- 660.944 Rentnerinnen und Rentner leben in Thüringen bei nur 828.931 Pflichtversicherten
- Durchschnittliche Altersrente in Thüringen 2025: 1.295 Euro/Monat für Männer, 1.221 Euro für Frauen
- Grundsicherung im Alter in Thüringen stieg von 15.643 (2016) auf 20.140 Fälle (2025)
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7352 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Ostdeutschland ist strukturell stärker auf die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) angewiesen als Westdeutschland: Laut Alterssicherungsbericht 2024 (BT-Drs. 20/14086) entfallen in Ostdeutschland 79 Prozent aller Einkommen der über 65-Jährigen auf GRV-Leistungen, rund drei Viertel der Rentnerinnen und Rentner erhalten ausschließlich GRV-Leistungen. Die Fraktion Die Linke hatte mit der Kleinen Anfrage (BT-Drs. 21/7090) ein umfassendes Datenbild zur Altersarmut in Thüringen eingefordert. Vorherige Anfragen zur gleichen Thematik wurden unter BT-Drs. 20/12534 und 21/1421 beantwortet. Die aktuelle Antwort aktualisiert den Datenstand und liefert erstmals Zahlen für das Jahr 2025.
- 828.931 Pflichtversicherte / 660.944 Rentner in Thüringen (2024) — Verhältnis von nur 1,25 : 1, bundesweit 1,74 : 1.
- 1.295 Euro/Monat — durchschnittliche Altersrente (Zugangsjahr 2025) für Männer in Thüringen; 1.221 Euro für Frauen.
- 20.140 Grundsicherungsfälle in Thüringen Ende 2025, davon 11.065 Männer und 9.075 Frauen — Anstieg von 29 % seit 2016.
- 9.245 Personen in Thüringen bezogen 2025 Grundsicherung ab der Regelaltersgrenze — 2016 waren es noch 4.825.
- 5,3 % der über 60-Jährigen in Thüringen sind ausschließlich geringfügig beschäftigt (Stand 30.06.2025).
Im Detail
Bundeslandspezifische Maßnahmen gegen Altersarmut sind seitens der Bundesregierung grundsätzlich nicht vorgesehen.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7352, S. 7
In Thüringen kommen auf eine Rentnerin oder einen Rentner nur 1,25 Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) — bundesweit liegt dieses Verhältnis bei 1,74. Dieser strukturelle Unterschied macht deutlich, warum die Altersarmut in Ostdeutschland besonders aufmerksam beobachtet wird. Mit BT-Drs. 21/7352 vom 27. Juli 2026 hat die Bundesregierung 19 detaillierte Fragen der Fraktion Die Linke zur Altersarmut und Alterssicherung in Thüringen beantwortet.
Rentenzahlbeträge in Thüringen 2025
Im Rentenzugang des Jahres 2025 erhielten Männer in Thüringen eine durchschnittliche Altersrente von 1.295 Euro pro Monat, Frauen von 1.221 Euro. Im Rentenbestand zum 31. Dezember 2025 lagen die Durchschnittswerte etwas höher — bei 1.483 Euro für Männer und 1.290 Euro für Frauen. Zum Vergleich: Bundesweit betrug der Durchschnitt im Rentenbestand für Männer 1.531 Euro, für Frauen 1.025 Euro. Thüringen liegt bei den Frauenrenten damit deutlich über dem Bundesschnitt — ein Effekt der höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen in der DDR und der damit verbundenen längeren Beitragszeiten.
Besonders relevant ist die Frage, wie viele Rentnerinnen und Rentner trotz langer Versicherungszeiten wenig erhalten. Laut Drucksache hatten in Thüringen zum 31. Dezember 2025 insgesamt 88.441 Männer mit mindestens 40 Versicherungsjahren eine Nettorente unter 1.446 Euro sowie 142.746 Frauen in derselben Kategorie. Bei mindestens 45 Versicherungsjahren lagen die entsprechenden Zahlen bei 63.783 Männern und 71.709 Frauen unter dieser Grenze. Die Drucksache weist ausdrücklich darauf hin, dass niedrige Renten nicht automatisch auf ein niedriges Gesamteinkommen schließen lassen, da weitere Einkommensquellen und der Haushaltskontext unberücksichtigt bleiben.
Altersarmut Thüringen: Grundsicherung steigt kontinuierlich
Die Zahl der Grundsicherungsfälle im Alter und bei Erwerbsminderung in Thüringen ist von 15.643 im Jahr 2016 auf 20.140 im Jahr 2025 gestiegen — ein Anstieg von rund 29 Prozent innerhalb von neun Jahren. Männer stellten davon 11.065 Fälle, Frauen 9.075. Der Anteil der Grundsicherungsbeziehenden an der jeweiligen Bevölkerungsgruppe blieb in Thüringen mit 1,1 Prozent (2024) deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 1,8 Prozent — was teilweise auf die höheren Durchschnittsrenten ostdeutscher Frauen zurückzuführen ist.
Betrachtet man die Grundsicherung ausschließlich ab der Regelaltersgrenze, so zeigt sich ein stärkerer Anstieg: 2016 bezogen in Thüringen 4.825 Personen diese Leistung, 2025 waren es 9.245 — eine Verdoppelung. Bundesweit stieg die Zahl der Grundsicherungsempfängerinnen und -empfänger ab der Regelaltersgrenze von 525.595 (2016) auf 764.065 (2025).
Was gilt aktuell bei der Alterssicherung in Ostdeutschland?
