- Strombedarf der Rechenzentren steigt bis 2030 auf 31 TWh
- Bund hat keine vollständige Liste geplanter Rechenzentren
- 80 Mio. Euro für KI-Infrastruktur im Haushaltsentwurf 2027
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7453 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Am 18. März 2026 hat die Bundesregierung ihre Rechenzentrumsstrategie vorgelegt. Darin setzt sie sich das Ziel, die Rechenkapazitäten in Deutschland bis 2030 zu verdoppeln und die Kapazitäten für Künstliche Intelligenz (KI) mindestens zu vervierfachen. Als Messgröße dient die IT-Anschlussleistung, die laut Strategie aktuell knapp 3 Megawatt beträgt. Ein Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums vom Januar 2025 zum Rechenzentrumsstandort Deutschland zeigt, dass der Strombedarf bereits heute erheblich ist und weiter wächst. Der zweite Entwurf des Netzentwicklungsplans Strom 2025–2037/2045 der Bundesnetzagentur geht für 2037/2045 von einem Rechenzentrum-Strombedarf von 78 bis 116 TWh aus.
- 21,3 TWh — Strombedarf deutscher Rechenzentren im Jahr 2025 (Borderstep Institut im Auftrag von Bitkom)
- 31 TWh — Prognostizierter Strombedarf für 2030 laut Bundeswirtschaftsministerium-Gutachten
- 80 TWh — Prognostizierter Strombedarf für 2045 laut demselben Gutachten
- 78–116 TWh — Bandbreite des Netzentwicklungsplans Strom für 2037/2045 auf Basis gemeldeter Anschlussleistungen
- 5 Mio. Euro — Verfügbare Barmittel für das IPCEI-CIC im Bundeshaushalt 2026; für 2027 sind 80 Mio. Euro im Entwurf vorgesehen
Im Detail
Auch weil es sich im Wesentlichen um private Investitionen und Unternehmen handelt, existiert eine umfassende Liste mit allen in Planung und Bau befindlichen Rechenzentren in der Bundesregierung nicht.
— BT-Drs. 21/7453, Antwort der Bundesregierung auf Fragen 1–3
Deutschlands Rechenkapazität soll bis 2030 verdoppelt, die Kapazität für Künstliche Intelligenz (KI) sogar vervierfacht werden — so sieht es die Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung vom März 2026 vor. Doch wie viele Rechenzentren dafür tatsächlich gebaut oder ausgebaut werden, weiß die Bundesregierung nicht vollständig. Eine umfassende Übersicht über alle in Planung und im Bau befindlichen Anlagen existiert in der Bundesregierung nicht, wie die Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/7453, 31. Juli 2026) zeigt.
Der Grund: Es handelt sich laut Bundesregierung im Wesentlichen um private Investitionen. Informationen, die über das öffentlich Bekannte hinausgehen, wurden der Regierung vertraulich mitgeteilt und können wegen Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen der Unternehmen (Art. 12 und 14 GG) nicht veröffentlicht werden. Der Strombedarf aller deutschen Rechenzentren lag im Jahr 2025 bereits bei rund 21,3 TWh. Bis 2030 prognostiziert ein Gutachten im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums einen Anstieg auf 31 TWh, bis 2045 sogar auf 80 TWh.
Rechenzentrumsstrategie: Messgröße und Monitoring
Als Kenngröße für das Ziel der Rechenzentrumsstrategie dient die IT-Anschlussleistung — das international gebräuchliche Maß für Rechenkapazität. Laut Strategie beträgt sie aktuell knapp 3 Megawatt. Eine Verdoppelung würde bedeuten, eine erhebliche Anzahl neuer Rechenzentren mit entsprechendem Strom-, Wasser- und Flächenbedarf zu errichten. Ein belastbares Monitoring, das den Fortschritt bei der Zielerreichung quantitativ misst, ist laut Bundesregierung erst zum Ende der laufenden Legislaturperiode geplant. Bis dahin soll die Strategie jährlich aktualisiert werden — das erste Update ist für März 2027 vorgesehen.
Energieverbrauch und Klimafolgen
Deutschland gilt laut Bundesregierung mit einem durchschnittlichen PUE-Wert von 1,43 als vergleichsweise energieeffizienter Rechenzentrumsstandort in Europa. Neue Anlagen müssen strengere Effizienzanforderungen erfüllen, die durch eine laufende Novellierung des Energieeffizienzgesetzes noch verschärft werden sollen. Rechenzentren sind zudem über ihren Strombezug in den EU-Emissionshandel einbezogen, was laut Regierung sicherstellt, dass die nationalen Klimaziele eingehalten werden. Maßnahmen, die ausschließlich auf die Senkung des Hardwareenergieverbrauchs abzielen, plant die Bundesregierung nicht — sie setzt auf marktliche Anreize, da Betreiber ein Eigeninteresse an niedrigen Energiekosten hätten.
