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- Schloss-Bellevue-Sanierung: Bundeshaushalt weist über 810 Mio. Euro aus
- Ausweichquartier Elisabeth-Abegg-Straße kostet 205 Mio. Euro Baukosten
- Bauzeit dauert bis 2034 – Baubeginn verschob sich um 4 Monate
Hintergrund
Schloss Bellevue ist seit 1994 Amtssitz des Bundespräsidenten. Die letzte Teilsanierung betraf 2004 und 2005 lediglich den Nordflügel und war auf 20 Monate begrenzt; die technische Infrastruktur und Sicherheitsanlagen wurden dabei nur unzureichend modernisiert. Der Bundesrechnungshof hat in einem Bericht nach § 88 Abs. 2 BHO vom 29. August 2025 auf die unübersichtliche Haushaltsveranschlagung über verschiedene Einzelpläne hingewiesen und empfohlen, die Baukosten verursachergerecht im Einzelplan 01 auszuweisen. Die Bundesregierung folgt dieser Empfehlung nicht.
- 601 Mio. Euro — Bau- und Planungskosten laut Bundespräsidialamt für Schloss Bellevue und Liegenschaften
- 810,3 Mio. Euro — Gesamtausgaben des Bundes gemäß Bundeshaushaltsplan (Titel 733 01 und 526 04)
- 205 Mio. Euro — Errichtungskosten des Ausweichquartiers in der Elisabeth-Abegg-Straße (BImA)
- 16,8 Mio. Euro — Jährliche vorläufige Jahresmiete für das Ausweichquartier, nach 5 Jahren sinkend auf 9,2 Mio. Euro
- 4,8 Mio. Euro — Geschätzte jährliche Nutzungskosten nach Abschluss der Sanierung (grobe Abschätzung gem. DIN 18960)
Im Detail
Die Bundesregierung beabsichtigt nicht, die Baukosten für den Berliner Amtssitz des Bundespräsidialamtes im Einzelplan 01 zu veranschlagen, da diese bereits im Einzelplan 25 (Kapitel 2503 Titel 733 01) veranschlagt sind und es sich um eine laufende Baumaßnahme handelt.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8214, Frage 24
Die Sanierung von Schloss Bellevue, dem Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten, ist das teuerste laufende Einzelbauvorhaben des Bundes für ein Verfassungsorgan. Nach Angaben der Bundesregierung in der Antwort auf die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/8214 vom 24. September 2026, Anfrage BT-Drs. 21/7747) übersteigen die Gesamtaufwendungen die Marke von einer Milliarde Euro deutlich. Der Bundeshaushalt weist für die eigentlichen Baumaßnahmen rund 810 Mio. Euro aus — zuzüglich des separat finanzierten Ausweichquartiers in Berlin-Moabit (205 Mio. Euro Baukosten) ergibt sich ein Gesamtbild von mehr als 1 Mrd. Euro an öffentlichen Mitteln.
Schloss-Bellevue-Sanierung: Was umfasst das Projekt?
Das Gesamtvorhaben gliedert sich in vier Teilbaumaßnahmen: die Grundsanierung des Schlosses selbst (146 Mio. Euro), die Sanierung des Verwaltungsgebäudes am Spreeweg (120 Mio. Euro), den Neubau des Wach- und Kontrollgebäudes für die Bundespolizei (173 Mio. Euro) sowie die Erneuerung von Außenanlagen und Infrastruktur (162 Mio. Euro). Zusammen ergeben diese Teilmaßnahmen die vom Bundespräsidialamt genannten Bau- und Planungskosten von 601 Mio. Euro. Hinzu kommen eine Risikoreserve von 188 Mio. Euro und eine Vorsorge für Baupreissteigerungen von 71 Mio. Euro, sodass das Projektkostenziel bei 860 Mio. Euro liegt.
Die Bauarbeiten an der Liegenschaft am Spreeweg begannen nach einer sechsjährigen Planungsphase: Die vorbereitenden Maßnahmen starteten am 10. August 2026 — vier Monate später als ursprünglich geplant. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) hat die Liegenschaft an diesem Datum übernommen; die Ausführungsplanung soll 2027 abgeschlossen werden. Bis zur Fertigstellung ist ein Gesamtdurchführungszeitraum von rund acht Jahren vorgesehen, die Sanierung dauert damit bis 2034.
