- Im Saarland kommen nur 1,42 Pflichtversicherte auf jeden Rentner — Bund: 1,74
- Grundsicherungsempfänger im Alter bundesweit 2025: über 764.000 Personen
- Frauen-Altersrente im Saarland 2025 im Bestand: durchschnittlich nur 839 Euro/Monat
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7351 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Fraktion Die Linke hat eine Anfrage zur Altersarmut im Saarland gestellt, die eine Reihe gleichlautender Anfragen aus früheren Wahlperioden (BT-Drs. 20/12534 und 21/1421) fortsetzt. Das Saarland gilt als strukturschwaches Bundesland mit einer alternden Bevölkerung, einem überdurchschnittlichen Anteil ehemaliger Industriearbeiter und einer historisch hohen Teilzeitquote bei Frauen. Die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland sieht sich mit einem sich verschlechternden Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentenempfängern konfrontiert, was die Finanzierungsbasis langfristig belastet. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat die Antwort am 24. Juli 2026 übermittelt.
- 1,42 — Verhältnis Pflichtversicherte zu Rentnern im Saarland (31.12.2024); Bundesdurchschnitt: 1,74.
- 839 Euro/Monat — Durchschnittliche Altersrente im Rentenbestand für Frauen im Saarland (31.12.2025); Männer: 1.596 Euro.
- 19.685 — Empfänger von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung im Saarland (Ende 2025); 2016 waren es noch 15.543.
- 764.065 — Grundsicherungsempfänger ab Regelaltersgrenze bundesweit (Ende 2025); 2016: 525.595 — ein Anstieg von rund 45 Prozent.
- 21,3 % — Armutsquote von Frauen ab 65 Jahren laut Paritätischem Armutsbericht 2025 (Angabe der Fragesteller); bei Männern: 17,3 %.
Im Detail
Der beste Schutz gegen Altersarmut sind eine gute Ausbildung, durchgehende Erwerbsbiografien mit anständigen Löhnen und die Absicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung flankiert durch betriebliche Altersversorgung und private Zusatzvorsorge.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7351, Frage 22
Rund jede fünfte Person ab 65 Jahren ist in Deutschland von Altersarmut betroffen — bei Frauen liegt die Quote laut Paritätischem Armutsbericht 2025 sogar bei 21,3 Prozent. Im Saarland zeigen die von der Bundesregierung vorgelegten Daten eine besonders angespannte Lage: Das Verhältnis von Pflichtversicherten zu Rentnern beträgt dort nur 1,42 — der zweitschlechteste Wert unter allen Flächenländern und deutlich unter dem Bundesschnitt von 1,74.
Die Drucksache 21/7351 vom 27. Juli 2026 enthält die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Sarah Vollath, Dr. Michael Arndt und der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/7083). Mit 22 Fragen und umfangreichen Tabellenanhängen liefert die Antwort aktuelle Daten zu Rentenbeträgen, Grundsicherung, Wohngeld, Erwerbsbiografien und geringfügiger Beschäftigung — sowohl für das Saarland als auch im Bundesvergleich.
Altersarmut im Saarland: Niedrige Frauenrenten als Kernproblem
Besonders auffällig ist der Geschlechterunterschied bei den Altersrenten. Laut BT-Drs. 21/7351 betrug die durchschnittliche Altersrente im Rentenbestand für Frauen im Saarland zum 31. Dezember 2025 nur 839 Euro pro Monat — gegenüber 1.596 Euro bei Männern. Bundesweit liegt die Frauenrente bei 1.025 Euro, die Männerrente bei 1.531 Euro. Das Saarland schneidet damit für Frauen schlechter ab als fast alle anderen Bundesländer. Zehn Jahre zuvor, Ende 2015, betrug die Altersrente für Frauen im Saarland im Bestand noch 491 Euro — seither hat sie sich deutlich erhöht, der Abstand zu Männern aber bleibt erheblich.
Was gilt aktuell?
Ältere Menschen in Deutschland, die durch eigene Alterseinkommen ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können, haben Anspruch auf Grundsicherung im Alter nach dem 4. Kapitel SGB XII. Diese ergänzt vorhandene Renteneinkünfte auf das soziokulturelle Existenzminimum. Im Saarland bezogen Ende 2025 insgesamt 19.685 Personen diese Leistung — gegenüber 15.543 im Jahr 2016 ein Anstieg um 27 Prozent. Bundesweit stieg die Zahl der Grundsicherungsempfänger ab Regelaltersgrenze von 525.595 (2016) auf 764.065 (2025), also um rund 45 Prozent.
Im Saarland bezogen Ende 2024 rund 4,7 Prozent der Menschen ab Regelaltersgrenze Grundsicherung — der Bundesdurchschnitt lag bei 4,1 Prozent. Damit gehört das Saarland zu den Ländern mit überdurchschnittlicher Grundsicherungsquote im Alter, auch wenn es deutlich unter städtischen Ballungszentren wie Hamburg (10,5 %) oder Berlin (8,8 %) liegt.
