- Gasspeicher am 26. August 2026 mit nur 126,8 TWh gefüllt — 45,2 TWh unter Vorjahr
- Gasimporte kosten im ersten Halbjahr 2026 rund 15 Mrd. Euro — 400 Mio. mehr als 2025
- Strategische Gasreserve geplant, frühester Aufbau ab Speicherjahr 2027/2028
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7879 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Gasspeicher in Deutschland waren bereits zum Ende der Heizperiode 2025/2026 deutlich geringer gefüllt als in vorherigen Jahren. Gleichzeitig führt der Krieg im Iran und die Sperrung der Straße von Hormus zu Preisvolatilität auf den globalen Gasmärkten. Die EU bezog vor der Blockade lediglich 3,8 Prozent ihrer Gasimporte aus der Golfregion; diese Mengen konnten laut Bundesregierung ersetzt werden. Verstärkend wirkt eine erhöhte saisonale Nachfrage aus Asien, die LNG-Lieferungen nach Europa beeinflusst. Die EU hat zudem mit der Verordnung (EU) 2026/261 vom 26. Januar 2026 die rechtliche Grundlage für die Einstellung russischer Erdgasimporte geschaffen.
- 126,8 TWh — Füllstand der deutschen Gasspeicher am 26. August 2026; 45,2 TWh oder 17,7 Prozent unter dem Vorjahreswert.
- 15 Mrd. Euro — Ausgaben für deutsche Erdgasimporte (gasförmig und verflüssigt) im ersten Halbjahr 2026 laut Außenhandelsstatistik.
- 72 TWh — Menge, die Marktakteure seit Beginn des Iran-Konflikts eingespeichert haben.
- 3,8 % — Anteil der EU-Gasimporte aus der Golfregion vor der Blockade der Straße von Hormus; diese Mengen konnten ersetzt werden.
- 2027/2028 — Frühestmöglicher gestufter Aufbau der geplanten strategischen Gasreserve laut Bundesregierung.
Im Detail
Im Vergleich zum Vorjahr ist der aktuelle Füllstand (Stand: 26. August 2026) mit 126,8 Terawattstunden (TWh) um 45,2 TWh oder 17,7 Prozent geringer.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7879, Frage 1
Die deutschen Gasspeicher sind im Sommer 2026 so wenig gefüllt wie seit Jahren nicht: Am 26. August 2026 lagen die Füllstände bei 126,8 Terawattstunden (TWh) — 45,2 TWh oder 17,7 Prozent unter dem Vorjahresstand. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor (BT-Drs. 21/7879, übermittelt am 3. September 2026). Die Gasimporte kosteten die deutsche Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2026 bereits 15 Mrd. Euro — rund 400 Mio. Euro mehr als im gleichen Zeitraum 2025.
Gasspeicher-Füllstand: Ursachen der Lücke
Hinter der deutlichen Füllstandslücke stehen zwei Hauptfaktoren: Zum einen endete die Heizperiode 2025/2026 mit ungewöhnlich niedrigen Restbeständen. Zum anderen beeinflusst der Krieg im Iran und die Sperrung der Straße von Hormus die globalen Gasmärkte erheblich. Die Gaspreise sind volatil, und eine erhöhte saisonale Nachfrage aus Asien lenkt LNG-Lieferungen aus Europa weg. Seit Beginn des Iran-Konflikts haben Marktakteure rund 72 TWh eingespeichert — dennoch verläuft die Befüllung langsamer als in den Vorjahren.
Rund ein Viertel der deutschen Speicher hat sein Füllstandsziel bereits übertroffen. Bei bestimmten Porenspeichern ist das Erreichen der Vorgabe bis zum 1. November 2026 technisch nicht mehr möglich. Konkret betroffen sind die bayerischen Anlagen Wolfersberg (derzeit 1,11 Prozent Füllstand bei 4,09 TWh Kapazität), Breitbrunn (10,48 Prozent) und Inzenham-West (12,11 Prozent). Zum Vergleich: Im August 2024 lagen dieselben Speicher zwischen 94 und 98 Prozent. Die Kavernenspeicher können ihre Vorgaben hingegen noch erreichen, da sie deutlich schneller befüllt werden können.
Gasversorgungssicherheit: Was gilt aktuell?
Die Bundesregierung sieht nach aktuellem Erkenntnisstand keine Gasmangellage für den Winter 2026/2027. Sie verweist darauf, dass die Wintervorsorge grundsätzlich Aufgabe der Gashändler ist, die sich über Pipelineimporte, LNG und Speichermengen absichern. Für die Versorgung Süddeutschlands ist laut Regierung auch in diesem Winter von einer ausreichenden Befüllung auszugehen. Für den Fall einer Versorgungskrise stehen Instrumente wie die Bundeslastverteilung und das Gasspeichergesetz zur Verfügung. Es gibt derzeit keine Pläne, die Füllstandsvorgaben zu ändern.
Die europäischen Nachbarn stehen unterschiedlich da: Polen hat seine Speicher zu 90,99 Prozent gefüllt, Italien zu 81,97 Prozent. Die Niederlande liegen mit 44,98 Prozent deutlich niedriger — knapp unter dem deutschen Niveau (Quelle: AGSI, Stand 26. August 2026).
