- Schaumweinsteuer soll ab 2027 um 20 Prozent steigen
- Branche bereits in schwerer Krise, Absatz seit 2000 rückläufig
- Kleine Hersteller besonders stark von Steuererhöhung betroffen
Wirtschaftliche Folgen der geplanten Schaumweinsteuererhöhung
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat im September 2026 die wirtschaftlichen Auswirkungen der geplanten Erhöhung der Schaumweinsteuer analysiert. Die Bundesregierung plant, die Steuer zum 1. Januar 2027 im Rahmen des Haushaltsbegleitgesetzes 2027 um 20 Prozent anzuheben. Betroffen sind alle Schaumweine mit einem Kohlensäuredruck von mindestens drei Bar und mehr als sechs Volumenprozent Alkohol – darunter Sekt, Champagner und Prosecco.
Branche unter Druck
Die Analyse stellt fest, dass sich die deutsche Weinwirtschaft nach Angaben des Deutschen Weinbauverbands bereits in einer der schwersten wirtschaftlichen Krisen der vergangenen Jahrzehnte befindet. Der Schaumweinabsatz in Deutschland ist seit dem Jahr 2000 sukzessive gesunken. Der Pro-Kopf-Konsum ging zwischen 2014 und 2024 um rund 19,5 Prozent zurück – von durchschnittlich 46 auf 36 Gläser pro Person ab 16 Jahren jährlich. Trotz dieses Rückgangs gilt der globale Schaumweinmarkt als vergleichsweise widerstandsfähig; sein weltweites Marktvolumen wurde für 2025 auf rund 54,7 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Mittelständische Hersteller besonders gefährdet
Die Zahl der Unternehmen, die Schaumwein produzieren, ist von 1.084 im Jahr 2021 auf 902 im Jahr 2025 gesunken. Besonders deutlich war der Rückgang bei kleinen Betrieben mit einem Jahresabsatz von bis zu 10.000 Litern: Ihre Zahl sank von 850 auf 695. Die Zahl der fünf größten Unternehmen blieb hingegen unverändert. Der Wissenschaftliche Dienst weist darauf hin, dass Compliance-Kosten und Besteuerung kleinere Hersteller unverhältnismäßig stark belasten.
Preiseffekte und Nachfrageverhalten
Für eine 0,75-Liter-Flasche Sekt würde die Steuer von derzeit 1,02 Euro auf rund 1,22 Euro steigen. Einschließlich Mehrwertsteuer entspricht das einem Preisaufschlag von etwa 24 Cent pro Flasche. Da die Steuer als fixer Betrag pro Volumeneinheit erhoben wird, trifft sie das niedrigpreisige Segment relativ stärker als hochpreisige Produkte. Branchenverbände gehen davon aus, dass die Steuererhöhung zu Konsumveränderungen führen und die erwarteten Mehreinnahmen deutlich geringer ausfallen werden als von der Bundesregierung angenommen.
Auswirkungen auf Gastronomie und Weintourismus
Laut den im Dokument zitierten Branchenverbänden sind neben den Herstellern auch Gastronomie und Mittelstand massiv betroffen. Bars, Kneipen und Clubs, die bereits unter steigenden Kosten leiden, könnten Umsatzeinbußen verzeichnen. Die IHK Wiesbaden warnt zudem vor negativen Folgen für den Weintourismus im Rheingau, wo zahlreiche Arbeitsplätze direkt oder indirekt von Weinbau und Weintourismus abhängen. Eine Studie der Hochschule Geisenheim beziffert den Jahresumsatz durch Weintourismus in deutschen Weinregionen auf insgesamt rund 9,4 Milliarden Euro.
Der Wissenschaftliche Dienst betont, dass für Deutschland keine Studie vorliegt, die die Gesamtwirkung der Schaumweinsteuererhöhung auf Hersteller, Handel, Gastronomie und regionale Wertschöpfung belastbar quantifiziert. Die tatsächliche Größe der Effekte hängt wesentlich von Preiselastizität, Steuerweitergabe und Substitutionsverhalten der Verbraucher ab.






























































