- 1,28 Millionen Menschen beziehen 2025 Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung
- Frauen erhalten im Rentenzugang 2025 durchschnittlich 376 Euro weniger als Männer
- Altersrentenquote in der Grundsicherung stieg von 2,6 % (2016) auf 3,1 % (2025)
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7354 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Fraktion Die Linke hatte mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7094 ein umfassendes Datenbild zur Altersarmut in Baden-Württemberg und Deutschland angefragt. Die Bundesregierung hat mit Schreiben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom 24. Juli 2026 geantwortet. Laut dem Paritätischen Armutsbericht 2025 sind über 13,3 Millionen Menschen in Deutschland von Armut betroffen, wobei Personen über 65 Jahren überdurchschnittlich häufig betroffen sind. Der Neunte Altersbericht der Bundesregierung stellte selbst fest, dass erhebliche Unterschiede beim Alterseinkommen zwischen Männern und Frauen auf die geschlechtsspezifische Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zurückzuführen sind.
- 1.283.860 — Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung bundesweit Ende 2025 (2016: 1.025.903)
- 515.115 — Grundsicherungsfälle im Alter (ab Regelaltersgrenze) mit Rentenbezug bundesweit Ende 2025, Anteil 3,1 % aller Altersrenten
- 1.039 Euro / 1.415 Euro — Durchschnittlicher Rentenzahlbetrag im Rentenzugang 2025: Frauen vs. Männer bundesweit
- 34.454.705 — Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung bundesweit am 31.12.2024 bei 19.837.506 Rentnerinnen und Rentnern (Verhältnis 1,74)
- 709.345 — Wohngeldberechtigte Rentnerinnen und Rentner bundesweit im Jahr 2024 (2015: 194.587)
Im Detail
Aus einer niedrigen Altersrente in der gesetzlichen Rentenversicherung kann grundsätzlich nicht auf ein niedriges Alterseinkommen geschlossen werden, da u. a. weitere Alterseinkommen und der Haushaltskontext nicht berücksichtigt sind.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7354, S. 2
Altersarmut bleibt ein strukturelles Problem in Deutschland: Bundesweit beziehen zum Jahresende 2025 rund 1,28 Millionen Menschen Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung — rund 25 Prozent mehr als noch 2016. Frauen sind dabei stärker betroffen als Männer, und der Rentengenderabstand klafft weiterhin weit auseinander. Diese Zahlen gehen aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor (BT-Drs. 21/7354, 27. Juli 2026).
Altersarmut in Deutschland: Die aktuellen Zahlen
Im Rentenzugang 2025 erhalten Männer bundesweit durchschnittlich 1.415 Euro Altersrente pro Monat, Frauen hingegen nur 1.039 Euro — ein Unterschied von 376 Euro. Im Rentenbestand liegt der Unterschied ähnlich hoch: Männer erhalten 1.531 Euro, Frauen 1.025 Euro. In Baden-Württemberg sind die Rentenzugangswerte für Männer mit 1.521 Euro etwas höher, während Frauen dort ebenfalls 1.017 Euro erhalten.
Besonders deutlich wird das Ausmaß der Altersarmut beim Blick auf die Grundsicherungsquoten: Von allen Altersrentnern ab der Regelaltersgrenze, die gleichzeitig eine gesetzliche Rente beziehen, sind bundesweit 3,1 Prozent auf ergänzende Grundsicherung angewiesen — 2016 waren es noch 2,6 Prozent. In Stadtstaaten wie Berlin (7,4 %) und Hamburg (8,1 %) ist die Quote deutlich höher als in Flächenländern wie Bayern (2,6 %) oder Baden-Württemberg (2,5 %).
Frauen tragen das höhere Altersarmutsrisiko
Der Rentengenderabstand ist strukturell bedingt: Geringere Erwerbseinkommen, höhere Teilzeitquoten und Erwerbsunterbrechungen für die Kinderbetreuung führen im Alter zu niedrigeren Renten. Besonders im westdeutschen Landesteil — also auch in Baden-Württemberg — macht sich das bemerkbar. Nach Angaben der Bundesregierung im Neunten Altersbericht sind diese Unterschiede „das Resultat einer oftmals noch traditionellen geschlechterspezifischen Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit“. Bei Frauen mit 40 oder mehr Versicherungsjahren liegt der Anteil derer, die eine Rente unter 1.446 Euro erhalten, bundesweit bei rund 61 Prozent — bei Männern mit gleicher Versicherungszeit dagegen nur bei etwa 28 Prozent.
Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern
Zum Stichtag 31. Dezember 2024 stehen bundesweit 34,45 Millionen Pflichtversicherte rund 19,84 Millionen Rentnerinnen und Rentnern gegenüber — ein Verhältnis von 1,74 zu 1. Baden-Württemberg schneidet mit einem Verhältnis von 1,95 besser ab als der Bundesdurchschnitt. Deutlich ungünstiger ist die Situation in ostdeutschen Ländern: In Mecklenburg-Vorpommern kommen auf jeden Rentner nur 1,19 Pflichtversicherte, in Sachsen und Brandenburg 1,35. Damit sind in Ostdeutschland die demografischen Herausforderungen für die gesetzliche Rentenversicherung besonders ausgeprägt.
