- 51.440 Grundsicherungsfälle im Alter in Schleswig-Holstein (Ende 2025)
- Durchschnittliche Altersrente für Einzelrentnerinnen in SH: 981 Euro
- Bundesregierung plant keine bundeslandspezifischen Maßnahmen gegen Altersarmut
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7355 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Altersarmut ist ein politisch dauerhaft diskutiertes Thema. Laut dem Paritätischen Armutsbericht 2026 waren im Jahr 2025 über 13,3 Millionen Menschen in Deutschland von Armut betroffen, wobei Frauen ab 65 Jahren laut diesem Bericht mit 21,3 Prozent eine besonders hohe Armutsquote aufwiesen. Die Fraktion Die Linke hatte bereits mehrfach ähnliche Anfragen gestellt (BT-Drs. 20/12534, 21/1421) und erfragt nun aktualisierte Daten für Schleswig-Holstein und einen Zehnjahresvergleich.
- 51.440 — Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung in Schleswig-Holstein Ende 2025 (2016: 39.305).
- 981 Euro — Durchschnittlicher Rentenzahlbetrag für Einzelrentnerinnen in Schleswig-Holstein (Männer: 1.404 Euro) im Juli 2025.
- 1,283 Mio. — Gesamtzahl der Grundsicherungsempfängerinnen und -empfänger in Deutschland Ende 2025 (2016: 1,026 Mio.).
- 734.873 — Rentnerinnen und Rentner insgesamt in Schleswig-Holstein am 1. Juli 2025, davon 140.445 Mehrfachrentner.
- 7,914 Mio. — Geringfügig Beschäftigte in Deutschland (Stand 30.06.2025), davon in Schleswig-Holstein 280.829.
Im Detail
Der beste Schutz gegen Altersarmut sind eine gute Ausbildung, durchgehende Erwerbsbiografien mit anständigen Löhnen und die Absicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung flankiert durch betriebliche Altersversorgung und private Zusatzvorsorge.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7355, S. 7
In Deutschland sind im Jahr 2025 mehr als 1,28 Millionen Menschen auf Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung angewiesen — ein Anstieg von rund 25 Prozent gegenüber 2016, als rund 1,026 Millionen Betroffene gezählt wurden. In Schleswig-Holstein liegt die Zahl der Grundsicherungsempfängerinnen und -empfänger Ende 2025 bei 51.440 Personen. Die Drucksache 21/7355 vom 27. Juli 2026 dokumentiert die Antwort des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales auf eine umfangreiche Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke zu Altersarmut und Alterssicherung im Bundesland und bundesweit.
Altersarmut in Schleswig-Holstein: Zahlen und Entwicklung
Das Verhältnis von Pflichtversicherten zu Rentnerinnen und Rentnern liegt in Schleswig-Holstein mit 1,60 unter dem Bundesschnitt von 1,74. Das bedeutet: Auf 1.168.901 Pflichtversicherte (Stand 31.12.2024) kommen 730.772 Rentenbeziehende — weniger Beitragszahler als im Bundesdurchschnitt. Die Grundsicherungsquote ab Regelaltersgrenze stieg in Schleswig-Holstein von 3,1 Prozent (2016) auf 3,9 Prozent (2024) — ein kontinuierlicher Anstieg, der dem bundesweiten Trend folgt.
Besonders deutlich ist die Geschlechterdifferenz bei den Rentenzahlbeträgen. Laut den in der Drucksache enthaltenen Tabellen erhielten Einzelrentner in Schleswig-Holstein im Juli 2025 durchschnittlich 1.404 Euro pro Monat, Einzelrentnerinnen hingegen nur 981 Euro — eine Lücke von fast 30 Prozent. Im bundesweiten Vergleich lag der Durchschnitt für Einzelrentner bei 1.455 Euro, für Einzelrentnerinnen bei 1.029 Euro.
Was gilt aktuell bei der Rentenhöhe?
Im Rentenzugang 2025 betrug die durchschnittliche Altersrente für Männer in Schleswig-Holstein 1.358 Euro pro Monat, für Frauen 1.002 Euro. Im Vergleich dazu lagen die Werte im Jahr 2015 noch bei 1.052 Euro (Männer) und 617 Euro (Frauen) — die Renten sind also nominal deutlich gestiegen, die Geschlechterlücke bleibt jedoch bestehen. Niedrige Renten entstehen laut Bundesregierung nicht nur durch kurze Versicherungszeiten, sondern auch durch Teilzeitbeschäftigung, Unterbrechungen der Erwerbsbiografie und beitragsfreie Zeiten wie Schul- oder Hochschulausbildung.
Grundsicherung: Stetiger Anstieg über zehn Jahre
Die Grundsicherungsfälle im Alter in Schleswig-Holstein sind im Zehnjahresvergleich von 19.534 (2016) auf 27.155 (2025) gestiegen — ein Zuwachs von rund 39 Prozent. Bundesweit war der Anstieg noch deutlicher: von 525.595 auf 764.065 Grundsicherungsbeziehende ab Regelaltersgrenze. Dabei wächst der Anteil der Bevölkerung, die auf diese Leistung angewiesen ist, kontinuierlich. Bundesweit lag die Grundsicherungsquote ab Regelaltersgrenze 2024 bei 4,1 Prozent — gegenüber 3,1 Prozent im Jahr 2016.