Erwerbsminderungsrenten mit hohen Abschlagsquoten
Auch bei Erwerbsminderungsrenten zeigt die Drucksache eine anhaltend hohe Belastung: Im Saarland trugen 2025 rund 94,5 Prozent aller neu zugehenden Erwerbsminderungsrenten Abschläge, mit einem durchschnittlichen Abschlag von 122 Euro brutto monatlich. Das entspricht bundesweit vergleichbaren Werten — 2016 lag der Abschlag bundesweit noch bei 89 Euro, 2025 bei 129 Euro. Die Abschlags-quote ist zwar leicht gesunken (von 98,4 % im Jahr 2016 auf 95,2 % im Jahr 2025), der monatliche Betrag hat sich aber erheblich erhöht, weil die absoluten Rentenzahlbeträge gestiegen sind.
Rentner-Beschäftigung und geringfügige Arbeit
Im Saarland gehen 7,1 Prozent der Menschen ab 60 Jahren ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nach — 8,8 Prozent bei den unter der Regelaltersgrenze, 6,3 Prozent bei den Älteren. Bundesweit sind es 6,5 Prozent (7,5 % unter, 6,1 % über Regelaltersgrenze). Diese Zahlen deuten darauf hin, dass ein erheblicher Teil der Menschen im Rentenalter die Rente mit Minijobs aufstockt. Die Sozialversicherungsquote im Saarland für die Altersgruppe 60 bis 65 Jahre lag Mitte 2025 bei 47,0 Prozent — bundesweit waren es 53,7 Prozent.
Die Bundesregierung hält bundeslandspezifische Maßnahmen gegen Altersarmut für grundsätzlich nicht vorgesehen und verweist auf Grundsicherung, durchgehende Erwerbsbiografien und die allgemeine Rentenpolitik als zentralen Schutz. Auf die Frage nach einem überdurchschnittlichen Armutsrisiko im Saarland gab die Regierung an, zu regionalspezifischen Armutsrisikoquoten auf die Antworten zu den Fragen 12 und 13 zu verweisen, die wiederum auf externe Statistikportale verlinken. Die Fragesteller hatten ausdrücklich um vollständige Beantwortung ohne Querverweise gebeten — diese Bitte wurde damit nur teilweise erfüllt.
Für Leserinnen und Leser, die sich über die KfW-Klimastrategie oder Entwicklungszusammenarbeit informieren, lohnt auch ein Blick auf weitere Sozialthemen. Wer die Versorgungslage in anderen Bereichen vergleichen möchte, findet bei Kinder-Psychotherapie entsprechende parlamentarische Daten.
Weiterlesen:
- KI und Arbeitsmarkteinstieg: 9 Fragen an die Bundesregierung
- Kinder-Psychotherapie: 34 Fragen zur Versorgungslage 2026
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Betroffen sind vor allem ältere Menschen im Saarland, insbesondere Frauen ab 65 Jahren, deren Altersrenten laut den Daten deutlich unter denen der Männer liegen. Daneben sind Erwerbsminderungsrentner, geringfügig Beschäftigte und Menschen betroffen, die trotz langer Versicherungsbiografien niedrige Renten beziehen und auf Grundsicherung oder Wohngeld angewiesen sind.
Die Bundesregierung hat für mehrere Fragen (1, 2, 6) auf frühere Drucksachen verwiesen, anstatt alle Zeitreihendaten direkt zu liefern — obwohl die Fragestellerinnen ausdrücklich um vollständige Beantwortung ohne Querverweise gebeten hatten. Für länderspezifische Armutsgefährdungsquoten (Fragen 12/13) sowie Daten zur Schichtung des Alterssicherungssystems (Fragen 7, 15) wurden ebenfalls nur externe Quellen und Links genannt.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Altersarmut im Saarland: 21,3 % der Frauen ab 65 betroffen →
- Grundsicherung im Alter
- Eine steuerfinanzierte Sozialleistung nach dem 4. Kapitel SGB XII für Menschen ab Regelaltersgrenze, deren Renteneinkommen den Grundbedarf nicht deckt.
- Armutsrisikoquote (ARQ)
- Statistisches Maß, das den Anteil der Bevölkerung mit einem Nettoäquivalenzeinkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens misst. Es gibt keine Auskunft über individuelle Bedürftigkeit.
- Pflichtversicherte
- Beschäftigte, die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen müssen. Ihr Verhältnis zur Zahl der Rentner zeigt die demografische Belastung des Systems.
Wie hoch ist die Altersrente im Saarland für Frauen?
Im Rentenbestand zum 31. Dezember 2025 betrug die durchschnittliche Altersrente für Frauen im Saarland 839 Euro pro Monat. Männer erhielten im Schnitt 1.596 Euro.
Wie viele Menschen beziehen im Saarland Grundsicherung im Alter?
Ende 2025 bezogen im Saarland rund 19.685 Personen Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, davon 9.410 Männer und 10.280 Frauen.
Wie ist das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern im Saarland?
Im Saarland kommen laut den Daten zum 31. Dezember 2024 nur 1,42 Pflichtversicherte auf eine Rentnerin oder einen Rentner — das ist der zweitschlechteste Wert aller Flächenländer. Der Bundesschnitt liegt bei 1,74.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7351 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































