- 200 Mio. Euro könnten laut Studie flächendeckenden Fernverkehr sichern
- ICE-Halte in Bochum, Düsseldorf und Duisburg sollen gestrichen werden
- Städte wie Chemnitz und Jena drohen ohne Fernverkehrsanschluss zu bleiben
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6922 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Masterplan Schienenverkehr der Bundesregierung sieht eine deutliche Zunahme des Schienen-Personen- und Güterverkehrs vor. Gleichzeitig stoppt die Bundesregierung nach Darstellung der Grünen Planungsteams für Aus- und Neubauvorhaben und schiebt die Finanzierung auf. Eine vom Bund beauftragte Studie des Deutschen Zentrums für Schienenverkehrsforschung aus dem Jahr 2026 zeigt, dass bereits rund 200 Millionen Euro einen deutlich besseren Flächenverkehr ermöglichen würden. Artikel 87e Grundgesetz weist dem Bund eine Gewährleistungsaufgabe im Schienenfernverkehr zu — ein entsprechendes Ausführungsgesetz hat bislang keine Bundesregierung vorgelegt.
- ca. 200 Mio. Euro — laut Bundesregierungs-Studie nötiger Mitteleinsatz für flächendeckenden Fernverkehr mit Zwei-Stunden-Takt in vielen Städten
- Mindestens 4 Strecken — konkret genannte hoch ausgelastete Hauptachsen ohne Ausbaureserve: München–Ingolstadt, Frankfurt–Hanau–Fulda, Leipzig/Halle–Berlin, Rhein-Ruhr-Express-Korridor
- 8 Forderungspunkte — der Antrag enthält acht konkrete Maßnahmen an die Bundesregierung, von Eigentümerstrategie bis Dachtarif im Fernverkehr
Im Detail
Ausgerechnet in einer Zeit, in der immer mehr Menschen Bahn fahren wollen, die Nachfrage nach Zugtickets ansteigt und Unternehmen den Einstieg in den deutschen Schienenverkehrsmarkt planen, kommt das deutsche Schienennetz an seine Kapazitätsgrenzen und ist immer stärker überlastet.
— BT-Drs. 21/6922, Feststellungsteil, Grüne-Fraktion, 07.07.2026
Das deutsche Schienennetz ist an seinen Kapazitätsgrenzen angelangt — und ausgerechnet jetzt, wo die Nachfrage nach Zugtickets steigt und neue Anbieter in den Fernverkehrsmarkt drängen, werden Planungsteams abgezogen, Ausbauprojekte gestoppt und Fernverkehrshalte gestrichen. Mit dem Antrag BT-Drs. 21/6922 vom 7. Juli 2026 fordert die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Bundesregierung zu einem Kurswechsel in der Bahnpolitik auf.
Schienennetz unter Druck: Was gilt aktuell?
Auf besonders stark frequentierten Strecken wie München–Ingolstadt, Frankfurt–Hanau–Fulda oder Leipzig/Halle–Berlin ist laut Antrag kein zusätzliches Fernverkehrsangebot mehr möglich, ohne andere Züge zu verdrängen. Der Rhein-Ruhr-Express-Korridor steht exemplarisch für das Dilemma: Bedeutende ICE-Halte in Bochum, Düsseldorf und Duisburg sollen im Rahmen der sogenannten „Agenda für zufriedene Kunden“ von Verkehrsminister Schnieder (CDU) aus Gründen der Fahrplanstabilisierung gestrichen werden. Parallel dazu fehlt regional bedeutsamen Strecken wie der Wallauer Spange, der Mitte-Deutschland-Verbindung oder der Marschbahn eine gesicherte Bundesfinanzierung. Eine Wiederaufnahme einmal gestoppter Planungen erfordert nach Darstellung der Grünen mehrere Jahre und zusätzliche Kosten für Aktualisierung und Neueinarbeitung von Planungskräften.
200 Millionen Euro für besseren Fernverkehr
Eine von der Bundesregierung selbst beauftragte Studie des Deutschen Zentrums für Schienenverkehrsforschung zeigt: Bereits ein gezielter Mitteleinsatz von rund 200 Millionen Euro könnte viele Städte — darunter Chemnitz, Dessau, Jena und Heilbronn — mindestens alle zwei Stunden per Fernverkehr erreichbar machen. Diese Verbindungen sind laut Antrag verkehrspolitisch gewünscht, aber bisher nicht eigenwirtschaftlich zu erbringen. Gleichzeitig erhalte die Autobahn GmbH trotz erheblicher Sanierungsbedarfe im Straßennetz zusätzliche Milliarden für Neubauprojekte, während die Schiene beim Nachschlag des Bundesfinanzministers leer ausgeht.
