- GTAI vermittelte 104 Investitionsprojekte mit 5,8 Mrd. Euro Volumen
- Potenziell knapp 3.500 neue Arbeitsplätze durch Ansiedlungen
- Blessing nimmt Aufsichtsratsposten ohne Vergütung wahr
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7491 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Bundeskanzler Friedrich Merz ernannte den früheren Commerzbank-Chef Martin Blessing am 22. September 2025 zum Persönlichen Beauftragten für Investitionen. Blessing übernahm anschließend im Dezember 2025 den Aufsichtsratsvorsitz der Germany Trade and Invest (GTAI), der zentralen Bundesagentur für Außenwirtschaft und Standortmarketing. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal 2026 laut Destatis gegenüber dem Vorquartal nur um 0,3 Prozent. Vor diesem Hintergrund fragte die AfD-Fraktion nach Leistungsnachweisen und konkreten Investitionsergebnissen der GTAI sowie nach Terminen, Vergütung und Reisekosten von Blessing.
- 104 Projekte — Die GTAI übergab vom 1. Oktober 2025 bis 24. Juli 2026 insgesamt 104 Investitionsvorhaben an die Bundesländer.
- 5,8 Mrd. Euro — Potenzielles Investitionsvolumen bei vollständiger Umsetzung der übergebenen Projekte.
- knapp 3.500 Arbeitsplätze — Überschlägig erwartete Jobschaffung durch die Ansiedlungen in den 16 Bundesländern.
- 43 Mio. Euro jährlich — Erwartetes Steueraufkommen (Einkommensteuer 30 Mio. + Körperschaftsteuer 13 Mio.) aus den vermittelten Projekten.
- 8 von 10 KPIs — Die GTAI hat Ende 2025 acht von zehn Leistungszielen vollständig erreicht oder übertroffen.
Im Detail
Bei (vollständiger) Umsetzung der Ansiedlungen in den jeweiligen Ländern, an welche die Projekte im fraglichen Zeitraum übergeben wurden, würde dies überschlägig bedeuten: Schaffung von knapp 3 500 Arbeitsplätzen, Investitionen in Höhe von 5,8 Mrd. Euro.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7491, Frage 3
Deutschland kämpft um ausländisches Kapital: Die staatliche Investitionsagentur Germany Trade and Invest (GTAI) hat vom 1. Oktober 2025 bis zum 24. Juli 2026 insgesamt 104 Investitionsprojekte mit einem potenziellen Gesamtvolumen von 5,8 Milliarden Euro an die 16 Bundesländer weitergeleitet. Bei vollständiger Umsetzung würden daraus knapp 3.500 neue Arbeitsplätze entstehen sowie jährliche Steuereinnahmen von rund 43 Millionen Euro. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor (BT-Drs. 21/7491, übermittelt am 4. August 2026).
GTAI-Investitionsbeauftragter: Rolle und Ergebnisse
Im Zentrum der Anfrage steht die Figur Martin Blessing, den Bundeskanzler Friedrich Merz im September 2025 zum Persönlichen Beauftragten für Investitionen ernannte. Blessing übernahm im Dezember 2025 den Aufsichtsratsvorsitz der GTAI und nimmt seitdem eine Doppelrolle ein: Er repräsentiert den Investitionsstandort Deutschland nach außen und soll Finanzinvestoren ansprechen, während die GTAI selbst vorwiegend sogenannte Greenfield-Investitionen betreut — also Projekte, bei denen ausländische Unternehmen neue Standorte in Deutschland von Grund auf aufbauen. Laut Bundesregierung nahm Blessing von Oktober 2025 bis Juni 2026 über 300 Termine im In- und Ausland wahr.
Eine detaillierte Auflistung dieser Termine nach Datum, Gesprächspartnern und Ergebnissen lehnt die Bundesregierung ab. Es bestehe keine gesetzliche Verpflichtung zur Erfassung einzelner Kontakte, auch keine für Telefonate oder elektronische Kommunikation. Für seine Tätigkeit erhält Blessing keine Vergütung; Reisekosten werden nach den für Bundesbedienstete geltenden Regelungen erstattet, eine genaue Aufschlüsselung verweigert die Regierung jedoch mit Datenschutzgründen.
GTAI-Leistungsziele: 8 von 10 erreicht
Die GTAI steuert ihre Arbeit über zehn Key Performance Indikatoren (KPIs), die jährlich mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie vereinbart werden. Zum Jahresende 2025 hat die Agentur acht dieser zehn Ziele vollständig erreicht oder übertroffen. Lediglich KPI 7 — die Kundenzufriedenheit ausländischer Unternehmen mit dem Informationsangebot — war mangels statistisch belastbarer Datenbasis nicht ermittelbar. Etwa zehn Prozent aller Greenfield-Investitionen in Deutschland kommen laut Bundesregierung über die GTAI ins Land.
