- 36 bis 42 Mrd. Euro Schaden durch Hitzesommer 2026
- Kein nationaler Hitzeschutzplan trotz wachsender Klimafolgen
- 30 Fragen zu Infrastruktur, Gesundheit und Wasserversorgung
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7915 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Sommer 2026 entwickelte sich nach Darstellung der Fragesteller zum bisher schwersten Hitzesommer in Deutschland. Bereits in Oberbayern musste Trinkwasser per Tanklaster geliefert werden. Straßenbeläge verformten sich, Gleise verwerften sich, und die Binnenschifffahrt war durch Niedrigwasser eingeschränkt. Die Bundesregierung hat laut der Drucksache einen nationalen Hitzeschutzplan angekündigt, dieser liegt jedoch noch nicht vor. Einzelne Bundesländer und Kommunen haben eigene Hitzeaktionspläne entwickelt, eine bundesweit verbindliche und ausreichend finanzierte Strategie fehlt nach Einschätzung der Fragesteller bislang.
- 36–42 Mrd. Euro — Volkswirtschaftliche Gesamtschäden des Hitzesommers 2026 laut Greenpeace-Analyse (zitiert in der Vorbemerkung).
- 431 Mio. Euro — Volkswirtschaftlicher Schaden pro Hitzetag laut in der Drucksache verlinkter Quelle.
- 30 Fragen — Umfang der Kleinen Anfrage zu Gesundheit, Infrastruktur, Wirtschaft, Wasser und Klimaanpassung.
- 2000–2026 — Gefragter Zeitraum für die Entwicklung der Hitzetage nach Jahren, Bundesländern und Landkreisen.
- über 300 Maßnahmen — Zahl, die der Bundeskanzler laut Anfrage im ARD-Sommerinterview vom 30. August 2026 nannte; die Grünen fordern eine vollständige Auflistung.
Im Detail
Eine Greenpeace-Analyse beziffert die volkswirtschaftlichen Schäden auf des Hitzesommers 2026 auf 36 bis 42 Mrd. Euro.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7915
Der Hitzesommer 2026 hat Deutschland nach einer in der Drucksache zitierten Greenpeace-Analyse 36 bis 42 Milliarden Euro an volkswirtschaftlichen Schäden gekostet. Gleichzeitig fehlt nach Einschätzung der Fragesteller ein verbindlicher, ausreichend finanzierter nationaler Hitzeschutzplan. Vor diesem Hintergrund hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen am 8. September 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7915 mit 30 Einzelfragen an die Bundesregierung gerichtet.
Hitzeschutz: Was gilt aktuell?
Ein nationaler Hitzeschutzplan existiert in Deutschland bislang nicht in verbindlicher und vollständig finanzierter Form. Die Bundesregierung hat laut der Drucksache die Erarbeitung eines solchen Plans angekündigt, ohne dass ein konkreter Zeitplan oder ein Haushaltansatz öffentlich bekannt ist. Einzelne Bundesländer und Kommunen haben eigene Hitzeaktionspläne entwickelt. Wie viele Landkreise und kreisfreie Städte tatsächlich über verbindlich implementierte und ausfinanzierte Hitzeaktionspläne verfügen, ist eine der zentralen Fragen der Anfrage.
Volkswirtschaftliche Schäden des Hitzesommers 2026
Laut der in der Anfrage verlinkten Greenpeace-Analyse belaufen sich die Schäden des Hitzesommers 2026 auf 36 bis 42 Milliarden Euro. Ein einzelner Hitzetag verursacht demnach volkswirtschaftliche Kosten in dreistelliger Millionenhöhe — eine in der Drucksache verlinkte Quelle nennt konkret 431 Millionen Euro pro Tag. Die Fraktion fragt, ob die Bundesregierung eigene Schätzungen vorgenommen hat und wie sie das Ziel finanzieller Entlastung von Unternehmen und Sozialkassen mit diesen Schadensgrößen vereinbart.
Die Anfrage listet eine Vielzahl betroffener Bereiche: Straßenbeläge und Gleise verformen sich bei Extremhitze, Stromnetze werden überlastet, Brücken und Betonbauwerke leiden unter thermischer Belastung. Die Binnenschifffahrt ist durch Niedrigwasser beeinträchtigt, die Kühlwasserversorgung von Kraftwerken wird eingeschränkt. In Oberbayern musste Trinkwasser bereits per Tanklaster geliefert werden. Die Grünen fragen, in wie vielen Kommunen es in den Sommern 2020 bis 2026 zu Einschränkungen oder Verboten der Trinkwassernutzung kam.
Gesundheit und Arbeitsschutz im Fokus
Besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen stehen im Mittelpunkt mehrerer Fragen: ältere Menschen, chronisch Kranke, Pflegebedürftige, Obdachlose, Schwangere, Säuglinge sowie Menschen, die im Freien oder unter schlechten Bedingungen arbeiten. Konkret erkundigt sich die Anfrage nach der Zahl meldepflichtiger Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten im Zusammenhang mit Hitze und UV-Exposition — etwa Hitzschlag, Dehydration oder weißem Hautkrebs — aufgeschlüsselt nach Branchen und Bundesländern für die Jahre 2020 bis 2026. Außerdem fragt die Fraktion, ob die Bundesregierung neue Arbeitsschutzmaßnahmen bei hohen Temperaturen plant.
