Die Zahl der Menschen, die im Alter auf staatliche Grundsicherung angewiesen sind, steigt in Deutschland seit Jahren kontinuierlich. Parlamentarische Anfragen aus mehreren Bundesländern zeichnen ein klares Bild: Bundesweit beziehen rund 1,28 Millionen Menschen Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung. Die Antworten der Bundesregierung auf entsprechende Anfragen belegen, dass dieser Anstieg seit 2016 anhält und strukturelle Ursachen hat.
Regionale Zahlen belegen den Trend
Die Drucksachen der vergangenen Monate dokumentieren das Ausmaß des Problems auf Länderebene. In Bayern bezogen 2025 insgesamt 150.915 Menschen Grundsicherung im Alter — bei einem Verhältnis von 5,8 Millionen Pflichtversicherten zu 2,9 Millionen Rentnern liegt der Faktor im Freistaat bei 2,0. Mehr dazu im Bericht zu Altersarmut in Bayern: 150.915 Grundsicherungsempfänger 2025.
In Niedersachsen wurden Ende 2025 133.900 Grundsicherungsfälle im Alter registriert. Für Frauen über 65 Jahren weist der Paritätische Wohlfahrtsverband eine Armutsquote von 21,3 Prozent aus — ein Wert, der auch in anderen Bundesländern immer wieder auftaucht. Details hierzu finden sich in der Dokumentation zu Altersarmut Niedersachsen: Grundsicherung steigt auf 133.900 Fälle.
Thüringen zeigt eine besonders angespannte demografische Lage: Dort stehen 660.944 Rentnern nur 828.931 Pflichtversicherte gegenüber. Die durchschnittliche Altersrente liegt 2025 bei 1.295 Euro für Männer und 1.221 Euro für Frauen. Die Grundsicherungszahlen im Freistaat stiegen zuletzt ebenfalls an. Eine Übersicht bietet der Artikel zu Altersarmut Thüringen: Rentendaten und Grundsicherung 2025.
Stadtstaaten und kleine Länder besonders betroffen
In den Stadtstaaten ist die Konzentration von Grundsicherungsempfängern besonders hoch. In Hamburg wurden 2025 52.640 Grundsicherungsfälle im Alter und bei Erwerbsminderung gezählt. Hamburger Rentnerinnen erhalten im Bestand durchschnittlich 1.046 Euro monatlich. Zum Vergleich: Im Saarland liegt die durchschnittliche Frauenrente im Bestand bei nur 839 Euro pro Monat — und das Verhältnis von Pflichtversicherten zu Rentnern beträgt dort lediglich 1,42, während der Bundesschnitt bei 1,74 liegt.
In Bremen bezogen 2025 insgesamt 19.080 Menschen Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung. Die Frauenrenten lagen beim Neuzugang 2025 im Schnitt 323 Euro unter den Männerrenten — ein markanter Gender Pension Gap. Ausführlich dokumentiert ist das in dem Bericht zu Altersarmut in Bremen: Grundsicherung steigt auf 19.080 Fälle. Für Schleswig-Holstein wurden 51.440 Grundsicherungsfälle im Alter ausgewiesen, bei einer durchschnittlichen Altersrente für Einzelrentnerinnen von 981 Euro. Die Bundesregierung erklärte dazu, dass sie keine bundeslandspezifischen Maßnahmen gegen Altersarmut plane — nachzulesen in der Auswertung zu Altersarmut in Schleswig-Holstein: 51.440 Grundsicherungsfälle.
Rentengefälle zwischen Männern und Frauen
Ein durchgängiges Muster in den Drucksachen ist das Rentengefälle zwischen den Geschlechtern. In Hessen etwa liegt die Armutsquote bei Frauen ab 65 Jahren bei 21,3 Prozent, bei Männern sind es 17,3 Prozent. Die durchschnittliche Rentenhöhe für Hessens Rentner beträgt 1.316 Euro Rentenzahlbetrag. Bundesweit über 764.000 Personen bezogen zuletzt Grundsicherung allein im Alter.
Einordnung: Anfragen, keine Beschlüsse
Bei den ausgewerteten Parlamentsdokumenten handelt es sich ausnahmslos um Kleine Anfragen an die Bundesregierung, eingereicht von Oppositionsfraktionen. Die Antworten der Bundesregierung liefern Datenmaterial, enthalten jedoch keine Ankündigungen konkreter Gegenmaßnahmen. Beschlüsse des Bundestages zur Änderung der Rentenpolitik oder zur gezielten Bekämpfung von Altersarmut gingen aus diesen Vorgängen nicht hervor. Die Drucksachen dienen damit primär der parlamentarischen Kontrolle und der öffentlichen Dokumentation eines anhaltenden sozialpolitischen Problems.

































