Die 104 vermittelten Projekte konzentrieren sich thematisch auf die Energieversorgung, die Herstellung chemischer Erzeugnisse und Kraftfahrzeugteile sowie die Abfallwirtschaft. Nach der Übergabe an die Länder liegen Umsetzung und konkrete Ansiedlungsentscheidung bei den jeweiligen Wirtschaftsfördergesellschaften der 16 Bundesländer, mit denen die GTAI eng zusammenarbeitet.
Standortpolitik: Steuern, Energie, Bürokratie
Als zentrale Hemmnisse für Investitionen in Deutschland nennt die Bundesregierung hohe Regulierungsdichte, demografisch bedingtes Arbeitskräftemangel, hohe Energiekosten sowie eine hohe Steuer- und Abgabenbelastung. Dagegen setzt sie ein Maßnahmenpaket: In dieser Legislaturperiode hat die Regierung die Stromsteuer für produzierende Unternehmen auf den EU-Mindestsatz gesenkt, Netzentgelte durch Zuschüsse reduziert und die Gasspeicherumlage abgeschafft. Für energieintensive Industrien ist zudem ein Industriestrompreis geplant.
Steuerlich kündigt die Bundesregierung an, die Unternehmenssteuer von 15 auf 10 Prozent zu senken sowie zum 1. Januar 2027 kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. Beim Bürokratieabbau plant ein geplantes Berichtsentlastungsgesetz, mindestens ein Viertel aller Dokumentationspflichten innerhalb von zwölf Monaten — bis Sommer 2027 — abzuschaffen. Neue Berichtspflichten sollen künftig grundsätzlich vermieden werden. Die Startup-Gründungen stiegen nach Angaben der Bundesregierung zuletzt um 29 Prozent im Jahresvergleich. Als besondere Attraktivität verweist die Regierung auch auf das 500-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie auf eine Verteidigungsausgaben-Trajektorie von rund 600 Milliarden Euro bis 2029.
Der Bericht illustriert, mit welchen Mitteln Deutschland versucht, den Investitionsstandort im internationalen Wettbewerb zu stärken — ein Thema, das auch für die Rohstoffpolitik des Bundes und den Klimatransformationsfonds mit seinen 34,8 Milliarden Euro Klimaschutzausgaben unmittelbar relevant ist. Auch die Energiekostenfrage in der Landwirtschaft und die Infrastrukturfinanzierung berühren die Rahmenbedingungen für Investitionen in Deutschland.
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Unmittelbar betroffen sind Unternehmen, die über die GTAI als Investitionsstandort Deutschland angesprochen werden, sowie die 16 Bundesländer, die Investitionsprojekte von der GTAI übernehmen. Mittelbar betrifft dies Arbeitnehmer in potenziell neu entstehenden Stellen sowie Steuerzahler, die die Bundesagentur finanzieren.
Zu Fragen über Reisekosten und Terminlisten von Martin Blessing verweist die Bundesregierung auf Datenschutzgründe und fehlende Dokumentationspflichten; eine detaillierte Auflistung bleibt aus. Die inhaltlichen Fragen zu Leistungskennzahlen, Investitionsvolumen und Standortmaßnahmen werden hingegen vollständig beantwortet.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Investitionsstandort Deutschland: 13 Fragen zu GTAI und Blessing →
- Greenfield-Investition
- Investition eines ausländischen Unternehmens in einen völlig neuen Standort, bei dem Fabrik, Büro oder Anlage von Grund auf neu errichtet werden — im Gegensatz zu Übernahmen bestehender Betriebe.
- KPI (Key Performance Indicator)
- Messbare Kennzahl, anhand derer der Erfolg einer Organisation oder Maßnahme bewertet wird. Die GTAI steuert ihre Arbeit über zehn solcher Indikatoren.
- Contracts for Difference
- Fördermechanismus für erneuerbare Energien, bei dem Betreiber bei niedrigem Marktpreis eine Zuzahlung erhalten und bei hohem Preis die Differenz zurückzahlen — soll Kosten für den Bundeshaushalt stabilisieren.
Was macht die GTAI konkret?
Die Germany Trade and Invest unterstützt deutsche Unternehmen bei der Erschließung ausländischer Märkte, berät ausländische Investoren bei der Ansiedlung in Deutschland und vermarktet den Wirtschaftsstandort Deutschland im Ausland.
Erhält Martin Blessing eine Vergütung für seine Tätigkeit?
Nein. Aufsichtsratsmitglieder der GTAI haben keinen Vergütungsanspruch; auch der Vorsitzende Blessing erhält keine Vergütung. Die Nichtgewährung wird laut Bundesregierung veröffentlicht.
Wie viele GTAI-Ziele wurden 2025 erreicht?
Acht von zehn Key Performance Indikatoren (KPIs) wurden zum Jahresende 2025 vollständig erreicht oder übertroffen. Einer war nicht ermittelbar.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7491 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































