Eingereicht am 01.04.2026
AfD fragt nach EU-Standards bei Mercosur-Importen
Hintergrund
Das EU-Mercosur-Handelsabkommen steht vor der Umsetzung, während die EU gleichzeitig den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel bis 2030 um 50 Prozent reduzieren will. Die EU exportierte 2024 fast 122.000 Tonnen in der EU verbotene Pflanzenschutzmittel weltweit, davon 18.000 Tonnen in Mercosur-Staaten. Brasilien hat 330 Pestizid-Wirkstoffe zugelassen, von denen 60 Prozent in der EU nicht erlaubt sind.
Die AfD-Fraktion reichte am 1. April 2026 eine umfassende Kleine Anfrage zu den EU-Standards bei Lebensmittelimporten aus den Mercosur-Staaten ein (BT-Drs. 21/5153). Die 15 Abgeordneten um Bernd Schuhmann befürchteten einen sogenannten ‚Giftkreislauf‘ durch das geplante EU-Mercosur-Handelsabkommen.
Worum geht es konkret?
Die EU hat 2024 fast 122.000 Tonnen in der EU verbotener oder nicht zugelassener Pflanzenschutzmittel weltweit exportiert. Etwa 18.000 Tonnen sind davon in die Mercosur-Staaten gegangen. Allein 15.000 Tonnen nach Brasilien. Brasilien hat bis Ende November 2025 die Verwendung von 330 pestiziden Wirkstoffen zugelassen, von denen 60 Prozent in der EU nicht zugelassen sind.
Dies ist bemerkenswert, da die Unterschiede bei Grenzwerten für Pestizidrückstände im Trinkwasser besonders drastisch ausfallen: Während die EU nur 0,1 Mikrogramm pro Liter erlaubt, liegen die Grenzwerte in Brasilien bei 500 Mikrogramm bei Carbendazim. Bei Thiodicarb sind es 90 Mikrogramm.
Die AfD befürchtet: Deutschland exportiert Gifte nach Südamerika, die dann über importierte Lebensmittel wieder auf deutsche Teller kommen.
Die EU-Kommission hat als Reaktion am 27. Januar 2026 eine Taskforce zur Stärkung der Einfuhrkontrollen angekündigt. Geplant ist, dass Behörden der Exportländer selbst die Einhaltung der EU-Standards überwachen, bevor die Waren verschifft werden.
17 kritische Fragen an die Regierung
In ihrer Anfrage stellt die AfD-Fraktion 17 detaillierte Fragen zur Kontrolle und Sicherstellung der EU-Standards. Sie zweifeln an der Verlässlichkeit von Kontrollen durch lokale Behörden in den Mercosur-Staaten. Klarheit über die deutschen Prüfkapazitäten wird gefordert.
Hintergrund ist, dass bereits 2024 Brasilien die Ausfuhr von Rindfleisch in die EU hat aussetzen müssen, nachdem eine EU-Prüfung ergeben hat, dass das exportierte Fleisch nicht rückverfolgbar gewesen ist – obwohl dies für EU-Importe zwingend dokumentationspflichtig ist.
Betroffen sind deutsche Verbraucher, die importierte Lebensmittel aus Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay konsumieren. Auch deutsche Landwirte fürchten unfairen Wettbewerb durch niedrigere Standards in den Mercosur-Staaten.
Die Bundesregierung muss die 17 Einzelfragen binnen acht Wochen beantworten. Die EU-Kommission hat bereits eine Taskforce zur Stärkung der Einfuhrkontrollen angekündigt. Das Mercosur-Abkommen könnte trotz der Bedenken in Kraft treten.
- EU-SPS-Standards
- Sanitary and Phytosanitary Standards der EU regeln den Schutz von Menschen, Tieren und Pflanzen vor gesundheitlichen Risiken durch Lebensmittel und Futtermittel.
- Mercosur-Staaten
- Südamerikanischer Wirtschaftsblock mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay als Vollmitgliedern.
- Giftkreislauf
- Export von in der EU verbotenen Pestiziden, die dann über importierte Lebensmittel wieder auf europäische Teller gelangen.























































