- Tourismus verursacht rund 9 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen
- Grüne fordern Nachtzugoffensive und günstigeres Deutschlandticket
- Verbesserter Verbraucherschutz und stärkere Fahrgastrechte gefordert
- Ukraine-Unterstützung: Grüne fordern Taurus-Lieferung und mehr Luftverteidigung
- Geschäftsordnung Bundestag: Anwesenheitserfassung wird modernisiert
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6930 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Antrag wird in einem Kontext eingereicht, in dem der Tourismus nach Angaben der Antragsteller für rund neun Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich ist, wobei der Verkehr den größten Anteil trägt. Zudem hat die Kerosinversorgung in Deutschland zuletzt für Unsicherheit gesorgt: Laut Drucksache verfügte die Bundesregierung zu Beginn nicht über belastbare Produktionsdaten der deutschen Raffinerien (schriftliche Frage Nr. 04/0457). Anwohnerproteste an der Brennerautobahn und touristischen Hotspots wie dem Eibsee in Oberbayern verdeutlichen die Belastung durch übermäßigen Reiseverkehr vor Ort.
- ca. 9 % — Anteil des Tourismus an den weltweiten CO₂-Emissionen, Verkehr mit größtem Einzelanteil
- 30 Euro/Monat — Vorgeschlagener Preis für das geplante Ergänzungsticket „Deutschlandticket Rad“
- 6 Themenbereiche — Der Antrag gliedert sich in sechs Handlungsfelder: Schiene, Rad, ÖPNV, Verbraucherschutz, Luftverkehr, E-Mobilität
- 2035 — Datum, zu dem die Grünen das Aus für neue Verbrenner-PKW auf EU-Ebene beibehalten wollen
Im Detail
Der Tourismus ist heute für knapp neun Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich, wobei der Verkehr hier den mit Abstand größten Anteil ausmacht.
— BT-Drs. 21/6930, Feststellungsteil I
Der Tourismus ist nach Angaben der Antragsteller für rund neun Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich, wobei der Verkehr den größten Anteil ausmacht. Vor diesem Hintergrund hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen am 7. Juli 2026 den Antrag BT-Drs. 21/6930 in den Deutschen Bundestag eingebracht. Ziel ist es, nachhaltige Urlaubsmobilität zum Standard zu machen – durch Verbesserungen bei Bahn, Fahrrad, ÖPNV und Verbraucherschutz.
Nachhaltige Urlaubsmobilität: Was der Antrag konkret fordert
Der Antrag ist in sechs Handlungsfelder gegliedert. Im Bereich Schiene fordern die Grünen unter anderem eine europäische Nachtzugoffensive mit neuen Verbindungen in beliebte Urlaubsregionen sowie eine Vereinfachung des internationalen Buchungssystems. Das Deutschlandticket soll zu besseren Konditionen angeboten werden, darunter ein günstigeres Jahresabo, eine kostenlose Kindermitnahme und ein bundesweit gültiges Sozialticket.
Für den Radtourismus sieht der Antrag ein neues Ergänzungsticket vor: Das sogenannte „Deutschlandticket Rad“ für 30 Euro pro Monat soll die Fahrradmitnahme im Schienenpersonennahverkehr dort ermöglichen, wo sie bisher kostenpflichtig ist. Außerdem sollen Radfernwege qualitativ aufgewertet und Radabstellanlagen sowie Verleihsysteme gefördert werden. Auf EU-Ebene sprechen sich die Antragsteller für einen einheitlichen Ladestecker für Pedelecs aus.
ÖPNV in Ferienregionen stärken
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der ÖPNV-Anbindung von Camping-, Ferien- und Naherholungsregionen. Gefordert werden saisonale Shuttleangebote, Rufbusse und bessere Taktungen. Die GVFG-Mittel – Bundesmittel für den kommunalen Nahverkehr – sollen dauerhaft erhöht und dynamisiert werden. Zudem sollen integrierte „Rail & Camp“-Angebote gefördert werden, die Bahnreise, ÖPNV und Campingplatzbuchung in einer digitalen Plattform verbinden.
Im Bereich Verbraucherschutz verlangt der Antrag eine verbindliche Mobilitätsgarantie sowie unternehmensübergreifende Fahrgastrechte für die gesamte Reise, auch bei internationalen Verbindungen. Reiseveranstalter sollen künftig verpflichtet werden, im Streitfall eine außergerichtliche Schlichtung anzubieten – analog zu den bestehenden Regelungen im Luftverkehr (§§ 57 bis 57c LuftVG). Auf europäischer Ebene fordert der Antrag einheitliche Handgepäckregeln im Flugverkehr und eine Insolvenzsicherung für Flugreisende.