Ausweichquartier: 205 Millionen Euro für ein temporäres Bürogebäude
Für die Zeit der Schloss-Bellevue-Sanierung hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) auf einem bundeseigenen Grundstück in der Elisabeth-Abegg-Straße in Berlin-Moabit ein neues Bürogebäude errichtet. Die Errichtungskosten werden mit 205 Mio. Euro angegeben; das Gebäude ist ausdrücklich für eine dauerhafte Bundesnutzung konzipiert und geht nach Abschluss der Sanierung an andere Bundeseinrichtungen über. Ein Rückbau ist nicht vorgesehen. Die vorläufig berechnete Jahresmiete für das Bundespräsidialamt beträgt rund 16,8 Mio. Euro; nach fünf Jahren, wenn der nutzerspezifische Mietkostenanteil abgegolten ist, sinkt sie auf 9,2 Mio. Euro jährlich. Der Bundesrechnungshof hatte in einem Bericht vom August 2025 festgestellt, dass die Miete gegenüber der Planung aus dem Jahr 2021 um 3 Mio. Euro jährlich gestiegen ist und das Bundespräsidialamt diesen Anstieg nicht durch Einsparungen im eigenen Etat kompensieren kann.
Was gilt aktuell bei der Haushaltsveranschlagung?
Die Baukosten sind im Bundeshaushalt nicht im Einzelplan des Bundespräsidenten (Einzelplan 01), sondern im Einzelplan 25 bei Kapitel 2503 Titel 733 01 veranschlagt. Der Bundesrechnungshof hatte empfohlen, die Mittel verursachergerecht im Einzelplan 01 auszuweisen, um Transparenz für den Haushaltsgesetzgeber und die Öffentlichkeit zu schaffen. Die Bundesregierung lehnt dies ab: Die Baukosten seien bereits in Einzelplan 25 veranschlagt, und es handele sich um eine laufende Baumaßnahme. Die haushaltsmäßige Anerkennung der Unterlagen zur Hauptbaumaßnahme durch das Bundesministerium der Finanzen erfolgte erst am 16. Juli 2026 — obwohl die entsprechenden Unterlagen bereits für 2025 erwartet worden waren. Im Entwurf des Bundeshaushaltsplans 2027 werden Gesamtausgaben von rund 810 Mio. Euro ausgewiesen, aufgeteilt auf 73 Mio. Euro für vorbereitende Maßnahmen und knapp 688 Mio. Euro für die Hauptbaumaßnahme sowie rund 49 Mio. Euro Baunebenkosten.
Mehrere Fragen bleiben ohne substanzielle Antwort
Bei einem Teil der 26 gestellten Fragen verweist die Bundesregierung darauf, ihr lägen keine Erkenntnisse vor. Das betrifft die jährlichen Bewirtschaftungs- und Betriebskosten vor Baubeginn (Frage 7), die Umzugskosten des Bundespräsidialamts (Frage 13), die zu erwartenden Rückumzugskosten (Frage 15) sowie die Zahl der den Liegenschaften zugeordneten Beschäftigten (Frage 16). Konkret bezifferbar waren hingegen die durch den Umzug entstandenen Kosten der Bundespolizeidirektion Berlin: Diese belaufen sich auf insgesamt 5.385,14 Euro (Demontage einer Antennenanlage, Umsetzung von Multifunktionsgeräten, Umzugskartons). Personalmehrkosten sind laut Bundesregierung nicht angefallen. Weitere Einsparpotenziale wurden bei der Planung identifiziert und umgesetzt — so wurde etwa auf ein zusätzliches Bürogeschoss im Verwaltungsbau und einen ursprünglich geplanten Konferenzbereich im Schloss verzichtet. Nach Abschluss der Sanierung soll die Liegenschaft nahezu klimaneutral betrieben werden, wobei Geothermie den Wärme- und Kältebedarf nahezu vollständig abdecken soll. Die geschätzten jährlichen Nutzungskosten nach Übergabe beziffert die Bundesregierung auf rund 4,8 Mio. Euro.