Für das Berichtsjahr 2025 verzeichnet die Drucksache zudem 170.760 Grundsicherungsfälle bei Erwerbsminderung mit Rentenbezug in Deutschland — davon 96.390 Männer (16,8 % aller voll erwerbsgeminderten Rentner) und 74.375 Frauen (11,0 %). In Schleswig-Holstein sind es 8.160 Grundsicherungsfälle bei Erwerbsminderung.
Altersarmut: Keine bundeslandspezifischen Maßnahmen geplant
Auf die Frage, ob die Bundesregierung ein besonders hohes Armutsgefährdungsrisiko in Schleswig-Holstein sehe und welche Maßnahmen sie plane, antwortet die Regierung: Bundeslandspezifische Maßnahmen gegen Altersarmut seien grundsätzlich nicht vorgesehen. Als Schutz verweist sie auf die Grundsicherung im Alter, gute Ausbildung, durchgehende Erwerbsbiografien und die gesetzliche Rentenversicherung ergänzt durch betriebliche und private Altersvorsorge.
Bemerkenswert ist auch die Datenlage zum Wohngeld: Ende 2024 bezogen in Schleswig-Holstein 26.895 Rentnerinnen und Rentner Wohngeld — das entspricht 3,79 Prozent aller Personen ab 65 Jahren im Land. Der Anteil hat sich gegenüber 2019 (1,18 Prozent) mehr als verdreifacht, was auch auf die Wohngeldreform 2023 zurückzuführen ist.
Bei geringfügiger Beschäftigung im Rentenalter zeigt die Drucksache: In Schleswig-Holstein gehen 6,7 Prozent aller Menschen ab 60 Jahren ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nach — bundesweit sind es 6,5 Prozent. Im Vergleich zu ähnlichen Themen wie der Versorgungslage in anderen Bereichen zeigt die Altersarmut eine langfristige strukturelle Dimension.
Das Verhältnis von Grundsicherungsbeziehenden zu Rentenempfängerinnen und -empfängern wegen Alters nach Regelaltersgrenze lag in Schleswig-Holstein 2025 bei 3,2 Prozent — während Berlin mit 7,4 Prozent und Hamburg mit 8,1 Prozent deutlich höhere Quoten aufweisen. Ostdeutsche Bundesländer wie Brandenburg (1,4 Prozent) und Sachsen (1,2 Prozent) liegen dagegen deutlich darunter, was auch auf die unterschiedlichen Rentenbiografien in Ost und West hinweist. Vergleichbare Fragen zur Finanzierung öffentlicher Mittel wurden auch in anderen Bereichen gestellt, etwa bei der Kostenkontrolle staatlicher Programme.
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Betroffen sind vor allem Rentnerinnen und Rentner in Schleswig-Holstein sowie in ganz Deutschland, insbesondere Frauen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien und geringfügig Beschäftigte ohne vollständige Rentenversicherungsbeiträge. In Schleswig-Holstein sind Ende 2025 rund 734.873 Menschen im Rentenalter registriert.
Die Bundesregierung beantwortet einen Teil der Fragen mit Verweisen auf frühere Drucksachen (20/12534 und 21/1421), statt alle Daten vollständig neu aufzuführen. Für Frage 7 und 15 zu länderspezifischen Alterssicherungsleistungen verweist sie auf den Alterssicherungsbericht 2024, da Länderdaten nicht vorliegen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Altersarmut in Schleswig-Holstein: 21,3 % der Frauen ab 65 betroffen →
- Grundsicherung im Alter
- Staatliche Sozialleistung nach dem 4. Kapitel des SGB XII für Personen ab Regelaltersgrenze, deren eigenes Einkommen (z. B. Rente) nicht den Lebensunterhalt sichert.
- Armutsrisikoquote (ARQ)
- Statistisches Maß für den Anteil der Bevölkerung mit einem Nettoäquivalenzeinkommen unterhalb von 60 Prozent des mittleren Einkommens — kein direktes Maß individueller Bedürftigkeit.
- Mehrfachrentner
- Personen, die gleichzeitig mehr als eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung beziehen, z. B. eine eigene Altersrente und eine Hinterbliebenenrente.
Wie viele Menschen erhalten in Schleswig-Holstein Grundsicherung im Alter?
Ende 2025 bezogen in Schleswig-Holstein 51.440 Personen Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, davon 25.595 Männer und 25.845 Frauen.
Wie hoch ist die durchschnittliche Altersrente in Schleswig-Holstein?
Laut Drucksache beträgt der durchschnittliche Rentenzahlbetrag für Einzelrentner in Schleswig-Holstein 1.184 Euro pro Monat — für Männer 1.404 Euro, für Frauen 981 Euro (Stand Juli 2025).
Plant die Bundesregierung spezifische Maßnahmen für Schleswig-Holstein?
Nein. Die Bundesregierung erklärt, bundeslandspezifische Maßnahmen gegen Altersarmut seien grundsätzlich nicht vorgesehen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7355 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































