- Über 60 rechtsextreme Kundgebungen im ersten Halbjahr 2026 registriert
- Freie Sachsen dominieren mit Dutzenden Aufmärschen in Sachsen
- Größte Einzelveranstaltung: 1.350 Teilnehmer in Dresden am 14. Februar
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7264 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Fraktion Die Linke hat mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7077 regelmäßig Daten zu rechtsextremen Aufmärschen abgefragt — eine seit mehreren Wahlperioden wiederkehrende parlamentarische Praxis. Das Bundesministerium des Innern übermittelte die Antwort am 21. Juli 2026. Erfasst werden laut Bundesregierung nur Veranstaltungen mit überregionaler oder nennenswerter Teilnehmermobilisierung; Informationsstände und lokale Kleinstveranstaltungen ohne überregionalen Bezug bleiben unberücksichtigt.
- Über 60 Kundgebungen — rechtsextreme Veranstaltungen mit überregionaler Mobilisierung im ersten Halbjahr 2026 laut Bundesregierung
- 1.350 Teilnehmer — Größte Einzelveranstaltung: Neonazi-Aufmarsch in Dresden am 14. Februar 2026
- 400 Teilnehmer — Freie-Sachsen-Veranstaltung in Aue-Bad Schlema am 1. Mai 2026
- 300 Teilnehmer — HEIMAT-Veranstaltung in Demmin (MV) am 8. Mai 2026 zum Jahrestag des Kriegsendes
- Sachsen dominiert — weit über die Hälfte aller erfassten Veranstaltungen fanden in Sachsen statt, mehrheitlich organisiert von den Freien Sachsen
Im Detail
Der Bundesregierung sind im ersten Halbjahr 2026 die in der Anlage tabellarisch aufgelisteten, von Rechtsextremisten durchgeführten oder von Rechtsextremisten dominierten Kundgebungen bekannt geworden.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7264, S. 2
Rechtsextreme Gruppen haben im ersten Halbjahr 2026 bundesweit mehr als 60 öffentliche Kundgebungen durchgeführt. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor (BT-Drs. 21/7264, Antwort vom 21. Juli 2026). Die beigefügte Tabelle des Bundesministeriums des Innern listet Datum, Ort, Veranstalter, organisatorische Zuordnung, Motto und Teilnehmerzahl für jede erfasste Veranstaltung auf.
Rechtsextreme Aufmärsche: Sachsen als Zentrum
Sachsen ist das mit Abstand aktivste Bundesland. Allein die Freien Sachsen — eine 2021 gegründete, vom Verfassungsschutz beobachtete rechtsextreme Partei — veranstalteten in Zwickau, Chemnitz, Dresden und weiteren sächsischen Städten Dutzende Aufmärsche. Häufig wiederkehrende Motive waren die Montagsproteste in Chemnitz unter dem Motto „Für Frieden, Freiheit und Souveränität“ sowie die Veranstaltungsreihe „Zwickau Stadt des Friedens“, die fast wöchentlich mit 20 bis 40 Teilnehmern stattfand.
Die größte Einzelveranstaltung im Erfassungszeitraum fand am 14. Februar 2026 in Dresden statt: Rund 1.350 Teilnehmer nahmen an einem neonazistischen Aufmarsch unter dem Motto „Im Schmerz vereint — Kein Opfer ist vergessen“ teil. Dieser jährlich wiederkehrende Aufmarsch zum Gedenken an die Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg gehört seit Jahren zu den größten Neonazi-Veranstaltungen in Deutschland.
Weitere aktive Gruppen: HEIMAT, Der III. Weg, Neonazi-Kameradschaften
Neben den Freien Sachsen traten weitere Organisationen in mehreren Bundesländern in Erscheinung. Die Partei HEIMAT (ehemals NPD) organisierte unter anderem am 1. Mai 2026 in Essen eine Veranstaltung mit rund 250 Teilnehmern sowie am 8. Mai 2026 in Demmin (Mecklenburg-Vorpommern) eine Veranstaltung mit rund 300 Teilnehmern zum Jahrestag des Kriegsendes. Die Partei Der III. Weg mobilisierte am 1. Mai 2026 gleichzeitig in Zeitz (Sachsen-Anhalt, ca. 90 Teilnehmer) und Gera (Thüringen, ca. 200 Teilnehmer) — beide unter dem Motto „Unsere Alternative heißt Revolution“.
Mehrere Veranstaltungen wurden dem Neonazismus zugeordnet, ohne dass konkrete Parteistrukturen als Veranstalter genannt werden. Darunter befanden sich auch Aufmärsche mit Bezug auf historische Bombardierungen — etwa in Pforzheim und Zweibrücken — sowie ein Berliner Aufmarsch am 14. März 2026 unter dem Motto „Freiheit für alle politischen Gefangenen“ mit rund 120 Teilnehmern.