Wohngeld als ergänzende Hilfe
Die Zahl der wohngeldberechtigten Rentnerinnen und Rentner hat sich von 194.587 im Jahr 2015 auf 709.345 im Jahr 2024 fast vervierfacht. Dabei spielen gesetzliche Änderungen im Wohngeldrecht (zum Beispiel die Wohngeldreform 2023) eine erhebliche Rolle, da sie den Kreis der Berechtigten deutlich ausgeweitet haben. Dennoch zeigt der Anstieg auch, dass immer mehr Rentnerinnen und Rentner ihre Wohnkosten nicht aus der Rente alleine bestreiten können. In Ostdeutschland ist der Anteil der Wohngeldempfänger unter Rentnern mit bis zu 7,65 Prozent (Mecklenburg-Vorpommern, 2023) deutlich höher als in Westdeutschland.
Erwerbsminderungsrenten mit Abschlägen
Ein strukturelles Problem bleibt auch bei den Erwerbsminderungsrenten: Im Jahr 2025 erhielten bundesweit 95,2 Prozent aller neuen Erwerbsminderungsrentner ihre Rente mit Abschlägen. Der durchschnittliche Abschlag beträgt 129 Euro pro Monat brutto — gegenüber 89 Euro im Jahr 2016. Diese dauerhaften Kürzungen treffen besonders jene, die krankheitsbedingt frühzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden und damit besonders armutsgefährdet sind. Zum Zusammenhang zwischen Beschäftigungsformen und Altersarmut bietet auch diese Drucksache zu Arbeitsmarktfragen Einblicke.
Die Bundesregierung weist in ihrer Antwort darauf hin, dass eine niedrige gesetzliche Rente nicht automatisch auf ein niedriges Gesamtalterseinkommen schließen lässt, da weitere Einkommensquellen wie betriebliche oder private Altersvorsorge sowie der Haushaltskontext unberücksichtigt bleiben. Daten zu diesen Schichten der Alterssicherung auf Länderebene liegen der Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht vor. Wer die vollständigen Tabellen einsehen möchte, findet diese als Anhang zu BT-Drs. 21/7354 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages. Ähnliche Daten wurden bereits in früheren Drucksachen (BT-Drs. 20/12534 und 21/1421) veröffentlicht.
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Betroffen sind vor allem ältere Menschen ab 65 Jahren, insbesondere Frauen. Laut den Fragesteller-Angaben beträgt die Armutsquote von Frauen ab 65 Jahren 21,3 Prozent, bei Männern 17,3 Prozent. In Baden-Württemberg beziehen rund 121.865 Menschen Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (Ende 2025). Besonders stark betroffen sind Erwerbsminderungsrentner, von denen bundesweit 13,7 Prozent auf Grundsicherung angewiesen sind.
Die Bundesregierung hat die Mehrzahl der Fragen mit Tabellen im Anhang beantwortet. Bei mehreren Fragen (1, 2, 6, 7, 15) wurde teilweise auf frühere Drucksachen verwiesen, anstatt vollständige Zeitreihen direkt zu liefern. Für Länderdaten zu einigen Fragen (7, 15) liegen der Bundesregierung nach eigenen Angaben keine Ergebnisse vor.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Altersarmut in Baden-Württemberg: 21,3 % der Frauen ab 65 betroffen →
- Armutsrisikoquote (ARQ)
- Anteil der Bevölkerung mit einem Einkommen unterhalb von 60 Prozent des mittleren gewichteten Einkommens. Sie misst relative Einkommensarmut, nicht absolute Bedürftigkeit.
- Grundsicherung im Alter
- Staatliche Leistung nach dem 4. Kapitel SGB XII für Menschen ab der Regelaltersgrenze, deren Einkommen und Vermögen nicht für den Lebensunterhalt ausreicht.
- Nettoäquivalenzeinkommen
- Das nach Haushaltsgröße und -zusammensetzung gewichtete Haushaltsnettoeinkommen, das jedem Haushaltsmitglied zur Verfügung steht.
Wie viele Menschen erhalten 2025 Grundsicherung im Alter?
Laut BT-Drs. 21/7354 beziehen zum Jahresende 2025 bundesweit rund 1.283.860 Menschen Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung — ein Anstieg gegenüber 1.025.903 im Jahr 2016.
Wie hoch ist die durchschnittliche Altersrente im Rentenzugang 2025?
Männer erhalten im Rentenzugang 2025 durchschnittlich 1.415 Euro, Frauen nur 1.039 Euro pro Monat. In Baden-Württemberg liegen die Werte mit 1.521 Euro (Männer) und 1.017 Euro (Frauen) etwas höher.
Warum sind Frauen besonders stark von Altersarmut betroffen?
Geringere Erwerbseinkommen, häufigere Teilzeitbeschäftigung und Erwerbsunterbrechungen für Kinderbetreuung führen zu niedrigeren Rentenansprüchen. Im Rentenbestand 2025 erhalten Frauen bundesweit durchschnittlich 1.025 Euro, Männer 1.531 Euro.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7354 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