Gasimporte: 400 Mio. Euro Mehrkosten durch Preisanstieg
Die Ausgaben für deutsche Erdgasimporte — sowohl gasförmig als auch verflüssigt — lagen im ersten Halbjahr 2026 laut Außenhandelsstatistik bei 15 Mrd. Euro. Bei Preisen wie im Vorjahreszeitraum wären es 14,6 Mrd. Euro gewesen. Den genauen Anteil der Hormus-Blockade am Preisanstieg kann die Bundesregierung wegen der Komplexität globaler Gasmärkte nicht beziffern. Wie sich diese Mehrkosten auf die Gaspreise für Haushalte auswirken, dazu liegen der Bundesregierung nach eigenen Angaben keine gesicherten Erkenntnisse vor — der Endpreis hänge unter anderem vom Zeitpunkt des Vertragsabschlusses und der Beschaffungsstrategie des jeweiligen Lieferanten ab.
Strategische Gasreserve: Entscheidung steht noch aus
Die von Bundesministerin Katherina Reiche angekündigte strategische Gasreserve ist noch nicht beschlossen. Die Abstimmungen innerhalb der Bundesregierung sind laut Drucksache 21/7879 noch nicht abgeschlossen. Als Option prüft die Regierung einen gestuften Aufbau ab dem Speicherjahr 2027/2028. Die Gasreserve ist dabei ausdrücklich kein Instrument für die aktuelle Wintervorsorge, sondern ein langfristiges Mittel zur Krisenresilienz. Zur geplanten Gasumlage und deren Höhe konnte die Regierung noch keine konkreten Angaben machen.
Parallel laufen bei der Bundesnetzagentur zwei Verfahren nach § 35j des Energiewirtschaftsgesetzes (Az. BK7-25-01-007 und BK7-25-01-013), in denen die Bedeutung der zur Stilllegung beantragten Gasspeicher für die Versorgungssicherheit geprüft wird. Entscheidungen werden im Herbst 2026 erwartet. Hinsichtlich der Reduktion des Gasverbrauchs setzt die Bundesregierung auf das Gebäudemodernisierungsgesetz sowie auf bestehende Programme zur Förderung erneuerbarer Energien und Energieeffizienz. Obligatorische Energiesparappelle oder neue Gesetze zur Gasverbrauchsreduktion plant sie derzeit nicht.
Einen vertieften Blick auf die Entwicklung staatlicher Förderprogramme im Energiebereich bietet der Beitrag zu Games-Förderung und offener Erfolgskontrolle. Zum Thema technologischer Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands lohnt sich auch der Artikel über den Supercomputer JUPITER im internationalen Vergleich.
Weiterlesen:
- Mikroelektronik: Schnellere Genehmigungen per Gesetz gefordert
- Bundestag 11.09.2026: Die wichtigsten Drucksachen
Unmittelbar betroffen sind alle Haushalte und Unternehmen, die mit Erdgas heizen oder produzieren — rund die Hälfte aller deutschen Wohnungen wird mit Gas beheizt. Besonders kritisch ist die Lage in Süddeutschland: Drei bayerische Speicher (Wolfersberg, Breitbrunn, Inzenham-West) werden ihre Füllstandsvorgaben bis zur Heizperiode nicht erreichen. Darüber hinaus sind Stadtwerke, Industrie und Gashändler als Marktteilnehmer von den gestiegenen Beschaffungskosten betroffen.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen substantiell mit konkreten Zahlen. Zu den Kosten für Haushalte (Frage 21) verweist sie auf fehlende Erkenntnisse; zur Gasreserve und deren Finanzierung (Fragen 10 und 11) teilt sie mit, die Abstimmung sei noch nicht abgeschlossen — dies stellt eine teilweise Verweigerung konkreter Angaben dar.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Gasspeicher 2026: Füllstände unter Rekordtief seit 2018 →
- LNG (Liquefied Natural Gas)
- Verflüssigtes Erdgas, das per Tanker transportiert wird. LNG ermöglicht Gasimporte unabhängig von Pipelines und gewinnt seit dem Wegfall russischer Pipelinelieferungen an Bedeutung.
- Sommer-Winter-Spread
- Preisdifferenz zwischen günstigem Sommergas (Einspeicherphase) und teurem Wintergas (Entnahme). Ein positiver Spread setzt den Anreiz für Händler, Gas im Sommer einzuspeichern.
- Porenspeicher
- Unterirdische Gasspeicher in natürlichen Gesteinsformationen (z. B. ehemalige Erdgasfelder). Sie lassen sich nur langsam befüllen, im Gegensatz zu Kavernenspeichern in Salzstöcken.
Wie voll sind die deutschen Gasspeicher im Sommer 2026?
Stand 26. August 2026 sind die deutschen Gasspeicher mit 126,8 TWh gefüllt — 45,2 TWh oder 17,7 Prozent weniger als im Vorjahr.
Droht Deutschland im Winter 2026/2027 eine Gasmangellage?
Laut Bundesregierung besteht nach aktuellem Erkenntnisstand kein Anlass, eine Gasmangellage zu erwarten. Die Versorgung erfolge marktlich durch Pipelineimporte, LNG und Speichermengen.
Was kostet die Sperrung der Straße von Hormus Deutschland?
Im ersten Halbjahr 2026 lagen die deutschen Gasimportkosten bei 15 Mrd. Euro — rund 400 Mio. Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Ein genauer Anteil der Hormus-Blockade lässt sich laut Regierung nicht beziffern.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7879 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