Aufmärsche gegen CSD-Veranstaltungen und Minderheiten
Im Mai und Juni 2026 häuften sich rechtsextreme Gegenveranstaltungen zu CSD-Umzügen (Christopher Street Day). In Parchim (MV) mobilisierte die Gruppe Sturm Nord am 16. Mai mit 40 Teilnehmern unter dem Motto „Gegen den CSD — Es gibt nur zwei Geschlechter“. In Frankfurt (Oder) und Eberswalde (BB) veranstalteten die Jägertruppe sowie weitere Neonazi-Gruppen Aufmärsche mit jeweils rund 50 Teilnehmern. Auch in Saarbrücken richtete sich eine Kundgebung mit 40 Teilnehmern explizit gegen den CSD. Ein weiterer Aufmarsch in Sachsen richtete sich gegen eine Geflüchtetenunterkunft in Hartha.
Einschränkungen der Datenerhebung
Die Bundesregierung weist ausdrücklich darauf hin, dass die Tabelle nur Veranstaltungen mit überregionaler oder nennenswerter Teilnehmermobilisierung umfasst. Informationsstände, Flugblattverteilaktionen und lokale Kleinstveranstaltungen ohne überregionalen Bezug sind nicht enthalten. Die tatsächliche Zahl rechtsextremer öffentlicher Auftritte liegt damit nach Einschätzung der Bundesregierung höher. Zudem kann laut Drucksache die Anzahl der tatsächlich rechtsextremen Teilnehmer von der Gesamtteilnehmerzahl abweichen, da an manchen Veranstaltungen auch Personen ohne nachgewiesene Zugehörigkeit zu rechtsextremen Strukturen teilnahmen.
Zu den Fragen nach Straftaten bei Aufmärschen (Frage 7) und etwaigen Nachmeldungen für das zweite Halbjahr 2025 (Frage 8) verweist die Bundesregierung auf eine frühere Antwort aus der 16. Wahlperiode (BT-Drs. 16/9268) und gibt keine neuen inhaltlichen Angaben.
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Betroffen sind vor allem Bewohnerinnen und Bewohner der Städte, in denen Aufmärsche stattfinden — insbesondere in Sachsen (Zwickau, Chemnitz, Dresden), im Saarland (Saarbrücken) und in Nordrhein-Westfalen (Essen). Mehrere Aufmärsche richteten sich gezielt gegen CSD-Veranstaltungen und damit gegen LGBTQ+-Personen sowie gegen Geflüchtete und Minderheiten.
Zu den Fragen 7 und 8 (Straftaten bei Aufmärschen und Nachmeldungen für das zweite Halbjahr 2025) verweist die Bundesregierung lediglich auf eine frühere Antwort aus der 16. Wahlperiode (BT-Drs. 16/9268), ohne inhaltlich neue Angaben zu machen. Die Kernanfrage zu Veranstaltungsdaten wird durch die beigefügte Tabelle vollständig beantwortet.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Rechtsextreme Aufmärsche: Linke fragt nach Zahlen im Halbjahr 2026 →
- Freie Sachsen
- Eine 2021 gegründete rechtsextreme Partei in Sachsen, die vom sächsischen Verfassungsschutz beobachtet wird und vor allem durch regelmäßige Kundgebungen und Montagsproteste auffällt.
- Der III. Weg
- Eine seit 2013 bestehende neonazistische Kleinpartei, die in mehreren Bundesländern aktiv ist und vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird.
- HEIMAT (ehem. NPD)
- Die frühere Nationaldemokratische Partei Deutschlands hat sich 2023 in 'Die Heimat' umbenannt. Sie gilt als rechtsextrem und wird vom Verfassungsschutz beobachtet.
Welche Gruppe ist 2026 am aktivsten aufgetreten?
Die Freien Sachsen veranstalteten laut der Tabelle der Bundesregierung mit Abstand die meisten Aufmärsche, überwiegend in Sachsen unter Mottos wie 'Zwickau Stadt des Friedens' und Montagsprotesten in Chemnitz.
Wie groß war die größte rechtsextreme Kundgebung im ersten Halbjahr 2026?
Die größte Veranstaltung fand am 14. Februar 2026 in Dresden statt, mit rund 1.350 Teilnehmern unter dem Motto 'Im Schmerz vereint — Kein Opfer ist vergessen'. Sie wird dem Neonazismus zugeordnet.
Welche Bundesländer sind besonders betroffen?
Sachsen ist mit deutlichem Abstand das aktivste Bundesland. Weitere häufig genannte Länder sind das Saarland, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7264 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