Thüringen und die anderen ostdeutschen Bundesländer weisen strukturell niedrigere Verhältnisse von Beitragszahlenden zu Rentenempfangenden auf als der Bundeswesten. Das Verhältnis in Thüringen (1,25 : 1) liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 1,74 : 1 und weit unter Ländern wie Hamburg (2,40) oder Bayern (2,00). Da laut Alterssicherungsbericht 2024 etwa 79 Prozent aller Alterseinkommen in Ostdeutschland aus der gesetzlichen Rentenversicherung stammen, schlagen Veränderungen im Rentensystem hier unmittelbarer durch als im Westen. Rund drei Viertel der ostdeutschen Rentnerinnen und Rentner erhalten ausschließlich GRV-Leistungen, ohne nennenswerte betriebliche oder private Vorsorge.
Für die Fragen zu Armutsgefährdungsquoten (Fragen 12 und 13) verweist die Bundesregierung auf externe Statistikportale der amtlichen Statistik und erläutert, dass ein Zeitreihenvergleich aufgrund eines Methodenbruchs im Erhebungsjahr 2020 nur eingeschränkt möglich ist. Länderspezifische Daten zu Altersicherungsleistungen aus allen drei Schichten (gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge, private Vorsorge) liegen der Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht vor — für Frage 15 wird auf den Alterssicherungsbericht 2024 verwiesen.
Keine bundeslandspezifischen Maßnahmen geplant
Auf die Frage, ob die Bundesregierung ein überdurchschnittliches Armutsgefährdungsrisiko in Thüringen sehe und mit welchen Maßnahmen sie die Altersarmut dort reduzieren wolle, antwortet die Regierung: „Bundeslandspezifische Maßnahmen gegen Altersarmut sind seitens der Bundesregierung grundsätzlich nicht vorgesehen.“ Als allgemeinen Schutz verweist sie auf die Grundsicherung im Alter sowie auf gute Ausbildung, durchgehende Erwerbsbiografien und die gesetzliche Rentenversicherung. Ähnliche Datenlücken und Verweise auf Vordrucksachen zeigen sich auch in den Antworten zu geringfügiger Beschäftigung, Erwerbsminderungsrenten und Wohngeld — thematisch eng verknüpfte Bereiche, zu denen ähnliche Transparenzdebatten in anderen Politikfeldern geführt werden.
Die Daten zu geringfügig Beschäftigten in Thüringen (Stichtag 30. Juni 2025) zeigen, dass 5,3 Prozent der über 60-Jährigen ausschließlich geringfügig beschäftigt sind — ein Hinweis darauf, dass ein Teil der älteren Bevölkerung auch jenseits der Regelaltersgrenze auf Zuverdienst angewiesen ist. Der Anteil der Erwerbsminderungsrenten mit Abschlägen ist in Thüringen 2025 bei 96,0 Prozent aller neu zugehenden Erwerbsminderungsrenten, der durchschnittliche Abschlag beträgt 134 Euro pro Monat.
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Betroffen sind rund 663.000 Rentnerinnen und Rentner in Thüringen sowie alle zukünftigen Rentnerinnen und Rentner in Ostdeutschland, deren Alterssicherung weit stärker als in Westdeutschland von der gesetzlichen Rentenversicherung abhängt. Besonders Frauen sind gefährdet: Nach Angaben der Fragesteller (Paritätischer Armutsbericht 2026) liegt die Armutsquote von Frauen ab 65 Jahren bundesweit bei 21,3 Prozent, bei Männern bei 17,3 Prozent.
Für mehrere Fragen (u. a. Fragen 1, 2, 6, 15, 16) verweist die Bundesregierung teilweise auf frühere Drucksachen (20/12534 und 21/1421) statt vollständige Daten in der Antwort selbst zu liefern. Länderspezifische Daten zu Armutsgefährdungsquoten (Fragen 12/13) sowie zu Alterssicherungsleistungen aus allen drei Schichten (Frage 15) werden nur auf externe Statistikportale und frühere Berichte verwiesen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Altersarmut in Thüringen: 21,3 % der Frauen ab 65 betroffen →
- GRV (Gesetzliche Rentenversicherung)
- Das staatliche Pflichtversicherungssystem für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland, aus dem Alters-, Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten gezahlt werden.
- Grundsicherung im Alter
- Sozialleistung nach dem 4. Kapitel des SGB XII für Menschen ab der Regelaltersgrenze oder dauerhaft voll Erwerbsgeminderte, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten können.
- Armutsrisikoquote (ARQ)
- Statistische Kennzahl für den Anteil der Bevölkerung mit einem Nettoäquivalenzeinkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens — misst relative Einkommensarmut, nicht individuelle Bedürftigkeit.
Wie viele Menschen beziehen in Thüringen Grundsicherung im Alter?
Ende 2025 bezogen in Thüringen 20.140 Personen Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung — ein Anstieg von rund 29 Prozent gegenüber 15.643 Fällen im Jahr 2016.
Wie hoch ist die Altersrente im Durchschnitt in Thüringen?
Im Rentenzugang 2025 betrug die durchschnittliche Altersrente für Männer in Thüringen 1.295 Euro/Monat, für Frauen 1.221 Euro/Monat. Im Rentenbestand lagen die Werte bei 1.483 Euro (Männer) bzw. 1.290 Euro (Frauen).
Plant die Bundesregierung spezifische Maßnahmen gegen Altersarmut in Thüringen?
Nein. Die Bundesregierung erklärt, bundeslandspezifische Maßnahmen gegen Altersarmut seien grundsätzlich nicht vorgesehen. Als besten Schutz nennt sie gute Ausbildung, durchgehende Erwerbsbiografien und die gesetzliche Rentenversicherung.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7352 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