Förderung privater Rechenzentrumsstrategie: Noch keine Mittel geflossen
Spezifische Förderprogramme für den Neubau oder Ausbau privater Rechenzentren gibt es bislang nicht. Kein Unternehmen hat seit Amtsantritt der aktuellen Bundesregierung entsprechende Förderung erhalten. Einzig im Rahmen des europäischen Projekts IPCEI-CIC stehen 2026 maximal 5 Mio. Euro aus dem Bundeshaushalt bereit. Der Regierungsentwurf für den Haushalt 2027 sieht für dasselbe Programm einen deutlich größeren Ansatz von 80 Mio. Euro vor — allerdings kann sich dieser Betrag noch im parlamentarischen Verfahren ändern. Für den Fall, dass eine deutsche Bewerbung bei den geplanten EuroHPC-KI-Gigafactories erfolgreich ist, stellt der Bund einen garantierten Rechenzeitkauf in Aussicht.
Der Netzentwicklungsplan Strom 2025–2037/2045 der Bundesnetzagentur, der sich derzeit in der Konsultationsphase befindet, geht aufgrund gemeldeter Anschlussleistungen für 2037/2045 von einem Rechenzentrum-Strombedarf zwischen 78 und 116 TWh aus. Dieser wachsende Bedarf fließt nach Angaben der Bundesregierung in aktuelle Planungsdokumente ein, darunter Netzentwicklungspläne und die in Erarbeitung befindliche Systementwicklungsstrategie 2027. Gleichzeitig betont die Regierung, dass der Gesamtstromverbrauch in Deutschland in den vergangenen Jahren trotz des gestiegenen Rechenzentrums-Anteils insgesamt gesunken ist — der Strombedarf von Rechenzentren sei daher nicht isoliert zu bewerten. Wie die aktuell angespannte Lage bei den Gasspeichern zeigt, steht die Energieversorgung insgesamt unter Druck — der zusätzliche Bedarf durch KI-Infrastruktur dürfte die Debatte weiter verschärfen. Auch die Frage nach dem Finanzierungsrahmen für neue Infrastrukturprojekte stellt sich angesichts geplanter Haushaltsmittel von bis zu 80 Mio. Euro neu.
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Betroffen sind vor allem Unternehmen der Rechenzentrums- und IT-Branche, die Investitionen in neue Kapazitäten planen. Mittelbar betrifft das Thema alle Stromverbraucher in Deutschland, da der wachsende Energiebedarf der Rechenzentren in die nationale Netzplanung einfließt. Kommunen und Regionen, die als Standorte für neue Rechenzentren vorgesehen sind, müssen mit erhöhtem Wasser- und Flächenverbrauch rechnen.
Die Bundesregierung beantwortet mehrere Fragen nur eingeschränkt: Detailangaben zu konkreten Rechenzentren verweigert sie unter Verweis auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse (Art. 12 und 14 GG). Zu Förderkriterien für das IPCEI-CIC verweist sie auf eine noch ausstehende Bekanntmachung.
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Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Rechenzentrumsstrategie 2030: Verdoppelung ohne Messgröße →
- PUE-Wert (Power Usage Effectiveness)
- Kennzahl für die Energieeffizienz eines Rechenzentrums. Ein PUE von 1,0 wäre ideal (kein Energieverlust). Deutschlands Durchschnitt liegt laut Bundesregierung bei 1,43.
- IPCEI-CIC
- Important Project of Common European Interest – Verteiltes Rechen-Kontinuum. Ein EU-gefördertes Projekt zum Aufbau eines souveränen, verteilten Rechen-Netzwerks in Europa, an dem Deutschland teilnimmt.
- IT-Anschlussleistung
- Die maximal verfügbare elektrische Leistung für die IT-Hardware in einem Rechenzentrum, gemessen in Megawatt (MW). Sie gilt international als Standardmaß für die Rechenkapazität.
Wie viel Strom verbrauchen deutsche Rechenzentren aktuell?
Im Jahr 2025 lag der Strombedarf von Rechenzentren und kleineren IT-Installationen in Deutschland bei rund 21,3 TWh. Für 2030 werden laut Gutachten 31 TWh prognostiziert, für 2045 bis zu 80 TWh.
Fördert der Bund den Bau privater Rechenzentren?
Derzeit gibt es keine spezifischen Förderprogramme. Für 2026 stehen maximal 5 Mio. Euro im Rahmen des IPCEI-CIC zur Verfügung. Der Haushaltsentwurf 2027 sieht 80 Mio. Euro für diesen Zweck vor.
Wann plant die Bundesregierung ein Monitoring der Rechenzentrumsziele?
Das erste quantitative Monitoring zur Zielerreichung ist laut Bundesregierung erst zum Ende der laufenden Legislaturperiode geplant — also frühestens 2029/2030.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7453 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