Auch die wirtschaftlichen Folgen von Hitzefrei-Regelungen in Schulen und Kitas werden thematisiert: Eltern, die kurzfristig die Betreuung übernehmen mussten, verursachen laut Anfrage erhebliche Produktivitätsausfälle, für die es bisher kein bundesweites Monitoring gibt. Die Grünen fragen, warum die Bundesregierung auf ein solches Monitoring verzichtet und ob sie plant, es einzuführen. Thematisch verwandte Fragen zur Klimafinanzierung aus dem Bundeshaushalt zeigen, dass das Thema Klimaanpassung zunehmend haushaltspolitische Relevanz gewinnt.
Nationaler Hitzeschutzplan: 300 Maßnahmen und offene Fragen
Im ARD-Sommerinterview vom 30. August 2026 sprach der Bundeskanzler laut der Drucksache von „über 300 verschiedenen Maßnahmen“ im Bereich Hitzeschutz. Die Fraktion fordert eine vollständige, durchnummerierte Auflistung aller Maßnahmen inklusive des jeweils federführenden Bundesressorts. Falls die Bundesregierung diese Liste nicht vorlegen kann, soll sie erläutern, was mit dieser Aussage gemeint war.
Darüber hinaus fragen die Grünen nach dem konkreten Stand der Erarbeitung des angekündigten nationalen Hitzeschutzplans: Wann soll er dem Kabinett vorgelegt werden, welche Haushaltsmittel sind vorgesehen, und wie soll eine mögliche Aufnahme der Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern ins Grundgesetz ausgestaltet werden? Auch die Vorbereitung auf einen möglichen Hitzesommer 2027 und die Schlussfolgerungen aus 2026 sind Gegenstand der Anfrage. Der aktuelle Umgang mit Rechtslücken im Umweltbereich zeigt exemplarisch, wie regulatorische Lücken Klimaschutzmaßnahmen bremsen können.
Infrastruktur, Wald und Wasserversorgung
Die Anfrage umfasst auch Fragen zum Investitionsbedarf für hitzeresiliente Infrastruktur bis 2035, zur Schadensbestimmung am deutschen Waldbestand durch den Extremsommer 2026, zu Waldbränden sowie zu den Auswirkungen geplanter Wasserentnahmen zur Flutung der Tagebaue Hambach und Garzweiler auf die Schiffbarkeit des Rheins in Niedrigwasserperioden. Straßenbäume in Städten, hitzebedingte Stromausfälle und Produktionsdrosselungen in der Industrie wegen fehlenden Kühlwassers runden den breiten Fragenkatalog ab.
Direkt betroffen sind vulnerable Personengruppen wie ältere Menschen, Pflegebedürftige, chronisch Kranke, Schwangere und Obdachlose. Darüber hinaus sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Freien, Eltern durch Hitzefrei-Regelungen in Schulen und Kitas sowie Betriebe in der Landwirtschaft, Binnenschifffahrt und Industrie betroffen. Auch Kommunen, die Infrastrukturschäden an Straßen, Gleisen und Brücken verzeichnen, stehen im Fokus der Anfrage.
Die Kleine Anfrage ist am 8. September 2026 beim Deutschen Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung hat die Anfrage zur Beantwortung erhalten; die schriftliche Antwort steht noch aus. Gemäß § 104 GO-BT ist grundsätzlich eine Beantwortung innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vorgesehen.
- Hitzeaktionsplan
- Ein kommunales oder regionales Maßnahmenpaket zum Schutz der Bevölkerung vor den Gesundheitsfolgen von Hitzewellen, etwa Warnsysteme, Kühlräume und Beratungsangebote.
- Klimaanpassungsstrategie
- Ein politisches Planungsdokument, das Maßnahmen zur Anpassung von Infrastruktur, Wirtschaft und Gesellschaft an die Folgen des Klimawandels festlegt.
- Gemeinschaftsaufgabe
- Eine im Grundgesetz verankerte Aufgabe, bei der Bund und Länder gemeinsam planen und finanzieren — die Anfrage fragt, ob Klimaanpassung als solche aufgenommen werden soll.
Was kostet der Hitzesommer 2026 Deutschland?
Laut einer in der Drucksache zitierten Greenpeace-Analyse belaufen sich die volkswirtschaftlichen Schäden auf 36 bis 42 Milliarden Euro.
Gibt es einen nationalen Hitzeschutzplan?
Laut der Anfrage hat die Bundesregierung einen solchen Plan angekündigt, er liegt aber noch nicht vor. Die Grünen fragen konkret nach dem Bearbeitungsstand und der Finanzierung.
Welche Gruppen sind besonders durch Hitze gefährdet?
Laut Drucksache sind vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke, Pflegebedürftige, Obdachlose, Schwangere, Säuglinge und Außenarbeiter besonders gefährdet.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7915 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































