- 90 Forschungsprojekte mit 24,2 Mio. Euro seit 2020 gefördert
- 206.600 Wohnungen fertiggestellt — Ziel von 400.000 weit verfehlt
- Deutschland hat mit 47,2 Prozent niedrigste Wohneigentumsquote in der EU
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7792 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Deutschland verfehlt seit Jahren sein Wohnungsbauziel: 2025 wurden nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt, obwohl das politische Ziel bei 400.000 lag. Gleichzeitig stiegen die Neubaupreise im Februar 2026 gegenüber dem Vorjahr um 3,3 Prozent. Zum Jahresende 2025 warteten 760.700 bereits genehmigte Wohnungen noch auf ihre Fertigstellung, während sich die durchschnittliche Dauer zwischen Genehmigung und Fertigstellung seit 2020 von 20 auf 27 Monate verlängert hat. Die Bundesregierung hat im Juni 2026 einen Aktionsplan zur Baukostensenkung vorgelegt und setzt dabei auf ein Bündel aus Technologie, Förderung und Regulierungsreform.
- 206.600 — Im Jahr 2025 fertiggestellte Wohnungen in Deutschland (Ziel: 400.000).
- 24,2 Mio. Euro — Bundesmittel für 90 Forschungsprojekte zu innovativen Bauweisen seit 2020 (Programm Zukunft Bau).
- 77,9 Mio. Euro — Gesamtförderung für 320 einschlägige Bauforschungsprojekte seit 2020.
- 203,9 Mio. Euro — Beantragtes Fördervolumen für 621 nicht bewilligte Anträge zu innovativen Bauweisen seit 2020.
- 27 Monate — Durchschnittliche Dauer zwischen Baugenehmigung und Fertigstellung 2025 (2020: 20 Monate).
Im Detail
Die Senkung der Baukosten ist der Bundesregierung ein zentrales Anliegen. Sie unterstützt daher die Entwicklung und Erprobung von innovativen Bauweisen und Baustoffen mit dem Ziel, Bauprozesse effizienter, schneller und kostengünstiger zu gestalten.
— Vorbemerkung der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7792
Wer in Deutschland eine Wohnung kaufen oder bauen möchte, trifft auf steigende Kosten und lange Wartezeiten: Laut Statistischem Bundesamt stieg der Preis für neu gebaute Wohngebäude im Februar 2026 gegenüber dem Vorjahr um 3,3 Prozent. Gleichzeitig wurden 2025 lediglich 206.600 Wohnungen fertiggestellt — weit unter dem politischen Ziel von 400.000 Einheiten jährlich. Die Bundesregierung hat nun auf zwölf Fragen der AfD-Fraktion geantwortet, wie sie mit seriellem Bauen, Roboterfertigung und neuen Materialien gegensteuern will (BT-Drs. 21/7792, Antwort vom 28. August 2026).
Serielles Bauen: Förderung und Forschung seit 2020
Im Mittelpunkt der Antwort stehen konkrete Zahlen zur Bundesförderung: Seit 2020 hat der Bund im Rahmen des Innovationsprogramms Zukunft Bau insgesamt 90 Forschungsprojekte zu seriellen, modularen und vergleichbaren innovativen Bauweisen mit rund 24,2 Mio. Euro gefördert. Auf alle einschlägigen Themenfelder — von Holzbau über Digitalisierung bis zur industriellen Vorfertigung — entfielen 320 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 77,9 Mio. Euro. Die Mittel verteilen sich unter anderem auf 102 Holzbauprojekte, 199 Projekte zur Baukostensenkung, 141 zur Automatisierung und 62 zur robotergestützten Fertigung.
Gleichzeitig wurden 621 Förderanträge zu innovativen Bauweisen abgelehnt oder nicht empfohlen — mit einem beantragten Volumen von rund 203,9 Mio. Euro. Darunter befanden sich allein 320 Anträge zur robotergestützten Fertigung und 271 zu seriellen bzw. modularen Bauweisen. Die Bundesregierung begründet die Ablehnungen mit formalen Ausschlussgründen oder dem wettbewerblichen Auswahlverfahren, nennt jedoch keine detaillierten Ablehnungsgründe je Projekt.
Ultrahochfester Beton: Zu teuer für die Praxis
Zu den Hindernissen beim Einsatz von Hochleistungswerkstoffen im Wohnungsbau gibt die Bundesregierung eine klare Einschätzung: Ultrahochfester Beton kostet fünf- bis zwanzigmal so viel wie Normalbeton. Im mehrgeschossigen Wohnungsbau findet er deshalb kaum Anwendung, abgesehen von einzelnen Leuchtturmprojekten. Normativ ist er derzeit nicht geregelt; seine Verwendung erfordert eine bauaufsichtliche Zulassung im Einzelfall oder eine allgemeine Zulassung. Haftungsrechtliche Hindernisse seien hingegen nicht bekannt, erklärt die Bundesregierung.