Luftverkehr und E-Mobilität im Fokus
Beim Luftverkehr setzt der Antrag auf eine doppelte Strategie: Einerseits soll die klimafreundliche Transformation durch Förderung nachhaltiger Flugkraftstoffe (SAF) und Flottenmodernisierung vorangetrieben werden. Andererseits sollen auf EU- und internationaler Ebene klimaschädliche Subventionen abgebaut werden – konkret durch Besteuerung von Kerosin, die Einführung von Umsatzsteuer auf internationale Flugtickets sowie eine EU-weite Luftverkehrsabgabe für alle in der EU startenden Airlines.
Im Bereich E-Mobilität fordert der Antrag einen verbindlichen Ausbauplan für Ladepunkte, der ländliche Regionen und Campingplätze ausdrücklich berücksichtigt. Die Grünen sprechen sich zudem für ein Bonus-Malus-System in der Kfz-Besteuerung aus und wollen das Dieselprivileg schrittweise abbauen. Am europäischen Verbrenner-Aus ab 2035 soll festgehalten werden.
Politischer Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6930 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Antrag kritisiert die aktuelle Tourismuspolitik der Bundesregierung explizit als zu fossil orientiert. Maßnahmen wie Tankrabatte, die sogenannte 12-Uhr-Regel oder die Senkung der Luftverkehrsteuer – laut Antrag fossile Instrumente ohne nachhaltige Wirkung – stehen dabei im Fokus der Kritik. Auch die Nationale Tourismusstrategie 2026 wird als unzureichend eingestuft, da ihre Maßnahmen laut Antrag alle unter Finanzierungsvorbehalt stehen. Die Kerosinversorgung hatte zuletzt für Planungsunsicherheit gesorgt: Laut Drucksache verfügte die Bundesregierung zunächst nicht über belastbare Produktionsdaten der deutschen Raffinerien. Dieses Thema wird auch in einem separaten Beitrag beleuchtet: Kerosin-Versorgung 2026: 18 Fragen zur Sicherheit des Luftverkehrs.
Anwohnerproteste an der Brennerautobahn und am Eibsee in Oberbayern zeigen laut Antrag, dass hoher touristischer Verkehr nicht nur das Klima belastet, sondern auch Menschen vor Ort direkt betrifft. Der Antrag sieht darin ein strukturelles Problem, das politisch gelöst werden muss – durch bessere Infrastruktur, nicht durch kurzfristige Subventionen. Weitere Hintergründe zur Infrastrukturpolitik finden sich im Beitrag Infrastruktur mit Zukunft.
Weiterlesen:
- Kerosin-Versorgung 2026: 18 Fragen zur Sicherheit des Luftverkehrs
- Infrastruktur mit Zukunft
- KI-Polizeirecht 2026: Grüne fordern Stopp biometrischer Überwachung
Betroffen sind vor allem Urlauberinnen und Urlauber, die auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad angewiesen sind, sowie Anwohnerinnen und Anwohner touristischer Destinationen, die unter hohem Verkehrsaufkommen leiden. Darüber hinaus sind Kommunen in strukturschwachen und ländlichen Regionen betroffen, die bislang nur schwach an den ÖPNV angebunden sind.
Der Antrag (BT-Drs. 21/6930) wurde am 7. Juli 2026 eingebracht. Als nächster Schritt steht die Zuweisung an den zuständigen Ausschuss an, gefolgt von Ausschussberatungen. Anschließend entscheidet das Plenum des Bundestages über den Antrag.
- SAF (Sustainable Aviation Fuel)
- Nachhaltige Flugkraftstoffe, die aus erneuerbaren Quellen hergestellt werden und deutlich weniger CO₂ als herkömmliches Kerosin verursachen sollen.
- GVFG-Mittel
- Bundesmittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, mit denen der Bund den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in Städten und Gemeinden kofinanziert.
- SPNV
- Schienenpersonennahverkehr – der Nahverkehr auf der Schiene, also S-Bahnen, Regionalbahnen und ähnliche Verkehre unterhalb des Fernverkehrs.
Was ist das geplante 'Deutschlandticket Rad'?
Laut Antrag soll ein Ergänzungsticket für 30 Euro pro Monat eingeführt werden, das zum Deutschlandticket hinzugebucht werden kann und die Fahrradmitnahme im Schienenpersonennahverkehr ermöglicht.
Was fordern die Grünen beim Luftverkehr?
Der Antrag fordert unter anderem die Förderung nachhaltiger Flugkraftstoffe (SAF), die Besteuerung von Kerosin und eine EU-weite Luftverkehrsabgabe für alle in der EU startenden Airlines.
Welche Fahrgastrechte sollen gestärkt werden?
Der Antrag sieht eine verbindliche Mobilitätsgarantie, unternehmensübergreifende Fahrgastrechte für die gesamte Reise, Anschlussabsicherung auch bei internationalen Verbindungen sowie eine Pflicht zur außergerichtlichen Schlichtung für Reiseveranstalter vor.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6930 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