Acht Forderungen an die Bundesregierung
Der Antrag formuliert acht konkrete Maßnahmen. Erstens soll die Bundesregierung die Ziele des Masterplans Schienenverkehr einhalten und den Deutschlandtakt nicht durch ausbleibende Finanzierung weiter verzögern. Zweitens fordert die Fraktion eine Eigentümerstrategie für die Deutsche Bahn AG, die das Bundesunternehmen auf Verkehrsverlagerung und Angebotsqualität verpflichtet. Drittens sollen geplante ICE-Streichungen in Bochum, Duisburg und Düsseldorf verhindert werden. Viertens soll der Bund für nicht rentable, aber politisch gewünschte Fernverkehrsverbindungen finanzielle Förderung per Gesetz ermöglichen — zunächst durch reduzierte Trassenpreise, bei anhaltender Unwirtschaftlichkeit durch direkte Zugbestellungen.
Fünftens verlangt der Antrag einen bundesweiten Aufgabenträger als Gesellschaft privaten Rechts für Organisation und Bestellung nicht rentabler Fernverkehrsleistungen. Sechstens soll die EU-Kapazitätsverordnung zeitnah in nationales Recht überführt werden, um Regional- und Güterzüge auf überlasteten Strecken zu schützen. Siebtens schlagen die Grünen einen Dachtarif für den Fernverkehr analog zum Nahverkehr vor, damit Reisende flexibel jeden Zug nutzen können. Achtens sollen vom Bund geförderte Fernzüge für Nahverkehrstickets und das Deutschlandticket geöffnet werden — mit einem Preisaufschlag —, um Regionalzüge zu entlasten.
Verfassungsrechtliche Dimension
Artikel 87e Grundgesetz weist dem Bund eine Gewährleistungsaufgabe im Schienenfernverkehr zu: Er hat dem Wohl der Allgemeinheit und den Verkehrsbedürfnissen Rechnung zu tragen. Das dafür vorgesehene Ausführungsgesetz hat bislang keine Bundesregierung vorgelegt. Der Antrag kritisiert zudem, dass Deutschland mit seiner aktuellen Verkehrspolitik einen europäischen Sonderweg beschreitet — während Italien, Frankreich, Österreich, die Schweiz, Tschechien und Schweden Flächenbahnverkehr gezielt unterstützen. Auch der Bundestag selbst befasst sich derzeit mit mehreren Modernisierungsvorhaben, die parlamentarische Prozesse beschleunigen sollen — die Bahnpolitik zählt zu den drängendsten davon.
Für Fahrgäste, die täglich auf die Bahn angewiesen sind, hat der politische Stillstand konkrete Folgen: weniger Verbindungen, weniger Verlässlichkeit und eine wachsende Lücke zwischen dem im Masterplan Schienenverkehr versprochenen Angebotsausbau und der Realität auf dem Gleis. Ob der Bundestag dem Antrag folgt, entscheidet sich nach der Ausschussberatung im Plenum.
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Betroffen sind Bahnreisende in ganz Deutschland, insbesondere in Mittelstädten abseits der Hauptachsen wie Chemnitz, Jena, Dessau und Heilbronn, die ihren Fernverkehrsanschluss verlieren könnten. Auch Pendler und Fahrgäste in der Metropolregion Rhein-Ruhr sind betroffen, da ICE-Halte in Bochum, Düsseldorf und Duisburg gestrichen werden sollen. Güterunternehmen, die auf freie Trassen angewiesen sind, zählen ebenfalls zu den Betroffenen.
Der Antrag wurde am 7. Juli 2026 in den Bundestag eingebracht. Als nächster Schritt steht die Überweisung an den zuständigen Ausschuss für Verkehr an, der den Antrag berät. Anschließend folgt die abschließende Abstimmung im Plenum des Bundestages.
- Deutschlandtakt
- Bundesweites Konzept für einen integrierten Taktfahrplan auf der Schiene, der aufeinander abgestimmte Verbindungen im Fern- und Nahverkehr gewährleisten soll.
- Trassenpreis
- Entgelt, das Eisenbahnunternehmen für die Nutzung des Schienennetzes zahlen müssen — die Höhe beeinflusst die Wirtschaftlichkeit von Zugverbindungen.
- Gewährleistungsaufgabe (Art. 87e GG)
- Verfassungsrechtliche Pflicht des Bundes, beim Schienenfernverkehr dem Wohl der Allgemeinheit und den Verkehrsbedürfnissen Rechnung zu tragen.
Welche Strecken sind laut Antrag besonders überlastet?
Laut Antrag sind vor allem die Strecken München–Ingolstadt, Frankfurt–Hanau–Fulda und Leipzig/Halle–Berlin an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen.
Was sieht der Antrag für nicht rentable Fernverkehrslinien vor?
Die Grünen fordern einen bundesweiten Aufgabenträger für die Organisation und Bestellung nicht rentabler Fernverkehrsleistungen sowie finanzielle Förderung für verkehrspolitisch gewünschte Verbindungen.
Was ist der Deutschlandtakt?
Der Deutschlandtakt ist ein Fahrplankonzept, das einen integrierten Taktfahrplan für das gesamte deutsche Schienennetz vorsieht — mit aufeinander abgestimmten Verbindungen im Fern- und Regionalverkehr.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6922 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