Aktionsplan und Gebäudetyp E
Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hat am 19. Juni 2026 einen Aktionsplan zur Baukostensenkung vorgelegt. Drei zentrale Hebel nennt die Regierung darin: Technologie und Innovation, gezielte Förderanreize sowie Koordination und Regulierungsvereinfachung — etwa durch eine gemeinsame Plattform von Bund und Ländern für kostenreduziertes Bauen. Ergänzt wird dies durch das noch geplante Gebäudetyp-E-Gesetz, das Bauherren und Planern ermöglichen soll, rechtssicher von nicht zwingenden DIN-Normen abzuweichen. Wie viele Projekte den Gebäudetyp E bereits genutzt haben, konnte die Bundesregierung nicht beantworten — das Gesetz befindet sich noch im Gesetzgebungsverfahren.
Wohneigentumsquote: Schlusslicht in der EU
Besonders aufschlussreich sind die Daten zur Wohneigentumsquote: Nach Eurostat-Zahlen aus dem Jahr 2024 lebten in Deutschland nur 47,2 Prozent der Bevölkerung in selbstgenutztem Wohneigentum — rund 52,8 Prozent zur Miete. Im EU-Durchschnitt beträgt die Eigentumsquote dagegen 68,4 Prozent. Deutschland weist damit den höchsten Mieteranteil innerhalb der gesamten Europäischen Union auf. Für Haushalte mit mittleren Einkommen setzt der Bund neben Baukostensenkungen auf Programme wie „Wohneigentum für Familien“ und „Jung kauft Alt“ sowie auf die seit 2021 ausgeweitete Wohnungsbauprämie und eine zum 1. Januar 2024 deutlich angehobene Arbeitnehmer-Sparzulage.
Die Bauzeit ist ebenfalls ein wachsendes Problem: Die durchschnittliche Dauer zwischen Genehmigung und Fertigstellung einer Neubauwohnung verlängerte sich laut Statistischem Bundesamt von 20 Monaten im Jahr 2020 auf 27 Monate im Jahr 2025. Zum Jahresende 2025 warteten zudem 760.700 bereits genehmigte Wohnungen noch auf ihre Fertigstellung. Die Bundesregierung setzt auf das sogenannte „Bau-Turbo“-Gesetz sowie das Baugesetzbuch-Upgrade (Kabinettbeschluss 27. Mai 2026), um Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Mehr zur staatlichen Subventionspraxis im Baubereich bietet der Subventionsbericht des Bundes.
Weiterlesen:
- Klimafinanzierung: 6,11 Mrd. Euro aus Bundeshaushalt 2024
- Bundestag 12.09.2026: Die wichtigsten Drucksachen
Betroffen sind vor allem Haushalte mit mittleren Einkommen, die Wohneigentum bilden oder bezahlbaren Mietraum suchen. Mit einer Wohneigentumsquote von nur 47,2 Prozent — dem niedrigsten Wert in der EU gegenüber einem EU-Schnitt von 68,4 Prozent — ist der Zugang zu Wohneigentum in Deutschland besonders schwierig. Auch Bauunternehmen und Wohnungswirtschaft sind betroffen, da hohe Baukosten Investitionen hemmen.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen inhaltlich und mit konkreten Zahlen. Bei Frage 5 zu Förderkriterien verweist sie auf ein externes Merkblatt der KfW, statt die Kriterien direkt zu benennen. Bei Frage 7 zum Gebäudetyp E fehlen konkrete Anwendungsfallzahlen; die Regierung erklärt, das Gesetz sei noch in Planung.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Wohnbaukosten: Serielles Bauen im parlamentarischen Fokus →
- Serielles Bauen
- Bauweise, bei der Gebäude oder Gebäudeteile standardisiert und in hoher Stückzahl industriell vorgefertigt werden, um Kosten und Bauzeit zu senken.
- Gebäudetyp E
- Geplantes Gesetzeskonzept, das Abweichungen von nicht zwingenden DIN-Normen erleichtert, um kostengünstiges und innovatives Bauen zu ermöglichen.
- Zukunft Bau
- Innovationsprogramm des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen zur Förderung von Forschung und Entwicklung im Bauwesen.
Wie viele Wohnungen wurden 2025 fertiggestellt?
Laut Statistischem Bundesamt wurden 2025 in Deutschland 206.600 Wohnungen fertiggestellt — deutlich weniger als das politisch angestrebte Ziel von 400.000 jährlich.
Wie viel Geld fließt in Bauforschung zu neuen Baumethoden?
Seit 2020 förderte der Bund im Programm Zukunft Bau 90 Projekte zu seriellen und verwandten Bauweisen mit insgesamt rund 24,2 Mio. Euro; für alle einschlägigen Themen zusammen waren es 320 Projekte mit 77,9 Mio. Euro.
Wie hoch ist die Wohneigentumsquote in Deutschland?
Nach Eurostat-Daten aus dem Jahr 2024 lebten rund 47,2 Prozent der Deutschen in selbstgenutztem Wohneigentum — damit weist Deutschland den höchsten Mieteranteil in der gesamten EU auf.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7792 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