Zum Vergleich: Bei der Teilsanierung 2004/2005 beschränkten sich die Arbeiten auf den Nordflügel des Schlosses und dauerten 20 Monate. Auf die Modernisierung der Lüftungsanlage, großer Teile der technischen Infrastruktur und der Sicherheitsvorkehrungen musste damals wegen des hohen Aufwands und enger Zeitvorgaben verzichtet werden — was die nun deutlich umfangreichere Grundsanierung mit begründet. Aktuelle Zahlen zu öffentlichen Baugroßprojekten und parlamentarischen Anfragen dazu finden sich auch in der wöchentlichen Übersicht der Schriftlichen Fragen KW 22/2026.
Weiterlesen:
- Schriftliche Fragen KW 19/2026: 183 Antworten der Bundesregierung
- Organisierte Kriminalität: 20 Maßnahmen gegen OK-Netzwerke
Unmittelbar betroffen ist das Bundespräsidialamt, das seinen Dienstbetrieb während der Bauzeit im Ausweichquartier in Berlin-Moabit aufrecht erhält. Als Steuerzahler tragen alle Bürgerinnen und Bürger die Kosten des Projekts, das im Bundeshaushalt (Einzelplan 25, Kapitel 2503) veranschlagt ist. Nach Abschluss der Sanierung 2034 profitieren auch andere Bundesbehörden vom neuen Bürogebäude in der Elisabeth-Abegg-Straße.
Bei mehreren Fragen – darunter zu Umzugskosten (Fragen 13, 15), Beschäftigtenzahlen (Frage 16), Rückumzugskosten (Frage 15) sowie zu Betriebs- und Bewirtschaftungskosten vor Baubeginn (Frage 7) – verweist die Bundesregierung pauschal darauf, ihr lägen keine Erkenntnisse vor. Fragen zu Zeitplänen je Teilprojekt werden ohne detaillierte Meilenstein-Tabellen beantwortet.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Schloss Bellevue: Sanierung kostet über 1 Mrd. Euro →
- Verpflichtungsermächtigung
- Haushaltsrechtliche Erlaubnis, Verbindlichkeiten einzugehen, die erst in künftigen Haushaltsjahren zu Ausgaben führen. Sie ermöglicht die Vergabe von Aufträgen, deren Zahlungen über mehrere Jahre verteilt sind.
- BBR (Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung)
- Bundesbehörde, die als zuständige Bauverwaltung Bundesbaumaßnahmen plant, steuert und überwacht – darunter auch die Sanierung von Schloss Bellevue.
- BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben)
- Bundeseigene Immobilienverwaltung, die das Ausweichquartier in der Elisabeth-Abegg-Straße errichtet hat und es dem Bundespräsidialamt als Mietobjekt zur Verfügung stellt.
Was kostet die Sanierung von Schloss Bellevue insgesamt?
Das Bundespräsidialamt nennt Bau- und Planungskosten von 601 Mio. Euro. Mit Risikokosten (188 Mio. Euro) und Baupreissteigerungen (71 Mio. Euro) beträgt das Projektkostenziel 860 Mio. Euro. Der Bundeshaushaltsplan weist für Titel 733 01 Gesamtausgaben von rund 810 Mio. Euro aus; zuzüglich des Ausweichquartiers (205 Mio. Euro) übersteigen die Aufwendungen die Marke von einer Milliarde Euro.
Warum dauerte die Planung sechs Jahre?
Laut Bundesregierung begannen die Planungsarbeiten 2020 mit einem Realisierungswettbewerb. Die Komplexität des Gesamtprojekts, die Verzahnung der Teilbaumaßnahmen und Optimierungen zur Kosteneinsparung führten dazu, dass die Planungsphase bis heute andauert; die Ausführungsplanung soll 2027 abgeschlossen werden.
Warum wurde ein neues Ausweichquartier gebaut statt bestehende Räume zu nutzen?
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben prüfte sowohl Bundesgebäude als auch den Berliner Mietmarkt intensiv. Kein verfügbares Gebäude erfüllte gleichzeitig die besonderen Sicherheits- und Repräsentationsanforderungen für den Amtssitz des Bundespräsidenten.





































































