geplante Maßnahme erreicht nicht alle Gemeinden mit niedrigen Hebesätzen. Damit hat sie nur begrenzte Auswirkungen auf Steuergerechtigkeit und Kommunalfinanzen. Gemeinden mit extrem niedrigen Hebesätzen locken Unternehmen an — ein Wettbewerb zu Lasten anderer Kommunen.
Die Reform des Steuerberatungsrechts geht auf EU-Druck zurück. Die EU-Kommission sieht die deutschen Beschränkungen als Verstoß gegen die Dienstleistungsfreiheit. Der Gesetzentwurf von CDU/CSU und SPD führt bereits sogenannte Tax Law Clinics ein — kostenlose Beratungsstellen meist an Universitäten. Diese Neuerungen sind aus Sicht der Grünen nicht ausreichend, um den Beratungsnotstand für kleine Unternehmen zu lösen.
Weiterlesen:
Betroffen sind vor allem Selbstständige, Freiberufler und kleine Unternehmen mit bis zu 80.000 Euro Gewinn und 800.000 Euro Umsatz. Diese Gruppen finden oft keine Steuerkanzlei oder können sich die Beratung nicht leisten. Steuerkanzleien sind durch Fachkräftemangel belastet.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Der Bundestag hat die Vorlage mittlerweile abgelehnt. (Stand: 11.06.2026)
- Steuerberatungsgesetz (StBerG)
- Regelt, wer in Deutschland Steuerberatung anbieten darf und welche Qualifikationen erforderlich sind.
- Gewerbesteuer-Mindesthebesatz
- Untergrenze für den kommunalen Gewerbesteuer-Hebesatz, um Steuerdumping zwischen Gemeinden zu verhindern.
- Tax Law Clinics
- Beratungsstellen, meist an Universitäten, die kostenlose Rechtshilfe in Steuersachen anbieten.
Was sollen Bilanzbuchhalter künftig dürfen?
Sie sollen Einnahmen-Überschuss-Rechnungen, Bilanzen und Umsatzsteuervoranmeldungen für kleine Unternehmen bis 80.000 Euro Gewinn erstellen dürfen.
Wie stark soll die Gewerbesteuer mindestens steigen?
Der Mindesthebesatz soll von geplanten 280 Prozent auf 320 Prozent angehoben werden, um Steueroasen wirksamer zu bekämpfen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6394 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































