Antrag eingereicht
- 673 Millionen Menschen leiden weltweit unter chronischem Hunger
- BMZ-Budget wird von 13,8 auf 9,3 Milliarden Euro gekürzt
- Grüne fordern agrarökologische Wende und mehr Entwicklungshilfe
Hunger-Krise: Grüne fordern Ernährungssouveränität weltweit
Hintergrund
Die globale Hungerkrise verschärft sich durch die Blockade der Straße von Hormus durch das iranische Regime, wodurch 45 Millionen Menschen zusätzlich in Hungersnot geraten könnten. Parallel dazu haben westliche Geberstaaten ihre Mittel für Ernährungsprogramme seit 2022 um 44 Prozent gekürzt. Mit dem faktischen Ende von USAID verliert das Welternährungsprogramm rund 40 Prozent seiner Finanzierung und kann 16,7 Millionen Menschen weniger erreichen.
Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht und völkerrechtlich in Artikel 11 des UN-Sozialpaktes als Recht auf angemessene Ernährung verankert.
— Begründung BT-Drs. 21/6010
Die Grünen-Fraktion legt in ihrem Antrag vom 19. Mai 2026 (BT-Drs. 21/6010) dar, dass sich die globale Hungerkrise verschärft hat. Eine grundlegende Neuausrichtung der deutschen Entwicklungspolitik ist daher erforderlich. Über 673 Millionen Menschen leiden weltweit unter chronischem Hunger – eine Entwicklung, die das UN-Nachhaltigkeitsziel „Kein Hunger“ in weite Ferne rücken lässt.
Verschärft zeigt sich die aktuelle Situation durch die Blockade der Straße von Hormus durch das iranische Regime. Diese droht eine globale Nahrungsmittelkrise auszulösen. Das Welternährungsprogramm prognostiziert, dass 45 Millionen Menschen zusätzlich in Hungersnot geraten könnten, sollte die Blockade anhalten. Bestehende Krisen im Sudan, Gaza, Afghanistan und der Sahel-Region verstärken sich gleichzeitig.
Kürzungen bei steigendem Bedarf
Bemerkenswert ist die zeitliche Parallelität von verschärfter Krise und reduzierten Mitteln. Die Grünen verweisen auf die Kürzungen der Bundesregierung im Entwicklungsbereich. Der BMZ-Etat ist von 13,8 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf voraussichtlich 9,3 Milliarden Euro bis 2028 reduziert worden.
Dies geschieht zu einem kritischen Zeitpunkt. Westliche Geberstaaten haben ihre Mittel für Ernährungsprogramme bereits um 44 Prozent verringert. Mit dem Ende von USAID verliert das Welternährungsprogramm rund 40 Prozent seiner Finanzierung und kann etwa 16,7 Millionen Menschen pro Jahr weniger erreichen. „Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht“, betonen die Antragsteller. Eine sofortige Umkehr dieser Politik ist erforderlich.
Agrarökologische Wende gefordert
Hintergrund ist das von den Grünen favorisierte Konzept der Ernährungssouveränität. Der 8-seitige Antrag setzt darauf, dass Menschen selbst bestimmen können sollen, wie sie Lebensmittel produzieren, verteilen und konsumieren. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern werden dabei durch agrarökologische Methoden gestärkt – sie produzieren laut FAO bereits einen Großteil der globalen Nahrungsmittel.
Konkret fordern die Grünen eine Abkehr von inputintensiver industrieller Landwirtschaft. Stattdessen sollen nachhaltige, pestizidfreie Anbaumethoden gefördert werden. Als Beispiel führen sie den indischen Bundesstaat Andrah Pradesh an: Dort haben Kleinbauern mit agrarökologischen Methoden nicht nur mehr produziert, sondern durch geringere Kosten und stabilere Erträge ihre Ernährungssicherheit verbessert.
Ernährungssouveränität bedeutet: Menschen bestimmen selbst über ihre Nahrung – von der Produktion bis zum Konsum, ohne Abhängigkeit von Großkonzernen.
Acht zentrale Forderungsbereiche umfasst der Antrag. Von der Aufstockung humanitärer Hilfe über die Stärkung zivilgesellschaftlicher Akteure bis hin zur Förderung fairer Landrechte reicht das Spektrum. Frauen und marginalisierte Gruppen sollen durch gleichberechtigten Zugang zu Land, Saatgut und Krediten unterstützt werden.
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Betroffen sind vor allem die 673 Millionen chronisch Hungernden weltweit, besonders in Afrika, dem Nahen Osten und Subsahara-Afrika. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im Globalen Süden leiden unter struktureller Benachteiligung durch Konzernmacht und Patentierung von Saatgut. Frauen, Mädchen und marginalisierte Gruppen sind überproportional von Hunger und Mangelernährung betroffen.
Der Antrag wird zunächst im zuständigen Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung beraten. Anschließend erfolgen die erste und zweite Lesung im Bundestag. Die Grünen fordern als Oppositionspartei eine Grundsatzdebatte über die deutsche Entwicklungspolitik und die Rücknahme der BMZ-Kürzungen.
- Ernährungssouveränität
- Das Recht von Menschen und Gemeinschaften, selbst zu bestimmen, wie sie Lebensmittel produzieren, verteilen und konsumieren, ohne von großen Konzernen oder Importen abhängig zu sein.
- Agrarökologie
- Nachhaltige Landwirtschaftsmethoden, die auf ökologischen Prinzipien basieren und ohne synthetische Pestizide und Düngemittel auskommen.
- SDG 2
- Das UN-Nachhaltigkeitsziel 2 "Kein Hunger" – bis 2030 sollen alle Menschen Zugang zu sicherer und ausreichender Nahrung haben.
Wie viele Menschen hungern laut dem Antrag weltweit?
Laut Welternährungsbericht 2025 der FAO leiden über 673 Millionen Menschen unter chronischem Hunger, besonders in Afrika sowie im Nahen und Mittleren Osten.
Um wie viel wird das BMZ-Budget gekürzt?
Die Bundesregierung hat den BMZ-Etat von 13,8 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf voraussichtlich 9,3 Milliarden bis 2028 massiv gekürzt.
Was ist Ernährungssouveränität?
Ernährungssouveränität bedeutet, dass Menschen selbst bestimmen können, wie sie Lebensmittel produzieren, verteilen und konsumieren – unabhängig von großen Konzernen und importierten Produkten.























































